Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 38 (23.9.1927)
- Date
- 1927-09-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr; 38 JÜDISCHE PRESSE Seite 235 So aber — in New-York sind viele :Gassen und an einer jeden Gassenecke ist eine (meistens kleine) Synazöge zu finden. Tausende und tausende Kongregationen gibt es in Ncw-York, kleine wie große, arme wie reiche, manche haben nicht mehr, als 200 Mitglieder, aber auch die größten zählen nicht mehr als 1500 ״Members“ und was die Hauptsache ist: diese Gemeinden sind vonein־ ander ganz unabhängig, abgesondert, abgeschnitten, haben nicht die kleinste Fühlung miteinander, oft weiß man in der einen Synagoge nicht einmal, wer der Rabbiner in der nächsten, vielleicht 20 Schritte weit liegenden. Synagoge ist — und dies ist die!Lage auch in den übrigen Städten. Einer gelösten Garbe ähnlich zerfällt in tausend Stücke die nordamerikanische Judenheit, ihr Riesenkörper liegt kraftlos und ohnmächtig da. Ein anderer Umstand aber macht die Lage geradezu katastrophal. Ebenso, wie die Union kennt keine Konfessionen, so kennt sie auch keinen 1Religionsunterricht. Die Schulpflicht währt acht Jahre, in den Schulen aber wird Religion nicht unterrichtet. Auch jene wöchentlichen zwei Stunden, die in Europa sogar in den ״meist fortgeschritten uen Ländern“ obligatorisch sind, sind da nicht ■vorgeschrieben. Es ist wahr, Talmud-Tliora-Anstalten sind dort in großer Zahl zu finden. Kann aber der Unterricht erfolgreich sein, wenn das Kind nach dem täglichen Schulunterricht erschöpft In der Talmud-Thora ankommt? Und kann der Melamed mit!Erfolg unterrichten, der keine Macht über die Kinder besitzt, seine Klassifikationen sind ja wertlos in den Schüleraugen und strafen die Kinder darf man nicht, sonst kommen sie nicht mehr. Aus diesen Gründen erzählt uns die Statistik furchtbare Dinge über die Zukunft der amerikanischen Judenheit: die überwiegende!Majorität der Kinder besucht überhaupt keine Talmud-Tbora-Schule, Generationen wachsen auf ohne die Buchstaben des Alef-Bes je gesehen zu;haben. Auch jene, die mit schwerer Mühe das ׳Beten doch erlernten (meistens kurz vor der Barmizwoh), vergessen bald alles. All der Jammer, worüber die Propheten wehklagen, belebt sich hier vor nnsern Augen. Statt eines blühenden Weingartens verwandelte sich das amerikanische Judentum zu einer Wüstenei. Die Quellen der Thora versiegen. Die Gegenwart ist öde •und die Zukunft ist ׳hoffnungslos. •. Mit!verschiedenen Arzneien versuchte man schon den Schwerkranken zu heilen. Die erste war: die Reform. Die Entwicklungsgeschichte des amerikanischen Judentums •bildet nämlich einen ■geraden!Gegensatz zu der des europäischen Israels. Bei uns stand der Glaube Jahrtausende hindurch ■auf dem ehernen!Fundamente der Traditionen!und nur das letzte Jahrhundert brachte die bitteren Reformfruchte hervor. Drüben geschah dies umgekehrt. Die ersten Emigranten sind deutschländische Juden. Die ersten Rabbiner sind Mendelssohns Schüler. Sie begannen es ■mit der Reform. Mit einer radikalen und verwegenen Reform. Sie besteht auf dem folgenden: G-ttesdienst — am Sonntag. Ohne Kopfbedeckung. Ausschließlich englisch. Männer und Frauen sitzen gemischt nebeneinander (am heiligen Schabos ist die Synagoge gesperrt). Der G-ttesdienst beginnt!mit einigen englischen Psalmen, darauf ■folgt die Predigt des bloßköpfigen ,;Rabbi“ — dann noch ein Gesang — und das ״!Beten“ ist beendigt. ■Chazonim haben sie nicht. Thora-Vorlesen ist bei ihnen unbekannt.*) *) Ein geistreiches Bonmot ist mir bekannt.