Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 26 (26.6.1925)
- Date
- 1925-06-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ORGAN FÜR DIE INTERESSEN Ufes ORTHODOXEN JUDENTUNIS. Redaktion u. Administration« Wien, 11.,Leopoldsgasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-4-94. Tschecho-Slowakel: Bratislava, Postfach 14b. erscheint jeden Freitag, -tj Redaktionsschluss: Pfir Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich K 120.000, Tschecho-Slowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. K 3000, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen ihr Oesterreich: PostsparkassenamtWien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Posisparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn: Postsparkaesenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram.Ko. N. 40.217; für die Schweiz: Postscheckkonto Luzern V1I. 1470; für Deutschland: Postscheckkonto Berlin Nr. 122.619' ■r. 26 Wi«n-Bra«i*>iava, 26. Juni 1925 .!ב*ה וינודפרעסססירנ ד* תמוז תי&״ד Ifa Jahrg. Chronik der Woche■ Bildung eines orthodoxen Waad Leumi. Jerusalem. (J. T. A.) Die Misrachisten und anderen orthodoxen Gruppen der Assefat Haniwcharim, die während der Debatte über das Frauenrecht die Tagung der Nationalversammlung vcrliessen!und sich in einer Sondertagung zu einer NationalVersammlung der unabhängigen orthodoxen Juden konstituierten, beschlossen, Wahlen für eine Natiomüversamm- Jung orthodoxer Juden abzuhalten. Die provisorische Nationalversammlung wählte uns ihren Reihen einen provisorischen Nationalrat (Waad Leumi), der als das repräsentative Organ der orthodoxen Juden die Wahlen vorbereiten und leiten wird. Es wurde ferner beschlossen, zum 14. Zionistenkongress, der am 18. August in Wien ,beginnt, eine eigene Abordnung zu entsenden, die die Forderungen der palästinensisch-orthodoxen •Judenheit vertreten wird.. Neuwahlen zur Jüdischen Nationalversammlung Palästinas. J er usalem. (j. T. A.) Die gegenwärtige in Jer.i1־ salem tagende Nationalversammlung der palästinensischen Juden (Assefat Haniwcharim) hat nach der Sezession der orthodoxen Abgeordneten das neue Wahlgestetz angenom-!nen und beschlossen, die Neuwahlen zur Nationalversarnrnlung noch vor dem 14. Zionistenkangress stattfinden zu lassen. Mr. Norman Bentwich verbleibt ■auf seinem Posten. Der Palästinensischen Telegraphen-Agentur wird offiziell mitgeteilt, dass die Nachricht, wonach der Generalstaatsanwalt und Justizsekretär der Palästinaf-Regierung, Mr. Norman Bentwich,׳von seinem Posten zurückgetreten wäre, nicht zutrifft. Mr. Bentwich verbleibt auf seinem Posten. Gouverneur Abramson lebt. Oie aus Hebron hier eingetroffene Nachricht, dass der Gouverneur •von Nord- Palästina, Abramson,!ein Christ, von Arabern ermordet worden sei, bestätigt sich nicht. Mr. Abramson war das Opfer eines •Attentatsversucbes, kam aber, mit dem Leben .,:v:; Die Schiessaffäre bei Afuleh. — Gefängnisstrafe für zwei Juden. *Wie erinnerlich, kam es im November v. J. bei Afuleh zu ׳einem Ziisammenstoss zwischen Arabern .־und Juden, weil Araber, die Ansprüche auf den Boden machten, die jüdischen Pflüger an der Arbeit verhinderten. Im Ver- .lauf des Streites ,fiel ein Schuss, durch den ein Araber getötet wurde. — Nunmehr verurteilte das Gericht •den Juden Segal Zu 12 Jahren-Gefängnis unter der Beschuldigung, dass er den Schuss abgegeben hätte. Der>Jude Paz erhielt .sechs Monate Gefängnis. Die Bearbeitung des Iksalbodens durch Agudas jlsroel. Frankfurt a. M. (A. J. P. B.) Die Agudas Jisroel teilt mit, dass die Arbeit auf dem Iksalboden sowie die Errichtung einer Siedlerschule