Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1926-03-26 · 13-14 (26.3.1926) · p. Seite 108

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
13-14 (26.3.1926)
Date
1926-03-26
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2629891-2630148-2630161--2181-2634020
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Sfcite 108 JÜDISCHE PRESSE Nr. 13/14 nicht entsagen wollen, können nicht- Mitglieder sein. Das gleiche gi/lt von Frauen 1und Mädchen, die *,Vereinen oder Organisationen angeboren oder Veranstaltungen besuchen, deren Tendenzen von den massgebenden religiösen Führern mit dem Geiste des orthodoxen Judentums als unvereinbar erklärt werden“. Wenn die Erfahrung zeigt, dass hunderte jüdische Frauen sich bereit erklärten!, den Bedingungen zu entsprechen, die eine Probe auf ihre Gesinnung sein will, so ׳beweist dies, dass es sich lohnt, hier die Hebel anzusetzen, um ״das Herz der Jugend zu ihren Vätern zuriickzufirhren“ und dass es den Frauen- und Mäclahengrirppen der Agudas Jisroel auch in unseren Tagen gelingen könnte!. sich um unser Volk die gleichen Verdienste zu erwerben wie ihre Ahnfrauen in Mizrajim, von denen unsere Weisen berichten: בזכות נשים צדקניות ננאלו אבותינו ממצרים ״)Wegen der frommen Frauen wurden unsere Ahnen aus Mizrajim erlöst.“) Die Veranlassung zur ersten gemeinsamen grösseren Veranstaltun!g der Agudas Jisroel-Frauen- und Mädchen gruppe gab die Anwesenheit von Fräulein Betty Rothschild aus Zürich, die auf der Durchreise von Polen nach ihrer Heimat der dringenden Einladung der Brati'slaver Gesinmingsgenossinmen Folge gab. An der Bahnstation von einer Vertretung des Initiativkomitees herzlichst begriisst. war Fräulein Rothschild während ihres Aufenthaltes in Bratislava Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit der orthodoxen Damen. Ihre grossen Verdienste um die Sammlung der orthodoxen Mädchen in der Schweiz und. Polen um das Thoraideal und die gründlichen Leistungen für die orthodoxen ״Bes Jakob“-Schujen in! Polen :hatten sie hier schon. im voraus vorzüglich eingeführt und ihren Anregungen die Herzen gewonnen. Diese Sympathien steigerten sibh zu einer flammenden Begeisterung, als sie im Saale des Hartdelsgrami'ums in Gegen wärt von mehreren hundert jüdischen Frauen und Mädchen aus ,allen׳ Kreisen ihren Vortrag hielt. Der Saal erwies sich zu• klein und konnte nicht alle Damen fassen, v die 11m Einlass begehrten. War es doch das erstemal, ׳dass in Bratislava eine orthodoxe jüdische Dame vor einer Versammlung von jüdischen Frauen und Mädchen über Dinge sprach, die dem Herzen der jüdischen Frau in der Gegenwart nahegehen. Im Namen des Initiativkomitees begriisste Frau Eduard Schl enger die Referentin mit ,herzlichen Worten. Darauf ergriff Fräulein Rothschild das Wort zu• einem knappen, aber instruktiven Vortrag über die Bestrebungen der orthodoxen jüdischen Frauen und Mädchen in den Ländern׳ des Westens und des Ostens, sich seelisch und: geistig für die Aufgaben zu rüsten, die ■ihnen die Lage des Judentums ,in unseren Tagen auferlegt. Ohne Aufwand von rednerischen Floskeln, schlicht und einfach, als ob es sich um Fragen der alltäglichen Beschäftigung handelte, schilderte sie die geistige lind moralische Situation der jüdischen Frau und wies ■auf die Mängel hin, die notwendigerweise die schlimmsten Wirkungen . im Gefolge haben