Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 47 (20.11.1925)
- Date
- 1925-11-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 308 Nr. 47 JÜDISCHE PRESSE Breuer geprägten Worte ein Qolusörgan. Ist ׳nicht ■Selbstzweck. ■Ün'd .־,d a r üm ׳;,wurden die grossen )Führer des Judentums W0I1I ziifrieden sein, wenn die agudistische'n Grundsätze ohne Organisation als solche das jüdische Genieiniweseti regelten‘. Es ist aber notorisch, dass, hässlicher :Parteigeist :nicht das Gesamtinteresse, sondern nur die eigenen engen Grenzen kennt und einen solchen Idealzustand ';stets ׳illusorisch macht. Agudas ijisröel .ist. daher gezwungen, alle Mittel aufzuwenden, uni die Organisatiou auszubauen, Sorge zu tragen, dass ihre -Vertreter an allen exponierten Stellen : stehen tmcl׳ ihre Presse als verlässliches Sprachorgan nach, innen und aussen klaglos!funktioniert. Woran liegt e also, dass Aguda über keine genügend starke Presse!und Organisation verfügt? Ist letzteres eine ,notiwe.iidige!Folge des -ersteren, oder sind beide Mängel von- ׳einander unabhängig? Was soll in!Danzig beschlossen werden, um diesen Zustand grundlegend zu ändern, damit endlich der Wille der jüdischen (Mehrheit überall -und in jeder Beiziehung — beiim Völkerbund, in den Parlamenten jedes Landes und nicht zuletzt .im jüdischen Lager selbst — vollständig und eindeutig zum AJusdruck gebracht werde? 2. Frage. Nicht die Frage, ob Palästina aufgebaut werden soll, bildet die Gegensätzlichkeit des Agudismus zum Zionismus, sondern die, ob das Judentum seinen!Weg fin die Zukunft mit oder ohne Thora suchen kann, ob das Volk der •Bibel!eines, wie alle anderen, ist, oder eine aus- ■erwählte Nation mit seiner :ewigwährenden ethischen Mission. Die Zionisten sind! ihemiilit, überall ihre Feindschaft gegen G-tt durchznsetzen״ Nicht nur durch die berüchtigte ׳״Regelung“ ׳der )EinWanderung und der Lebensmöglichkeiten in:• Palästina, sondern auf dem heiliigsten Gebiete, durch die nicht weniger berüchtigte (Erziehung der jungen, ahnungslose Kinder ׳in und ausserhalb des Landes der Väter. Wiewohl der Aufbau Palästinas 111 keinerlei Zu- -saminenhang mit zionistischer!Erziehung' stehen braucht, errichten diese überall Schulen, um!in den ■zarten!Kinderseelen Aufruhr gegen G-tt und sein!jüdisches Volk zu entfachen. •Ungezählte Millionen Dollar vertrauen die glaubenstreuen ■ jüdischen •Massen Amerikas .für *Erzieh 1111gszw׳e!oke an, in der Voraussetzung, dass diese Gelder •für die ׳traditionstreuen Zwecke verwendet werden. Tatsächlich entstehen aber gerade aus . diesen Spenden die vielen volksfremden, religionsfeincllichen Schulen. 1Aigudas Jisroel hat auf dem Erziehungsgebiet (in Polen, Litauen und •Lettland während der wenigen Jahre :ihres Bestandes Mustergültiges!geieistet. Sie hat ■richtig erkannt, dass ׳es nicht ,genügt., für einen kleinen Ansschnitt -- wie .etwa die in Palästina wohnenden ,Juden — zu sorgen,׳ sondern dass das Problem!im Kern gelöst werden muss un'd •es!nichts Wichtigeres gäbe, ,als vor allem• für eine ■׳gute •Erziehung in ■den von den’grössten ׳jüdischen Massen bewohnten Ländern zu sorgen. Auch dem' Erziehungswerk Palästinas wendet Aguda jetzt