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Jüdische Presse · 1926-03-26 · 13-14 (26.3.1926) · p. Seite 97

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
13-14 (26.3.1926)
Date
1926-03-26
Page
Seite 97 (sequence 1)
Language
German
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V. b. b. estnummer / Preis: 1 S ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. ’,bibliothcV 589) Uuivcrra Redaktionu. Administration! Wien, 11.,Leopoldsfasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-4-94. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Brscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 12 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen für Oesterreich! Postsparkassenamtwien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn! Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217; für die Schweiz: Postscheckkonto Zürich VIII. 4117; für Deutschland! Postscheckkonto Berlin Nr, 122.619 Mp. 13/14 Wien-Bratislava, 26. März 1926 .ביה וינה־נו־יעששבורנ *יא ניסז ת־&׳ן 12. Jahrg, Hs ist eines der wundersamsten Dinge, dass wir nach dem ersten gemeinsamen Auftreten Moses und Aron in Aegypten gar nichts mehr von Israels Enkeln selbst lesen bis zu dem Augenblick des Auszuges. Man kann es ja begreifen, dass die Zeit der zehn Wunder nicht bloss ein Gericht über Aegypten, sondern auch eine Schule für Israel war. Da mögen die Menschen atemlose Zuschauer des Weges G־ttes durch die Welt geworden sein. Es ist ja immer der letzte und höchste 'Prost des gedrückten Menschen, dass es eine Gerecbtigkeit gibt und ein höchstes Wesen, welches dieser Gereciitigkeit zum Durchbruch verhilft. Welche Wandlung muss sich in mehr als drei Millionen Menschen vollzogen haben von dem Augenblick an, in dem sie nicht einmal* befähigt und geneigt waren, der Botschaft der Erlösung ihr Ohr zu leihen, bis zu der Stunde, von der geschrieben steht, dass sie alles genau vollzogen, nach dem Befehl, der ihnen im Namen des Allmächtigen durch Moses und Aron iiberbracht worden war. Dann kam L.el S chi mm 11 r im, das heisst die Nacht der Erfüllung, denn, so wird uns berichtet, auf diese Stunde, aut diese Nacht hat G־tt gewartet: Darauf .gewartet, bis sich in den Herzen des Volkes dieselbe Stimmung zur Geltung durchgerungen hat, in welcher der Ewige einst in das Merz der Ahnen die Verheissung der Erlösung gesenkt hatte. G־tt hat darauf gewartet, bis die Scharen sich ' wieder als Enkel Abrahams fühlten. Und nun zogen sie hinaus; sie zogen, wie es Ir! der heiligen Schrift heisst, als die Scharen des Ewigen, mehr als drei Millionen Menschen, von einem Herzschlag getragen, von einem Gedanken beseelt. Ist es ein Wunde!, wenn die zwingende Kraft einer derartigen Erscheinung auch fremde Menschen in den Bann ihrer Kraft zog? Vielleicht waren es arme Menschen, die gleich Israel das Joch Aegyptens drückend schwer empfunden hatten, denn Israels Freiheit bedeutet die Freiheit der Menschheit. Vielleicht waren es suchende Menschen, die ihrem Leben einem Ewigkeitswert, einen Inhalt ztt geben bestrebt waren, und sie baten um eine Heimstätte bei dem jüdischen Volke. Neidlos nahm Israel diese Fremden in seinen Schoss auf, neidlos sali später Israel diese Fremden mit ihm gerneinsam am Fusse des Berges Sinai stehen, und auch jlmen war. zuteil geworden die bergende Hülle bei 'Pag, das Feuer bei Nacht. Geht Israel seinen Weg durch die Welt als die Schar des Ewigen, so spriessen tausendfältig die Blumen des Glückes auf seinem Wege und es ist das Glück der Menschheit, wenn heutzutage nach soviel furchtbaren Erlebnissen, wieder einmal ein Schrei nach Erlösung durch die ׳Welt geht; und wird wieder einmal die Frage aufgeworfen, wann denn die Stunde der Erfüllung kommt, die Stunde, auf die G־tt wartet, so wissen wir dieser Frage eine Antwort: Es wird dann sein, wenn I s r a e l a l s d i e S c h a r des Ewigen d u r c h d i e Welt in s e i n L a n d zieht und mit zwingender Kraft der begeisterten Hingabe der Menschheit die Pfade zum Glücke weist. P. K. Avis! Wir bitten unsere p. t. Abonnenten, deren Abonnement mH Ende März abläuft, ihr Abonnement rechtzeitig zu erneuern, damit .in der Zustellung der Zeihuig keine Unterbrechung eintritt, פסה “ Das Fest der Befreiung. ״Man wird sic knechten, matt wird ׳sie peinigen •I00 Jalhirc. Ahier auch das Volk, das sie knechten wiird, werde .Ich richten.