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Jüdische Presse · 1927-04-01 · 13 (1.4.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
13 (1.4.1927)
Date
1927-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Die zvangsiose Aussprache zwischen Agudisten und Misrachisten, die jüngstens in Breslau stattfand, lenkt die Aufmerksamkeit der jüdischen (.)Öffentlichkeit wiederum auf das Verhältnis dieser zwei woh! auf gegensätzlichen Prinzipien stehenden, doch aber nach einem gleichen religiösett Ziele strebenden Organisationen. Aguda und Misrachi. Dieses Problem beschäftigt die jüdische Welt seit Jahren in mannigfachen'Variationen. Es kann weder gelöst noch von der Tagesordnung abgesetzt werden. Es ist gut so. Dieses Problem kann wohl, wie wir in der ״Jüdischen Presse“ schon einigemal ausgeführt haben, weder durch Aussprachen noch durch Zeitungsartikel gelöst werden, aber daß von Aguda und Misrachi als von einem Problem gesprochen wird, beweist, daß für Tausende jüdischer Menschen, der unnatürliche Zustand, daß Brüder, die näch gleichem Endziel streben, so zerkliiftet leben und ihre Kräfte zersplittern, als unerträglich empfunden wird. Als Symptom ist die fast ununterbrochene Erörterung des Verhältnisses zwischen Aguda und Misrachi sicherlich begrüßenswert. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls als Symptom einer W a 11 d 11111 g zii verzeichnen, daß innerhalb der Zionistischen Organisation die Stellung zur Religion, immer lebhafter erörtert wird. Dieses Streben, zur ״Religion“ irgend eine Stellung einzunehmen, treitj^manchmal gar seltsame Blüten. So wird durch die Zionistische Korrespondenz in Berlin ein Aufsatz von A. J. Schachrai, betitelt ״Zionismus und Religion“, verbreitet. Der Verfasser ist im Gegensätze zu Agudas Jisroel der Ansicht, daß die Zionistische Organisation für die Religion auf allen Gebieten des jüdischen Lebens Ungeheures leistet. Der Aufsatz schließt mit der• Bemerkung: ״Es wäre sehr interessant, zu erfahren, ob die Agudas'^Jisroel, die sich als Beschützerin der Religion aufspielt, ähnliche Beträge für die Erhaltung der Religion aus* gibt, wie sie die Zionistische Organisation, die angeblich die Religion negiert, für diese Zwecke verwendet.“ Es ist dem Schreiber dieser Zeilen unbekannt! ob Idie hier zum Ausdruck gebrachte Neugierde eine offizielle Befriedigung seitens der Aguda finden wird. Wir wollen uns mit׳ den einzelnen Behauptungen dieses Artikels nicht beschäftigen. Wir tun dies deshalb nicht, weil wir dies, auf einem anderen prinzipiellen Standpunkte stehend, für unnützes Nebeneinandervorbeireden halten. Wenn die Zionistische Organisation aus den Geldern des Keren Hajessod in Palästina 35.000 Pfund für misrachistische Schulen gibt, wo ungefähr 5500 Kinder erzogen werden, und dann einen unvergleichlich größeren Betrag für •Schulen mit ungefähr 13.000 Kindern aufwendet, in denen eine scharfe antireligiöse Tendenz herrscht, so kann man in dieser Organisatiou kaum einen Hort der Religion und Tradition erblicken. Die Zionistische Organisation ist gezwungen, auch für religiöse Zwecke nunmehr Posten in ihr Budget einzustellen, nicht etwa weil sie die religiösen Postulate des jüdischen Volkes anerkennt, sondern aus taktisch-parlamentarischen Gründen, um die Wünsche einer Fraktion innerhalb der Zionistischen Organisation zu befriedigen. Wenn wir nun die Beweisführung des Schachraischen Aufsatzes für verfehlt und grundfalsch halten, so wollen wir schon den Ve r s 11 c 11 des Nachweises, daß die Zionistische Organisation der jüdischen Religion gegenüber sich nicht mehr vollkommen negativ verhält, als Symptom, als wertvolles Symptom verzeichnen. Es ist zunächst ein Symptom des zunehmenden Einflusses, den Misrachi innerhalb der Zionistischen Organisation gewinnt. Diese Erstarkung des m i s r a c h i s t i s c h e n E i n f 1 u s-. s e s steht nicht nur in zeitliche 111, s 0 n d‘c r n auch in ursächliche