erhöhte Aufmerksamkeit zu. •Doch all dies genügt noch lange •nicht, da das palästinensische •Schul netz allein für weitere 15.000 Kinder ausgedehnt werden muss. Fiir Heranbildung der amerikanischen Jugend ■hat ׳Aguda noch gar mohls getan. Welche Beschlüsse sollen daher in Danzig gefasst werden, um a) das Erzieliungswe.nk 111 Erez Jisroel und Europa auszubaiien, b) ein gutes zentralistisch geregeltes!Schulwerk■ ■in Amerika zu schaffen? c) Was muss geschehen, damit die grossen •von Amerika fiir :Palästina auf.gebiacI1fert.;;^Öölder für. träditioiistreue, Zwecke verwendet werden? . ־ T . 3. •Fr a g c. . > Der Joint, hat neuerlich seine Tätigkeit aiifgenommen. Nahezu 7 Millionen Dollar •sind fiir Osteuropa (mit Ausnähme von Russland) aufgebracht worden. Als in der Nachkriegszeit vom Joint grosse ■Summen nach (Eurppav •und Palästina tgesendjbij .'wurden■,• haben es unberufene Elemente verstanden, die Kassörf an sich zu reissen und eine Parteidiktatur einzuführen, die materiell und moralisch von verheerender Wirkling war. :Was soll in Danzig beschlossen werden,!um Vorsorge zu treffen, dass die!Gelder diesmal ihren richtigen Zwecken zugefiihrt werden? Es geht nicht an, dass die Verteilung der Gelder Leute anvertraut ■werde, die nicht die Vertreter der jüdischen Mehrheit sind. Die jüdische Majorität in Osteuropa ist bekanntlich gesetzestreu ■und ihre agudistisehen Vertreter kennen die Bedürfnisse sowohl materieller als auc(1 kultureller •Art am allerbesten. Was wird ׳daher geschehen,!um diese für die Judenheit!wichtige Frage güns tilgst zu läsen? A. J. P. B. Die Erziehung des jüdischen Kindes in den ersten Lebensjahren. Von ׳Dr. W. Halberstadt. Wenn cs gelingen soll, unter den schwierigen Verlüiltnissen der jetzigen •Zeit ein (Kind zu einem wirklichen בן ישראל zu erziehen, so muss —•darüber kann kein Zweifel sein — mit dieser Erziehung möglichst früh begonnen werden.;Es mag ein wenig übertrieben :sein, aber ein Kram von Berechtigung steckt doch :in der Ansicht, dass die Erziehung zum יהידי mit dem ersten Tage beginnen muss, da das Kind zur Welt kommt. •Nicht über die Tatsaclie selbst, über die Art und Weise, wie diese Er- Ziehung begonnen und fortgesetzt werden soll, Klarheit zu gewinnen,!ist das Ziel ■dieser Ausführungen. Der Entwicklung des Kindes bis zum schulpflichtigen Alter, die von!unbewussten Lebensäusserungen und instinktivem Tun zu immer bewussterem Aufiiehtnen, Erfassen und Handeln führt, muss die Er ziel 11111g entsprechen; denn oberster Grundsatz aller jüdischen Erziehung ist das: אגוז הנער על פי דרכו/ das Kind nach Massgabe -seiner!Ent- Wicklung, seines gegenwärtigen ■Lebensweges zu erziehen. Der Psj'cliologie •des Kind’esalters haben wir Grundsätze zu entnehmen, die für die Erziehung zum יהודי in den ersten ■Lebensjahren massgebend sind. Von ׳der allmählichen Entwicklung der Sinnestätigkeiten, zu der recht bald .gewisse Gefiihlsmomente ׳hinzutreten, führt-:der Weg zu--wnmer stärker •hetr.vor tretendem Tätigkeitstrieb. Dieser• äussert sich ׳zunächst, soweit er bewusst ist, .,hauptsächlich im Nachahmern Der Drang zu selbständiger zielbewusster Tätigkeit setzt erst viel später ein. ■Dem entspricht