Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 48 (26.11.1926)
- Date
- 1926-11-26
- Page
- Seite 326 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 326 JÜDISCHE PRESSE Nr. 48 Durchgehend geöffnet von »»alt» 9 ois halb 7 Uhr Herbstnnd Winter-Neuheiten 1926/27 iw auf Teilzahlung ){errat-, Kinder- | Strengste aeellität 1 SIQghsSe LeSstu^gsgiSnS-akeSt | Kein Gassen la ,Geo d Bekleidungs- und Belieferungsstelle für Bundes-, Landes- und Gemeindebedienstete, Anstalten und Betriebe Deutschösterreichs Filiale: Linz a. D., Bethlehenistrasse 16 Zentrale: Wien, II., Obere Donaustrasse 85 Telephon 40-0-46 Filiale: Salzburg, Paris-Lodronstrasse 5 Der Weg lohnt sich, auch wenn Sie weit wohnen. Unsere Waren sind gediegen,, unsere Preise sind billig. Unsere Auswahl ist gross. Unsere Bedienung ist aufmerksam. orthodoxen Erziehu/ngswesens (Dr. Dcaitschländer). 8. (Lehr- Programm der ״Javno“ 1(!Rabbiner tlsaak Bloch, Dr. Orliebaah, Köln). 9. •Entwicklung des Lehrerprogrammes (Dr. Salzberg). 10.!Gemeinsame Aufgaben des orthodoxen Schulwesens in Litauen, *Lettland und der angrenzenden Länder ,(1Herr Wittenberg). 11. Organisation der Lehrer *der ״Javne“ (Schulowitz)• 12. Wahlen •zum Zentralrar ׳und Geschäftsführenden •Ausschuß• Trauerkundgebungen nach dem Beizer Zaddlk. Wien. Sonntag, am 8. Kislev wurde in der hiesigen Beizer Klaus ein feierliches Hesped abgehalten. Vor einer schier unübersehbaren Trauergemeinde, in der alle Schichten des Wiener orthodoxen Judentums vertreten waren, würdigte Rabbi Moses Zunz in einer mehr als zweistiindigen Rede die hohen Wesenszüge des großen Nifter als eines der größten jüdischen Männer der Gegenwart, der als Gaon und Kämpfer für Thora und Frömmigkeit die großen jüdischen Massen im Osten Europas tief beciuflußte. Er forderte die trauernde Versammlung auf, dem Geiste des heiligen Führers, dessen Geist in unserer Mitte fortleben wird, treu zu bleiben. — Am selben Sonntag fand im Beth-Hamidrasch der Achdus J i s r o e 1- Synagoge in der Rembrandtstraße ein Hesped über den Beizer Rebbe statt. Rabb. Jakob Bittermann verstand es, in trefflichen. Worten eine Charakteristik des großen Zaddik zu geben. Tief gerührt folgte die Zuhörerschaft dem zweistündigen Hesped, nach welchem Kantor Moses Blau das Kel Mole Rachmim vortrug. — Sonntag, den 15. Kislev hielt im Bethausvereine B’nai B’rith sein I Neu 8!?öffnet! j i Herren-111 Dien-Friseir-Salon ״Ivonne“ | Spezialist in Dauerwellen, Färben, Wasserwellen und samt- 8 | liehen Haararbeiten, nach dem modersten Stil ausgeführt. I ן Sehr zivile Preise. J ( Wien, II., Lilienhrunng. 3. (Heben Hotel Dianabai) Tel. 45-7011 Kanonikus Veith und die Ritualmordbeschuldigung. (Eine Episode aus dem Leben des ■berühmten Predigers.) Bin Freund unseres Blattes schreibt uns: *Die Wiederkehr :des!50. Todestages des einst so gefeierten Dompredigers von St. Stephan, ■loh. Em. Veith, hat einem großen Wiener -Blatte Anlaß gegeben, eine!Lebenssklzze *des!Mannes ,zu veröffentlichen,■ *der eiinst z׳u den interessantesten Persönlichkeiten Wiens gezählt hatte. Oie Schriften Veiths, :der einer der vielseitigsten!Gelehrten *war, er hat als Doktor!der Medizin, der Philosophie *und Doktor der Theologie eine ganze Bibliothek ■zusammen-!geschrieben, obgleich