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Jüdische Presse · 1926-11-19 · 47 (19.11.1926) · p. Seite 317

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
47 (19.11.1926)
Date
1926-11-19
Page
Seite 317 (sequence 1)
Language
German
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ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion u. Administration 1 Wien, II.,Leopolds• fasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-4-94. Tschechoslowakei s Bratislava, Postfach 140. Sricheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 12 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen für Oesterreich! Postsparkassenamtwien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau. Konto Nr. 190.409; für Ungarn! Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei! Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko, N. 40.217; für die Schweiz! Postscheckkonto Zürich VIII. 4117; für Deutschland! Postscheckkonto Berlin Nr, 122.619 8 1 ■ י* 4« 8fi0n->Brafis1ava919. November 1926 ♦ב״ה וינודפחןססבורג יג׳ כסלו תרפ״ז 12. 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Chemisches Laboratorium Dies ist die richtige Schreibart der Bezeichnung für die bekanntlich verachtetste Klasse der BevöHkerunig des ׳Kastenstaates Ostindien, es heißt wörtlich N:ic1hta1iier; der Hintergrund dieser Verächtlich־ machung von Millionen Menschen entstand also aus nationalem Urgrund. Ungefähr in derselben Gedan- 1ken- und Gefühlsrichtung liegt es, wenn die Griechen alle Fremdbürtigen Barbaren nennen. Ein römischer Dichter hingegen, der einsam in Verbannung lebte, prägte das Wort: Hier gelt’ ich als Barbar, weil mich keiner versteht. Diese geschichtlichen Reminiszenzen sind nicht überflüssig, wenn man sich in die Gedankenrichtung der modernen Jugend vertieft. Der Nachklang!der materialistischen Zeit, die heiße Sehnsucht nach!Geltung haben es fertig gebracht, daß sich Menschen dadurch einen Geltungsbereich zu schaffen versuchen, daß sie andere Menschengruppen bedrücken, und wenn das nicht angeht, zumindest verachten. Man muß schon einen tanz bedeutenden Fonds an inneren Werten haben, um dieser Verachtung nicht;zu erliegen, um sie ohne Schädigung des Charakters und des Selbstbewußtseins zu ertragen. Sehr wenige Menschen sind imstande, diesem Anstoß einer brutalen Umwelt wirksam zu begegnen. Es ist ׳der Ruhm der fast 2000 Jahre bedrückten, dem Haß und der Verachtung praisgegebenen ׳jüdischen Gemeinschaft, daß sie die Paryahstellung, die ihr eine schnöde Welt aufgezwungen hat, ohne nennenswerte Schädigung ertragen hat. So groß war die Gewalt des Ideals, so mächtig die Kraft der Thora. Die Revolution gegen das Golms, die ihren Ausdruck in einseitiger Betonung •nationalistischer Aspirationen gefunden hat, bedeutet den Wendepunkt des Ueberganges vom tragischen Heroismus zum Sklaven des Alltags. Leider haben sich derartige Bestrebungen zur Herabdrüokung einzelner Gruppen der jüdischen Ge- [ meinschaft. auch innerhalb dieser Gemeinschaft geltend gemacht. Es ist noch gar nicht so lange her, daß sich Juden gegenseitig nach Form und Zuschnitt der Kleidung, nach Reinheit der Beherrschung einer fremden Sprache abgeschätzt halben. Es ist noch gar nicht so lange her, daß die Westjuden auf den Ostjuden wegen seiner Einseitigkeit des Wissens •und der Lebensanschauung, die Ostjuden auf den West- ׳juden wegen des vermeintlich geringeren Umfanges seiner Intelligenz verächtlich geblickt haben. Diesen Versuch auf Schaffung einer Paryakaste innerhalb der Judenheit wirksam bekämpft zu haben, ist ein Hauptverdlenst der Aguda. Aber wir wlollen uns nicht täuschen, es gibt auch