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Jüdische Presse · 1927-02-04 · 5 (4.2.1927) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
5 (4.2.1927)
Date
1927-02-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 38 XÜDISdlE PRESSE. Nr. 5 eine Petition gerichtet um das Recht, unabhängige orthodoxe Gemeinden errichten zu dürfend Millionen von Juden •in der .ganzen Welt, für welche Palästina noch»das Heilige Land ist, müssen vor Schande und Aerger erröten wegen dieser an der Thora und Tradition verübten1;Beleidigung. Wir sind überzeugt, daß der ehrenwerte Oberst die Tatsache nicht gekannt haben dürfte, als er diese Behauptungen abgab, und wir sind dessen sicher, daß er der erste sein wird, der diesen Schmerz, den er den großen jüdischen Massen, welche noch dem alten Glauben anhänglich sind, verursacht hat, bedauern w.ird. Eine ausfiihrliche Antwort ist unserer Meinung nach überflüssig, ai MACHRICHTBH. Bl Berichtigung. In unserer vorwöchigen Nummer ist an der Verlob ungs an zeige Halle-Mohr der Name der Braut nicht richtig gedruckt erschienen. Der Name der Braut ist Bözsi Halle, Tochter des Herrn David Halle, Kaufmann in Trnava. Das Turnen der Agudas-Jlsroel-Jugendgruppe findet jeden Sonntag vormittags von 10 bis 12 Uhr im Turnsaal der Talmud-Thorä-Schule, II.. Malzgasse Nr. 16, statt. Scharfer Kurs! Das A k t i v •i s t e n k 0 m i t e e der Wiener Aguda hat das Signal zum Angriff gegen die derzeitige Wiener Ortsgruppenleitung gegeben. Plötzlich zeigt sich wieder •Interesse für das Agudaprogramm, An allen Ecken und!Enden werden die Details diskutiert. Eigentumlioherweise ist das Komitee noch mit kleinem Namen hervorgetrelen. Ein ׳Flugblatt, das viele;Mängel ,aufdeckt, wurde vor allen!Bethäusern am Freitagabend verteilt. Frauenhilfe der Adas Jlsroel. Im Rahmen der dieswöchentlichen gemütlichen Zusammenkunft der Fraueniiilfe sprach.. Frau Henny Schreiber überaus geis׳tu!nd temperamentvoll über die westenlichen Aufgaben einer Im thoratreuen Geiste wirkenden •Frauenhilfe. Frau Schreiber wies mit zwingender (Logik und mit glücklich gewählten 'Beispielen •nach, daß eine wirksame jüdische Frauenhilfe mit philantropischer Arbeit allein •ihr Bewenden׳ nicht finden kann. Die richtige jüdische Erziehung und Belehrnng der Töchter ist •das brennendste Problem der Gegenwart. Es wäre eine nicht zu verzeihende Unterlassungssünde, die Augen •gewaltsam zu schließen, um dieses Problem nicht zu sehen. Frau Hen!ny Schreiber, die der Frauemliilfe der Adas Jisroel durch ihre hingebungsvolle phiilantropische Arbeit bereits viele Freunde zuführte, hat mit ihrem Vortrag bewiesen, daß auch Worte, •maß- und geschmackvoll gesprochen, ihre Wirkung nicht verfehlen. Dieser Vortrag war ein •großer Gewinn für die Frauenhilfe. Gesellschaftsreise nach Palästina. Die »Redaktion der bekannten Zeitschrift für jüdische (Kunst und!Kultur ״Mult es Jövö“ (Budapest, VI., R6vay u. 14) veranstaltet auch diesmal i׳m April eine Gesellschaftsreise nach Palästina ׳unter •der ׳Leitung des Chefredakteurs Prof. Dr. Joseph Patai, der Palästina bereits mehrmals bereist hat. Das Programm umfaßt alle Sehenswürdigkeiten des Heiligen Landes und ist auf zirka vier Wochen geplant. Preis.der ganzen Tou׳r, inbegriffen sämtliche Spesen und Verpflegung auf dem Schiff und im Land, 111 der II. Klasse 48 engl. Pfund, in der I. Klasse 64 enigl. Pfund. Meldungen sind an obige Redaktion zu richten. Bei dem Meister der Periickenkunst Othmar Schiff. Der bekannte Perückenkünstler Othmar