Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 42 (16.10.1925)
- Date
- 1925-10-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜEHSGHE PiREßSß Seite 276 Nr. 42 I V s c Im e dm o s Die Zionisten und die Parlamentswählen in der Tschechoslowakei. Von gutinformierter Seite wird uns mitgeteilt; Die Zionisten beabsichtigen au den Parlamentsvvahlen unter irgend einem neutralen jüdischen Namen selbständig teilzunehmen und haben auch schon ihre Kandidatenlisten festgestellt. Es werden Listenführer sein für den Wahlbezirk Uzhorod (Podkarpatska Russ): Advokat Dr. Julius R e i s s aus Bratislava; P r es o v: 'Advokat Dr. Karl F a r b s t e i n; L i p t. Sv. M i׳ k u 1 a s; Advokat Dr. M. Weiner; T u r c. Sv. Mar- 11 n; Rudolf Braun aus Zilina; T r n a v a : Advokat Dr. Mich. Eisler aus Hlohovec; Neve Zamkyj (Bratislava): Advokat Dr. Leo, Sipos aus Bratislafjvyi.: Ueber die Listenführer in den Bezirken Kosice (und Danska Bystrica ist bisherr eine Einigung nicht erzielt worden. Das nichtzionistische Judentum in deü Tschechoslowakei hat an diesen Kandidaturen keinerlei Anteil und steht ihnen fern. Nach den ימים טובים Auch die ימים טובים haben ihre Schicksale; auch von ihnen haben manche mehr, manche hingegen weniger oder auch gar kein ״י מ ו ל unseren Tagen. Chanukka zum Beispiel hat ein mächtiges Glück!bei unseren Zionisten, obgleich gerade das Leben und Wirken der Makkabäer und der wunderbare Sieg des jiidisehen religiösen Geistes über alle Bestrebungen zur Entthronung der Thora im jüdischen Volke von den Zionisten als geschichtlicher Faustschlag ins Gesicht des! unjüdischen Nationalismus empfunden werden müsste. Jom' Kippur aber hat ausgesprochen Pech, wie die jüngsten zionistisch-bolschewistischen Demonstrationen gegen seine Heiligung in Jerusalem, Warschau, Wien u. a. beweisen. Es ist auch in der Tat so furchtbar schwer, irgend einenl nationalistischen Sinn in ihn hineinzufälschen, — als ob er von den Agudisten eingesetzt wäre! Simchas׳ Thora hinwiederum nimmt eine Art Zwitterstellung im Festkalender der Zionisten ein, etwa wie (nach Lazarus Barth) der Talmud — in der Ideologie des Misrachi. Manche würdigen diesen Tag nicht der geringsten Beachtung; was soll er ihnen auch? — Andere (siehe Nachrichtenteil'der ״Selbstwehr“!) wollen zwar von der, ״Thora“ nichts wissen, aber ״Simchah“ ist ihnen, s t'e t s recht willkommen. Simchas Thora -Ball, Simchas Thora ־ T a n z,׳ Simchas Thora-K ränzchen, Akademie usw, das ist schon! etwas herrlich National-Jüdisches. Eine Wonne, dem Volke! der Thora anzugehören, juchheee! — Wieder anderen, ■wie etwa den Zionisten von P r ess b 11 r g, ist!eine Simchas'' 'Thora ein Tag, an dem es ihnen ihrer Meinung nach gestattet ist, sich die Freude zu bereiten, gegen die Anhänger der Thora beim öffentlichen G־ttesdienst im grossen orthodoxen Tempel zu demonstrieren. Da kommen sie korporativ hin, verwechseln, als ״Hebräer“» הוללית mit שמחה# unterbrechen die übliche Liturgie der ה ק ס י ת und glauben weiss der Himmel was fü*1 Heldentat zur nationalen Befreiung des ״hebräischen Stammes“ geleistet zu haben, wenn sie im geheiligten G-ttes-׳ haus im Angesichte der aus dem א ר 1 י הקודש tg־e-; hobenen festgekleideten ספרי תירה — ein zioni'stisches Parteilied recht lärmend absingen. Dass die Beter im Tempel trotz der allgemeinen Entrüstung auch diesmal wieder der zionistischen Provokation nicht aufgesssen sind und ruhig Blut bewahrten, ist allerdings ein bitterer Tropfen in den