er einst schon *wegen seines Stiles!auch die Bewunderung des Kardinals Rauscher erregt hatte, ziemlich vergessen nnd liegen, selten beachtet, verstaubt in den *Schränken großer Bibliotheken. Aber ■auch die ,zahllosen gedrucktn Predigten des einnst so ibewunderten Kannzelredtiers!werden kaum mehr gelesen, ׳denn der hinreißende!Zauber, den ■sie offenbar einimnial besessen, scheint!doch nicht unabhängig von!der *Kunst des Vorträges *gewesen *zu sein. dVeith, der ׳als Prediger von zeitgenössischen *Kritikern mit iBossuet und Eenelon verglichen, ja *über sie gestellt wurde, wirkt heute ׳mit seinen ׳Kanzelraden so wenig, wie *mit seinen belletristischen Werken, die gleichfalls ©inst sehr gesucht waren, ׳aber heute keine Gemeinde mehr haben. Seltsamerweise fehlt in der erwähnten, vor wenigen Tagen erschienenen iLebensskizze *Veiths :jede Hindeutung auf eine!Episode in seinem Loben, durch *die der Name des abtrünnigen Konvertit *gerade in der Erinnerung ׳der Juden besonders lebhaft erhalten!hat, eine Episode, die ©inst — allerdings sind seither viele Jahrzehnte :dahingerauscht — die höchste Sensation in *den weitesten Kreisen hervorgerufen hatte. Der Domherr von ׳St. Stephan -hatte eines schönen Vereinsrabbiner, Sr. Ehrwiirden Herr Rabb. Moses Blech einen Hesped über den Beizer Rebbe. Eine vielliundertköpfige Menge lauschte tief erschüttert den von innerer Glut getragenen geistreichen Worten des Redners. Rabbiner Blech verstand ein lebendiges Bild von dem Beizer Zaddik zu entwerfen. In zu Herzen dringenden Mussarworten ermahnte er seine Zuhörer, durch Buße und Einkehr das Andenken des großen Niftar zu einem segensreichen zu gestalten. Leipzig. In dem Beth-Hamidfasch der Leipziger Talmud-Thora ״Ahavas Thora“ hielt Herr Rabbiner Feldmann נ״ו vor einer zahlreich erschienenen Gemeinde einen tief ergreifenden Hesper auf den Beizer Rebbe זצ״ל• in dem er die Persönlichkeit des großen Zaddik und seine Bedeutung für das gesamte religiöse Judentum würdigte: insbesondere seine unbeugsame Energie eines von eisernem Pflichtgefühl und leuchtender Prinzipienklarheit geleiteten Willens in dem Dienst der Thora. Im Anschluß an diesen Hesper sprach noch Herr Rabbiner Feldmann über den vor Monaten heimgegangenen ׳' weltberühmten Gaon Rabbi Meier Simchc-Dwinsk זצ״ל und forderte die Versammelten zur Erziehung der Jugend im Sinne dieser גחלי,ושרי התורה nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten dem Andenken der großen Verewigten gerecht zu werden. M. Wolf Wreschner +זצ״ל Tin Patriarchemälter von nahezu ׳neunzig Jahren' ■ist am 4. MarclhescÜiwan ׳eine!der ehrwürdigsten Gestalten der Hamibinrger Gemeinde, *Herr Wolf Wr eis •ebner, labbisirufen worden. Einer posensdhen Familie entstammend;. kannte der Heimgegangene 'auf eine lange, Aämenreilhie edelster, durch •überragemde, Thanakunde minidi Erömmiglkeiit lausgeizelidinette/r «Ge- ■neratiomen zu/rücksohauen, dienen eir sich ebenbürtig ansohloß. Das Bild seines Vaters. iRabibi *Abraham Aabibe Hrescbner יזצ״ל ■leibt noch!heute rind!er Posenor Volksüberliefemw© i׳n ׳strahlender Frische umd! *ihm nacteiueiieim, war ■das Leben1s1z*i1ei •dies nun *Da- Sonntags zu׳m Schlüsse seiner Predigt Anlaß •genommen, einige *Bemerkungen über den vielarörtarteri Fall *in Damaskns zu äussern, ׳der ׳zu *der :Rituailmor׳d:besch11,‘l׳digu11n:g gegen die Juden geführt und viel —!jüdisches!Blut gekostet hatte. Der Guardian eines *Kapuzinersklosters aus Sardinien, Pater Thomas, war ׳verschwunden, seine ,Ermor-!dnnng schien iiinnzweifelhaft unid türkische Judenfeinde!hatten es verstanden,!den Verdacht auf *die *Juden izu lenken, sie hätten izu rituellen Zwecken den Pater äbgeschlachtet. *Mit falschen Zeugen, und mit echten, ׳mörderisehen Mitteln wurde es zuwege gebracht, *daß eine Anzahl •der!angesehensten und reichsten Juden, darunter ein 80jähr:i'ger Greis!verhaftet und ■als ״*Ritualmörder“ der Tortur ausgeliefert wurden. Mit Drohungen, Bestechungen und!Folterqualen sollten Geständnisse erpreßt werden. Einzelne Angeklagte, zu schwach die furchtbaren Leiden an ertragen, gestanden, um der Beim endlich zu entgehen, ׳alles was /man von ihnen wollte, andere starben während des ״Justlzverfailirens“, einige retteten sich durch den Abiälil von*!ihrem Glauben. Seitdem •dleir in Wahnsinn׳ *und Böswilligkeit ■wurzelnde Rititalmordglauhe!besteht, /dürfte die Mordlust!keine ■solche Orgien *gefeiert!halben, wie in Damaskus. Unter den Mahnern, die Mut!und Herz hatten׳, ihr Won, gegen den grauenhaffen Wahnsinn zu toben, de׳r sich ■so *lange schon *ungehindert, ja!sogar von den *Behörden gefördert, ,gegen die Juden austobten/ durfte, war *auch der Domherr von St. Setplhari. Mit dem Kruzifix in ■der Hand schwor iKanoniiknis Veith vor ׳diem!Altar, diaß an d!en *Bkitbeschuldigiingen ■gegen die Juden kein׳ wahres Wort ׳sei. Das Aufsehen), das dieser feterii/ahe, ■i!n der diditgafüllter Kirche geleistete ■Eid damals ln Wien!machte, ist!schwer au foesdhifeiiben. iDaß Veith sich׳ dadurch in gewissen ■Kreisen mißliebig machte, ist wohl nicht übarrasahend. Manche Kränkung ׳und Zurücksetzung, dfe Veith!tm :Laufe der ■Jahre zu *erdulden!hatte,, die Bemühungen -in :einzelnen seiner Schriften, klrdüdi anfechtbare *Gedanken zu erurieran, mögen, wen« hiiugegaogenen. •Irr Breslau verbrachte er 'seine Mannesjahre, mit dies ׳Leibens ׳Natduirft oft genug hart ringend, getragen von <1!*nersc!h׳ül4tarliebem ■Gottvertrawen' und• einem *in dar Thora wurzelnden lUinve-rwüÄclhen ILeibenisircIhsmini. Wolf Wresdiner ,hatte sich von Jugend auf ein gründliches Tharawlssen angeeignet, er *war ein Talmud Clhoch'otn alten Schlages, ibegalbt mit ■ hellem, -scharfem Verstände:, kritischem Blick,;immer zu *einem ׳liebenswüirdiigen Schier,zwort aufgelegt *unid* doch um- ■flössen von ■dem Ernst *und der Tiefe wahrhafter Menschen-!fielbe. Je älter er wurde uinid! je /mehr die llieibende Vemalming ■seiner Kinder *ihn aus den erdnahen Küimme müssen und ׳Beseit werde 11 des Alltags emporthöb, dlesto wundertbairer entfalteten sich alle diese Eigenschaften des Geistes und Herzens, ׳und er ward •für!den Hamburger Kreis, in dem!er die fetzten Jahrzellmte seines Lehens!ztiibrachte, e׳i!m Vorbild!klassischer jiidischer Pflichttreue -autf allen Gebieten■ des Gemeindelebens. So . wie ■er ©eilebt, ist ׳er daä1agega׳ngen, •iin* vollem Bewußtsein des nalhenidlen Endes. Die •imposante Bestattung am Saimtag ver- ׳lieh der un!beschre!i!bli׳chen Liebe *und Verehrang, di!e man dom Hiaimgegangenen entgegenbradiite, ergreifenden