• Zwei Juden gehen Samstag an einer!Reform-Synagoge vorbei. Der eine fragt: ״Weißt du. daß Dr. J., Rabbiner dieser Synagoge, ein sehr frommer Mann ist?“ ״Warum?“ fragt der andere ganz verblüfft. ״Siehst’s nicht? Er hält am Schabos sein Geschäft gesperrt.“ Dagegen haben sie ein ״Center“. Was das Center ist? Ein Flügel des Synagogegebäudes. Es besteht aus einem Lesesaal für die Tempelmitglieder, aus mehreren Sitzungs- und Vorlesungssälen für die Mitglieder und die Jugend und endlich aus einem Schwimmbad, aus Turn- und Tanzsälen für Jünglinge und!Mädchen. Soweit hat es die Reform in den Vereinigten Staaten gebracht. Und wie stolz verkünden ihre Organe ihre Berechtigtheit und Notwendigkeit. Sie sagen: Samstag haben sie keine Zeit, in den Tempel zu gehen, warum sollen sie nicht Sonntag gehen? Hebräisch lesen können sie nicht, warum dann nicht englisch beten und das ״Center“ — ach! das ist ihr Augapfel. Das ״Center“ — sagen sie — hat eine riesige Mission. Die Jugend will in den Tempel nicht gehen, um dort zu beten, soll sie hingehen wenigstens zu lesen. Sitzungen zu halten, zu schwimmen und zu tanzen. Jünglinge und Mädchen sollen dort Zusammenkommen, sollen einander kennen lernen und heiraten, so. werden sie vor Mischchen behütet. Kommentare sind überflüssig. Traurig ist es nur, daß eben die reichsten und machtigsten Gemeinden an der Basis dieses Reform genannten religiösen Selbstmordes stehen. Eine andere Gruppe der KultusgemeLnden ist konservativ. Sie — die Armen! — nennen sich und halten sich für konservativ im Gegensatz zu den Reformern. In Wirk- Jichkeit aber sind sie Abbilder der europäischen Neologen. Ihre Liturgie ist hebräisch. Sie haben auch Chazo- 111m, aber Frauengalerien haben sie nicht. Auch in den ״konservativen“ Synagogen sitzen Männer und Frauen im Parterre entweder gemischt nebeneinander oder in separaten Bankreihen. Endlich in den letzten Jahrzehnten sind auch orthodoxe Gemeinden in großer Zahl entstanden. Sie halten fest an dem Schulchan Aruch. An Schabos sind ihre Synagogen voll. Aber nur mit älteren Leuten. Ihre Kinder suchen wir vergeblich in der ״Schul“. Sie -.wurden schon •vom Strom fortgerissen. Entweder gehören sie überhaupt keiner Gemeinde an, oder schlossen sie sich den Reformern, bestenfalls den Konservativen an. Und da wirft sich die traurige Frage auf, kann das Judentum ■noch irgend welche Hoffnung haben auf diesen öden Küsten? Denn es‘gibt nur einerlei Judentum: •und zwar traditionelles Judentum, so wie es auf dem •Sinai in G-ttes Feuerworten erschienen ist, so wie es durch die g-ttliche Halacha im Talmud formuliert wird, so wie es aus Maimunis und anderer Großen tausenden Werken hervorleuchtet. Nur jener;ist ein Jude, der •aus den sich durch Jahrtausende wälzenden und sich immer mehr anschwellenden Gewässern der Thora!getrunken hat. Auf Turnen •und Schwimmen basiert das Judentum nicht. Und für das traditionelle Judentum ist •das (Himmelsgewölbe tief verfinstert in den Vereinigten Staaten.!Aber seit einigen Jahren beginnt es ■zu dämmern. In Chicago haben Rabbi Saul Silber und Rabbi Morris Fischer die erste amerikanische Jeschiwo, den ,jBes-Uamidras Lrabonim“. begründet, welche!zwar noch weit hinter ihren europäischen Schwesterinstituten zurückbleibt, die aber heute dennoch über 30n .Jünglinge im Schoße der Tihora und Jiro erzieht. Neben dieser Jeschiwa besitzt •die Orthodoxie noch einen Aktivposten in den Vereinigten Staaten. Dieser Aktivposten heißt Rabbi L. J 0 u n g. Es geschah vor fünf Jahren, daß die Hung. Orth. Cangr. zu Cleveland ihn, ■den Sohn des R. L. Jung זצ״ל!gew. Oberrabbiners der Londoner orthodoxen Kultusgemeinen, zu ihrem