iiberschäiimenden Freudenkelch׳ xadausi'ichtiger Zionisten. Sie trösten sich aber damit, dass der Simchas Thora-Tag Avenigstens in — Topolcanyi eine zionistische Umdeutung erfahren durfte und man in Zukunft zumindest dort wissen wird, weswegen die Zio׳־ nisten ihre tapferen misrachistisch belehrten ״Schornrim“zur gesanglichen!und boxerischen Train,age am Simchas Thora nicht auf den Sportplatz, sondern — in den Tempel ״kommandieren“. So zeigt sich denn auch das Simchos Thorafest dem Schicksal ’untenvorfen. Möge es Gnade finden in den Augen der zionistischen Schicksalslenker, und möge ihm jedenfalls eine möglichst schmerzlose( Uebergangszeit beschieden sein! — Wir schlagen vod, sämtliche jüdische ימים טיבים ^en1 ״Judaistischen Institut“ der zionistischen Universität auf dem Zofimberg zur Ueber- Prüfung der ״Natürlichkeit“ ihres religiösen Gehaltes zu überweisen. Dort wird hoffentlich der neuernannte ״Universitätsprofessor“, Dr. Klausner auf Grund seiner jahrzehntelangen Forschungen im Neuen Testament ־feststellen, das$ sie kein schlimmeres Schicksal verdienen als die ״orthodoxen Juden“, denen er nach innerer Ueber- Windung unlängst gnädig zuerkannte, dass sie trotz ihrer langen Bärte und Peos, wenn auch nicht völlbev rechtigt,e Juden, aber doch, einigermassen und in gewissem Sinne מצאצאי אברהם יצחק4 ויעקב sind. Soker. Talmud Thora'in Sala n. V. Man berichtete uns) aus Sala n. V. (Vagselye): Am 28. .Elul fand in unserer mit der ישיבה verbundenen תלמוד חורך״ Lehranstalt das grosse Verhören statt, bei welcher Gelegenheit die Schüler! Beweise sowohl ihres Fleisses als auch ihres gründlichen!. Studiums äblegten. Schüler aus der Fremde und hiesige Kinder wurden durch den bestbewährten Melamed R. Sim* chöh Jisr. Einhorn fertig zum Schiur gestellt,!welcher von Sr. Ehrw. Herrn Oberrabbiner S t r a s s e r geleitet; wird: Viele der Zöglinge verlassen die Anstalt mit de*! Befähigung, selbständig zum Schiur zu gehen. Von 5 Uhr! früh bis 7 Uhr abends stehen die Zöglinge unter Aufsicht' des erwähnten Melamed. Eltern, die bei ihren Kindern! ein intensives Fortschreiten im Lernen wünschen, können; diese zuversichtlich hieher geben. Bessersituierte finden! preiswürdig sehr gute Verpflegung. Arme Kinder be* kommen Kosttage; D. ״Sie sind ein gewöhnlicher Jude.“ Dies hat ein Malergehilfe einem jüdischen Wirt in Ungvar zugerufen. Vor einigen Tagen wurde er deswegen vor dem Be-» zirksgerichte zur Verantwortung gezogen. Er suchte sich dadurch der Strafe zu entziehen, dass er behauptete, er habe mit der Bezeichnung ״Jude“ nicht die R e 11 g i o n des Klägers, sondern seine Rasse bezeichnen wollen und unter ״gewöhnlich“ seihe verschossene Kleidung verstanden. Er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Eine jüdische ,,Landwirtschaftliche Kreditgenossen־! Schaft“. Wie aus Beregsas berichtet wird, wurde dort vor einigen Tagen eine jüdische ״Landwirtschaft- I i c h e ß r e d i t g e n o s s e h s c h a f t“ ins Leben gerufen, die berufen sein wird, eminente wirtschaftliche Interessen der Juden in Podkarpatska Russ aiif realer Basis zu för־. dern. Die Idee findet grossen Anklang in allen Kreisen. Eine provisorische Leitung mit dem Sitze in Beregsas( wurde gewählt und mit den vorbereitenden Agenden betraut. Den! Komitee gehören vorläufig folgende Herren an: Dr. Simon Reismann; Herrn. Junger, Dr. Simon Sagh, L. Herskowits, Jakob Katz und Dr. Arnold Reismann. Der Jahrzeitstag des Chasam Sofer זצ״ל Wie üblich, wurde in Bratislava am 25. Tischri der Jahrzeitstag des Chasam Sofer begangen. Zahlreiche Leute besuchten das Kewer des grossen Mannes und verrichteten Gebete.!Seine Ehrw. Herr Oberrabbiner Schreiber hielt aus diesem Anlasse in 'der Schitirstube i.m Beisein vieler Talmide Chachomim eine grossangelegte Charifus-Droschoh in der .