Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1927-01-21 · 3 (21.1.1927) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
3 (21.1.1927)
Date
1927-01-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2629891-2630197-2630200--2487-2634363
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

V.kh. JÜDISCHE PRESSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS Redaktion u. Administration»Wien, II.,Leopoldsfasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-4-94. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 12 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen für Oeaterrelch: PostsparkaasenamtWlen, Konta Kr. 13.458; für Polen: Postsparkaasenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn! Postsparkassen amt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postaparkassenamt Prag, Konto Nr. 53,386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram, Ko, N. 49.217; für die Schweiz! Postscheckkonto zürich VIII. 4117; für Deutschland! Postscheckkonto Berlin Nr, 122.619 Kl». 3 Wi.n-Bft.ati.lava, 2L Jänner 19*7 .f'Bnn 13 | כ*ה וינה־פרעססבח־נ י״ח שבט. Jahrg. Der Kampf der Jewsektia gegen die religiösen Schulen in Russland. Die Berufuugstinuchichlung unter der Judenschaft der Sowjetunion. — Erstarkung des ״Klerikalismus“. — Kampf zwischen Chadarim und Sowjetschulen. Die Kreiskonferenz der jiddisAim 1 ehrer in Minsk faßte eine Resolution, in welcher der Kampe;,:egen eien Ghec!י• r!;ml ״.egen den Klerikalismus angesagt wird. Nach der letzten Konferenz der Jewsektia, das ist die Organisation der jüdischen Kommunisten in Sowjetrußland, nach dem scharfen Angriff ihres allmächtigen Generalsekretärs Tschemeriski nmß man rnit einem neuen scharfen Kampf gegen die jüdische Religion in Rußland rechnen. Herr Tschemeriski mußte konstatieren, daß es noch nicht gelungen ist, aus den Herzen der jüdischen Massen die Liebe zum Clieder und Beth-Hamidrasch herausztircißen, daß ein Großteil der jüdischen Jugend noch immer lieber diese alte jüdische Bildungsstätte besucht als die Sowjetscluile, die, vom Geist der Jewsektia beherrscht, ihre Hauptaufgabe in der Befehdung der jüdischen Religion und jüdischen Tradition erblickt. Nach dem Verlauf dieser jüdisch-kommunistischen Konferenz, nach dem Tenor der dort gehaltenen Referate kann mit Sicherheit konstatiert werden, daß das thoratreue Judentum bisher einen zähen Widerstand gegen alle jüdisch-bolschewikischen Versuche, den Glauben der Väter aus den Herzen der Kinder zu reißen, geleistet hat. Hs ist ebenso sicher zu konstatieren, daß die jüdischen Bolschewiken nunmehr mit einem neuen konzentrischen Generalangriff auf den Glieder den Widerstand des thoratreuen Judentums brechen wollen. In Anbetracht dieser Sachlage drängt sich mit unwiderstehlicher Kraft die Frage auf, wie verhalten sich die großen jüdischen Organisationen.und Verbände in Anbetracht dieser großen Gefahr? Man wird wohl sagen, daß es derzeit bei bestem Willen unmöglich sei, in innerrussiche Verhältnisse einzugreifen. Kenner der Verhältnisse in Rußland werden bestätigen, daß diese Antwort nicht zutreffend ist. Nicht die russische Regierung führt, den Kampf gegen den Clieder. Sie hat wohl gemäß ihren sozialistischen Grundsätzen den Staat von der Kirche getrennt und auch ansonsten alle Maßnahmen ge: troffen, die eine Präponderanz religiöser Institutionen und Bräuche unmöglich machen. Allein trotz all dieser Gesetze, die wohl in der ersten Zeit ihrer Geltung lähmend auf das thoratreue Judentum wirkten, fand man eine Möglichkeit, dem wichtigsten religiösen Gut, dem Clieder, ein, wenn auch bescheidenes Leben im Geiste der Thora zu sichern. Da setzt mm der Kampf der jüdischen Bolschewiken ein, die in mißbräuchlicher Ausnützung ihrer vorherrschenden