innerhalb der Orthodoxie ganz beträchtliche Kreise, die manches von ihrer Selbstachtung preisgeben, um Achtung von außen zu erkämpfen. Insbesondere unsere Jugend ertrug die Pariahstellung der Orthodoxie sehr schlecht. Man empfand sich als Objekt des Mitleids und das tut weh.;Noch hat die Aguda nach dieser Richtung ihr Ziel nicht ganz erreicht. Noch fehlt es an manchen Stellen an der eigenen Selbstachtung, noch immer ist man manch- Die Plenursitzene des Gesclisfflra Montag den 9. Ri sie w 3687 (15. November) begann die Tagung des G. A. der Agudas J'sqj^L und dauerte bi!s M'ittwocßi nachmittags. An' der Plenarsitzung haben teilgenommen die Herren: Jajkclb Rosenheim, Dr. S. Ehrmann, Leo Wresohner aus Frankfurt a. M., Herr Rabbiner T. Vorawltz (Warschau), Rabbiner Dr. Lewenstein, Gh- 1• Eiß aus Zürich; von: den Wiener Mitgliedern des Gesehälftsaiussehusses: der Vorsitzende. Rabbiner Dr. Pinchas K׳chn, t Woi Pappenheim, Oberrabbiner Fürst, [Rabbi Beer Friedmann, ׳Dr. Leo Deutsch- :länder, Heinrich Pappenhe:m, ferner Großrabbiner N. Friedmann (Sadagora) und der Vizepräsident des Zentralrates M. Felsenlburg sowie Raiblbiiner Dr. J. Pollak ׳und J• J. Braun (Bratislava). Die Beratungen wurden Montag!um 11 Uhr vormittags unter Vorsitz von Rabbiner Dr. P. Rohn begonnen. Der Vorsitzende erstattete Bericht über den Stand der ■ Un t er'ihiaind׳lung e n mii׳}t der pal äs t■intensiisehen Regierung in der Frage der Gemeindeges e t zg eb'iin g.' Rabbiner Dr. Leiwen stein referierte über die Arbeit der politischen Exekutive beim Völkerbund. A׳u1f!Grund der erstatteten Referate entfaltete sich eiine lebhafte Diskussion, in welcher alle Momente, die bei dieser äußerst wichtigen Frage in Betracht kommen, in Erwägung gezogen wurden. Das Resultat der Volksabstimmung in Erez Jisroel, die ein so überaus günstiges Ergebnis für die Forderung nach der religiösen Selbständigkeit ׳der Orthodoxie ergab,!wurde ■durch die detaillierten Mitteilungen des Rabbi Mosche Blau aus Jerusalem noch in seiner Bedeut'ung erhöht. Die politische Leitung d׳er Agudas Jisroel wird nun energisch ihre Bemi'fhungen fortsetzen, um ihren Stand- Punkt bei ׳der endgültigen Abfassung des Gesetzes für die jüdischen Gemeinden ׳in Palästina mm Sieg zu bringen. Herr Jakob Rosenheim äußerte sich über diese Frage einem Vertreter der Jüdischen Telegnaphen-Agentur gegenüber folgendermaßen: ״Die Beratung galt einer Reihe von ׳wichtigen Organisattonsfragen, unter anderem auch der Einberufung, beziehungsweise Vorbereitung der Kenessio Gedan 10; es sollen über Termin und Ort zunächst die Lahdesorganisationen gehört wenden. Für die Oef׳fentli׳chkei׳t hat wohl am meisten Interesse die weitere Entwicklung der palästinensischen Gem e i 11 ׳d e g e s ׳e t z i r a g e, über die eingehend beraten wurde. Die politische Exekutive stellte fest, daß alle Vermal!stolz, wenn ein Thoraleugner und Thorafeind uns ׳das Kompliiment!macht: ja, wenn alle Orthodoxen so wären .wie Sie ... Allein :das Bewußtsein,!daß auch eine von einem Staat erborgte.Macht, d׳ie sich gegen uns wandte, ein mit allen Waffen ausgestatteter!literarischer Feldzug,!der :unsere Ideale verkleinern möchte, un׳s nicht berühren kann, die inneren Werte unserer Anschauung nicht vermindern!darf,!das ist Zweck und Ziel der Jugendbewegung in der Agudas Jisroel. Die Aguda hat der J'Ugend ׳den Rückhalt!zu geben, mit dem sie allen Bestrebungen gegenüber, welche die Orthodoxie als einen Restbestand einer Barbarei innerhalb der Judenheit kennzeichnen möchten, stolz und groß!bleiben kann. Den Beweis, welchen Platz die Orthoidoxie erringen kann ׳und welcher ihr gebührt, er-!bringt die Zusammenfassung aller Kräfte der Orthodoxie am allerbesten. Unsere Jugend muß es lernen, zu lachen über die Versuche, die ׳gerade dlie Thoratreuen als den schlechteren Teil der Juden hin- ׳stellen. Die Blüte aller ■Segnungen, ׳die der Allmächtige verheißen hat, heißt ״Ich we׳rde euch euren Weg aufrecht gehen lehren.