סוגי׳ שמא יעבירנה Notiz. Wir machen unsere Leser auf die 'heutige Beilage der Firma Heinrich Franck Söhne in Kosice aufmerksam. Personalien. Oberrabbmer Samuel Menachem Klein זצ״ל Eine erschütternde Tratierbotschaft ruft im ganzen Lande tiefen Schmerz hervor: Oberrabbiner Samuel Menachem׳ Klein in Secovce ist am ersten Tage des Sukkos-1 festes im besten Mannesalter verschieden. Eine Blinddarmentziindung zwang ihn, sich in Kosice einer Operation zu! unterziehen; der operative Eingriff half jedoch nicht mehr tmd ein junger vielverheissender Mann zog inmitten, peines reichen Wirkens für •das Judentum von dannen, •tief betrauert von der schwergeprüften Witwe mit ihren (unmündigen Kindern, yon .seiner i.hn .verehrenden Gemeindey von einem ausgedehnten angesehenen Familienkreise und zahlreichen Freunden, die an seine grossen' Fähigkeiten und edlen Eigenschaften die schönsten Hoffnungen knüpften. .Oberrabbmer Klein war ein Enkel des berühmten. Rabbi Schmelke Klein זצ״ל von Szöllös und להבח״ל Solln des Oberrabbiners Klein in Szilagy-Cseh. Er war mit einer Tochter des Klausenburger Oberrabbiners Glaser s.. A. verheiratet und hinterlässt drei Kinder, von denen der älteste Sohn jetzt 17 Jahre zählt. Schon in jungen Jahren zeichnete er (sich durch1 Fleiss und' Begabung im Lernen aus und (erfreute sich durch sein ׳stilles distinguiertes Wesen vieler Sympathien. Nachdem er mehr als ein Jahrzehnt in der Gemeinde Sebes als Nachfolger des .weltbekannten Rabbiners Ja ul us gewirkt hatte, würde er vor zirka Jahresfrist! auf den Rabbinatssitz Secovce berufen, wo er £ich'׳ in kurzer Zeit-die Liebe und die (ungeteilte Achtung aller Kreise zu erwerben verstand. Sein Tod reisst 'nun einq breite Lücke in diese Gemeinde, die — einst eine Hochbürg echten jüdischen Thorageistes und heute den Anstürmen unjüaischer moderner Bestrebungen ausgesetzt — eines gesinnungsstarken geistigen Führers gerade jetzt mehr denn je bedarf. Oberrabbiner Klein hatte den Vorsatz, die Gemeinde abermals zu ihrer ehemaligen Blüte zu bringen und nun hat G-ttes unerforschlicher Wille ihn entrissen. Die Nachricht verbreitete sich schnell in Kosice! noch während des יום טיב• Am מוציו״ט vereinigten sich die Chewroth Kadigchoth aus Kosice, Secovce und Sebes» um die Transportierung des 1* נפטרach Secovce vorzubereis־ ten. Um 11 Uhr nachts hielt Herr Oberrabbiner Brach1 von Kosice einen kurzen, aber alle Anwesenden aufs tiefste ergreifenden הספר• Am ersten Tag חוה״מ fand die הלוו׳. unter grosser Beteiligung in Secovce statt. Mehrere Rabbiner und Dajonim und zahlreiche Deputationen waren erschienen. Den ersten Nachruf hielt der älteste Sohi}־ des Verewigten und rührte die Versammelten zu Tränen. Darauf sprachen die Dajonim von Secovce, Presov, Kosice, S e v״l j u s u. a. und schilderten die Verdienste und die Tugenden des Dahingeschiedenen. Im dichtbesetzten בית הכנסה hielt sodann Herr Oberrabbiner 'Snnon׳ Ehrenfeld aus M i c h a 1 o v c e, als Verwandter des Verstorbenen einen grossangelegten הספד Er ermahnte in Worten, denen man es anmerkte, dass sie aus einem! warm empfindenden Herzen kommen, die Gemeinde am ihre Pflichten gegen die