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Jüdische Presse · 1927-04-15 · 15-16 (15.4.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
15-16 (15.4.1927)
Date
1927-04-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1 Festnummer / Preis: IS ז:י Zeitungen vom Verleger versendet. I j Journal expääie par l’editeur,;] j V.fcfc ORGAN FÜR DIE INTERESSEN EES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion n. Administration« Wien, II.,Leopolds• gisse 26, 1. Stiege, 1. Stock, — Tel. 45*4-94. Tschechoslowakei t Bratislava, Postlach 140. Brscheint Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreisei Ganzjährig: Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das Qbrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen fflr Oeiterrelch! PostsparkassenamtWien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn; Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217; fflr die Schweiz: Postscheckkonto Zürich VIII. 4117; fflr Deutschland; Postscheckkonto Berlin Nr. 122.619 am Hf, 15-16 - | ־ - ■ ־ ' ■ ' ־■■ . ■' -! . . ... כ״ה וינדד&דעססבורג י׳ג ניסן תר&״ז♦ 1937 15« April 13. Jahrg. ($8962®(534D(5&iGX53GD(5$&)(5$GDS£.< פסח Nahezu vier Jahrtausende sind verflossen, seit Jisroel aus der schweren leiblichen und geistigen Bedrückung Mizraims am ה D Ö befreit wurde, um ,wenige Wochen später am Sinai die höchsten Lehren der reinen G-ttesenkenntnis zu empfangen. Die ganze Welt war in heidnischer Finsternis versunken, als an Jisroel der Ruf erging: ״An diesem!Tage wurdest du ein Volk.“ Die hohe Ethik des Judentums, die zwei Dritteilen der heutigen Welt die Erleuchtung gebracht hat, deren Sittengesetze, soziale Vorschriften (Sabbatruhe für Mensch und Tier, Arbeiter- und Armengesetzgebung) auch heute nach vier Jahrtausenden noch von keiner Gesetzgebung an moralischer Größe erreicht wird, hat uns Juden befähigt, dem Drucke von außen, der seit zwei Jahrtausenden auf uns lastet, zu widerstehen und im Gegensätze zu allen großen Völkern des Altertums, die vom Erjlball verschwunden sind, ,weiter zu bestehen.’Während aber der Kampf gegen die Umwelt ״nur unsere Leibef dem Verderben preisgeben konnte, hat der Kampf gegen unsere inneren Feinde, gegen die assimilatorische Reform und den nur nationalistischen Zionismus, diese Widersacher der gläubigen Judenschaft, in unseren Reihen schwere Opfer gekostet. Gewaltig ist der Verlust, den das gläubige Judentum erlitt und noch erleidet durch das Aufgeben unserer heiligen Religionsübung besonders in den Groß- Städten. Zum Glücke ist in Zentraleuropa und dem Osten noch eine gewaltige Majorität streng religiöser Juden vorhanden, die auch auf den Westen befruchtend wirkt, so daß man heute sogar in bezug auf den Westen von einer beginnenden Renaissance ׳ des religiösen Judentums sprechen kann. Wollen wir thoratreuen Juden in Wien unseren Besitzstand erhalten und diesem beginnenden Erstarken des religiösen Lebens im Westen förderlich sein, müssen wir alles anwenden, unsere Kinder jüdisch zu erziehen, das Thau r 0studiu m, diesen Lebensnerv des Judentums, mit allen Kräften zu verbreiten und jeden Angriff auf unsere religiöse Lebens- I ü h r 11 n g kräftig a b z u w e 11 r e n. Besonderes Augenmerk müssen wir darauf richten, unser Leben so einzurichten, daß ״alle Völker der Erde sehen, daß der Name G-ttes auf dir ruht, und sie dich fürchten“. Diese Arbeit und Lebensführung wird uns würdig machen, die Vollendung des in Aegypten begonnenen Befreiungswerkes durch die גאולה שלמדי , die endgültige Erlösung zu erleben und in Zion wieder das G-ttesreich zu sehen, zum Segen der ganzen Menschheit. W. P. Die nächste Nummer der ״Jüdischen Presse“ erscheint Freitag, den 29. April. Sie wird nur jenen Abonnenten zugeschickt, die ihr Abonnements bis dahin beglichen haben. aus Wir entnehmen diese dem Geist der Haggadah glücklich angepaßte Betrachtung dem soeben im Verlag von Carl Angermayer, Preßburg, erschienenen ausgezeichneten Werke: ספר עוללת ומלילת . A e h r e n undBaure 11, Homiletische Weckrufe an die zeitgenössische Judenheit an der Hand der Feste, Sabbate und gehobenen Momente des jüdisehen Lebens von Dr. Adolf Altmann, Oberrabbiner in Trier, Band I: Feste und Sabbate. Pessach, des Frühlings heiliger Bote, ist eingezogen. Mit neuerwecktem Freiheitsschwung erfüllt er Mensch und Natur. Auferstanden ist Wald und Feld aus Grabeshauch des Winters zu frohem Lenzesdasein wie einst elii junges Volk aus Druck und Leid zu Glück und Sonne. Ueber die Fluren brausen lachend die letzten Frühlingsstürme, ünd wir ziehen uns glückselig zurück an unseren SederfesttiscH, unsere Kinder um uns herum^wie^.die jungen Knospen' * draußen, die um den aiten, knöfHi¥h^Stämh1''sich schließen. Der Odem der Freiheit, der draußen durch die saftvoll frischen Blätter weht, läßt uns auch drinnen in unseren festtäglichen Stuben blättern in dem wundersamen Festbuch, in