in Zusatri rn enha n g m i t dem politischen und moralischen Aufstiege der Agudas■ Jisroel. Die Furcht vor Agudas Jisroel ringt den zionistischen Führern, wenn auch nicht mehr Respekt, vor dem Misrachi, so doch zumindest die entstöre Beachtung seiner materiellen Forderungen ab. Es ist diesbezüglich die Stellungnahme des Herrn Louis Lipsky, Präsident der amerikanischen Zionistischen Organisation, charakteristisch. Vor dem Auftreten der Agudas Jisroel in Amerika sprach Louis Lipsky über Misrachi als über einen ״Sterbenden“, den nach dem Ableben zu bestatten er sich für eine angenehme Aufgabe halten würde. Diese grobe Taktlosigkeit löste im misrachistischen Lager einen gewaltigen Sturm aus. Herr Lipsky fühlte sich aber nicht veranlaßt, seine Aeußerttngen zurückzunehmen. Erst als cs den Führern der Agudas Jisroel gelang, ln Amerkia breite Kreise der Oeffentlichkeit für das Programm und fiir die Leistungen der Aguda zu interessieren, da hat Herr Lipsky gelernt, Misrachi mit schmeichelhaften Worten zu bedenken und die Schärfe seiner Zunge gegen die Agudas Jisroel zu wenden. Es kann wohl diese Stellungnahme auch von einem anderen Gesichtspurikt aus als charakteristisch bezeichnet werden. Man glaubt in zionistischen Kreisen,..mit der Taktik, Agudas Jisroel gegen Misrachi und Misrachi gegen Agudas Jisroel auszuspielen, durchzukommen. Die Vernünftigen, sowohl innerhalb der Agudas,Jisroel wie im Misrachi, .durchschauen aber diese fadenscheinige Taktik. Die Führer des Misrachi sind ferner einsichtig gemig, zu erkennen, daß, solange die rnisrachistischen Institutionen ausschließlich von den zionistischen Fonds gespeist werden, - Misrachi nie zu der Beachtung gelangen könne, die er für die religiösen .,Postulate füglich beanspruchen muß. Sie haben daher nach 20jähriger ephemerer Tätigkeit zu selbständiger Arbeit übergehen müssen. Wird Agudas Jisroel ihre, Kräfte weiter entfalten, ihre Arbeiten in Chuzlaarez wie in Erez Jisroel ungeschmälert fortsetzen können, wird Keren Hathora und Keren Hajischuv die großen Aufgaben, die sie sich gesetzt haben, der Verwirklichung näherbringen,• wird Misrachi bei der Zionistischen Organisation nicht nur aus Furcht vor Agudas Jisroel, sondern infolge eigener Leistlingen, infolge seiner selbständigen Arbeit den religiösen Postulaten Beachtung verschaffen, so und nur so wird unseres Erachtens das Problem Aguda und Misrachi aus der Periode der Aussprachen in die Epoche der positiven Lösung treten. ׳ P. Eine Aussprache zwischen Misrachi und Aguda in Breslau. , Es wird uns aus Breslau geschrieben: Am zweiten Tag der Werbewoche für das palästinensische Schul werk der Agudas Jisroel in Breslau fand zufällig gleichzeitig auch eine Festfeier des Breslauer Misrachi anläßlich des 25jährigen Jubiläums des Misrachi statt. Beide Organisationen hatten zu ihren Veranstaltungen führende Persönlichkeiten von auswärts eingeladen. Dieser Umstand bot Herrn Dr. Levy die Veranlassung, ,die Vorsitzenden der Breslauer Aguda mit Herrn Dr. Ehrmann-Frankfurt a. M. und den Vorstand des Misrachi mit Herrn Ministerialrat Goslar- Berlin und eine Reihe besonders interessierter Herren aus Aguda und Misrachi zu einem Tee einzuladen, bei welchem eine lebhafte Aussprache darüber stattfand, wie es möglich sei, ohne Preisgabe prinzipieller Parteigesichtspunkte eine Zusammenarbeit zwischen Aguda und Misrachi in die Wege zu leiten. Herr Ministerialdirektor Goslar schlug vor, daß die Aguda sich auf die Unterstützung und Förderung des Thorastudiums durch den Keren Hathora in der Diaspora In der ganzen Welt berühmt sind die Wien, I., Kämtnefrmg 6, Tel. 51-3-62 lllillllllllllldllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllligesenüber demHotel Bristol;! wo m»n[Perätken tmd Transformationen kSlIiMfAiii,■» Bha■«•«■» trotz der gediegensten Qualität und sorgfältigsten Ausführung zu PMMBi|j5s6n 15601@■—§׳

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