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Jüdische Presse · 1926-09-08 · 36-37 (8.9.1926) · p. Seite 253

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
36-37 (8.9.1926)
Date
1926-09-08
Page
Seite 253 (sequence 3)
Language
German
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JÜPBCBEPRESSE Seite ,253 ' ■ Nr: 36/37 I ₪ B9 S ₪ ₪ n m ₪ E S B ₪ m Welt berühmt sind die Perückenschöpfungen der Kunstwerkstätte Othmar Schiff, Wien, I., Kärntnerrmg 6 gegenüber dem Hotel Bristol wo man Perücken und Transformationen, trotz der gediegensten Qualität und sorgfältigsten Ausführung zu billigsten Preisen גוווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו1וווווווווווווווווווווווווווווווווווווו erhält m m ₪ m Weltenglück. . ׳Während anderen , Völkern >3.ic,h ׳der Beginn d׳e!s. Welt- ׳Werdens in •bunte, phan1t1asti׳scihc Mytho!10g׳ie ■des naiven’ Volksglauben! oder der!wissenschaftlichen Hypotlhosenfiille verililerir, stel% unsere Tihora ■diese Stande mütiten•• in dis Ciaschichitlich!- ■keh'kffieiin. Denn altes ■Geschehen der ■Gesahiahte lunid! der Kufitur ist bedingt1 von dem Verhältnis, w3׳:ah1:!s das Schöpferwert!uinmitteubar nach!der Schöpfung des Menschen; zur Aufgäbe ■der Menlschen an d!e*r Erde ,׳und1 ihren 1Gütern!schuf. Deshalb führt uns Roscih iHascihono geradlinig bis .zur Schöpiiuigsstunde zairück!und׳ sein Charakter ais •jaum hadiim bedeutet für ׳den. einizelmien und für die Gesamtlheiiit! ׳die ernste Auseinandersetlzumg mala der Frage, ■wie׳ weit •der Einzelne und■ diiie׳ Gesamt- 811e׳it dieser Aufgabe an der Erde und׳ iihren Gütern ׳im Raihmen ׳der Thoraiweiisang ׳gerecht geworden׳ sind. Es ergeht aber di!e!s0 Tharaiweisung ■nicht bloß am die Enk׳el Abrahams, sondern am a®e Völker der Wüte׳, so daß!Rösch Hasahono aiuch diesen ein jaum Hiadin;ist, auch dtesen׳ für i!h׳r gescilni׳ci!1i:i:iohes Werden׳ und Vergehen die Bahnen weist!und mißt. . Alllllierdings;iist der ■jüdischen Gemeinschaft in!ihrer Ge- IsbrrJhöit ■und in all ihren. ,Gliedern eine!besondere gcschlchtlichie Aufgabe zaigewie.se 11. H:ine׳ingespre׳ng;1 allüberall •׳dorthin, ’ wo Menschen ׳nn׳d Menschengruppen a׳us ׳dem Dunkel tiierhaften AEtiagslLibens sich! zum U'cihte ■fruchtbringender Tat emporzuringen versuchen, allüberall! dorthin, wo iKuLuirbestrebungen geschichtliidie Tatsachen amsreiifen lassen!, ist es die Aufgabe Israelis, ,iin seiner Entfaltung, in seinen׳ Bestrebungen, in seinen! gesdhiiiLihiW'ichen ■Plänen u!n׳d!Hoffnungen, einer Welt den■ Weg der beglückenden Wahrheit ,zu׳ ■zeigen! So ,predigt •jaum■ had.ln!das!Ereignis, daß eine isolierte Erirösung dies jüdischen Volkes nach dem• Geschiehtspian de;r Vorsehung eine Unmöglichkeit ist. Dieser 1Gedanke kommt ln wunderbarer Weise :zum Ausdruck in dem iPraplieteniwort, welches jüdische Sitte für ■den zweiten lag des׳ 'Freistes ,bestimmt hat. Da!wird uns ans Herz gelegt,!wie sehr die Liebe, welche der Weltenlenker seinem Voillke verheißt, eine Liebe!zur Welt ist (veahaivas aulom ahaftfehi). Als Zeichen dieser Doppe!l1׳’i׳ebe hat er eir.st!Israelis Kinder .in die wette Welt zerstreut, und erst, ׳wenn ■diese Lii.lbc sich wirksam gezeigt hat!,!ist ׳die ers rje Periode ■der Geschieht- Kchkeit, ׳das 'hicinar) de!