müssen, wenn ihnen nicht mit tauglichen Mitteln gesteuert wird. Sie erzählte von den Erfolgen in Polen, und ■ihre Warle wirkten auf die ganze Versammlung m׳it% der Kraft des unmittelbar׳ Erlebten. Gespannt folgten die Anwesenden ihren kurzen Berichten; denn alles, was sie sagte, war neu und doch von jeder im Judentum verwurzelten, jüdischen׳ Frau tief im Herzen empfunden worden — bevor sich ׳eine Mitschwester fand, die treue jüdische Frauengedanken in solch einfache Worte zu kleiden verstand. Als der Vortrag'zu Ende war. s*and es bei allen Erschienenen fest, dass die Agudas Jisroel-Frauen- und Mädchengruppe' auf dem ' richtigen Wege ׳ist, wenn sie sich solche Ziele setzt, wie sie hier praktisch vorgeführt wurden. Frau Schier ge r gab hierauf in eine: schönen und wirxungsvollen Ansprache den Gefühlen Ausdruck, die die Versammlung beherrschten, dankte der Rednerin für den Vortrag und forderte alle orthodoxen jüdischen Frauen und1 Mädchen auf, sich der Gruppe anzuschliessen und in ihr für die Erhaltung und Stärkung der jüdischen religiösen Ideale zu wirken. An Fräulein Rothschiid aber richtete sie im Namen der ganzen Versammlung die Bitte, wieder nach Pressburg’ zu kommen ■und׳ einige Zeit an ׳der Durchführung des aufgesl’ellten Programmes mitziiarbeiten. Mit jubelndem Beifall umringten hunderte Frauen und Mädchen ihren schnell liebgewordenen Gast und veranstaneten spontan ein kleines Fest zu seinen Ehren, bei׳ dem es fröhlich •tnd munter, aber auch im schönsten Sinne des, Wortes •— j i'i d iil s c h l herging. Die jüdische Frau und das jüdische Mädchen als bewusste Pflegerin der jüdischen Gedanken- und Gefühlswelt, das ist das Programm. Und der Versuch in Bratislava hat cleutlieh und unwiderleglich gezeigt, dass ׳die jüdischen Frauen mit Recht: sagen dürfen: ״Auch wir können — wenn wir wollen!“ * Die Repräsentanz der Bratislavaer orthodoxen Genieinde. Der!Ausgleich ,zwischen den beiden Wahliparteien in der Bratislävaei1 ׳Gemeinde •ist am 18. März zustandege,kommen. Laut der Vereinbarung gehören!nunmehr!folgende Herren der :Repräsentanz an: ׳Phili'pip Benedikt, ßerthold Donoeibaum, M. W. Fischer, J. A. Frankel,!Markus Fürst, Juda ׳Grün'wald, | Jgn; Haar, Julius ׳Kann, Arnold Kämpfner, Jakob Katz, Lazar!Kohlmann,. Josef 1Kdfon1, Willi. Kohn׳, David Koth, Emamiel Leudnter,- Julius :Müller, Oskar Nachmias, Leop. Neumann, Philipp Neumann, Isidor Pappenheiim, Julius Reif1, Alex. Reiss, Dani iRosenbaum, Dr. Sah iRotter, Bernat Schlesinger, Sam. Stemfeld׳, Sam. Taub. M. Wasservogel, Siegm. Weinberger, Moses Wieiss. Sijumfeier an der ישיבה קטנה in Bratislava. Sonntag יום א׳ צי fand in der schön geschmückten Jeschiwoh- Mensa aus Anlass der Beendigung der^inD מם׳ בבא an der ישיבה קט״ eine Sijumfeier statt. Der Feier vorangegangen war das Verhören der Schüler durch Herrn' Rabbiner Wessely, der seiner Zufriedenheit mit dem: Resultat Ausdruck gab. Nachdem der Leiter Herr Rabbiner. L ö b 1, das Schlusslernen vorgetragen und die Mahlzeit in Anwesenheit des Rabbinates, des Gemeindevorstandes, der Gaboitn und zahlreicher angesehener Gemeindemitglieder sowie der Schüler ihren Anfang genommen hattej ergriff Se. Ehrvv. Herr Oberrabbiner Schreiber׳ das Wort zu einer herzlichen Ansprache, in der er seinei1 Freude über die vorzügliche Entwicklung der ישיבה קמגה Ausdruck verlieh, sowohl Herrn, Rabbiner