bereits vor Monatsende ,beginnen׳ wird. Die Leitung übernimmt Herr Davis Trietsch. Anstatt der ursprünglich projektierten Holzhäuser werden massive Häuser durch die Herren Architekt Levy und Zimmermeister Heinrich erstellt, ohne dass ein Mehrpreis gegenüber den ׳Holzhäusern erzielt wird. Die Israelitische Alliance tür religiösen Unterricht. Pa ris. (A. J. P. B.)CHe ״Alliance Israelis“ hat an die Direiktoren der ihr unterstehenden palästinensischen Schulen ein Rundschreiben gerichtet, in dem diese aufgefordert werden, bei den Schülern und Schülerinnen das religiöse Gefühl, die Achtung vor der Tradition wieder zu wecken1 .und zu pflegen, da der hebräische Unterricht bedauer- •licherweise rein formalen Charakter angenommen habd und den religiösen Geist völlig vernachlässige. Das Zirkular beschäftigt sich mit Detailvorschlägen an die jü•־, dischen Lehrer über den zu wählenden Lehrplan. Der ungarische Justizminister stellt zwei jüdische Sitze Im ungarischen Oberhaus in Aussicht. Budapest. (J. T. A.) Die ,Frage der Vertretung der Juden im ungarisehen Oberhaus ist in den Parlamentsausschüssen bereits durchberaten unid die Angelegenheit beschäftigt jetzt das Justizministerium. Justizminister Pesthy erklärte Presse- Vertretern, dass es heute bereits als fast sicher anzunehmen sei, •dass das neue Gesetz über das ungarische Oberhaus der Judenschaft Ungarns nicht einen, sondern zwei Vertreter in der zweiten Kammer der Gesetzgebung sichern werde. Ueber 'die Frage; ׳unter welchen Modalitäten und besonders unter Teilnahme welcher jüdischer Körperschäften die Wahl der zwei jüdischen Vertreter erfolgen soll, sei bisher noch kein endgültiger Beschluss gefasst worden. .Darüber schweben noch die Verhandlungen mit den in Betracht kommenden Faktoren. Im übrigen sei es noch .ganz :unbestimmt, wann die Nationalversammlung in die Lage kommen werde, sich mit dem Gesetzentwurf über das Oberhaus zu befassen. Senator Mendelsolm für die Rechte der Juden in der polnischen Armee. Warschau. (J. T. A.) In der letzten Sitzung des polnischen Senats hielt während der!Beratung über das Heeresbudget der jüdische agudistische Senator Mendelsahn eine längere Rede über die Juden in der polnischen Armee. Er führte aüs: Die Juden erfüllen gewissenhaft ihre Militärpflichten; ׳Sip verdienen die kränkenden Vorwürfe nicht, die .ihnen •von polnischer Seite gemacht werden. In der Armee dienen, zweimal , so viel Juden, als auf den Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung entfallen würde. An •allen bisherigen Spionageaffären waren Juden nicht beteiligt. Der Redner, brachte eine Reihe Fälle vor, wo jüdische Soldaten von Vorgesetzten und Kameraden gepeinigt wurden, und beschwerte ,sich •darüber, dass Offerte jüdischer Lieferanten, auch weiin ,sie die günstigsten sind, zurüokgewiesen werden und dass den jüdischen Soldaten an •jüdischen Festtagen trotz Vorschrift keine Dienstfreih'eit gewährt!wird. Senator Mendelsohn formulierte die folgenden Wünsche des jüdischen Pärlamentsklubs: 1. Abschaffung aller Geheimzirkulare des früheren Kriegsministers Sosnkowsky über Beschränkungen für Juden, 2. volle Gleichberechtigung für jüdische Soldaten,• bei Stellenbesetzungen ,und Engagements, 3. Freiheit der täglichen lAndachtsiibimg ■und Diensffreiheit an!jüdischen Festtagen, 4. Freiheit, sich rituell zu beköstigen, 5. gleiche Behandlung jüdischer und nichtjüdischer Lieferanten, 6. . Systemisierimg von Feldrabbinenposten bei jedem Korps. .