Position, die jüdische ״Gasse“, volkommen in ihre Gewalt ziehen wollen. Auch die Hilfsaktion der j ii d i s c h e 11 Organisationen tu ii ß t e da e i 11 s e t z e 11. Hs müßte der russischen Regierung klar gemacht werden, daß es nicht Aufgabe und Absicht auswärtiger jüdischer Faktoren sein kann, gegen die russische Staatsform anzukänipfen. Es kann aber unmöglich mit Stillschweigen hingenommen werden, daß gegen die jüdische Schule und gegen die jüdische Religion ein solch vernichtender Kampf geführt werde, wie es die jüdischen Bolschewiken in Rußland beabsichtigen. Die russische Sowjetregierimg, die mm den Weg für eine Vereinbarung mit den großen jüdischen amerikanischen Verbänden behufs Gründung von Kolonien gefunden hat, die russisclie Sowjetrcgiernng, die in ihrer gesamten Wirt- Schaftspolitik den Bedürfnissen des europäischen Kapitals. entgegciigckomnieii ist. diese russische Regierung würde auch hier, wo man von ihr gar nicht die Preisgabe ihrer Prinzipien verlangt, einlenken. Wer soll aber d i e s e s E n t g ege 11 k o m 111 e n v 0 n d e r 111 ־ s s i s c 11 e n Regie r 1111 g v erlange 11? Das traurige Schicksal des Judentums in Ruß-!and hat in der aiißerrussischen Judeuheit bisher nicht das richtige Echo gefunden. Ausschreitungen gegen das jüdische Leben oder Eigentum in irgend einem Lande setzen mit vollem Recht die Juden in allen Ländern in die heftigste Erregung. Doch die Pogrome gegen den jüdischen Geist, gegen die heiligeri Güter der jüdischen Tradition, die doppelt schmerzhaft sind, weil Brüder sie erzeugten, lassen uns unbewegt. Es fehlte zwar nicht an Versuchen, irgendwie ׳helfend einzugreifen; doch waren diese Versuche viel zu schwach, viel zu fragmentarisch, um das ■große Ziel erreichen zu können. Die internationale Kereu-Hathora-Konferenz, die vor drei Wochen in Amsterdam tagte, beschäftigte sich nun auf Grund eines instruktiven Referates, von Herrn Rabbiner Dr. Hildes h e i in e r mit diesem traurigen Kapitel der jüdischen Gegenwart. Die Konferenz wandte sich an die ehrwürdige Körperschaft des holländischen Oberrabbinerverbandes mit einer einstimmig gefaßten Resolution, deren Wortlaut wir hier nochmals wiedergeben: Die Internationale Keren-Haihora-Konferenz, im Gemeindesaal der Amsterdamer jüdischen Gemeinde versammelt, wendet sich nach Anhörung des Referates des Herrn Dr. Meier Hildesheimer aus Berlin und tief erschlittert durch die Darstellung der Zustände in Sowjetruüland und der Nöte, unter denen das religiöse Leben der Juden in Rußland leidet, an die niederländische Oberrabbinerver&inigung als die Vertreterin der gesamten niederländischen Judeuheit mit der Bitte, das russische Problem, das vom ungeheurer Bedeutung für den Fortbestand des Gesamtjudentums ist, hei ihrer nächsten FANGOHEILANSTALT Mittelstandssanatorium WIENER KURANSTALT Wien, IX., Lazarettgasse Nr. 20 Telephon 25-0י83ל Klinisch-Diagnostisches Heilinstitut Kuren täglich von 8 bis 6 Uhr Auf Wunsch streng rituelle Kost zugestellt SPEZIALKUREN gegen Ischias, Rheumatismus u. Neuralgien.j Italienische( Ischiaskuren. Malariafieberkuren. VerjUngungskuren (Diathermie). Entfettungskuren Kaltwasserkuren, Fangoschiammpackungen, Koblensäure-Transcutanbäder, Heißluft, Höhensonne. Elektrische Kuren, Diathermie, Massage, Heilgymnastik, Röntgeninstitut. Chemisches Laboratorium Zusammenkunft zu behandeln und alle die Maßnahmen׳ zu ergreifen, die sie für nötig erachtet, den Bestand des jüdisch-religiösen Lebens in Sowjetrußland sichern zu helfen. Hoffentlich gelingt es dein holländischen Oberrabbinerverband, infolge seiner überragenden neutralen Stellung und moralischen Position, in dieser Frage eine gemeinsame Front aller positiv gerichteten Juden zur Rettung der russischen Brüder aus der ärgsten seelischen Not herbeizufüliren. Hilfe, zielbewußte, wo hl organisiert ■e Hilfe tut dringend not, denn das russische 111 o r atr e 11 e J 11 d e n 111 m leidet düstere Qualen, die nur m i t denen a 11 s d e m Z e i t a 11 er der Inquisition und der M a r a n n e n verglichen werden kann. P. Konferenz der Jewsektia in Moskau. 