Löbl als auch den G a b o i m für ihre unermüdliche aufopfernde Arbeit im Dienste des הרמת קרן התורה. Dank sagte und die־ Erschienenen aufforderte, die Anstalt gedeihlich zu fördern: Darauf hielten noch die Herren Rabbiner Wessely und Löbl tiefgründige חריפות Vorträge. In später Nachtstunde wurde das Benschen versteigert und die schöne Feier nahm ihr Ende. ) Schulprüfung in Galanta• Aus G a 1 a n t a wird uns berichtet: fn der תלמוד תורה der hiesigen I ant. orth. Gemeinde fand vor einigen Tagen in Anwesenheit Sr. Ehrw. des Herrn Oberrabbiners Benj. Seidl und vieler Baalebatim die Schlussprüfung des Wintersemesters statt. Die Anstalt steht unter der bewährten Leitung des Herrn Leopold Deutsch und kann abermals auf einen schönen Fortschritt zurückblicken. Die Anwesenden waren1 mit den präzisen Antworten der Kinder auf alle an sie gerichteten Fragen sehr zufrieden und beglückwünschten׳ den Leiter zu seiner erfolgreichen Lehrtätigkeit. Hochzeitsfeier. Vorige Woche feierte Herr Josef Fried in Mukacevo seine Hochzeit mit der Tochter, des Kleinwardeiner ך וון Rabbiner M. H. Landau. Die Vermählung, fand unter aussergewöhnlichen Feierlichkeiten in Anwesenheit von hunderten Freunden der verschwägerten Familien statt. Bei dem Festmahle wurde von den anwesenden Rabbinern und den Vätern des Braut־' paares דברי תורה gesagt und am שבת hielt־ der חתן im grossen ביהכ״ב eine beifällig aufgenommene דרשה. Jlumoristisehe Ecke. Die Misrachisten der Tschechoslowakei hielten am 14. März in Kosice unter Leitung der Herren Dr. S. Steiner (Bratislava), Dr. Josef Lövy (Kosice), Ing. Max Wellisch (Brünn), Dr. E. Reiter (Bardiow), Dr. S. Tenczer (Nove Zamky), Aron Weingarten (Munkacs), Mor Schwalb1 (Kosice) und Sam. Weingarten (Munkacs-Bratislava), eine Landeskonferenz ab, auf welcher zur Belustigung der Zu1־ hörer u. a. auch folgende Beschlüsse gefasst wurden: > ״Der Delegiertentag betrachtet die Bestrebungen gewisser Kreise in der Tschechoslowakei, das orthodoxe Judentum noch weiter zu zerklüften, als ein gefährliches Spiel mit den höchsten Interessen des Judentums im allgemeinen und des Thorajudentums im besonderen. 1 1 Der Delegiertentag hält die Meinung jener Grössen1 in Israel, die die Verleumdung des Zionismus als eine׳ Verfälschung der Thora und Verleumdung des Schulchan! Aruch, sowie als eine Verunglimpfung der jüdischen' Allgemeinheit hinstellen, für die einzig richtige und1 protestiert daher gegen jene Kreise, die uns als minder4 wertige Juden erklären möchten. Der Delegiertentag bedauert daher, dass die Landeskonferenz der slowaki-i sehen orthodoxen Rabbiner aus nicht durchsichtigen! Gründen Beschlüsse über eine Weltbewegung gefasst hat, die im Gegensatz stehen zu den Ansichten der ■ Grössen Israels und seiner Gaonim. Gestützt auf die religiösen Massen, die teils in unseren Reihen als Mitkämpfer stehen, teils mit uns' eines Sinnes sind, sind wir voll des Vertrauens, dass! der Misrachi genügend stark sein wird, diese zu ver- כשריע Selchwaren ׳;" IGNAZ RÜJDER, BRATISLAVA. urteilenden Anschläge auf das religiöse Judentum zu vereiteln. Die Tagung protestiert gegen die Politik der orthodoxen Zentralkanzlei in Bratislava, die ihre Politik in einer Weise betreibt, die dem Judentum schädlich! ist und sein Ansehen vor aller Welt herabdrückt.