die Erziel um g in den ersten Lebensjaliren. Wie die •Luft, die das Kind unbewusst einatmet, wie die Nahrung, die ihm ,dargereicht wird, tritt das־jiidisehe Element de.s Lebens unaufdringlich, als etwas Selbst- Herren^, Knaben' und Kinderkleider fertig und nach M.ass Massabteiluug bis zu den feinsten englischen Stoffen. Erstklassige Zu• Schneider. Eleganteste Ausführung. Auf Vermeidung von שעטנז wird genauestens geachtet. J. STERN, Wien, II., Qlookengaase 25. T. 46913. Beachten Sie, die Hausnummer.. verständlidlffcSj ärf dasselbe,heran שבת und machen, ,,׳Lernen“,'תפילין׳ ־ תפלה ־ ‘ und תלית ' gehöreh zu seinem Leben, es sieht diese Tätigkeiten,'sie fällen ilim'.auf, der Nachahmungstrieb setzt ein. ' Zunächst - äusserlich. Das Kind stellt sich beim ״Oren“ neben den Vater' und ״ort“ mit, es •legt ein Tuch als תלית um. irgend eitlen!Riemen gebraucht es als ׳תפילין es ״lernt“ mit und freut sich, auch ein ספר in. •die ,Hand zu ,bekommen. Es muss beim .Lichtbenschen, beim קידזש dabei sein. Wie spielerisch und unwichtig, ,werden viele Erwachsene denken. ■Und doch wie bedeutsam ■und durch nichts zu ersetzen, denn das תורה“ Element!ist!in das!Leben des iKindcs eingetreten, wenn auch unbewusst, wi׳e es dieser Entwicklungsstufe entspricht, alles darüber hinaus könnte zunächst nur schaden! ■Das Unbewusste führt, wie sonst auch, ■in ganz allmählichem Uebergang zum Bewussten.!Das ,,!Oren“ filhrt von selbst zum wirklichen Oren früh und abends, wehrt die Zeit dazu gekommen •ist, das •Spielen mit' dem תליית zum Tragen des ערבא כנסות, das Nachahmen des Ueberscinittens zur ׳מצות נטילת ידים zur ברכת המציא Allmählich, ohne Zwang, wird so die Ausführung ■einer Reihe von מצות zur Gewohnheit, wie ׳Essen und Trinken, denn Zwang, kann unserer Meinung nach auf dieser Eiltwiicklungsstufe nur schaden, die שמחה של מצו ה , die so unendlich wertvoll und schön ist, stellt sich dann gewiss nicht ein. Als grösste שמחה wird es •einem in solcher Atmosphäre ׳erzogenen •Kinde schliesslich erscheinen, mit dem Vater ins בית הכנסת gehen zu!dürfen, wobei freilich Vorsicht und ׳Rücksicht geboten sein mag. Was wir bisher gegeben haben, war eine Skizze, wie wir uns die ׳Erziehung zum ׳יהודי etwa bis zum dritten Lebensjahr vorstellen, denn ■etwa, zu dieser -Zeit, wenn ׳die Sprache (vollständig ausgebildet ist, beginnt eine neue Periode, ׳die der direkten ׳Einwirkung, zu welcher die oben gegebene Skizze am Schluss bereits •hinleitet.!Hier liegen viel ׳verwickeltere Probleme und Aufgaben vor, denn jetzt beginnt die ׳eigentliche religiöse!Erziehung, ■die Lenkung •des kindlichen!Blickes auf ׳G-:t:t, den Schöpfer und Erhalter, •sowie ׳die erste ■Einführung in die biblische Geschichte. Verhältnismässig einfach und deshalb schon früh möglich, kann!das Kind *an ׳d׳iie biblische Geschichte herangeführt werden. ׳Geschichten hören ׳ist eine Freude fiir •die Kinder. Und die •biblischen Geschichten :und Midraschim, die man ruhig hinzunehmen •mag, sind bei geschickter Auswahl sehr wohl geeignet,!der. Phantasie des Kindes Nahrung zu geben. Eine gewisse Vertrautheit mit der ältesten Vergangenheit •unseres Volkes, mit den Grundlagen unseres religiösen Lebens wird