Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 25 (18.6.1926)
- Date
- 1926-06-18
- Page
- Seite 183 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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v.b.d. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion u. Administration! Wien, II.,Leopoldsfasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-494־. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 12 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen für Oesterreich: Postsparkassenamtwien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Poslsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko, N. 40.217; für die Schweiz: Postscheckkonto Zürich VIII. 4117; für Deutschland! Postscheckkonto Berlin Nr, 122.619 - 10 CM - ■ li S Wian-Bratisiava, 18; Juai 1926 ,ביה וינזידפרעססבוירנ ר׳ תמוז מרפ׳ו 12- Jahrg■ Del* Kulturkampf in Oesterreich. Chronik der Woche. Der Abschied Dr. Ehrmanns. Dr. Salomoa Bhrmann. Voisitzender der Palästinazaiifcrale: der Aguda, fwlir!mit seiner Frau von New-York auf dem Dampfer ■Deutschland׳ nach einem Aule nt- 11 a׳It von 6 Monaten alb. Eine Abordnung, welche das Exekutivkomitee, den Zentral rat und den raibbitnisohen! Rat der Aga da vertrat, war am Abfabrtsplatz, um Dr. lEilirmann! Lebewohl zu sagen, lieber 200 Gaste versammelten sich im Centralm-tel am BroadKvay Zum Absdbiedsbankett fiiir Dr. Salomon. Elhrmann und Frau. Rabbi Ezekiel Lii;p sch i׳t z und Rabbi Meiir Don P1 Oft zki waren unter den Rednern. Richter Otto A. Rosalsky erklärte!in einer Ansprache an die Versammlung, dass er nicht ■interessiert wäre an einer Partei, weiche Palästina in kultureller, politischer oder wirtschaftlicher Beziehung aufzubauen beabsichtigt, sondern dass er mit Herz und Seele der Partei angehöre., welche Palästina!ת eilig lös und geistig aufriditen wird, den Zielen entsprechend, welche ׳im (Programm der Aguda enthalten sind. Es sprachen ferner Rabbi Leo J u n g, Rabbi ■Herbert S. Go Idstein, Rabbi׳ Riw.klnd von Philadelpihia und Samuel Bettelheim. Der neue Präsident der Aguda in Amerika, Mr. William Firschmann, wurde zum Präsidenten der ■Aguda von Amerika ©ewäilult. Joseph C. Cohen, Joschua Epstein, Benjamin 1Königsberg und Rabbi E. M. Preil wurden!zu Vizepräsidenten gewählt. Ein Antrag, die erste Landes Versammlung der Aguda von Amerika ln Phiiladellphia Ende Oktober abzuhalten., wurde nageuommen. Der Rat behielt ׳sich aber ׳den!Beschluss darüber vor, ob diese Zusammenkunft in!New-York oder Pbüliackiliphia stattfinden soll. Fortschritt der Aguda in Philadelphia. Die tilioratreuen Juden im Philadelphia ■schHessen sich nach und nach um die Fahne der Aguda!zusammen, uind׳ •noch ein bedeutender Fortschritt steht uns bevor, :sagte Rabbi׳ Riwkind von Philadelphia in einer Rede, die er beim!Bankett!zu. Bhiren׳ Dr. Ehrmanns hielt. Er sagte ferner, dass •die Ortsgruppe der Aguda daselbst beschlossen habe, eine orthodoxe ׳Gemeindesahufö imllt einem Aufwand von Dollar 50.000 izu errichten, welche vom Geiste der Tihora erfüllt ׳sein soll. Die zweite Session der Zentralkomiteesitzung der Poale Agudas Jisroel in Polen. Lodz. (AJRB.) Vor einigen Tagen fand in Lodz im Lokal der Agudas Jisroel die zweite Session der Zentralkomiteesitzung der Poale Agudas Jisroel (orthodoxe Arbeiterbewegung) statt. Es waren •sämtliche Zentralkomitee- ■mitglieder sowie deren Vertreter in den Kultusstuben •und Gemeinderäten •anwesend. E׳s wurde ein einheitlicher Arb׳ei׳tsplan in politischer!und allgemeiner Beziehung nach •langer Debatte ausgearbeitet. Der Riesenbranü 1m jüdischen Viertel von Dünabürg. Der Brand im jüdischen Viertel von Dünaburg hat eine katastrophale Verheerung angerichtet. 