“ Denke des Sabbattages ihn zu heiligen 1 Von Rabbiner G. Löwy im Levoca (Leutsohau), Slowake?. Der verehrte Verfasser stellt ums aus ׳einer längeren Abhandlung über den Sabbat folgenden Teil zur Verfügung: Der _!heilige Sabbat ist in der Sprache echtjüdischer Frömmigkeit und Weisheit die von Woche zu Woche mit erneirter, un-geschwächt innigster Sehnsucht erwartete erhabene Königin, zu deren würdigem, feierlichem Empfang wahre ,G־ttesfurcht und Thoratreue den Juden veranlasst, seine ganze Erfindungsgabe aufzubieten!, und der sich unendlich freut, wenn es ihm geglückt, die ״Königin Sabbat“ nach Gebühr gefeiert und in Ehren gehalten zu haben; der wöchentlich wiederkehrende שבח קודש ist die stets in jugendlicher Frische blühende, ewig holde Braut, der das jüdische Herz in unerlöschbarer flammender Liebe zujubelt, mit Begeisterung entgegenjaüchzt (שבת ק י״ ט); der heilige Sabbat ist das mit dem Volke _ Israel für alle Folgegeschlechter vermählte, ausschliesslich ihm allein zugehörende, seinen dauernden Bestand bedingende Paar ב ן זוגו , das der treuen Obhut und der liebenden Fürsorge ׳Israels anvertraut :ist, und:!iln ti’eSe Trauer würde der Genius des Sabbat sein Haupt hüllen, wenn sein ihm zugeselltes Paar, das Volk Israel nämlich, ihm i!1 Untreue verlassen könnte. בראשית רבה פי״א. Die Würde, die Wonne, die Wsillie, die Heiligkeit und Heiligung ׳des Sabbat lehrt erst den Juden in Wahrhaftigkeit jüdisch denken und fühlen, stählt und wappnet das jüdische Herz gegen jede wie immer geartete Versuchung der Zeit, bewahrt, schützt die jüdische Seele vor jeder Verirrung, vor jedem Abweichen vom g-ttgebotenen Pfade, erzieht, ertüchtigt, ermuntert, bewegt den Juden zu ■herrlichen, g-ttgefälligen Werken, zu ■edlen, menschenerfreuenden. beglückenden Taten. An der ״zu' Ehren“ des Sabbat gedeckten ,häuslichen Tafel erhält nicht bloss der mensöhliche Leib ׳Labung und Nahrung, sondern auch die g-ttliche Seele in ■uns erfährt Kräftigung ׳und kommt zu Erquickung. Und nicht unbeachtet dürfen wir es lassen, dass nicht ohne ,tiefen Grund in den ע״הד *zehn Geboten“ auf das vierte von der Sabbatheiligung .unmittelbar das .von der Pflicht der 'Elternehre folgt, denn dies gibt uns den bedeutsamen Wink, dass wir am ש ב ת ק ו ד ש am wirksamsten die Erziehung unserer Kinder üben und pflegen ■ können, nicht zuletzt auch dadurch und damit, dass w.ilr unsere Sabbat,tafel zu, einem wahren . Schulchan-Aruch in jenem uns heute geläufigen Sinne erheben, auch als solchen begreifen, betrachten und — behandeln. Nebstbei wollen! wir hier, ohne irgendeinen Widerspruch befürchten zu müssen, die von, der täglichen Erfahrung ׳unterstützte bestätigte Wahrheit verzeichnen, dass es nur den sabbathaltenden!Eltern wirklich gelingen kann, ihre Kinder so zu erziehen, dass diese stets mit Lust und Liebe, mit froher Bereitwilligkeit ׳die vielseitigen Pflichten der Elternehre nach Vorschrift und im Sinne unseres Schulchan-Aruch erfüllen. Am Sabbattisch, an diesem Schulchan-Anich, bietet sich dem jüdischen Vater, der jüdischen Mutter die allerbeste Gelegenheit, ihre Kinder zu belehren, zu gewinnen für אורח י-' חיים den ■ sicheren Pfad des wahren, glücklichen, jüdischen ׳Lebens; dieselben h Jl יורה ר zur Erkenntnis und zur Anerkennung g-fetlieher Wahrheiten, zum Versfändnis jüdischer Pflichttreue, zur Würdigung des unverfälschten, traditionellen, 'heute orthodox genannten