von selbst ׳ganz allmählich .:daraus erwachsen, die ihre Früchte.:spätter bringen muss. Von hier aus wird auch zum Teil der G-ttesgedanke unauffällig am leichtesten in der!Gedankenwelt des Kindes heimisch: eine , Aufgabe, die ■gerade ׳in unserer Zeit nicht früh genug in Angriff genommen werden kann. •G-tt als Herr, G-tt als ,liebender und •sorgender!und auch ׳strafen-, der Vater, ׳das sind Gedanken, die im Gesichtskreis des Kindes liegen. Sieht nicht ׳jeder, wie die biblischen Geschlichten sie lehren?! Der jüdische Pflichtenkreis stellt einerseits mit der Geschichte (שבועות׳ פסח׳ שבת usw.) im engsten Zusammenhang, er erwächst andererseits natürlich aus dem G-ftesgedamken (ברכות׳ תפילה). Freilich, fiir das .Kind wird er zunächst ausrdem praktischen 'Leben, aus der Gewöhnung h^rauswachsen, aber dieser Zusammenhang muss allmählich gewonnen und ausgebaut werden. Und mit der Der Handschlag. ׳(!SchUiss.) Der Rabbi, in seinem Lehnstuhl sibzenjd,!hört erstaunt des Vaters '׳traurigem Berichte zu,!dass •die tote Freundin ein drittes Mal der Kranken erschienen sei. Diesmal stützt er den Kopf .in die mageren, abgezehrten Hände, sinnt eine lange!Weile nach und spricht endlich er mit fester Stimme: •״Geil‘ iiiuid beruhige deine kranke Tochter, ׳sie soll ־nicht ׳fürchten!lind nicht verzagen, die Sache ist in Ord- •111111g.“ Arme Riwkele! •Noch :ein viertes Mal erscheint die b lei die Sorele an ihrem •Lager, sieht die nun selbst Totenbleiche .traurig an und fragt leise: ״Wo bleibt ■dein Handschlag, Riwkele? Wo bleibt dein Handschlag?“ Und in den nächsten Tagen geht es iRiiwkele viel schlechter, sie ,verfällt!mehr und mehr. Kraftlos liegt sie ׳zu ׳Bette und noch einmal bittet sie mit leiser Stimme den Vater, ihr zuliebe nochmals •zum Rabbi ,zu gehen. ■!Erschreckt hört ■Rabbi Ezechiel Landau des Vaters .traurige Erzählung an. Er ׳heisst ihn setzen. Zii“ seinen Büchern geht der Rabbi, liest!lange, lange Zeit in ,ihnen schlägt einen dicken Folianten mach dem anderen auf, um endlich doch mit fester Stimme zu sagen: ״Trotz allen!, Reb ■Mendel, ich kann dir nichts' anderes :sagen,'■ die Sadie ■ist in Ordnung. Unser Gesetz fusst auf dein Leben, und;die Abgesdiiedenen haben kein Recht über die •Lebenden.“ * ׳ ■ ■ ■ Arme Riwkele! Sehnsüchtig erwartet .sie• des '־Vaters Heimkehr, noch eine kleine, leise!Hoffnung hegt!sie, vielleicht, vielleicht kann ihr noch Hilfe wenden. ״Der Rabi hat gesagt,!dass die Sache in ,Ordnung >ist“, berichtet der Vater. ״!In Ordnung!“ wiederholte laut [aiifschiiichzend RiWkele und birgt, trostlos weinend,׳ יdien Kopf in die Kissen. . Arme Riwkele! Noch ziwei Tage lebte sic •und, leise vor Sich hinweinenid, nahm schweren Abschied sic von dieser Welt. * Verzweifelt sinkt ׳der Vater am Bette seines Kindes nieder. Sein •erster Gedanke ist ,wieder der Rabbi. Voller Verzweiflung eilt er durch die Gasse bis an des Rabbi Bans, verstört dringt er in ׳dessen Stube ein. ״Sieb!“ ruft er, ,.wohin deine Entscheidung geführt hat. Mein Kind ■weilt nicht mehr unter den Lebenden.