108 jiidisehe Geschäftsläden samt allen Waren brannten vollständig aus; der Schaden wird auf etwa 15 Millionen lettländische Rübe! geschätzt. Ausser dem Marktplatz mit den jüdischen Läden sind einige Gassenviertel dem Brande zum Opfer gefallen. 200 Familien sind obdachlos und vollständig ruiniert. 90 Prozent der durch den Brand1 Geschädigten sind Juden. Die jüdische Fraktion im lettländischen Sejm wandten sich an die Regierung mit dem Ersuchen, eine gewisse Summe für schnelle Hilfe an die Opfer zu bewilligen. Die Regierung versprach' dieses Ansuchen zu erfüllen. Der Brand nahm aus der Werkstatt eines jüdischen Schuhmachers seinen Anfang, der eine brennende Oellampe unbeaufsichtigt in der verschlossenen Wohnung zurückliess. Das Feuer wütete die ganze Nacht hindurch. Erst gegen Morgen gelang es den Brand zu lokalisieren. < Die Frage der Zwangssonntagsruhe in Saloniki gelöst. — General Pangalos drückt den Juden Griechenlands sein Wohlwollen ans. Der Präsident d׳eT Republik Griechenland, General י Pangalos. hat eine Verordnung erlasse(!, wonach den Juden Salonikis gestattet wird, des Sonntags drei Stunden;zu arbeiten, sowie die Geschäftsläden ׳und Bureaus offen zu halten. General Pangalos ׳betont in seiner ׳Mitteilung, dass er durah dieses Ent- «egenkommen gegenüber den. Forderungen der Jadensdiaft Salonikis zugleich sein Wohlwollen׳ gegenüber der Jadenschaft ganz Griechenlands zum Ausdruck bringen wolle. Eitfo jüdische Totenstadt in Spanien. Eine Meldung aus Madrid besagt: In Teruel wurde gelegentlich von Grabm1gen in der Nähe des Stierkampfplatzes eine jüdische Totensadl entdeckt, die aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammt. In den Gräbern wurden guterhaltene Mumien entdeckt', die zum Teii Schmuck und Juwelen von ausserordentlich hohem Wert aufwiesen. Die Sachverständigen legen den Funden grossen Wert für die Geschichte der Juden in Spanien bei. | •Dem Wetterleuchten arn Horizont der österreichischen Ku'ltur, das am Beginn dieses Schuljahres in einem internen Kampf zwischen dem Wiener sozialdemokratisch orientierten Stadtschulrat und dein;Kuttusamt,!dessen Leiter ein Christlichsozialer ist, auuMtzte, folg; mm am Ende des Schuljahres der Kampf. Ein regelrechter Kulturkampf. Die Kampflinie ,ist klar. Die Sozial/dcmokraten und!die Freidenker wollen das österrelcihtedie Büldhngs׳wesen von der untersten Stufe an׳ nach den Grundsätzen ihrer Weltanschauung formen, die konservativ- 'bürgerlichen Elemente!, ■deren politischer Vertreter die Christllicihsoziale Partei ist,;will •die Schule als die feste Burg ihrer Weltanschauung erhalten. Die österreichische, ■besonders aber die Wiener Juldenheiit ist au diesem Kampfe in sehr hohem Masse interessiert. Die jüdischen K1i׳nd!e׳r besuchen zum überwiegenden Teil die allgemeine Volksschule, über deren Schicksal jetzt entschieden wiird. Die österreichische Jwdeniheit wird aber kaum die Möglichkeit ,Waben, an der Entscheidung über das Wesen der Sdhule ׳ihrer Kinder mitzuwirke 11. Da die österreichische Judenlbeit in ׳ihrer ' •überwiegenden Mehrheit religiös und konservativ gesinnt ist, kann sie die soziale!emokrafiscihe Schulpolitik, die auf vollkommene Verdrängung der Religion aus der Schule .;hliriurheitet, unmöglich guthieissen. Sie kann sich albier auch mfc den cihristllichsoiziialen Tendenzen ,nicht restlos identifizieren!. Es zeigt sich!hier eben, ,Wie sehr die■ Juden ganz eigene Kulturbedürmiisse haben, dass sie ganz ,andere Ansprüche an eine Volksschule stellen müssen, als welche die Siimiultanschiule, einerlei/ öib '■',s0׳ziäl!demokr׳ä׳tisc111er oder ohristlichsozialer Färbung, befriedigen könnte. Die