•finden von Mensch und Erde, erfüll, erst ׳dämm kann ׳ein׳ ׳erdenleid1bcf.rcii.es, Erdenschiwene enthobenes VoEk auf seinem Baden!Führer zur ׳zweiten Periode! ׳der G׳e־ sch'ich'ttahfceit werden, m ' einer Epoche, da Menschen sich aund ■die Erde im Glück •des wechselseitigen,!Gebens und ׳Ne!hmenis!emporhöben׳. Nur Prophetenibliek vermag (merochaink niroh li lutsch em) die Brücke von den! Fernen der ׳ersten Wendestunde :bis ,zu ׳den! Fernen der Erlösung!zu schlagen. Der Jude aber, ■ welcher am Rösch ׳haschouo!zu dem Vorsatz- ■erstarkt, der •Kulturlosiigkeiit ׳einer enig-tierten Weit׳ mit der Hingabe seines ganzen Seins — das Lsd der Sinn ■der' Akeda in Vater und Sohn —, der wird dieses!Prophetenblicks •teilhaftig. Man!ist gewohnt, Rasch haschono-Gedankeri, Rasch I1asci10n0-Em1pfi.ndu.ngen׳ in die Welt des Eigenlebens au bannen; doch nicht so will es der jüdische Öeist. Nein, durch■ Herz ■und Seele ströme verheißend1 di3׳;Liebe G-ttes, aus Herz und Seele der denkend Betenden strömt diese selbstlose Liebe hinaus in die Weit, beglückend ׳und: erlösend!,!werbend: und befreiend., Und ׳eis■ trocknen die Tränen, und es ijuibieffit!das H!enz ■und ׳de,r millide Tarn d!es Erbarmens rieselt zur Erde. Das i;s1;• das Rasch haschanio-iGliück jüdischer 'Kinder. P. K. Probleme der russischen Kolonisation Das Problem der russischen Kolonisation beschäftigt die jüdische Öffentlichkeit immer mehr. Das russische Kolonisations-!werk ist aus dem nebelhaften Gebiet!des Problematischen!in die Welt der •Wirklichkeit gerückt. Die• Führer des amerikanischen Joint besuchen! nacheinander die Kolonien und verölffentriclhen ' statistische Daten und Schilderungen, sie!besprechen das Programm der ZukunftsarbcH mit einer solch detaillierten Ausfiihrlichkeit, daß ׳man an der Wahrhe't dieser Daten nicht mehr zweifeln kann. Die ״Jüdische Presse“ •hat sich auf Grund der jüngst mitgeteilten Daten eingehend mit dem Problem• der russ:- sahen Kolonisation beschäftigt, und zwar In aller Loyalität und Sympathie gegen die Konzeption des Projektes, gegen den philanthropischen Weitblick .der iftiiitiatoiren! u!n׳d Träger dieses Aufbauwerkes. Nur den Mangel des religiösen Geistes, nur das Fahlen׳ der notwendigen Lehr- und Bethäuser und der dringendsten rituellen Institutionen haben wir in scharfen •Worten getadelt, da unserer Ans'cht nach die ganze Kokmisationsarbe.it nicht den: Namen ״■jüdisch“ verdient, wenn diese ■Charakter ilsfciseihen: (Merkmale jüdischen Lebens aus ■ihnen fehlen. Nun fand.׳ 'in Berlin, am letzten Augusttag ein Presseempiang seitens der Jolnt-Führer statt, ■wo die Herren ^Billigkopf, Rüben Breinin, Dr. Rosen und׳ Dr. Bernhard Kahn vor dem Anreten ihrer Amerikareise Informationen für d:e Presse gegeben haben. Herr Billigkopf gab folgende Darstellung über das jüdische Kolonisationswerk: ״In ׳der Krim bestehen! 34 nenne jüdische Kotoin len, in denen 2500 Familien leben. Die ältesten wurden vor drei Jahren, die jüngsten vor drei Monaten begründet. Die ■neuen Kolonisten leben zum Teil in Unterständen, arbeiten schwer, sind aber mit ihrem Los vollkommen zufrieden, da si׳e sehen, daß die vor zwei Jahren angesiedelten• Kolonisten bereits Häuser, Inventar und einen Viehbestand haben. Der Boden ist nach. Meinung der Agronomen von bester Qualität. Herr Billigkopf hat viele hunderte Kolonisten befragt, ab sie nach der Stadt zurückkehren würden, wenn der freie Handel wieder bestehen würde. Alle erwiderten: Nein, wir bleiben hier. In den jüdischen Kolonien w er den d:e Sabbattage gehalten, Gottesdienste finden r e g e 1 m ä ß i g statt. Es bestehen schon Kliniken, leider noch keine Schulen; die werden erst im nächsten Jahre erbaut. Die Beziehung zu der nichtjüdischen׳ Nachbarschaft Ist herzlich. Herr Billigkopf!schilderte eingehend, wie die Kolonien finanziell fundiert werden. Die An- Siedlung einer Familie kostet 1200 •bis 1400 Rubel. Davon gibt Agro-Jolnt 400 bis 500, der Kolonist selbst muß 200 bis 300 Rubel investieren, den Rest gibt die' Regierung in Form von Krediten, Bauhofe u!nd Geld. So hat die Regierung Im letzten Jahre für das jüdische Kolonisationswerk 2 Millionen Rubel auf׳gew׳endet. , Herr B'lligkopf schloß, Joint habe diese Bewegung nicht geschaffen, sie begann 1923־ spontan, als Tausende jüdischer Familien aus eigenem Willen! aus Land