Judentums zu bringen, für dieses sie zu begeistern, zu entflammen; am Sabbattisch, an diesem Schulchan-Aruch, können jüdische Eltern, am erfolgreichsten :ihre Kinder aufklären, dass sie in unserer heiligen Thora, besonders in dem einen ihrer grundlegenden Gebote, in der unabweisbaren Pflicht der Sabbatheiligung, keinen ״Stein des ■Anstosses“ erblicken, •der sie in ihrer Karriere,. ■i!n ihrem Fort- •kommen, in ihrem Aluschwung zur sozialen Höhe hemmt und hindert, sondern אב העזר einen ״Stein der Hilfe“, auf welchem sie vertrauensvoll verharren und ausharren und. so auf die Hilfe G-ttes bauend unentwegt ihrem gesteckten Ziele zustreben. Zeigen lind beweisen sollen jüdische Eltern ihren Kindern, dass das stete Denken an den heiligen und heiligenden Sabbat, die ׳erhabenen Ideen, die das Begehen des Sabbat vermittelt, die erhebenden Wahrheiten׳, die ■das Halten des Sabbat fördert, den Sabba:• sozusagen zu einem חושי ׳'־ משפט' Rechtschild machen, der •den Juden nicht bloss schützt vor dem Sprechen eines ungebührlichen, verletzenden Rabbi Meir Schiff. Von Ahron Jeruchem. Seit dem Abschluss des babylonischen Talmuds war die Beschäftigung mit demselben in fast keinem Zeitalter so allgemein, so selbstverständlich, wie im vierten־ Jahrtausend. Die Pflege des Studiums des Xalrnuds war damals Lebensaufgabe und Lebenszweck aller. Alt und jung, reich und arm erblickten in ihm das einzig Wertvolle, einzig Sinnreiche, welches das menschliche Fühlen und! Denken läutert, den Verstand schärft und den Menschen' G־tt näher bringt. Auf dem ganzen Erdenrund, überall; wo die Söhne des ״Am Hasefei•“ zerstreut waren, erklang die eigentümliche Gemarahmelodie. Die Lehrhäuser waren überfüllt und spät nachts sah man den Juden bei spärlicher Beleuchtung verklärt über ein Buch gebeugt, welches die jüdische Lehre behandelte. Im Studium des Talmuds vergassen die Ewig-Duldenden die Greuel des Galuth,' glaubten sich in die Zeit einstiger Grösse versetzt, sahen, das Heilige Land, als ob sie sich auf diesem befänden,' und das ״Heiligtum“, als ob sie dieses noch besässen j.. Es waren dies Menschen, für welche es keine Gegenwart gab. Entweder gedachten sie wehmütig der herrlichen Vergangenheit, oder blickten sie in die verheissende׳ Zukunft in Erwartung des kommenden Guten. Unter den vielen Geistesheroen jener Zeit, die für die Verständlichmachung und Erforschung des Talmuds immense Ver-' dienste erwarben, wirkte auch Rabbi Meir Ilakohen Schiff (Mahram. Schiff genannt). Im Jahre 5368 in Frankfurt als Sohn des dortigen1 Rosch-Jeschiba, Rabbi Jakob geboren, beherrscht er schon als junger Knabe den ganzen rabbinischeu Stoff so, dass: er als Siebzehnjähriger zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde. Fulda gewählt wurde. In den 19 Jahren seiner erspriesslichen Tätigkeit in jener Stadt schrieb er über hundert Werke, von denen wir nur die Kommentare über elf Talmud-Traktate besitzen. Diese nehmen einen Ehrenplatz in der taimudischen Literatur ein. Sie bilden dem' Lernenden gar oft einen unentbehrlichen Behelf, 1 Während seine zeitgenössischen Interpreten zur Erklärung schwieriger Stellen sich entweder der üblichen Pilpul-Methode bedienten oder die unverständliche Stelle als eingeschlichenen Fehler durch Ausbesserungen aller Art verständlich zu machen bemüht waren, wandte Rabbi' Meier nur die einfache, sachlich