Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 21-22 (28.5.1925)
- Date
- 1925-05-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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z K 5000 *1*T^f^Kiethot V. b. b. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion u. Administration} Wien,11.,Leopoldsgaase 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-4-94. Tscheche-Slowakei: Bratislava, Postfach 14U. : Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich K 120.000, Tschecho-Slowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. K 3000, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen für Oesterreich; Postsparkassenamtwien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn! Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei: Postsparkassenamt Prag. Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postap.-Amt Agram, Ko. N. 40.217; für die Schweiz! Postscheckkonto Luzern VII. 1470; für Deutschland! Postscheckkonto Berlin Nr. 122.619 Sp. 21/22 ב*ד■ וינה־פרעססבות זד סיק תרפ׳ה. 1925 Wi.n-Brati.1ava, 28. Mai■ . ff. Jahrg. Der Schmuck der Sinaistunde. Stolz sollten wir sein auf die Gebnrtsstunde aller Sittlichkeit auf Erden, heisser Dank gegen den Schöpfer unserer Tage sollte uns durchglühen, dass er -unsere• Ahnen, ׳dass!er ׳uns zu Boten seines Wortes gekürt hat. Das ist der Grundgedanke in all den Festgedichten, welche altjüdische Innigkeit dem Wochenfest als Galbe darge־reid1t hat, י welche wir, die Bpigonen, in unseren Synagogen an diesem Tage singen und sagen. Viel ist da geboten, an reinen Phantasien über den ״Schmuck“,!der am Busse der (Horeb diadcmgleich das ganze Volk umflutete. Eine Waffe war es, meint ein alter Weiser, während der andere einen schlichten Gürtel darin erblickt, ein dritter endlich purpurlinnen und gülden Geschmeide zu erschauen glaubt. Eine Waffe ist der Thora Wort und Geist, eine vielerpröbte, eine Waffe, die Nationen niederrang, eine Wehr, die Israel schützte trotz Schild und Speer. Zu ,heissem Kampf hat uns die Sinaistunde gerufen, zum Kampf gegen die allzu heissen Stunden des Herzens und ebenso gegen die Todessehnsucht matter Seelen. Und wenn verblendete Menschen und irre-: geleitete Völker der Thora wegen gegen Israel kämpften, eine andere Waffe als wiederum die Thora hatte Israel in diesem Ringen nicht; wenn es je daran dachte, nach arideren Waffen zu suchen, sie mussten •versagen* sie!haben versagt. Ein Gurt ist der Thora Wort und Geist, Sinnbild der Keuschheit ebenso, wie des festen, mutvollen Hinauschreitens in das Leben; keusch, rein und zart in deinen Gefühlen, fest und treu in deinen Ent- Schlüssen, bist du also, dann wandelst du in den Bahnen der Thora. Sie möchte dich zur freudigen Erfassung des Lebens führen,!zur steten Betätigung deiner Kraft. Sie lehrt dich, also deine himmelanstrebenden Wege zu ziehen, dass du dein Ziel erreichst, ohne andere zu kränken, ohne andere zu verdrängen. Sie möchte dir einen Masstab bieten für deine Empfindungen, für deine Taten. Und wenn du gefehlt, wenn du geirrt, da lenkt sie dein Auge gnadenvoll auf jene süsse Stunde der ersten Verzeihung, die der Allmächtige sterblich gewordenen Menschen zuteil werden liess, als er ihnen Gürtel und Gewand darbot, den letzten Gruss aus dem Wonneträum des Eden. Ein Diadem ist der Thora Wort und Geist in prangender Schönheit. Schön in den massvollen Linien des Genusslebens, mit denen sie uns den Bereich des Guten ummarktet; schön in den Gesetzen milder Liebe, welche sie als gesegneten Keim uns; ins Herz legt; schön in dem fragenden Blick, welchen sie uns betend zum Himmel emporzusenden gestattet.; schön, unendlich"'schön in den reinen Verheissungen, welche