zogen. Joint sieht sein« •Aufgabe darin,!die Bewegung .nicht ,scheitern!au ׳lassen׳. An Hand! sehr!interessanter Landkarten ״gab Herr Billigkopf. Auskunft über Umfang und Lage der jüdischen Kolonien und ■ihre. Ertragsfähigkelt. Durch Wei!erbeSiedlung soll die jüdische Kolonisation zusammenhängend gestaltet werden. In-Ghsrson sah Herr Billigkopf 35 Kolonien mit 3500 Familien, In Krijvorog haben sich 1200 Familien angesiedelt. Insgesamt sind in den letzten zwei Jahren etwa 10.000 ■jüdische ׳Familien angesiedelt worden. In einem Gespräch mit dem Volkskommissar Smfdowitsch sagte dieser, die Regierung habe ein starkes Interesse an dem Gelingen des Koiqnisatiionswerkes, wodurch die durch: das Zarenregime verelendeten jüdischen!׳ Massen zur Produktion zurückkehren. Smidowitsoh sagte, man •könne 100.000 jüdische Familien ansiedeln; der Volkskommissar Larin sprach sogar von 200.000, Für uns aber ist nicht, die Zahl wichtig, sondern die Tatsache, daß das jüdische Leben durch Produktion gesundet Nach Herrin BMigikopi sprach Reben Breinin. Idn bin., sagte er, seit 40 Jahren Zionist, jedem Werk, das dem Zlonlsmus schaden könnte, wäre ich abgeneigt. Ich kam nach• Rußland mit einer gewissen Skepsis, aber mit der festen Absicht, nur Tatsachen und Zahlen sprechen zu lassen. Ich habe gefimden, daß 99 Prozent d׳er russischen Zionistein und de;r Orthodoxen für die K 0 Ion i s a t i 0 n •i n Rußland sind. Ich berufe mich auf das Zeugnis von Doktor Rosen, ״d aß ,die Jewsektia weder kulturell, noch geistig ln Berührung mit dem ,Kolonisationswerk steht. Ich b׳e׳daur׳e. die Kurzsichtigkeit mancher Zionisten, die durch eine Opposition zum; Kolonisat'omswerk der Jewsektia Gelegenheit gehen, den Zionismus als Feind eines so populären Werkes daraus teilen. Und Ich muß sagen, die jüdische Gasse in Rußland ist dem Zionismus treu geblieben. Fiir mich selbst war es ein Wunder, zu'■ sehen, wie schnell sich die * ,Juden der Feldarbeit angepaßt haben und noch weit mehr leisen, als ׳die alteingesessene Bauernschaft׳. Henr ׳Brciinin zollte höchstes Lob dem Joint, ohne dessen Eingreifen die elementar entstandene Bwegung vielleicht zuisammengelbrochen wäre und viel Unglück und Enttäuschung gebracht hätte.“ ' - Zum ersten Male entnehmen wir ■in!den Aeiiißerungert ■der verantwortlichen! Leiter des russischen iKalonisatiöniswi&Tke's eine Bezugnahme a׳uf die Orthodoxie. Herr Billigkopf teilt ■mit, daß in den jüdischen Kolonien die Sabhatt-age gehalten werden, daß dort regelmäßig G-ttesdienst stattfindet. Bloß Schulen fehlen leider bisher, die werden erst im nächsten Jahre erbaut. Herr Breinin geht!noch ׳weiter, er behauptet,!daß 99 Prozent der Orthodoxen in Rußland für die Kolonisation in Rußland sind und daß die1 Jewsektia weder kulturell noch geistig in Berührung mit dem Kolonisationsiwerk steht. Diese Aeußerungen! werden in allen Kreisen der thoratreiien Juden große Beachtung finden. Bis jetzt lauteten unsere Informationen anders. Bis jetzt hieß es, daß das Aufbauwerk in Rußland alles vermissen lasse, was an das wahre Judentum, an1 das religiöse Judentum erinnert, ■daß die!einzelnen. ,Beitrag!eistende 11 1bi!s jetzt für religiöse Zwecke keinen Rubel erübrigen, konnten. Wir verzeichnen zu- ,nächst die Aeußerungen der Führer der Koionisatioinsarbeit über die religiösen Institutionen und über den religiösen Geist der Kolonien mit d׳em Vorbehalt, daß wir ihnen nur werden vollen Glauben schenken können, wenn die von Herrn Billigkopf und Breinin angeführten Tatsachen auch von• den religiösen Führern der• russischen thoratreuen Judenheit oder von einer Studienkommission der großen thoratreuen Organisationen bestätigt werden würden. Die thorafcreae Judenheit wird, so wollen■ wir

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