Schiff, Wien, Spendet für den Kindergarten and Jessode Mora der Adas Jisroel, Wien, II., Nestroygasse 11 Helgh Class Tallor Premier Tailleur Hermann Heit Erstklassiges MaBatelier, Spezialist In Ausführung von modernen und bllrgei liehen Arbeiten Wien, I-, Graben Habsburgergasse 3 Telephon Nr. 77-4-88 .A.1xf Wunsch oh.xxe Sr3ua.iin.0B Zum Wochenabschnitt תיומה Die ,jüdische Gesetzgebung mit •ihren :idealen׳ Zielen konnte, ׳je größer der sittliche Wert war, ׳um so weniger darauf rechnen, daß das :jüdische Volk zu :irgendeiner Zeit reif genug sein würde, ׳um diesen׳ hohen!Wert zu erkennen und sein!Leben willig ׳dieser Gesetzgebung unterzuordnen. Sie mußte •daher darauf ׳bedacht sein, sinnfällig •den einzelnen!Menschen vor Augen zu führen, ■daß sein eigenes Leben in allen seinen individuellen Aeußerungen wie als Teil des 1Gesamtheitslebens dem g-tlichen’ Gesetz zu unterstellen sei und daß es überhaupt nur Sinn und Bedeutung habe, wenn sein Tun umd Lassen mit ■den Forderungen ׳der Thora In Einklang ■gebracht sind. Dieser Gedanke bildet den Grundzug des heutigen Wochenabschnittes. Er ist in die Worte zusammengefaßt: ""ועשו לי מקדש ושכנתי בתוכם ״Sie sollen mir ein Heiligtum machen, dann werde ich in ihrer Mite wohnen.“ Jegliche Spende des einzelnen׳ zur Erfüllung dieser Gesamtaufgabe bedeutet ein •Bausteincben zur Verwirklichung dieser Tat. Täglich •und .stündlich soll ihnen als lebendiges Zeugnis der G-ttesnähe das Stiftszelt mit seinen stummen und doch so beredten Geräten vor Augen׳ stehen; soll ihnen ■der Tisch mit ׳den Schau׳bro׳ten sagen, daß!auch •ihr Tisch des g-ltlichen Segens bedarf und jedes :Krümchen Brot, ׳das er ihnen! bietet, ein Geschenk־ der g-ttiiehen Vorsehung ist, daß er nur als reiner Tisch, dessen Gaben in lauterer Gesinnung erworben sind, seine Berechtigung hat; •soll der licht spendende Leuchter malmen, daß das materielle Gut erst durch!Erkenntnis vergeistigt und zu seiner Bedeutung •im Sinne edler Menschlichkeit •erhoben wird; soll!ihnen •die heilige Lade •mit dem kostbaren Inhalt des!G-ltesgesetzes zeigen, daß •dieses etwas ewig Unantastbares, eine ewige Wahrheit bildet, der gegenüber die 1Materie in Staub zerfällt; sollte jedes •der auf'g׳er׳ichteten Bretter der Wände sie zu aufrechten und zur!Höhe strebenden Menschen machen•; sollten ihnen die ■beiden Stangen, welche niemals von der heiligen Lade weichen durften und nur andeutungsweise im!Heiligtum wahrgenommen wurden, sagen, ■daß, wenn auch immer iss ***•,.r V7X7 w1* fc«t*w** \ מ f tervc* *d» »;*1 V*'•״ <• f 1 VwL|H Mi Seit vielen Jahren das anerkannt beste נשטה־ליבט Man achte auf die ges. gesch. Marke ״Hygien." Königslicht‘' u. Name Schulz. Fabrik und Bureau: XIV., Braunhirschengasse 3 I.,!Kärntnerring 6, lud uns dieser Tage zu einem Besuch in seine Kunstwerkstätten ein. Wir folgten ■dieser Einladung umso •bereitwilliger, als wir bei diesem Künstler von internationalem!Ruf Dinge zu sehen hofften, die für unsere frommen •Glaubensschwestern von Interesse sein dürften. Und wir haben uns hierin nicht getäuscht. Was man hier zu sehen׳ bekommt, verblüfft einen geradezu. Es ist erstaunlich, daß die Kunst so weit vorgeschritten ist, Perücken zu erzeugen, die vom eigenen •Haar einfach nicht zu unterscheiden sind. Othmar Schiffs Perücken sind aber auch keine schemenhaften Schablonenarbeiten; jede wird streng persönlich, je nach Geslchtsschnitt u!nd Kopfform, kunstvoll ausgeführt. Aber obgleich •der Betrieb Othmar Schiffs!immer größer wird, •steht der Meister doch