Witwe und die Waisen und empfahl ihr den Sohn des Verewigten trotz (seiner Jugend als Nachfolger seines Vaters zu designieren. Seine Worte! übten einen mächtigen Eindruck aus und die Gemeinde beschloss auch sotort, der Anregung des Michalovcer Oberrabbiners im weitestgehenden Masse Folge zu geben und jedenfalls für den Lebensunterhalt der Hinterbliebenen in vornehmer Weise zu sorgen. Nach Verrichtung ׳de*‘ הקפות bewegte sich ein unübersehbarer Zug von 'Trauernden dem בית החיים zu, wo die irdische Hülle einer reinen Seele zur Ruhe gebettet wurde. זכר צריה־לברכה! S-l B-ml Max Pollak s. z. 1. Am הושענא רבה wurde in Bratislava Herr Max Po 11 a k zu Grabe getragen. Mit ihm verlor die Gemeinde Pressburg und das orthodoxe Judentum‘unseres Landes eine jener sehr spärlich gesäten Persönlichkeiten, die durch ihre aufrichtige, unverfälschte Frömmigkeit und unbeugsame Geradheit der Gesinnung zum. Segen -werden für den Kreis, in ׳dem sie leben und wirken. Unsere Zeit ist nicht dazu ,angetan, solche kerngesunde, schlichte, biedere Charaktere zu erziehen und zur Entfaltung kommen zu lassen. Die Wenigen, die in unserer Mitte leben, ragen aus einer Zeit zu uns heriüber, in der die jüdische Gasse noch von einem echt jüdischen Geiste beherrscht war und nur die in der ח1ה״ק verwurzelten Tugenden Geltungsvvert erlangen konnten. So oft der unerbittliche Tod in die ,Reihen dieser fest־( umrissenen Gestalten eine Bresche schlägt, umschleicht unsagbare Trauer jedes jüdische Gemüt und die ganze Gemeinschaft empfindet den Verlust, den sie erlitten. So war denn auch Max Pollak einer jener achtunggebie-, tenden Menschen von urwüchsiger Eigenart, die man in Pressburg stets nur liebevoll nannte und allgemein ver- ־ehrte. Er stammte aus Topolcany und war ein Naclii komme des חיסס׳ירט Er zeichnete sich durch seine Ehrlichkeit in Handel und Wandel aus und (hatte einen ausgeprägten Drang, sich seinen Mitmenschen, namentlich aber der jüdischen Gemeinde, nützlich zu erweisen.1 Dreissig Jahre lang gehörte er der Repräsentanz deit orthodoxen Gemeinde an und leitete mit bewnndernswerter Opferfreudigkeit und nie versagender Hingebung ehrenamtlich ihr Wirtschaftsamt. Im Bes Hamidrasch der Gemeinde war er viele Jahre hindurch בעל תפלה von seitener Inbrunst und bewahrte dadurch zahlreiche traditionelle alte Melodien der Nachwelt. Seine Kinder!erzog er zu guten frommen Juden, die sich bemühen, in seinen Fusstapfen zu wandeln. Seine הלף׳ gestaltete sich' trotz des הוה״ם zu einer schönen Kundgebung der Dankbarkeit für seine reichen Verdienste um das Gemeinwohl. ,Das Rabbinat unter Führung Sr. Ehrw. des Herrn Oberrabbiners Schreiber, Gemein'devorstand und Repräsentanz sowie viele andere Körperschaften folgten in einem ,langen Zuge der מטה. Wegen des Feiertages konnten הספדים nicht gehalten werden. In wenigen Sätzen nur (gaben Herr Rabbiner Sam. Donath und der älteste Sohn ׳des Verl blichenen, Herr Herrn. Pollak aus B ö s i 11 g, den^ Schmerze der Gemeinde und der Hinterbliebenen tiefbewegt Ausdruck. תנצב״ה A. R. t. Sigmund Fränkel זצ״ל Weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus klagt man über den Heimgang von Sigmund Fränkel זצ״ל Die reichen Gaben, die ihm der Allmächtige jn so vollem Ausmass verliehen hatte, stellte er in!den Dienst der Menschheit, weihte er dem Volke Israel. So war sein Haus eine Stätte der Thora, ein Von bild mustergültiger religiöser Erziehung. ’ So beriefen ihn seine Standesgenossen zur Vertretung ihrer