Rabbiner wählte. כשר KUNEROL Verbürgt reines Fett aus Kokosnüssen. Die Kokosnüsse werden bei der Kunerolwerke A. G., Wien- Atzgersdorf, gepreßt und die Erzeugung steht bis zur Verpackung des fertigen Fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zuMattersburg. Kunerol kann daher von jedem Streng» gläubigen ohne Bedenken zur Zuberei» tung der Speisen verwendet werden. Der junge R. 1L. Joung erregte schon mit seiner Erscheinung Aufsehen. Der!geborene Engländer, der in einer klassischen Sprache das klassische Judentum, die unverfälschte Orthodoxie, verkündet. Nach einem Jahre treffen wir ihn schon in New York an der Spitze einer vornehmen orthodoxen Gemeinde.!Hier entwickeln sich' die Konturen seiner Tätigkeit. Man spricht!von einem neuen1 Wunder השיב לב אמת מים der Eltern Herzen kehren zu ihren Kindern, Kinder zwingen׳ die Eltern, Kasrus einzuführen, Schabos zu halten. Diese Kinder sind Rabbi 1L. Joungs Zöglinge.!Er ergriff das Problem an dem brennenidsten!Punkt: bei der Kindererziehuug. .t Seine Synagoge ist mit einer Schule verbunden. Sie ist ein staatlich anerkanntes Institut, weil lehrpianmäßig dort auch Profanes unterrichtet wird. Ihre 'Lehr-, kräfte sind יראים und der Anfang und Ende. Fundament' ׳und Vollendung des Unterrichtes ist: Touro und Jiro. Der Schüler verläßt die Schule voll mit unverbrüchlicher Treue zu den ewigen Wahrheiten der Orthodoxie und •mit tiefem Verständnis für sie. Diese Zöglingsschar' ist •die Botr schafterin einer besseren Zukunft. Er kämpft aber nicht nur mit der Macht des Wortes, sondern auch mit der Waffe der Feder. Er gründete eine Wochenschrift: das ״Jidisch Licht“, ״Jewish Light“, welche in!jidischer und englischer Sprache das erste mächtige Sprachrohr der Orthodoxie von drüben ist;; Außerdem gibt er eine Bücherserie •unter ■dem Titel ״Jewish Library“, ״Jüdische Bibliothek“, heraus. Dies sind •kleine •und billige Hefte, die ersten auf diesem Gebiet, ׳in welchen jüdisches Wissen popularisiert wird. Wir erwähnen den Titel einiger Nummern: ״Die jüdische Ehe“ (Rabbi Unna), ״Der Tierschutz im Judentum“ (!Rabbi J. ׳Horovitz), ״Die!jüdischen Gebete“ ■usw. Die Bedeutung dieser literarischen Arbeit wollen wir!in einem separaten Artikel würdigen. Der ״Maharil“. (Rabbi Jakob ben Moses Mtilin Halevi.) Von Rabbiner Dr. Bondi in Mainz, (Schluß.) Eine Reihe von Gelehrten nennt Maharil selbst in seinen Teschuboth und sein Schüler in seinen Aufzeichnungen als seine Lehrer, darunter seinen ältesten Bruder Salman, dann seinen 1Hauptlehrer, an dessen Jeschiba er lange weilte, Rabbi Schalom von Wiener-Neustadt. Die Erwähnung von Neustadt und überhaupt Oesterreichs als Sitz des Thorastudiums erinnert an die Fügung, die uns in unserer Geschichte wiederholt begegnet, daß in schlimmen Zeiten, da den •alten Sitzen •der Gelehrsamkeit Vernichtung •drohte, die Heilung dem Schlage voranging, indem eine Zeit vor Eintritt der Katastrophe in anderen, geschiitzteren Ländern neue Lehrhäuser entstanden. Siebzig Jahre ungefähr vor der Zeit des schwarzen Todes, der erwähnten נזר ת ק ״ט» kam Rabbi Jizchok ben Mosche, der Verfasser des Or Serua, der während seines Wirkens in Würzburg •der Lehrer des R. Meier von Rothenburg geworden war, nach Wien, um hier und im weiteren Oesterreich bedeutende Lehrhäuser neu erstehen zu lassen. In der Folge sehen wir Schüler aus den Rheinlanden und den Gegenden des heutigen Bayern nach der Ostmark wandern, um dort die Wasser der Thora zu schöpfen. So zieht Maharil von seiner rheinischen Heimat bis nach Wiener- Neustadt, um zu Füßen des dortigen Rabbiners R. Schalom und seiner