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Jüdische Presse · 1927-03-04 · 9 (4.3.1927) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
9 (4.3.1927)
Date
1927-03-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Zeitungen vorn Verleger versendet. Journal expedie par l'editeur. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. JUD6CHE PRESSE Redaktion u. Administration 1 Wien, 11.,Leopoldsfasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. •— Tel. 45-4-94. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Rricheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise 1 Ganzjährig: Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen für Oesterreich: Postsparkassenamtwien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenanit Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto ׳ Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Posteparkassenamt Prag, Konto Nr. 53,386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 49.217; für die Schweiz! Postscheckkonto Zürich VIII. 4117; für Deutschland! Postscheckkonto Berlin Nr. 122.619 j ' ■ 1י ■ CO כיה וינה־פרעססבור: ל״ ארו א, תרפיז. 1927 Wien-Bratislava, 4. Msrz 13a Jahrg. Die Marcus Bondi-Gedenkfeier. Im Rahmen der Generalversammlung der ״Talmud Thora“.—Gedenkredevon Rabb. Dr. P. Kohn Di׳e diesjährige Generalversammlung des Wiener Sclrulvereiiies .,Talmud Thora'■, über die wir im inneren Teil unseres Blattes berichten, bildete den äußeren Rahmen der Gedenkfeier, die der Erinnerimg an Marcus!Bondi s. A. gewidmet war. Marcus Bondi s. A. ■gehörte dem Vorstand des Talmud Thora- Schulvereines 35 Jahre hindurch an. Die Würde des Präsidenten bekleidete er über 26 Jahre. Während dieser Zeit gelang es, die Talmud Thora-Schule, die Jahrzehnte hindurch als Armenschule ein .bescheidenes und. kümmerliches Leben abseits des pulsierenden jüdischen Lebens in Wien fristete, zu einer Gesinnurigschule, die heute mit Recht den Stolz des glaubenstreuen Wiener Judentums bilden kann, auszugestalten. Der Hauptteil dieser großen Leistung wurde im wesentlichen in den letzten sechs Jahren vollbracht. Jn diesen durch Aufstieg ׳und Niedergang so scharf charakterisierten sechs Jahren gelang es trotz mannigfacher Schwierigkeiten, dem Schulwerk der Talmud Thora eine stets aufsteigende Entwicklung zu sichern. Der fast 100 ׳jährigen K n •abenvolk ss c h u l e wurde in diesen Jahren eine M ä d c 11 e n- Volksschule angegliedert, ׳und -die Volksschule wurde durch die Gründung einer K nabe 11-Bü rge r sch ule vollendet. Die Angliederung eines einjährigen TI a n d e 1 s k u r s e s macht das Schulwerk zu einem abgeschlossenen, Ganzen. Dieser wunderbare Ausbau des Talmud-Thora-Schulwerkes hat den Lebensabend des Präsidenten des Vereines verklärt. Marcus Bondi s. A. hat nicht nur diese wunderbare Entwicklung der Schule miterlebt, sondern er hat auch das Glück gehabt, in seiner eigenen Familie den Nachwuchs zu sichern, der auch über sein Grab hinaus für den Fortbestand und für die Forten’twicklang dieses größten Wiener jüdischen Schulwerkes 1‘m Geiste des glaubenstreuen Judentums sorgen wird. So wirkt und wird das Leben zum Preis des Modenpalais Julius Krupnik Wien, VII., Kaisersirafje 111-1131״I5 Telephone 32-4-62, 34-4-29 Anerkannt größtes Spezinlhaus ׳ IC Toten, der nach einem tiefen Wort unserer Weisen durch Schaffung frommer Werke sich das Leben auch nach dem Tode sichert. Diese Gedankengänge bildeten den Grundakkord der-meisterhaft angelegten Rede von Rabbiner Dr. Pinchas Kohn, die wir im folgenden in fast ungekürzter Form bringen. Die Gedenkrede. Geehrte G e 11 c 1־ a l'v e r s a m m 11111 g! Der verehrliche Vorstand der Talmud Thora hat mich mit der ehrenvollen Aufgabe betraut, aus all den Ereignissen des Berichtsjahres eines besonders hervorzuheben, eine schmerzliche Tatsache einer ganz besonderen Würdigung teilhaftig werden zu lassen, den Heimgang des seligen M a rc u s Bondi s. z. 1. und seine Bedeutung für unsere T. T. im besonderen zu kennzeichnen. Was war uns Marcus Bondi, was wird er uns sein? Es sind nun beinahe acht Monate verstrichen, seitdem am 6. Juli des vergangenen Jahres Marcus Bondi von uns gegangen ist. Wir alle, geehrte Generalversammlung, die wir voll Ehrfurcht in diesem Mann die Verkörperung eines Wortes erschauten, das uns die heilige Schrift von unserem großen Führer Moses sagt לא כהתה עינן־ ולא נם לחה daß ein ewiges Leuchten war in diesem Auge, weil die Güte aus ihm strahlte, daß ewige Jugend wogte in dieser Seele Strömen, weil