Ausdruck. lim Tirauiaihaulse sprachen der älteiste Sohn dfes Niift-a, Ralbb. Doktor •Leopold Wiresclhner *aus ■Hombung, unid*• •der Schwiegersohn,■ Dr. Lpman Schlesinger, FLaimbiurg. Am׳ dar *Bahre kennzeichnete ׳Oibe׳rralbbin*er Dr. öpiitaeir!in großangelegtar Rede die iBedfeu/t/uing, des Heimgegangenen. Alsdann *sprachen׳ Ralbb. Dr. Baraberger namens ■der!Klaus, ferner die Herren Diamant, Hermann' Giimpertz, Jacob Rosenlhsim, Frankfurt, und Rabb• lUXr. Singermauini.!Berlin, letzterer namens dler Enkel und ■Urenkel. כשי Fleisch u. unter Aufsicht der עדת ישראל (Schiffschul). Se'chwaren aus der Fabrik Gabriel bischer wie sämtliche Weine und Spezereiwaren כשר• M ESckCirliiag-, Wien, IX, Liechtensteinstrasse Nr. 117 Telephon 11-6-82. — Jede Bestellung wird telephonisch ent- Kegengpnommen und sofort ins Haus zugestellt. auch nicht ausgesprochen/, *auf ׳diese :Szene im dlsr Kirche• *zurück- ,aiKiiilhren 50111/.!Es hat auch nicht au Versuchen ©efoiiir, übnUsens die Historizität de!•׳ Ereignisses im Frage izu ׳stellen. ■In dem vom mir erwähnten Artikel des Wiener Blattes findet sich auch eine zwei oder drei) Worte mmfasende An־' sptelumg, daß vifeBeicht eine unglücklich׳:: Liebs esgewesen, ׳die Vleiith zum ׳Briesterstand ׳gedrängt •hatte., En eiinam vor nalheiau *adit ■De*zenn!:1en• ׳in: Leipzig erschienenen ibiogra-pttriischen Wi&nke,, das auch eingellienide Miittarhnngen iilbei:■ den ■Lebenslauf Veitfc en'thäilt, wird über diesen■ *Punkt!beiläufig *folgendes berichtet: Veith 1׳ natte, nachdem ■er als Talmudsdhiiler mehrere Jatirne *in Prag grjeibt Iratte, wo er seinen Lebens1׳m:iie׳illr׳alt ■durch!:len Umteuriicilit *in■ jüdfeidhen Häusernorwamb), dem mediizilniischein ■Sudium!sich ׳zingewendet; er hat!bekanntlich a/uoh iin .späteren Jahren sich als ׳'hervorragender Amzt bewährt, der wahre W'imdekuren ansfiihte, .ohne jemals ein *Hanoar dafür an/zu-!nelimen. ׳I׳!rsbeson׳d*eri2 iirn Vetcrinärifaahe ׳hätte! sich Veith ׳bereits ׳in Prag solche' Kenntai/sse langeeigniet, daß er — *nadh dam ׳Uelbertriiitt zum Ghristenum —, kaum idbm Jünglingsalter en*twachsen, an׳ ■das k. k. TierarznieilnsfeLtut *in* Wien• — dessen 'Leitung ■er später *übernahm — als!Professor ■berufen wurde.!In Wien 'lernte Vditlli ein* Mädchen! aus ■christMiiar *Familie ׳kennen *ruid ilietoen, .mit ddm ־er sich verlobte und das er zu Heiraten entschlossen war. Einmal traf ׳ihn .seine Braut׳ ׳in ׳Ge- :selisclhait *sdniar zwei iBriidfer, die׳ :ihn zu!besuchen nach Wien gekommen waren. Die. Brüder waren -schlichte Handels- •laute ans der Provinz, ■denen man die jüdische Abstammung ansah. *Als das!Mädchen ׳erfuhr, daß dies ■ihre :zukünftigen ,Sühwägeir sein würden-, forderte sie vorn ׳!ihrem Bräutigam da׳s Versprechen, dlaß er ׳nach* der Heilrat *jede Verhiuckuig mit *seinen Verwandten lösen •werde. Veiith, ׳den■ dfe ön/zarthelt •dieses 'Verlangens vertetzta, das *iihim amoh mit Besorgnissen für die eigene Zukunft erfüllen mochte׳ ,׳löste die Beziehungen zu *seiner Verlebten. Aber •im Kampfe .zwiisicheii Liebe 11m׳d' bitterer Enttäuschung ,basdhloß er, /nichts mehr von der Ehe wissen *zu wollen und um!!n diesem Vorsätze, nicht ersdhiittert *zu warden), wendete er ,sich theologischen Stadien zu und wurde 'Geistlicher. g. •q_ין