immer persönlich geschäftig am Werke. Othmar Schiff hält zu viel auf sein altes Renommee, als daß jemals eine Arbeit seine Betriebsstatte verlassen׳ würde, ohne daß er sie vorher sorgfältig geprüft hätte. Wir hatten auch Gelegenheit, Meister Othmar Schiff an •der Arbeit zu sehen; wie er einer Dame mit fabel« haftem Kunstblick sofort die ,zu ihrem Kopf ■und Gesichts- •ausdruck passendste Perücke herausfand. Durch Unterbietung der Preise seitens, mancher Konkurrenten sind ihm zwar vereinzelte Kunden weitergegangen. Aber bekehrt kehren sie nun alle zu dem altbewährten Meister zurück. Denn wenn man die Qualität seiner Erzeugnisse in Betracht zieht, so ist Othmar Schiff nicht nur der größte Perückenkünstler, was!ja •die zahlreichen ersten Auszeichnungen auf allen Ausstellungen und Wettbewerben beweisen, sondern auch einer der billigsten. Sitzung des Elternrates der Talmud-Thora-Volks- und Bürgerschule mit Oeffentlichkeitsrecht. Dienstag abends 1fand eine Sitzung!des Elternrates der Talmud-Thora!unter dem Vorsitz des Obmannes Josef Schick statt, an welcher in Vertretung der Elternschaft!Herr Michael Sternfeld :und die Damen׳ ■Mittelmann. Pappenheim, Schreiber und W 0 s •n e r. ferner Rabbiner Dr. P 011 a k, Oberlehrer Kohn teilnahmen. Auf Grund eines •Referates des Herrn Dr. Pollak entwickelte sich eine lebhafte Aussprache über die Möglichkeiten einer erhöhten M i t g 1 •i e d e r p r o p a g a n d a und die Not ־Wendigkeit, die ■finanziellen Sanierungsversuche rasch zu einem guten!Ende zu führen. Es wurde beschlossen, binnen kürzester Zeit die gesamte Elternschaft zu einer allgemein zugänglichen Ver- Sammlung einzuberufen. Bei dieser ׳Versammlung wird der ped. Beirat der Schule, Herr ׳Direktor Dr. L. Deutschiänder, referieren. Oberlehrer Kohn regte die Durch- ■führung einer bücherspendeniden Aktion •an, um die Schule mit der notwendigen ׳Klassenlektiire zu versorgen. Zwanzig Jahre Bund Jüdischer Akademiker. Vom 26. bis 28. Dezember tagte in Leipzig zum fünften Male der Bundestag des ״Bundes Jüdischer Akademiker“. Etwa 120!Mitglieder hatten sich aus ganz Deutschland eingefänden, und'zum ersten Male war auch Oesterreich offiziell vertreten. Vor 20 Jahren wurde ■der Bund gegründet und hat •diesen •ungeahnten Aufschwung genommen. Da lohnt es sich wohl, auch die weitere Oeffentlichkeit ein wenig über . Aufgaben und Ziele dieser einzigartigen akademischen Verbindung zu informieren. Neu ist ja die Idee nicht, die der B. J. A. vertritt, ,ist sie doch fast so alt wie das BflBflBS Judentum; es war nur ׳unter dem Drucke der Galuth das Verständnis für sie verloren gegangen. Während sie jedoch in Deutschland schon seit den letzten Jahrzehnten selbstverständliches Besitztum weiter jüdischer Kreise ist, beginnt sie bei uns erst jetzt ganz langsam festen Fuß zu fassen. Es handelt sich um die. eigentlich selbstverständliehe Idee, die der ״Bund Jüdischer Akademiker“ in dem Wahlspruche: ״Thauro im Derech-Erez“ zusammenfaßt. Er wendet sich gegen die bei uns noch eingebürgerte Meinung, daß weltliche Bildung und jüdisch-religiöses Gefühl zwei entgegengesetzte Pole sind, die sich gegenseitig ausschließen. Er will Persönlichkeiten erziehen, die nicht nur trotz weltlicher akademischer Bildung die Tradition ihrer Väter Hochhalten, .ihm genügt cs nicht, wenn Akademiker bewußt gesetzestreu leben, ohne an Widersprüchen zwischen ihrem wissenschaftlichen Denken und religiösen Fühlen zu leiden. Jüdisches und weltliches Wissen sollen sich vereinigen und durch gegenseitige