“ Dies wa!r ■die erste Eriösuns 1Israels aus schwerer Pein, die auns :emponfiill.rte auir die ,geiistige!Höhe der Mensdhlheit, die fein zweites Volk erreichte. ״Dies sei׳ dir das Zeichen׳, dass ich dich gesandt!habe: Wenn .ich euch;hierausführe aus Aegypten, ,werdet ihr G-tt dienen auf diesem Berge.“ .Ri:• Israel gab und gibt es nur die (״ine ׳.Erlösumg, die hinauffiihrt zu seiner Besljirnmimg, zur G-tteserkeimhiis, zum G-ttesdiemst. Stets, wenn Israel die G-tteswege verlässt, aufliört, das Volk G-ttes zu sein, wenn es (fremde Kulturen annimmt ■und vergisst, dass es ,berufen; wurde, G-tt zu erkennen, iilim zu dienen und die Erkenntnis G-ttes zu verbreiten, »da stellte sich bald hernach der Niedergang ein. Trotz der schweren Verluste', die Reform und Nur- Nationalismus in unseren Reihen: verursacht Ihaben ■und ver- Ursachen, ׳■ist das jüdisdlfcr , Vb§V-in feinen grossen Massen!;eilte vielleicht religiöser als unsere Altvordern zu Zeiten .der ersten und zweiten Zerstörung des Heiligtums — vlielleiclil könnte die grosse ,Mehrzahl in unserer Zeit den Zerfall ׳des Heiligtums auilhalten. wenn es bestünde. Leider sind wir aber nicht fromm genug —- wahre Frömmigkeit dient G-tt und der Mitwelt — ,um des Wiederaufbaues des Mikdosch würdig zu sein. Wollten wir unsere einstige, geistige und etiiisdhe Grösse ׳erreichen, so müssen wir bestrebt sein, dem ,Libertinismus und .Abfall Half zu gebieten, 'besonders unsere Kinder vor dem Kontagium der Ungläubigkeit zu bewahren. Wir müssen!durch Aufklärung über •die hohe ,Bedeutung ■des ,jüdischen Rie'feionsgesetzes belehrend auch auf die Schwankenden wirken. Dies ist nur zu erreichen durch ausgedehntes Studium des hdiligen Schrifttums, durch beispielgebendes Verhalten ׳unistoren -Mlfbriüdem ׳gegenüber. Wenn wir das Dreistest®?!» תורה, עבודה וג״ח hegen und ■pflegen, werden wir anstatt des Verfalles ■das ,Neuerwadicn des altjüdisäien Geistes 'bewirken■ ׳und wieder einer Erlösung entgegengehen. unter d׳em Zeichen des ״Ihr werdet G-ft dienen“. Die Aguida' JisroLl ist spät, aber, G-it seü’s gedankt, nicht zu spät 'auf den •Plan getreten, um dem fortschreitenden aniiiiüdischen Geist enigegenzufreien. ,Ihr Wirken hat in hunderten orthodoxen iKdhillotih den Bann gebrochen. Man fürchtet nicht mehr, ״ein Orthodoxer“ könne nicht verwalten, köiuie dicht vor den Behörden vertreten. Die Orthodoxie in Polen ist zur Erkenntnis gekommen, dass religiöse Interessen, unser höchstes Gut," nur von reifgiösen Juden gut vertreten wenden können,!und hat stich von dem dominierenden Einfluss der Areligiösen und Antireligiösen befreit. Agudns Jisroel hat den jüdischen Geist geweckt, fördert das Thorastudium, sucht Erez Jisroel als heUlÜgeis Land aufzubauen und leistet Vorbildliches auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege. Schliesse jeder gläubige Jude der Aguda sich an luid fördere diie Organisation. den Keren Hathora und Keren Hajiischuv, damit die vielen Millionen von gläubigen Juden, idle mit uns sympathisieren müssen, weil sfie ׳unseres Glaubens sind, in Erscheinung treten und auch ׳nach auissen erkannt werde, dass die grosse, grosse Mehrheit der Juden noch immer Bekenne!