dem der Gehalt unserer vieltausendjährigen Geschichte seine Verklärung findet, in der alten Haggadah* aus der wir immer wieder mit neuem, jungem Interesse lesen. Es geht uns heute am Pessach wie einmal einem nachdenklichen Poeten, der an einem schönen Frühlingsmorgen im Schatten einer alten Linde lag, deren Blätter und Blüten ein feiner, sanfter Wind bewegte. Der Dichter wollte schlummern, aber er träumte halb wach, halb gedankentrunken von der Geschichte der alten Linde, die dem Sturme und dem ,Wetter in all den vielen Jahren trotzte, an der so viel an Leid und Wonne vorbeigezogen und die dennoch alles überdauerte. Aus dem Singen und Sagen der alten Haggadah, in die wir uns versenken wie in einen schönen Traum, geht uns die Geschichte dieses merkwürdigen und lieben Buches auf und damit die Geiü'r die Dame Modenpalais Julius Krupnik Wien, VII., Kaisersirafje 111-113-115 Telephone 32-4-62, 34-4-29 Anerkannt größtes SpezlQlhans Oesterreichs er Haggadah. schichte unseres Volkes. Wie dem Kindlein in der •Wiege, dem die Mutter ein Lied singt vom überstandenen Leid, von kommenden Dingen der Freude, bald von heißen: Tränen die Aeuglein überfließen, bald vor Wonne das kleine Herzlein im Leibe hüpft, so weinen wir und lauschen, wir, bewegt von den traurigen und heiteren Liedern ,unserer treusorglichen, lieben Pessachhaggadah.- Sind wir denn anders als Kinder in der einlullenden Schaukel des Lebens, Kinder, die des milden, zarten Zuspruches bedürfen, um unser bald bangendes, bald überschäumendes Herze zu beruhigen? Und was vermag uns mehr zu beruhigen und besser zu erbauen, ais ein religiöses Buch und ,dazu noch eines von der Güte und Tiefe unserer Haggadah? Zwar ist sie altmodisch in ihrem Weltbilde,■ und wir sind hochmodern. Manche Befremdlichkeit und Seltsamkeit atmet aus ihr. Um so besser müßten wir uns ihrer freuen. In der Kunst und gerade iti der •modernen, lernen wir ja aucli das Charakteristische!, Eigengeartete,• Sdharfgezeichuete besonders, schätzen. Hinter dem Auffallenden, Besonderen liegt oft Seelenreichtum. Es lädt zum Suchen ein, und. gar manchmal .hat inan schon manchen Schatz hinter •dem befremdend Erscheinenden gefunden. Auch wir können heute, nicht besser die Tagesfcier ehren, als durch eine Suche in der Haggadah nach alten Schätzen der Betrachtung. Schon der Anfang lädt mehrfach dazu ein, aber unser Blick fällt besonders auf das eigenartige Ma nischtänoh, ma nischtanoh halaiioh; haseh, warum ist sp anders diese Nacht als alle anderen Nächte? I. Ma nischtanoh, warum so ,anders? Den zarten Lippen des Kindes entringen sich diese fragenden Worte. Es harret mit Spannung des Augenblickes, sein Fragesprüchlein vorzutragen, und ahnt nicht, welch tief einschneidendes Problem des menschlichen Ringens es berührt. Es hat die Frage mit Fleiß erlernt, der Vater aber, der sie vernimmt, hat sie ,mit Ernst erfahren. Warum so anders? Der treuherzige Blick aus den unschuldsvollen Kindesaugen trifft fragend und erwartend den Blick des erfahrungsreichen Vaters. Das Kind fragt den Vater, der Vater aber fragt sich selbst, fragt schließlich, zum Himmel gewendet: ma nischtanoh, warum so anders? Warum so anders, das ist ja die Frage des Juden überhaupt. Warum so anders als die anderen? Der Jude kann sich nicht freuen, wo andere sich freuen, und nicht traurig sein, wo andere es sind. Warum so anders? Die Pharaonen knechteten ihn, die Babylonier führten ihn mit sich fort, die Syrer raubten ihm 1 die Seelenruhe, die Römer zerstörten ihm sein Heim, die Germanen sperrten ihn in dunkle Gassen, die Romanen hefteten ihm einen gelben Fleck auf das Gewand. Die Mach- Jigen der Staaten bedienten sich seiner und verachteten ihn, und das Volk sah ihn nur scheu von, der Seite an und mißtraute ihm. Warum so anders? Herrscht Krieg, dann muß er bluten, aber es wird ihm nicht angerechnct. Ist Frieden, dann hadert man mit'ihm. Er hat. angeblich an gar nichts seinen Teil, aber an allem ist er doch schuld. Er ist immer nur der andere, und ob sie mit ihm sclierzen oder mit ihm klagen, er steht nur allein da, aiif sich und für sich gestellt. Warum so anders?. Und wie mancher muß sich so fragen unter den eigenen Brüdern: Ma nischtanoh, warum so anders? Die eigenen, Glaubensgenossen lassen manchen einen anderen ' sein, richten Scheidewände auf,‘bilden •Klassen; und Schich- ' ten und־ lassen •Unterschiede .aufkommen; Die fremde Zurücksetzung schmerzt, aber sie schlägt nicht, zu*-Boden; ׳•sie läßt nur. um so mehr den eigenen Wert erkennen. Sie demütigt nicht, sie stählt und reizt zum: Seelenwiderstand. Aber die Beschämung, die vom Bruder kommt, die Gesind die des!* Wien,I., Kärntnefrmg 6, Tel. 51-362־ I wo man Perücken und Transformationen trotz der gediegensten Qualität und sorgfältigsten Ausführung zu gegenüber dein Hotel Bristol billigsten Preisen

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