* Kriegsminister Sykorski •erwiderte, die Vorwürfe Senator Mendelsohns seien nicht überzeugend, die Armeeleitung beobachtet gegenüber den jüdischen Soldaten alle Vorschriften, nur ist es nicht möglich, ihnen Sabbat-Ruhe zu gewähren. Scheitern der Hoffnungen der jüdischen Emigrantea in Riga. Riga ((J. T. A.) Der amerikanische Generalkonsul in Riga;hat die Gesuche der 500 auf dem Wege nach den Vereinigten Staaten in Riga gestrandeten jüdischen Emigranten, ihnen in den nächsten Jahren die Einreise mach den Vereinigten •Staaten zu ermöglichen, endgültig abgeleh,nt. Die lettländische Regierung, die den Emigranten mir unter der Voraussetzung •itefrr• Weiterreise nach Amerika in *absehbarer -Zeit \ den Au?B?1th־5־ft- Üu^Lande gestatiet hatte.י erklärt •nunmehr, dass, sie einen längeren Aufenthält der Emigranten in Lettland• nicht •dulden könne. Man befürchtet, die Behörden werden die Emigranten zwangsweise an die rassische Grenze abschieben. Angesichts des Fehlschlägens der Hoffnungen, nach Amerika kommen zu können, und der Gefahr, zwangsweise nach Russland ־ abgeschoben zai werden, rvvo sie bereits alles liquklieri haben, •bemächtigte sich der Emigranten eine grosse Verzweiflung. Mehrere Hundert Auswanderer, alles landwirtschaftlich vorgebildete Arbeiter-und qualifizierte Handwerker, •bestürmen die Palästinaämter Ln Riga und Libau, dass man ihnen Visa für Palästina ausfolge. Die Bitten' mussten abgelehnt werden, weil nicht genügend Zertifikate vorhanden sind. Niemand sieht einen Ausweg aus dieser verzweifelten Lage. Eine Exkursion zu den jüdischen Kolonien der Krim. Moskau. (J. T. A.) Der europäische Joint-Direktor Doktor Bernhard Kahn, der Direktor des ■Agro-Joint Doktor Joseph Rosen und das Mitglied des Moskauer jüdischen Gemeindekomitees •Isaak Urison begaben sich am 8. Juni nach Südrussländ und der Krim, um die gegenwärtige Lage der jüdischen Kolonisation zu studieren. Herr Urison reiste im direkten Auftrag der jüdischen Gemeinde, die an der Kolonisationsbewegung aktiv tcilnehmen will und auf seinen Bericht!wartet. Entdeckung zweier Geheim-Jeschiwoth in Kiew. Moskau. (J. T. A.) Die Sowjet-Polizei entdeckte am 6. Juni in Kiew zwei vor kurzem errichtete Jeschiwoth (jüdische religiöse Lehrhäuser), Die Leiter der Jeschiwoth wurden verhaftet; es wird!gegen sie die Anklage erhoben. Die Keren-Hathora-Propaganda in Buenos Aires. Buenos Aires. (A. J. ,P. B.) Unter Leitung des bekannten Aguda-Führers N. J. P a r m e t wurde am Laag Boomer die Propaganda für Keren-Hathora begonnen. Zum Auftakte» wurde eine Massenversammlung einberufen, in der Herr Barmet das Hauptretferat über die Aufgaben des Keren Hathora ,hielt. Die Versammlung war zum grössten Teile von sephardischen Juden beschickt, die die Mehrheit der argentinischen Orthodoxie!bilden. Sie setzen sich aus türkisch sprechenden Juden zusammen, die aus Syrien, Marokko und Damaskus eingewandert sind und׳ ,leben strenge im Sinne der jüdischen Tradition. Reise des. Pablanicaer Rebben nach Erez ,Jisroel. Warschau. (Ä. J. P. B.) Dieser Tage reist der.Pabianicaer Raw, Rabibi Mendel Alter, ein Bruder des •Gerer Rebben, nach Erez Jisroel. , Keine Reise des Chofez Chajim nach Erez Jisroel. Warschau. (A. J. P. B.) Amtlich wird verlautbart, •dass der Ghofez Chajim derzeit nacht nach Erez Jisroel zu reisen beabsichtigt. ' . ■ Tagung der deutschen Jugendorganisation am 2. und 3. August. Köln. Am 2. und 3. August findet im Köln die Tagung der deutschen Agudajugendgruppen statt. Abschiedswort an Herbert Samuel. Ob die •Politik Herbert Samuels gut war oder nicht, wird erst •eine viel spätere Zukunft entscheiden; dieselben Kreise, die noch vor kurzem in Jerusalem bei den Worten al Kissau lau jeschev sor für Herbert Samuel demonstrierten, jubeln