Interessen, so war er leitend in fast allen Fragen, did das Judentum betrafen, und er leistete Grosses. Sein Ideal rvar in der Erfassung der Gesamtheit gelegen, in der Richtgewinnung auch, der -am!weitesten von! der Betätigung des religiösen Sollens. entfernten' Glieder Israels, \ Der Ausdruck der Hoffnung auf die Erfüllung dieses Ideals Aval* Inhalt der Worte, die er (noch kurz vor seinem( Heimgang sprach. . , Dankend und denkend stehen wir an seinem ׳Grabe.' תנציבה Zuschriften an die Redaktion. iWiir bringen die Einsendung •mit Rüdesicht auf :die überaus wichtige Frage, ׳die sie ׳behandelt.!Es ist sicher anzunehmen,!dass der.!Artikel •eine lebhafte Diskussion hervorrufen ׳wird; wir behalten uns ׳eine •abschliessende Stellungsnahme!vor.!Sehr geehrte!Reduktion! Bezugnehmend auf eine Notiz im Briefkasten llihrer ׳Rösch iHaschono-nNummer, ,aus der ich die interessante Tatsache erfahren!habe, dass die Ritualspesen bei einem Kilogramm Fleisch bloss ׳acht Groschen ׳betragen, gestatte ich ׳mir durch )Ihr wertes ׳Organ — um gefl. Veröffentliohung, ׳beziehungsweise Diskussionseröffnung bittend — ■׳an •die kompetenten Stellen einige Fragen zu ׳richten.:!Wie kommt es, dass ׳das sogenannte 'Schiffschulfleisch um 80 ׳bis 100 ׳Groschen teurer verkauft!wird, als •das nichtkoschere oder als das .unter ׳Aufsicht der Kultusgemeinde geschlachtete Fleisch? Es dürfte!Ihnen bekannt sein, dass laut Berechnungen der ,Neuen Freien Presse“ und der Zeitung ״Der Abend“ die ׳Fleisah.pre.ise im allgemeinen in ׳Wiien viel zu teuer sind. Nach diesen ziemlich exakten und bisnun nicht, widerlegten Berechnungen ׳haben die Fleischhauer einen! 40- bis 50prozentigen Nützen am ׳verkauften Fleisch. ׳In der ,heutigen wirtschaftlichen!Situation ■ein ׳wahrlich ׳nicht geringer Nutzen! 'W׳er und was berechtigt nun die Schiffsohulfleischhauer noch!über diesen Nutzen einen Agiopreis von 70 ׳bis 90!Groschen!per Kilogramm von ihren ׳Kunden! einzuheben? Vielleicht sehen sie die Quelle!der Berechtigung in der Tatsache, dass ihnen aus G-ttes Gnaden und Schi׳f׳fschuivor§tand Gnaden ein •sicherer!Kundenkreis zusteht, den sie als (Geschenk bis in!die!Unendlichkeit gegeben betrachten׳ und der ihnen auf Gnade und Ungnade ergeben sein muss. Oie Theorie, dass nur das ׳Schiffschulfleisch in Wien für ׳streng koscher zu •betrachten ist,!will ich für angenommen wissen. ׳Nun hat aber in diesem Falle der Schiffschulvorstannd, beziehugsweise •die Kaschruthkommission •in erhöhtem!Masse zu achten, •das der Bezug •dieses Fleisches, ׳das •einzig streng Löscher ist. billig und jedermann zugänglich sei. .Wie kann e^ diese riesige Preisdifferenz verantworten?!Wie •kommt •er .hinweg •über das . Verbot der Heiligen ׳Schrift ,;v'ilifne!wer läu titen michsol“? Warum ist es den!Herren noch ו nie eingefallen, kraft des ihnen־ zustehenden Aufsichtsrechtes auf den Preis nivellierend zu wirken?!Man erzählt in eingeweihten Kreisen Märchen von besserer ׳Qualität des so teuer bezahlten'Fleisches. Fachleute behaupten aber, dass diese Fabel im Schiffschul-Fleischhauerverband errunden wurde. Es sollte keine Utopie sein, sondern eine selbstverstündliche Forderung, dass das streng rituelle Fleisch nicht um einen Groschen teurer sei als das nichitkoschere, damit das rituelle Essen einem jeden, auch dem Aermsten der Armen, nicht teurer gemacht wird als das nichtkoschere. Die Ritualspesen sollten womöglich nicht indirekt, sondern durch ׳direkte Steuern aufgebracht werden. Ist es aber