knl- ,tiiirleide jA׳u10• n!0!m!Ie, zumindest׳ tiuif /dem Gebiete •des niederen. Sc81(11!wesens, Ist eil ne’ 1LVbien1s.no t wendigkeit der j ii dii seihte n Bevölkerung in Wien. Es ist jammerschade, dass bisher ,fiiir ,diese Autonomie nur jene ׳Gruppen im Judentum eingetretem stad, ■die auf nationalistischer ,Grundlage׳ stehen. Da ■die österreichische Judenheit von den nationale 11 Min,derheitsrechten nichts ■wissen ׳will, lehnte sic beharrlich ab, ■durah die Forderung einer kulturellen Autonomie, die bisher nur als jü'dischnationalies Postulat galt, nationalistisehe Ansprüche zu unterstützen. Wir betrachten aber die Frage ■der ikiu Unreifen Autonomie׳ durchaus nie (hi׳:׳ vom na Wonalistiiscihen Standpunkt. Wir sagen, dass die Religion ■für uns Juden• eine ganz andere Bedeutung •hat, als sie bei anderen Gruppen d׳e!r österreichischen , Bevölkerung einnimmt. Der Sozialdemokrat, der für die Ausscheidung aller religiösen Belange a׳u,s der Schule eimtritr, kann ein telben:so echter Deutscher und Oestemeiclher sein als der ChristlHcihsoziale, der von seiner Weltanschauung aus ■eine Schule auf sittlich-religiöser Grundlage verlangt. Bei uns Juden •aber liegt die Sache anders. Das jüdische Kind• hört auf J!ude zu sein, faills es von der Religion seiner Väter, von der Wissenschaft seines Volkes im der Sdhule nichts •erfährt und in Unkenntnis über seine Be- Stimmung als Jude gelassen wird. All jene, die das über- ■lieferte• Judentum nicht mit einem modernen völkischen oder ■sozialistischen Schema vertauschen wollen,!müssen daher bestrebt sein, die heramwacihsende junge Generation •111 Schulen ,zu erziehen, die dem! jüdischen Geiste, der jüdischen Wissen- ׳schait׳, •der jüdischen Religion nebs•: den vorn Staate ver-. 'langten Disziplinen einen breiten: Raum gewähren. Dieses ׳Ideal• kann!nur an spezifische u j ii d i s c lh e n Sch 1111 e n erreicht werden. Die Gründung spezifisch jüdischer Schulen ,ist aber der Beginn einer bescheidenen Autonomie auf kultureflem Gebiete. 'Die Wiener Judenheit war bisher nicht willens, solche Schulen zu errichten. Die einzige Schule für das schulpflichtige Alter, die V 0 1׳ k■ sjii tid Bürgerschule f ü r K11• a ib e n u ■n id M ä d c h e n des Tafmud-Thoira-Sdhui- Vereines im zweiten Bezirk, kämpft ununterbrochen mit materiehen Schwierigkeiten und geniesst ,nicht jene Förderung, die sie auf Grund ihrer einzigartigen Stellung, auf Gmund ihrer •einzigartigen Leistung beanspruchen dürfte. Der Kultunkampf, der hum in Oesterreich mit voller Schärfe ausgebrochen ist, wird sicSierlich auch׳ auf die jüdische Bevölkerung in W!ien einen grossen Eindruck ,machen. Sie wird׳ jetzt vielleicht zum ersten; Male empfinden, dass sie isoliert tind ungerüstet da,steht, dass sie keine richtige Stellung zu den Problemen dieses Kulturkampfes nehmen kann, obwohl der Ausgang dieses Kampfes auch für sie von weittragendster Bedeutung ist. Sie wird sich vielleicht jetzt — und das wäre sicherlich ein schätzenswertes Ergebnis dieses Kulturkampfes! — amf sich selbst besinnen. Sie wird erkenluen, dass .ihre Kulturauifgabe weitab vom jenen Problemen liegt!, die jetzt die Gemüter ta Oesterreich in solch heftige Wallung gebracht haben. Die jiid'ischte Bevölkerung beidarf dringend jüdischer Schulen, damit ihre Kinder Juden bleiiben^ können. Die Förderung der bereits bestehenden jüdischen. ׳Schulen, die Errichtung neuer Anstalten•׳ wäre jüdisoherseits die einzig richtige Stellungnahme■ zum österreichischen Kulturkampf,!der ansonsten uns Juden nur Schaden unid keinerlei Gewinn bringen könnte. Möge die Entscheidung so oder, so auslfallen, für uns Juden ist weder die religionslose■-sozialdemokratische, noch die von den Christiichsoziafen beherrschte Schule das Ideal. Wir •Juden brauchen, jüdische Schulen. ' P. . 