111 Moskau wird gegenwärtig einc-Konferenz der jiidischeu Sektionen der kommunistischen Partei in der Sowjet- Union abgehalten, der mehr als 100 Delegierte aus ganz Rußland sowie Vertreter der jüdischen Kommunisten in Pole 11 und Palästina beiwohnen. Dem gewählten Präsidium gehören die bekannten jüdischen Kommunisten Esther Frumkin, Mereschin, Litwakoff, Tschemerisky und Diainautstein an. Der Sekretär des Zentralbureaus der. ״Jewsektia“, Tschemerisky, hielt ein Referat, über die ßerufsumschichtuiiRsbew eg u 11 g der russisehen Juden, in welchem er folgende Ziffern vorbrachte: Lohnarbeiter und A n g eden letzten zwei Jahren auf betrifft die den Gewerkschaften Alles in allem zählt man rund 360.000 organisierte jüdische Lohnarbeiter sowie etwa 40.000 nichtorganisierte Lohnarbeiter. Im ganzen gibt es also 400.000 jüdische Lohnarbeiter in Rußland oder rund eine Million von Lohnarbeit lebender jüdischer Seelen. Dem Ackerbau wandten sich in den letzten zwei Jahren 11.000 jüdische Familien• mit insgesamt 55.000׳ Seelen zu. Zusammen mit den alten Kolonistenfamilien zählt man 170.000 jüdische Seelen, die vom Ackerbau leben. Man zählt ferner 200.000 jüdische Heimarbeiter mit insgesamt 800.000 Seelen. Genaue Zahlen wird die jetzt durchgeführte Volkszählung erbringen. Während sich die Zahl der jüdischen Lohnarbeiter stets erhöht, nimmt die Zahl der Angestellten bei den Regierungsinstitutionen fort-, dauernd ab; dies hängt mit der Ukrainisierung und der Weißrussifizierung der Aemter zusammen. In der Schweriudustrie erhöht sich die Zahl der jüdischen Arbeiter, während sie in der Kleinindustrie, wie Schneiderei «sw.״ abnimmt. Im Vergleich zur allgemeinen Arbeiterzahl hält das Zunehmen der jüdischen Arbeiterschaft nicht Schritt. Während in den letzten zwei Jahren die allgemeine Arbeiterzahl um 49 Prozent zunahm, erhöhte sich die Zahl der jüdischen Arbeiter um nur 31 Prozent in der Ukraine und um 37 Prozent in Weißrußland. In den Berufsvereinigungen bilden die Juden 12,8 Prozent der Mitgliederzahl, unter den Gewerkschaftsfunktionären bilden sie aber 20,8 Prozent. 120.000 Mitglieder und Anhänger der Gewerkschaften haben Jiddisch als Muttersprache angegeben. In der Ukraine sind 965.741 Juden wähl be recht i g t, in Weißrußland 525.335, in Großrußland 90.006, insgesamt genießen in der Sowjetunion 1,167.220 jüdische Seelen Wahlrecht. In der Ukraine haben 2,1 Prozent der Einwohner kein Wahlrecht, unter ihnen beträgt der Prozentsatz der Juden 46, während diese sonst nur 6,5 Pro- Die Zahl der jüdischen stellten hat sich in 100.000 erhöht. Diese Zahl angeschlossenen Arbeiter. Die eleganten jüdischen Frauen tragen jetzt mit Vorliebe Othmar Schilfs SS Mode-Perücken die ebenso geschmackvoll und vornehm, wie leicht im Tragen und Frisieren sind Eine solche Bubi-Perücke kostet je nach Ausführung S 100.— bis S 160.— Moderne Transformationen mit naturgetreuem Scheitel von S 60.— bis S 90■—. Transformationen ohne Scheitelstrich von % 50•— bis S 70.— Das Reinigen, Wasserfrisieren sowie Reparieren aller Perücken wird übernommen und sorgfältigst ausgeführt, auch dann, wenn diese nicht bei uns erzeugt worden sind.; Othmar Schiff, Wien, I. KärntnerrinS 6 Gegenüber dem Hotel ״Bristol“ Telephon Nr. 51-3-62 Verlangen Sie die kostenlose Zusendung unseres Kataloges! •9* Wollen Sie gefälligst bei Bestellungen den Y9rnalnen Othmar und die Adresse genau beachten I

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.