Genossen zu sitzen. R. Schalom *von Neustadt ist der hochverehrte 'Meister, dem er nachstrebt, dessen Namen er im Munde führt und an dessen Bet Din er sich, wie seine Teschuboth zeigen, noch wendet, als er selbst sich schon allgemeiner Anerkennung erfreute, um in schwierigen Fragen Auskunft zu erhalten. Rabbi Schalom wird im •Buche Salman St. Goars sehr häufig genannt, an dessen Schluß sich eine besondere Sammlung von Aussprächen dieser Autorität findet. Das fesselnd •geschriebene ספר מהרי־ל hat uns, wje wir es in wenig anderen Werken finden, getreulich die Erinnerung an die Lebensführung des Meisters erhalten. Nichts erscheint dem Berichterstatter zu geringfügig, um darauf zu achten lind es zu melden. Dieser Aufmerksamkeit für alles verdanken wir in der Literatur die kulturhistorisch interessante, vielleicht erste Erwähnung eines Taschentuches zu dem uns gewohnten Gebrauch. Maharil bewahrte in einem Spalt der Mauer neben seinem Synagogensitze einen Leinentuch, dessen er sich bediente, wenn er sich während des Gebetes die Nase zu putzen hatte. Da ein maßgebender Dezisor den Ausfluß der Nase auch zu den Dingen rechnet, die man während des Betens nicht berühren dürfe, machte er die damals noch in allen Kreisen übliche primitive Gewohnheit nicht mit und bediente sich damals schon nach der Weise späterer, feiner empfindenden Zeiten des Taschentuches. Gelegentlich werden nebenbei eine Reihe anderer Dinge von allgemeinem Interesse erwähnt. Wir denken an den Beitrag zu unserer Kenntnis der Topographie des mittelalterlichen ׳Mainz. Wenn man in Mainz am Freitag abends auf einem Schiffe nach Beginn des Sabbats von außerhalb der Sabbatgrenze, ׳תחום ankam, brauchte man nicht den Sabbat über auf dem Schiff zu verweilen. Man durfte auch ohne!Zwang von seiten der Schiffer sogleich aussteigen, weil die Landungsstelle innerhalb der Stadtmauern lag. Die Ausläufer derselben, der obere Zol'lturm und der untere grüne Turm, waren nämlich ־weit in. den Strom hinausgebaut. Ungefähr zehn Monate vor ihrem großen Gatten, im Marcheschwan 5187, starb die zweite Frau des Meisters, Gimchen, Tochter 1R. Abrahams. Das Mitfühlen mit dem geliebten Lehrer hindert St. Goar nicht, genau zu beobachten, wie derselbe sich bei der Beerdigung benommen hat. Wir verdanken dem eine Schilderung, aus der man vieles Interessante erfährt und manches lernen kann. Einige Forscher glauben, Gimchen sei in Worms gestorben, doch dann hätte der Berichterstatter sicher nicht verfehlt, darauf aufmerksam zu machen. Wir haben aber auch einen direkten Beweis, daß die Beerdigung nicht in Worms stattfand. Im Namen des אבי אסף (Rabijah) wird erzählt, daß man nicht nur bei einem Trauergeleite, sondern auch zum Verfertigen des Sarges sich vom Thorastudium stören solle. Maharil ist es auffallend, daß die Entscheidung sich bei keinem anderen Dezisor findet, und erklärt es damit, daß in den meisten Orten der Sarg erst auf dem Friedhof angefertigt würde. In Worms jedoch geschehe dies in der Stadt. Es wird nun berichtet, daß bei dem Leichenbegängnis seiner Frau Gimchen Maharil Sohn und Tochter trauernd bei der Leiche in einem Zimmer des Friedhofhauses gelassen habe, während er selbst in einen anderen Raum gegangen sei, um dort die Anfertigung des Sarges •nach seinen Wünschen zu überwachen. Die Gattin . des Maharil ist demnach nicht in Worms gestorben. Zwischen Marcheschwan und Nissan 5187 verlegte Maharil seinen Wohnsitz nach Worms. Daß die Uebersiedlung für die Dauer war (נסע לקביע דירתו לוורמיישא) wird notiert, da wo erzählt werden soll, daß der große Rabbi vor seinem Wegzug den