Ergänzung erst die Persönlichkeit zu einem harmonischen Ganzen vervollkommnen, in dem Sinne, daß das religiöse Gefühl durch die Beschäftigung mit den verschiedenen Wirsenschaften vertieft werde und die Wissenschaft erst durch das G־ttesbewußtsein einen höheren inneren Wert bekojmme. Die Bewegung hat, wie eingangs erwähnt, von Deutschland ihren Ausgang genommen, ׳und dort hat der B. J. A. nahezu 600• Mitglieder, die alle auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums stehen, sonst aber den verschiedensten Parteien angehören. (Der B. J. A.' ist vollständig unpolitisch.) Doch ist in Deutschland der Boden für eine derartige Idee viel günstiger, weil ^es dort viel allgemeiner ist, daß religiöse Leute weltlich gebildet sind und schon die Erziehung der Kinder, sowohl ־ vom Hause aus, wie in der Schule (jüdische Schulen!) so‘\ist, daß die scheinbaren Widersprüche zwischen jüdischer ihod beispielsweise naturwissenschaftlicher Auffassung wenige'.»־,, zum Bewußtsein kommen, als bei uns. יי Hier beginnt nun die Aufgabe •des B. J. A., der wie in den meisten •deutschen Universitätsstädten auch •in Wien eine V. J. A. (Vereinigung Jüdischer Akademiker) besitzt. Er will da dem jungen Juden den Weg zeigen, wie er sich durch den schlechten Weg durchringen soll, und ihm helfen, sich zu einer einheitlichen jüdischen Persönlichkeit emporzuarbeiten. Sitzung der Keren Hathora-Zentrale ln Wien. Mittwoch, den 16. Schewath fand in Wien eine Sitzung der Keren Hathora-Zentrale statt, an welcher Oberrabbiner Fürst, Großrabbiner!Markus Friedmann, Sadagora-Wien, Rabbi Beer Friedmann, Czortkow-Wien, Wolf Pappenheiirn, Rabbiner Dr. Pinchas Kohn und der Direktor der Keren!Hathora-Zentrale teilnahmen. Dr. Deutschländer hat über die Amsterdamer Keren Hathora-Konferenz einen ausführlichen Bericht erstattet, der mit außerordentlicher Befriedigung zur Kenntnis genommen wurde. Auf Antrag von ׳Rabbi Beer Friedmann wurde Herrn Oberrabbiner Fürst der wärmste Dank ftir seine große Mühewaltung anläßlich der Konferenz in ׳ Amsterdam ausgesprochen. Weitere Gegenstände der Beratung waren: 1. Ausbau des Keren ׳Hathora, 2. die!Hilfe für die Thoralehranstalten in Sowjetrußl{1nd, 3. Errichtung eines Heimes für die Beth Jaakob-‘Leh׳rerinnebildu1ngsansta!lt• in Krakau. Als Ort der nächsten Keren Hathora-Konferenz, die!im Kislew des nächsten Jahres stattfindet, wird die •Schweiz bestimmt. So nnla g. den 6. Februar (4. Adar) um 7 Uhr abends, hält Herr Dr. L. Deutschländer im Agudah-Iugendheim. II., Obere Donaustraße 69, im Rahmen des Vortragszyklus ,Probleme der Gegenwart und jüdische Jugend“, ein Referat über ״Moderne Erziehungsfragen“. Gäste herzlich willkommen! כשר Fleisch n. Geflügel unter Aufsicht der עדת ישראל (Schiffschul). Selchwaren aus der Fabrik Gabriel Fischer wie sämtliche Weine und Spezereiwaren כשף M. Bclc£rling', Wien,, IX., Liechtensteinstrasse Nr. 117 Telephon 11 682־. — Jede Bestellung wird telephonisch ent־ eegengenommen und sofort ins Haus■ zugestellt. dem G-tte&gesetz die Träger!im Menschenkreis mangelten, es selbst!nimmer fallen und vergehen könne! sollten sie Altar •und Opfer erinnern,' •daß jeder!Mensch ׳mit sündigem Trieb •sein!Leben verwirkt habe wie diese Opfertiere, daß re ,aber kraft seiner g-ttiiehen ׳Bestimmung;mit dem guten Trieb jenen •beherrschen ■und sich ernporheben könne; sollte endlich das alles zus.ammen׳fassen!de -Zelt ihnen die Einheit von Leben und Volk, Einheit von iG-tt •und Lehre dokumentiereri. Jene Einheit, •die uns leider •noch heute, nach 4000 Jahren, fehlt und •unser — ach, •so unsäglich leidendes Volk nicht z!u sich selbst kommen ließ. Dr, W. Freyhan. Die Macht der Sprache. (Aus einem ungedruckten מוסר Buche.) . . . Und darin, mein Sohn, liegt die gefährliche Macht und die mächtige Gefahr des Wortes. Segen und Fluc.h trä׳gt es auf seinem Fittig. Nicht der Schöpfer eines neuen Gedankens, der Denker einer neuen These beherrscht die Welt. Ohnmächtig bleiben die besten, wahrsten und edelsten Gedanken, so lange sie nach einem Ausdrucke ringen. So lange Gedanken nur denkend angeeignet werden können, müssen sie bis zur Klarheit durchdrungen werden, um im Bewußtsein haften zu bleiben. Was Wunder dann, wenn sie sich nur dem engen Kreise wirklich Denkender erschließen. Gibt man aber einem Gedanken, einer Vorstellung ein richtig bezeichnendes Wort, so bekommt er Flügel, er wird volkstümlich. Und ist dieser Ausdruck ein gelungener, so erobert er die Welt. Bis in den Kreis der Unmündigen dringt er. Freudig hascht die Welt nach einem neuen Schall. Ein neues Schlagwort ist geschaffen. Solche Schlagwörter haben schon viel Unheil angestiftet. Von Tausenden — durch den Zauber der Sprache — zum Panier erhoben, glaubt man, eine neue Wahrheit entdeckt zu haben, vermeint man, ein Erkennungszeichen gemeinsamer Hoffnungen und Ideale gefunden zu haben und — ward doch nur getäuscht und betrogen. Man hatte über das Wort •den Gedanken vergessen. Und hüte dich ferner, mein Sohn, vor Schmeichlern. Ihr Wort ,ist gefährlich, vermag den edelsten Charakter in die Niederung gemeinster Charakterschwäche herabzuzerren. Glaube nicht der Gesellschaft solcher •Menschen — wenn auch in bester Absicht —, wenn du etwa ihre Mithilfe zur Erreichung eines g-ttgefälligen Werkes benötigst — sei unentbehrlich. Kein unedles Mittel wird durch einen edlen Zweck geheiligt. Strafwürdige Ueberhebung ist es, zu ■glauben: ״Ich werde in meinem Innenleben durch die glatten Reden der Schmeichler nicht beeinflußt.“ wisse es, קורטיב של רכש אין אדם יכול לעמור מפני ריחה der honigsüßen Schmeichelei kann kein Mensch widerstehen. Und schwer widerstehen können wir schwachen Menschen auch der großen Sünde von לשון הרע Jedes Zeitungsblatt glaubt heute, es seinem Leserkreise schuldig zu sein, in sensationeller Aufmachung eine je größere Dosis לשון הרע seinen Lesern aufzutischen. Bösrede bildet heutzutage in jeder Gesellschaft, das beliebteste Gesprächsthema. Es sind ja nur feine Nadelstiche, satirische ׳Bemerkungen, deren kleine Wunden das Auge des (Spötters kaum beachtet, mit deren unaufhörlichen Stichen aber man schon so manches zartbesaitete Herz zum Verbluten, gebracht hat. Oft glaubt man sogar, mit לשון הרע -Reden erzieherisch wirken zu können, seinem Kind dadurch warnende Mahnung •vor Fehlern zu erteilen. Ein falscher Weg! כל שאור וכל דבש לא תקטירו ממנו אשה לה Weder die ׳gärende, zersetzende Bösrede, noch die honigsüße Schmeichelei darf, wenn auch ,in vermeintlich edler g־ttdie11ender Absicht, das köstliche Geschenk G-ttes, die menschliche Sprache, entweihen. Wie klug war jener Diener, der auf Geheiß seines Herrn, das Beste vom Markte heimzubringen, eine Zunge brachte, •und ein andermal, als ihm befohlen, das Minderwertigste einzukaufen, abermals eine Zunge brachte. Er begriff, daß Gutes und Böses, Fluch und £egen, die ständigen Begleiter der Zunge sind, und darum, mein Sohn, hüte .dich vor der gefahrvollen Macht und mächtigen Gefahr des Wortes. M. Lg.

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