־ des relinen viertausend Jahre ׳alten Judentums sind. W. P. Aus dem Inhalte: Breuer Nemo. Leitartikel: P. K. Das Fest der Befreiung: W. P. Chad Gadjo: Uriei Birnbaum.. Meine Erlebnisse und Eindrücke in Palästina: Dr. P. Kohn. Gebete in Sonetten: Uriel Birnbaum. Auch wir? Dr. Nathan Birnbaum. Ueber die Aguda in Amerika: Jacob Rosen beim. Frankfurt—Wiirzburg—Wien: Rabbiner Dr. Raphael Der erzieherische Wert des Talmud: Dr. Josef Löwy. Unsere Feuilletons: Blicke in die Hagada: Dr. Felix Kanter. Rettet die Armen! Die Juden in Wiener-Neustadt. Ein jüdischer Gelehrter der Lebensretter des Kolumbus: Rabbi Meir Schiff: Ahron Jeruchem. Chad gadjo. Von Uriel Birnbaum. ,. rneikwürdige Gedieh t, mit dem die Pessach-haggadä seliuesst, so viele Erküinuigefi und Auslegungen es hervorgeruien hat —־ es übt auch ohne jedwede Auslegung eine retti sutnenhafte Wirkung dural! die nackte Kraft seines dichterischen Wortes; es wirkt auch ohne Bc'iiiiiiife des Verstandes auf das ahnende Gefühl des Meiisclienilierzeus; es vermag ln .seiner liedhaften Einfachheit früher und tiefer zu erschüttern, als die Vernunft eine solche Wirkung begreift -י ja, es enthüllt beim überlegungslosen, mir still mitempihidenden Lesen rascher und re.cher seinen grossen Sinn, als bdün grübelnden Erklären. Denn ׳dieser Sinn ist so klar, so auf der Hand liegend, dass vielleicht gerade darum die Grübelei —- stets ,geneigt, schwielige Probleme vorauszuseteeii — hinter diesem ihr allzu! klaren. Sinn einen unklaren )lieferen sucht und insbesondere darum, für unerl.sslich hält, weil der allzu offensichtliche Sinn, des Liedes bei je tieferem Nachdenken, desto weniger in den Rahmen der Pessach-Haggada, in den Umkreis des Seiferabends zu passen scheint — und gar eine so auffällige Stellung an das langnaclihallende Ende der Sederfeier von dem Wortlaut dieses Gedichtes scheinbar in nichts gerechtfertigt ist Aber auch hier ist der Zusammenhang dem mitdichteuden Gefühl früher kenntlich, als dem langsamer arbeitenden Verstände. Gefiililsmässig findet der des Festes Frohe 'das ernste Lied ganz am richtigen Platze, lange, ehe diie prüfende Vernunft zu staunen beginnt über das Geheimnis eines solchen Liedes an solcher Stelle. Und ohne das tiefere Schürfen der auslegende Weisheit damit überflüssig, machen zu wollen, nrag auch aus dem ahnenden Gefühl heraus einiges zur Erklärung und Brhelhnig des rätselvollen Liedes gesagt werden können. Jener dem tieferen Suchen nicht genügende ganz eiinfache Sinn des ״Chad gadjo“ ist leicht auszuspreohen; der lieblich idyllische Ton des Liedes verhüllt ■nur schwach seinen - heiligen^ Emst als Verkündigung unerbittlicher Vergeltung jeglieber Schuld. Denn die Katze, die das Lamm zerriss, wird vorn Hunde dafür bestraft, an dem Hunde aber gerächt durch den Stock-, ׳den! wieder das Feuer die Gewalttat vergilt, selbst vom Wasser gelöscht, an dem der Ochse Vergeltung iibt, wie weiterhin tun Ochsen der Schächter, am Schächter der Todesengeil und an diesem letzten Rächer schliesslich G-tt. Dieser Sinn des Liedes ist klar — doch ganz unklar anfangs sein Zusammenhang mit dem Feste der Befreiung. Aber unser Gefühl empfindet keimen Riss zwischen Fest und Lied und also muss doch ein Verbindendes da sein. Und das mag wohl Fest und Lied verbinden, dass Pessach ja nicht nur ein Fest sein will der körperlichen Befreiung aus der Knechtschuft, sondern auch eine Feier beginnender geistiger Befreiung — gewidmet nicht nur der Freude über den Auszug aus Die ' ־ jüdischen Frauen tragen jetzt mit Vorliebe Othmar Schiffsberühmte Mode-Perücken die ebenso geschmackvoll und vornehm, wie leicht im Tragen und Frisieren sind Eine solche Bubi-Perücke kostet je nach Ausführung S 100.— bis S 160.— Moderne Transformationen mit naturgetreuem Scheitel von S 60.— bis S 90.—. Transformationen ohne Scheitelstrich von• S 50.— bis S70.— Das Reinigen! Wasserfrisieren sowie Reparieren aller Perücken wird übernommen und sorgfältigst äusgefühit, auch dann, wenn diese nicht bei uns erzeugt worden sind Othmar Schiff! Wien,lfKärntnerrin$ 6 Gegenüber dem Hotel ״Bristol“ Telephon Nr. 5162־3־ Verlangen Sie die kostenlose Zusendung unseres Kataloges! Wollen Sie gefälligst bei Bestellungen den Vornamen Othmar und die Adresse genau beachten 1

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