Vorstehern in Mainz ans Herz gelegt habe, dafür zu sorgen, daß irgend jemarid, so wie er es bisher getan, an jedem Freitag einen besonderen Eruw in seinem Hause lege, oder daß sie. mindestens an jedem Freitag naöhsehen müßten, ob die Mazzo des Eruw in der Synagoge nicht verdorben oder verloren sei. Den Grund der Uebersiedlung nach Worms kennen wir nicht. Möglich, daß die Veranlassung in den Unruhen •liegt, die damals ln Mainz durch den erbitterten Streit zwischen Patriziern und Zünften herrschten. Manches weist darauf hin, daß Maharil schon früher das Rabbinat von Worms mitverwaltete oder mindestens eine Art Oberrabbinat auch über diese alte Gemeinde hatte. Wir finden ihn auch während seiner Mainzer Zeit über Sabbat in Worms und dort lokale Anfragen beantworten. Am Sabbat vor Pessach 5187 war Maharil nach Worms übersiedelt. Ein Teil der Predigt, die er an diesem Sabbat hagodaul in Worms hielt, wird uns mitgeteilt. Nicht lange jedoch sollte Maharil sein Rabbinat von Worms aus leiten. Auf dem altheiligen Friedhof in Worms verkündet heute noch sein Grabstein den 22. Elul 5187 als sein Sterbedatum. Der Stein steht allein, vier Ellen von anderen Gräbern entfernt in der Richtung voii Nord nach Süd. Eine Reihe späterer großer Rabbiner, von Worms haben rings um das Grab des durch sein Wissen und seine Frömmigkeit unvergessenen Großen ihre Grabstätte gefunden. Der!Einfluß Maharils erstreckte sich schon bei seinem Leben auf weit entfernt liegende Gemeinden Deutschlands, die gerne seinen Anordnungen folgten. Die alten jüdischen Historiker, zuerst R. Josef Hakohen im עמלן הבכה! berichten uns von Fasttagen, die!Maharil für Ende Tischri oder Anfang Marcheschwan 5180 während der!Hussitenkriege wegen der großen Gefahren, in welchen die Juden damals schwebten, für die deutschen Gemeinden bestimmte. Durch den unerwarteten Sieg der Hussiten wurde viel Schlimmes abgewendet.!Es bleibt nachzutragen, daß Maharil auch als Vorbeter sehr geschickt war. In Mainz pflegte er am Neujahrstage, am Versöhnungstag und später auch auf Drängen der Gemeinde beim Regengebet am Sahmini Azereth ״Bote der ,Gemeinde“ zu sein. Ein schönes Lied zum Eingang das Sabbat, das uns der Verfasser des vor einiger Zeit veröffentlichten Leket Joscher aufbewahrt, die von ihm hinterlassene Grabschrift für seine Gattin Gimchen und anderes lassen ihn uns auch als Dichter schätzen. * Viele bedeutende Schüler hat Maharil herangebildet. An deren Spitze sehen wir R. Jakob Weil, der gleich seinem Lehrer einer der größten unter den Zeitgenossen genannt wird. Im Ausland galt Maharil als die spezifisch deutsche Autorität, so zitiert R. Josef Karo im Bet Josef wiederholt Rechtsbescheide von ihm als תשובה אשכמתי ״deutsche Teschuba“. Es ist bedeutungsvoll, daß gerade R. Josef Karo, der in seinem gewaltigen Werk in erster Linie sefardisc'hen Autoritäten folgt, Maharil nur als Deutschen zu kennen scheint. Die praktische Ausführung der Entscheidungen der großen deutschen Lehrer aus der Schule des Or Serua und des R. Meier von Rothenburg spiegelt sich wieder in dem Buche, das R. Salman St. Goar über das Gesetzes•* leben seines ihm vorbildlichen Meisters verfaßt hat. Wer bei leichter Lektüre sich davon überzeugen will, daß Rabbi Moses Isserles von Krakau in seiner ״Mappe“ seinen zum Schulchan Aruch, in der Hauptsache auf Grund der deutschen Tradition und des deutschen Herkommens mit R. Josef Karo polemisiert, der lese das ספר מהרי״ל Er wird dann bald erkennen, daß wenige Männer auf die Nachwelt, auf Führer und Volk, einen ähnlichen Einfluß hatten wie Rabbi Jakob ben Rabbi Moses Mulin Halevi.