“ Sprachlos hört der ׳Rabbi die ’ schreckliche!Kunde. Schrecken sipiegelt sich in seinen Zügen,..,Unmlnig gellt er auf ■und a!b und spricht endlich, zum Vater gewendet, folgende Worte: ״Kein Sterblicher• kann deine Tochter zum Leben erwecken. Doch lass morgen den Leichenzug vor meinen Fenstern vorbeiführen. G-ttes Kraft ■und Macht sind oft uneninesslich.“ Ein grauer, düsterer Herbsttag war es, durch die engen Gassen der Prager Judenstacft bertvfegte sich ein schier unabsehbarer Zug. Männer und Frauen, Kinder und ehrwürdige Greise . gaben das letzte Geleite der, schönen Riwkele, die so gern gelebt hatte und so früh, sterben musste. Als der Trauerzug das Lehrhaus des Rabbi erreicht hatte, öffnete sich ein Fenster des Lehr* hauses, in dessen Rahmen die ehrfurchtj-gebietende Gestatt des grossen Lehrers sichtbar wurde. Als die Menge dessen durchgeistigtes Antlitz mit seinen gramdurchfufchten Zügen ■ansichtig wurde,, machte sie halt, In ateniloser Erwartung lauschte sie der. Worte des Rabbis, der mit leiser, 'träneniumflorter Stimme zu sprechen be* gann: ״Ribaunau schel ׳Äulom, Herr der Welt, jedem' deiner Kinder, das du zum Leben riefst, hast du eine) Aufgabe gestellt^ die Sinn und Zweck seines Erden* wallens bildet. Dem ärmlichen Schuster die Aufgabe, die Jünger deiner Thora mit Schuhwerk zu versehen, dem Schneider, der sich um kargen Lohn abmiiht, sie mit warmer Kleidung gegen die Unbilden des Wetters zu schützen. Der Landmann ringt im Sclnveisse seines Angesichtes der harten Ackerscholle den dürftigen Er trag ab, damit dein Volk Israel der leiblichen .Nahrung! nicht entbehre. Ribaunau schel Aulom! Meine. Auf* gäbe war es, dein Volk in deiner Lehre zu unterweisen, ihnen dein Gesetz fcu künden, damit sie unbeirrt und sicher ihren Weg hienieden wandeln. Herr der Welt! Wenn nun dieses junge Weib, das hier auf der Bahre liegt, durch meinen Rechtsspruch so früh ihr Leben lassen' musste, wenn mein Urteilsspruch nicht zum Leben, wie es dein Wille ist, sondern zum Unheil führte,. — dann habe ich meine Aufgabe verfehlt, vergebens war mein heisses Bemühen, in durchwachten Nächten deine Lehre zu ergründen und dein Volk durch dein Gesetz zum Heil zu 'führen. Hat aber,“ und hier stieg die Stimme des Rabbi mächtig an, ״mein Leben nicht mehr Zweck noch Ziel, so nimm mich hin von dieser. Welt, streiche mich vom Buche der Lebenden.“ Mit heiliger Scheu, wie erstarrt, vernahm die Menge die inhaltsvollen Worte ihres geliebten Führers. Totenstille herrschte ringsum. Doch plötzlich ging eine Bewegung durch die Nächststehenden,; schien es doch, als ginge Leben durch die Glieder der1 Entseelten, und wirklich keine Täuschung war es. Ein) tiefer Seufzer entrang sich der Brust Riwkeles, schlaf* trunken rieb sie sich die Augen, dehnte und streckte sich und fiel , mit einem Aufschrei dem weinenden Vater jn, die Arme. Die Worte des Rabbis waren nicht ungebört verhallt. Lange, lange noch besprach die erregte Menge das wunderbare Geschehnis, erst die tiefe Nacht brachte Ruhe in die erregten Gemüter. Doch als schon längst^ tiefste Stille im Ghetto herrschte, aus des Rabbis Lehr: haus tönten noch immer Psalmenlieder. War doch wie־: der in Erfüllung gegangen das; Psalmwort: ״Er hütet die Schritte seiner Gerechten, damit kein Unheil djircti sie entstehe/‘ יי - Joseph S§jnuf|,;