“ P. K. sudie, mit <l׳er zionistischen Organisation, beziehungsweise dem Waad!enml z׳u . einer Verständigiutig z׳u gelangen, a!n der Intransigenz dieser Körperschaften gescheitert seien. Auf die weitgehenden K׳ompromißvor;sclhläge der Agudas Isroel' vom Juni 1926, die zwar selbstverständlich an dem Rechte a׳uf selbständige Gemeindelbildung!für!d!'.e Orthodoxie fest- :halten, aber einheitliche Orts- •und Landesamschüsse für die politische Vertretung nach oben •und aiußen vors׳e!hen, ist nicht einmal eine Antwort erfolgt. Dagegen hat tmvn Kolonei Symes die Vorstellung suggeriert; hinter den Forderungen der Agudas Israel stünde ein Häuflein ■von vielleicht 3000 Seelen in Erez Isroel. Das Ergebnis der von ans veranstalteten Volksabstimmung die ohne nennenswerte Agitation .zair Unterzeichnung unserer Eingepe •durch 7240 Familieiihäupter führte — was mindestens 35.000 Seelen entspricht —, wird die Mandatarmacht wohl eines besseren belehrt haben. Wir wenigstens werden nichts unversucht lassen, ■um die öffentliche Meinung Englands für unsere gerechten Forderungen־ zu gewinnen, von deren Er- ׳füllung der Friede Erez Israels und die Erhaltung eines unverfälscht jüdischen Gemeinde lebe ns im Heiligen Lande für die kommenden Generationen abhängig ist. Traurig genug}, daß die Unduldsamkeit unserer jüdischen Brüder uns auch in Erez Isroel — wie in den Ländern der G01׳a — zwingt, um der Thora willen am den Gerechtigkeitssinn der nicht- ׳jüdischen Machthaber ׳zu appellieren “ Die Beratungen über die wirtschaftliche und kulturelle Arbeit der Aguda i!:1 Pauä׳st׳ina leitete der Direktor ■der Palästina-Zentrale Dr. S. Ehr mann mit einem längeren Referat ein• (Wir bringen da׳s Referat an anderer Stelle•) Der G. A. hat mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, daß die Palästina-Zentrale ihre Bemühungen ■um die gedeihliche Fortführung der wirtschaftlichen Arbeiten der Aguda in Erez Jisroel mit Erfolg fortsetzt, und daß für die Erhaltung der Thoralehranstalten der Aguda in Palästina auf dem Wege ■spezieller Sammlungen gesorgt wird. Diese Aktionen werden ׳in nächster ■Zeit von Dr. S. ׳Ehrmann und von Rabbi Mosche Blau in den mitteleuropäischen Staaten durchgeführt. Ueber Keren H a t h 0 r a referierte ■Herr Doktor D e׳u tscbl ämd er. Dem Referate entnehmen wir folgendes: Die 1Lage in den Ländern des Thora Studiums hat sic.hr im allgemeinen wenig gebessert. Wie der Kassenbericht zeigt, sind von der Krakauer bis zur Berliner Zentralratstagung für־ Die eleganten jüdischen Frauen tragen jetzt mit Vorliebe Othmar Schiffs bernh1״te Mode-Perücken die ebenso geschmackvoll und vornehm, wie leicht im Tragen und Frisieren sind Eine solche Bubi-Perücke kostet je nach Ausführung S 100■— bis S 160•— Moderne Transformationen mit naturgetreuem Scheitel von S 60.— bis S 90■—. Transformationen ohne Scheitelstrich von S 50.— bis S 70.— Das Reinigen, Wasserfrisieren sowie Reparieren aller Perücken wird übernommen und sorgfältigst ausgefühit, auch dann, wenn diese nicht bei uns erzeugt worden sind Othmar Schiff, Wien, 9. Kärntnern!# 6 Gegenüber dem Hotel ״Bristol“ Telephon Nr. 5162־3־ Verlangen Sie die kostenlose Zusendung unseres Kataloges! MT Wollen Sie gefälligst bei Bestellungen den Vornamen Othmar und die Adresse genau beachten! -Vs®

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