sie durehgltiht war von der Liebe zum Leben, Wir alle, geehrte Generalversammlung, wir wollen es so recht noch nicht glauben, daß dieses Auge erlosch, daß dieser Seele Ströme in anderen Welten, in anderen Formen den Sang ihrer Wogen erklingen lassen. Aber nach einem heiligen Gesetz, das der Allmächtige in das Fühlen und Empfinden der Menschen gelegt hat, ist der Schmerz doch milder und heiliger geworden, ist es heute schon leichter, aus dem Bild des Verklärten die Ewigkeitswerte herauszuarbeiten, die in diesem so großen reichen g-ttgesegneten Leben Wunderbares gewirkt haben. Ich möchte deshalb den Ausdruck unserer Gefühle und Empfindungen fügen an das Bild eines Heiligturhs, das gleichfalls einst gewesen war und nicht mehr ist, das aber trotzdem in jedem Jahre, wenn sein Bild uns im Laute der Heiligen Schrift vermittelt wird, aufs neue vor unseren Augen ersteht, aufs neue uns mit seinem Zauber umfängt. Wir lesen אלה פקזרי המשק משק הערת Das ׳ist der Blick der Musterung über das Heilige Zelt, über das Zelt des Zeugnisses. Ein tiefschürfender Meister des Wortes und des Lebens, der fast noch in unsere Zeit hineinragte, sagt: Der tiefe Sinn dieses Satzes ist also: wenn der Blick eines Menschen prüfend über ein Heiligtum geht, dann suche er, dann finde er, ob dieses Heiligtum ist eine Stätte des Zeugnisses, des Zeugnisses nicht sowohl 'für die Größe G-ttes, die uncrlebbar und unfaßbar ist, sondern im besonderen für die Größe G-ttcs im Menschen und für die Größe des Menschen der G־tt sucht. Und als Moses all die Glieder und Ketten, all die Earbcuspiele und Gespinste, die Ki^.istlerauge erdacht und des Weibes zarte Hand gefügt hatte, einen wollte zu einem Heiligtum, da ging sein prüfender Blick dahin, daß er erkennen und bekennen wollte, wie dieses Heiligtum ein Zeugnis sei für sein Volk und dessen Kinder. Geehrte Generalversammlung! Wenn wir nochmals das Leben des seligen Marcus Bondi s. z. 1. uns vor Augen führen wollen, dieses Leben voll Arbeit und Freude; dieses ־ patriarchalische Leben voll Genügsamkeit und Einfachheit, dieses Leben ernster Arbeit und heißen Kampfes und Trollen Gelingens, dieses Leben, daß so vielen alles gab, dieses Leben, das getragen war von freudiger Bejahung des Daseins im Namen G־ttcs und zu Ehren des Namen G-ttcs, wenn wir, geehrte Generalversammlung, so denken und empfinden, dann fragen wir wie einst Moses vor dem. Heiligtum: Wofür legt dieses Leben Zeugnis ab, sein Leben in unserer Mitte, sein Leben für uns, die Talmud Thora? Geehrte Generalversammlung! Trockene Zahlen be-., sagen, gar nichts und-doch welche Fülle, wem,1'ich Ihnen erzähle, daß Marcus Bondi am 19. April 1S91 in den Vorstand eintrat, am 17. Februar 1900 zum Präsidenten der lalmud- 1 hora gewählt wurde. Aus all den reichen Tagen dieser Jahre lassen Sic mich Ihnen, der Bedeutung der Stunde entsprechend, nur eines erzählen. Als am 90. Geburtstag des Verklärten dieser ehrwürdige junge Greis von den Scinigeu umgeben war und liebende Freunde ihm nahten mit einem heiligen Wort des betenden Glück- Wunsches, da kamen auch die Kinder unserer Talmud- Thora, und als an ihn ergangen war Gebet des Lebens und des Glückes aus Kindermund, da wurde er wieder ganz jung. Da hatte .er den Himmel zur Erde gezwungen und die Erde dem Himmel vermählt, und er erhob sich, und das Leben trug ihm empor und er sagte: מפי עוללים ויונקים יסדת עז aus Kindermund, aus Kinderauge hat G-tt die Macht des Lct&ns begründet. Als er dies sprach und als dies ihn emportrug, da ward ihm die Kraft, sein eigenes Leben nochmals vom ersten Augenblick an ganz zu bejahen. In den Kindern der Talmud - Thora sah. Marcus Bondi sich als Kind. FANGOHEILANSTALT Mittelstandssanatorium WIENER KURANSTALT Wien, IX., Lazarettgasse'Nr. 20 Telephon225-0-83J Klinisch-Diagnostisches Heilinstitut Kuren täglich von 8 bis 6 Uhr Auf Wunsch streng rituelle Kost zugestellt SPEZIALKUREN gegen Ischias, Rheumatismus u« Neuralglen.| Italienische! Ischiaskuren. Malariafieberkuren. Verjtlngungskuren (Diathermie). Entfettungskuren Kaltwasserkuren, Fangoschlammpackungen, Koblensäure-Transcutanbäder,. Heißluft, , Höhensonne. Elektrisohe Kuren, Diathermie, Massage, Heih gymnastik, Röntgeninstitut.-Chemisches Laboratorium In der ganzen Welt berühmt OTHMA sind die Wien, I., Kä«ntne**ing 6, Tel. 51-3-62 gegenüber den! Hotel Bristol wo man Perücken und Transformationen trotz der gediegensten Qualität und sorgfältigsten Ausführung zu i: % M .ii

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