klare Erklärungsweise (Pschat) an. Das scheinbar LJnerklärbare sucht er in kurzen, schlichten Sätzen zu erklären, und dort, wo andere zu komplizierten, haarspalterischen Deutungen Zuflucht nehmen, entledigt ssich Rabbi Meir in wenigen Worten: seiner Aufgabe. Nur selten Hess er sich auf das, wenn auch erbauliche, aber immerhin unsichere Gebiet des Pilpul ein. Wenn ein Wort unter keinen Umständnc mit dem׳ Sinn des Ganzen in Einklang zu bringen ist, dann erst erlaubt er sich die Ausmerzung desselben, indem er vorausschickt: ״Würde ich nicht fürchten, hätte ich mir erlaubt,! diesen oder jenen Buchstaben als nicht hieher gehörend zu bezeichnen.“ Er galt auch als einer der bedeutendsten Redner seiner Zeit und erfreute sich des grössten Ansehens der jüdischen Gelehrtenwelt. Gleich nach der Uebernahme des Oberrabbiner־ postens in Prag (5404) erkrankte er und gab, kaum sechunddreissigjährig, seinen mächtigen Geist auf. Er hinter- Hess ein Sohn, Rabbi •Samuel, und eine Tochter namens Henne. > Von den zahlreichen Manuskripten wurden viele im grossen Frankfurter Brand im Jahre 1711 ein Raub der Flammen, viele gingen anderwärts verloren. Was der Engel des Verderbens verschonte, übergab Rabbi Jechiel, ein: Enkel des Mahram, in den Jahren 5501-7 in Homburg^ dem Druck. Die Tatsache, dass kurz nach dem Erscheinen der Schriften Rabbi Me׳irs sich in der Person des PriJucker Rabbin&rs ■Mordechai: Mord ::sah ein bewährter Kommentator derselben fand, kennzeichnet den hohen Grad des Interesses, welches in Gelehrtenkreisen den Werken des Mahram Schiff ־ entgegengebracht wurde. ,ך .A-uifruif I Durch diie so lange andauernde wirtschaftliche Krise befinden sich ׳unsere Speisehallen und ׳die Mlttelstandskiiclie in grösster!Bedrängnis.״so dass sn'8. dem Zusammenbruch nahe sind. Es handelt sich jetzt um das Bestehen oder Auf,hören der ״Einheit“, ■einer Schöpfung, die seit 19 Jahren eine Stütze der Armen lind• Minderbemittelten war, die in diesem Zeiträume Millionen Menschen!, d a r 11 n t*e r H 11 n d •e r 11 a 11׳ s e 11 d e 11׳ nentgeltlich, airsgespeist hat. Durch Schliessung der ״Einheit“ würde eine InstitaKion verschwinden, die zahllose Menschen vor Hunger und Verhungern schützt, die immer dem jüdischen Empfinden Rechnung trug und welche die grössten Opfer brachte, um den Armen in althergebrachter jüdischer Weise die Feiertage zu bereiten. Dil׳e alljährlichen ׳grossen P,e ss׳aoh a k’Uon er! d e r ״E i.1111 e ii t“ wäre ti ׳e iine allseits unerkannte Leist u 11 g. •Es würde ׳eine Anstalt aufhören, die sich jederzeit und überall zur Verfügung gestellt hat und stellt, wo rituelle Kost benötigt wird!, so wenn 1I3ehörde11 oder andere öffentliche Stellen für Juden Koscherkost verlangen. Angesichts der katastrophalen Bedrängnis der ״Einheit“ wenden wte uns an alle, die jüdisch empfinden und durch den Zusammenbruch einer den Armen gewidmeten jüdischen Insti- :!uiion tief berührt wären, dass sie uns mithelfen, die ״Einheit“ zu erhalten, die eine unentbehrliche Notwendigkeit im Leben der Wiener Judenschaft war. Der Vorstand der ׳״Einheit“. II,. Malzgasse 12: Bernhard Hofbauer, Obmann. Moritz Felsenburg, Obmannstellvertreter. Direktor Dr. S. Krenberger, Schriftführer. Dr. Dagobert Rybaczewski׳, Schrififührers'Jellvertreter. •Adolf Fi'sclier, Qekanom.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.