1 Das Memorandum der Zionistischen Organisation an den Völkerbund. . Wir entnehmen den ״!Blätter, ihenausgegieibeii von■ de,r Lamdesorgamisation!der Agudas Jisroel in Deutschland“ .folgenden instruktiven Artikel. Die Zionistische Organisation hat •dem Völkerbund ein Memorandum über ׳die Entwicklung des;jüdischen National- ■heimes!im dem Zeitraum 1925-26 überreicht, ׳das .sich mit den׳ Fragen der Einwanderung, der ׳landwirtschaftlichen und siäidfcisehen Siedlung, :der ■Industrie, •des Gesundheils- ,und Erziehungswesens befasst unld alsdann in besonderen Abschnitten ■das .Gemeindegesetz und •die Jewisih Agency behandelt. Die Aeusse- •rangen des Memorandums übler die Forderungen der palästinen-;Stechern Orthodoxie ׳und• der Agudas Jifroel mm Gemeimdegesetz seien i!m folgenden;in wörtlicher Lieber Setzung wiedergegeben.. Jllm Zusammenhang hiermit: sollen 111 Kürze die Kundgebuugen!bele1ucl1te׳t werden, die'de,r ständigen Mandatkommissioei und׳ ׳der Mandatinrmaclit von der Asdhkemasischen Gemrjimide in •Jerusalem!zusammen mit Agudas Jisroel übermittelt worlden sind. Nach Mitteilung de;r Mamdatarmacb: in der ■siebenten Sitzung der Mandatkommiission zählt die Asc'hkenasisehe Gemeinde ■etwa 1200 Mitglieder. Diese Geimeinde ist also nur ein kleiner Teil der ascbkenuslschen Juden in Jerusalem unid stellt eine geringfügige ■Quantität ׳dar im Verhältnis ■zu ■der gesamten ZaIM (der Juden ln Eraz Jisroel. Die geringe Zahl ist jedoch noch kein genügender Grund, ihre gerechten For- •derungen: nicht amzuerkennen. Jedoch steht :diese Angelegen- ■heit ׳in Verbindung mit den Forderungen, welche' idle Zionistische Organisation stich für berechtigt hält, der Regierung gegeniibet zu ׳erheben. Oie Ansicht 'der Zionistischen Organisation ist;folgende: 1(11!Anbetracht des Umstanides, dass ׳die jüdische Geme in schait, für welch e das Gerne in/degeseitz ,bestimmt ׳ist, sich aus der überwiegenden Mehrheit der jüdischen •Bevölkerung zusammensetzen muss, ist!es klar, dass eine' Gruppe von einigen ihiutidert Familien ■nicht in der gleichen Weise eine gesetzliche Anerkennung als besondere jüdische Kethilla beanspruchen kann. Was eine solche!Gruppe miit Recht verlangen kann, ist unbegrenzte ,Freiheit des Glaubens •unid Meine ns und das volle Recht, an ihren Anschauungen ,in allem, was •die Religion und die praktischen Reliigionsiilbungen betritt, festzuhalten. Wenn sie sich von der ,Gesamtheit der jüdischen ׳Gemeinschaft absondern will, so :h!a!r •sie ein Recht dazu und ■sie kann! sich auf Grund freier Willensbutätigung organisieren. Was die S che ah ita frage!beitriifft, so ist es klar, dass das Vorhandensein zweier Autoritäten für Schechitaangelegeniheiten an einem und demselben 0;rt, von denen die eine mit ׳der anderen kämpft, Die eleganten jüdischen Frauen tragen jetzt mit Vorliebe Othmar Schiffsb6rUhmte Mode-Perücken die ebenso geschmackvoll und vornehm, wie leicht im Tragen und Frisieren sind Eine solche Bubi-Perücke kostet je nach Ausführung S 100.— bis S 160.— Moderne Transformationen mit naturgetreuem Scheitel von S 60.— bis S 90.—. Transformationen ohne Scheitelstrich von S 50.— bis S 70.— Das Reinlgenv Wasserfrisieren sowie Reparieren aller Perücken wird übernommen und sorgfältigst ausgeführt, auch dann, wenn diese nicht bei uns erzeugt worden sind, Othmar Schiff! Wien! I. Kärntnerrinü 6 Gegenüber dem Hotel ,!Bristol“ Telephon Nr. 51-362־ Verlangen Sie die kostenlose Zusendung unseres Kataloges! ga@r Wollen Sie gefälligst bei Bestellungen den Vornamen Othmar una die Adresse genau beachten 1 *9(3