heute Lord Plumer z׳u. Das ist die billige, oberflächliche, imehrliohe Politik der Demagogie. Dass Herbert Samuel gut für England wirkte, ist unbestritten; dass Lord Plumer eine ganz andere weltpolitische Situation vorfindet als s׳ein Amtsvorgänger vor fünf Jahren, •ist gleichfalls t1׳nbestritten. Objektive ,Prüfung dürfte ergeben, •dass •Herbert Samuel den weitanssohauenden׳ Versuch machen wollte, den jüdischen Interessensphären eine Entwicklung vonz'uschreiben, welche im Rahmen der Möglichkeiten die Ansprüche reduziert und diese sehr, sehr reduzierten Ansprüche im geduldigen, geräuschlosen Arbeiten :erfüllt sieht. Aber der geduldsmüde •Teil der Judenheit hat das Warten verlernt; daher rührt die jetzt sich schrankenlos äussernlde Unzufriedenheit ,mit Herbert Samuel fünfjährigem Regime. Für den ehrliehen Kritiker jedoch bedeutet das Ausmass des!Erreichten ׳nichts rni Verhältnis zu dem ,Bilde des Wollens. Es steht heute schon fest, dass Herbert Samuel fünf Jahre lang einen der schwierigsten Posten •bekleidet hat,!den jemals; •die englische. ׳Regierung zu ' vergeben hatte. Ehr jahrtausendeiang wirtscliaftfiCli vernachlässigtes Land, eine Bevölkeknigssdncihte, die auf Grund der während des Weltkrieges gegebenen Versprechen weitgehendste Ansprüche erhob, eine über die ganze Erde zerstreute Menschengruppe, «die in gleichfalls während des Krieges gegebenen Versprechen gen den Anfang einer -neuen׳ Erlösung sah und zum Teil die Ansprüche gegenwartsfremder Träumer erhob, eine Fülle weltpolitischer Schwierigkeiten,!die ihm «Öfen oder versteckt entgegenärbeiteteil, eine gesunde Entwicklung zu stören .־versuchten. All das ist ungefähr •ein Umriss des Prdblameii- .komplexes, vor das sich Herbert Samuel gestellt sah und wie leicht vergisst man, dass die ersten Zeiten einer solchen Wirksamkeit nichts anderes darstellen können, als eine Reihe von Versuchen. Unter dieser Voraussetzung wird ,die Kritik m politischer Beziehung vieles verstehen -und billigen müssen. Es •bleibe dahingestellt, ob (die jiidisdien Interessen besser gewährt gewesen wären, wenn man ,auf jüdischer Seite.etwas diskreter gewesen wäre, sowohl in Bezug ׳auf ׳deil outrierten Ausdruck der Huldigung ,gegenüber •der Person, als auch!in Hinsicht a׳uf die Betonung der naoh Lage der Dinge •unerfüllbaren Ansprüche. Fünf Jahre sind •eine!kurze Zeit, fünf Jahre ׳sind aber •auch eine lange Zeit, in welcher die Judenheit vieles knien hätte können. Nur ,eine hemimungsJose Kriegszeit kann revolutionäre Befriedigung• historisch gewordener Wünsche bringen. Die Friedehsarbeit sieht nur Jangsam ihre Früchte reifen; das •sollte keiner vergessen, der es mit ■Palästina •ernst meint. Wir glauben •auch, dass Herbert •Samuel den ernsten Willen hatte, das religiöse Element zu berücksichtigen, ja sogar zu fördern. ׳Allein Herbert-Samuel kennt die Aeussenmg des Judentums nur aus England, ailwo der repräsentative Charakter alles bedeutet, wo die Juden ferner •jeder prinzipiellen Auseinandersetzung •sorgfältig aus dem Wege gehen. Es war deshalb ganz!unmöglich, dass Herbert Samuel der Forderung einer selbständigen •Orthodoxie volles Verständnis entgegenbringe. Allein es bleibt ihm unvergessen, wie sehr er sich, ernstlich bemühte, •eine Linie zu fiin- Wiens GRÖSSTE Internationale KUNSTWERKSTÄTTE und BILLIGSTE EINKAUFSQUELLE für DES ~ Wollen Sie (GEGENÜBER DEM HOTEL ״BRISTOL•*) TELEPHOH-NUMMER 51-3-62 :: 9 any m^u rn *äSsuchen? Liefert seit mehr als anderthalb Jahrzehnten den vornehmsten orthodoxen Damen aller LänderPerücken, Spezialist In Brautscheiteln. 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