sie uns kündet. Nur eine wahre Schönheit gibt es für die Menschenkinder, das sind die Stunden reinen, wahren, ungetrübten inneren Glückes, nicht gestört durch Neid und Leid, nicht verzerrt durch Furcht und Angst. Und solcher Stunden streut die Thora eine verschwenderische Fülle in dein Dasein, ja sie füllt dasselbe ganz aus mit ihnen. Willst du nicht stolz sein und danken, du stark bewehrter, fest umgegürteter schönheitstrunkener Jude? P. K. שבעות Liquidation, Kolonisation und Konsumerfassung, Referat von Dr. Robert Weis s-Wien, gehalten auf der Palästinakonferenz der Agudas Jisroel in Frankfurt a. M. (21. Schwat 5685). Bevor wir in die Besprechung der aktuellsten, wirtschaftlichen Organisationsfragen der gesetzestreuen Koloni,־־ sation Erez Jisraels eingehen, gestatten Sie einige prinzipielle Bemerkungen -zu den M e t h ödender Kolon isation. Wir haben zwei Hauptkategorien zu unter־! scheiden: die philanthropische und die erwerbswirtschafti# liehe Kolonisation, wobei wir unter Kolonisation die geregelte Ansiedlung von Menschen in wirtschaftlichem Neuland verstehen wollen. Die philanthropische K o 1 o ni s a t io n kann von kapitalstarken E i n z e 1 p e rs ö n 1 i c h k e i t e n ausgehen. Ein Schulbeispiel hiefür sind die Ansiedlunigsversuche des Baron Edrnund Rothschild in Palästina und Argerrtinien. In beiden Ländern hat man sich jahrzehntelang! wirtschaftlich auf den ״Baron“ verlassen; so entstanden Defizite auf der einen Seite dnd unzweckmässig forcierte Unternehmungen auf der anderen Seite, wie z. B. d'as* Uebermass an. Weinbau, Jnr^den.,,,palästinen,suchen. Roth.?/• s-childköloriieh.Auen ' die philanthropische Kolonisation I durch Parteien hat sich — rein erwerbsWirtschaftlieh gesehen — nicht bewährt. Es hat sehr lange gedauert, bis man dazu überging, die Hunderttausende von, Pfund, die beispielsweise der Keren Hajessod der Zionistischen Organisation in wirtschaftlichen Betrieben invej stierte, in der Form von verzinslichen oder unverzinsVt liehen K r e d i t e n abzugeben. Heute, schiebt sich zwischen! den Geldgeber (!Keren -Hajessod) und den Geldempfänger (Arbeiter) ein Institut ein, das nach beiden Seiten hin als Wirtschaftsunternehmen auftritt, die Arbeiterbank. Aber wie gesagt, es hat sehr lange gedauert;, bis diese Verteilungsregelung für einen Grossteil der zionistischen Kolonisationsgelder eingeführt wurde. Biä dahin musste man sich auf den Idealismus und das mo־* ralische Niveau der Geldempfänger verlassen und — soweit dies eine ethische Angelegenheit war — hat man' keine allzu schlechten Erfahrungen gemacht. Aber reir& wirtschaftlich gesehen, fehlte lange der starke Antrieb, aus der Defizitwirtschaft heraluszukommen, da man weder* den Keren Hajessod noch einer gewerkschaftlichen oder genossenschaftlichen Instanz zur Aufstellung einer Erf o 1 g s rechnung verpflichtet war. Man übersandte Kasseny belege, die bestimmt vollkommen korrekt waren, aber!, keine Aufstellungen, die den Namen einer ordnungsmässig! belegten Bilanz verdient hätten, um so mehr, als meh| oder minder einmalige Investitionsausgatben von ״normalen“ Betriebsausgaben schwer zu trennen waren. Ich habe dies Beispiel philanthropischer Kolonisation durch eine'Partei!und ihren hureaukratischen!Apparat deshalb so ausführlich besprochen, weil m. E. die zu grün;! dende ,jKolönisationsgesellschaft für gesetzestreue Juden‘1 sich die wirtschaftlichen Erfahrungen der bisherigen zionn stischen Kolonisation wird zunutze machen müssen. Sie ■haben heute von seiten des Herrn Dr. Ehrmann gehört, dass an die Leitung der Palästinazenjtrale der Agudas Jisroel Leute mit dem Ansuchen herajngetreten sind, Erez! Jisroelbodeh zu ermässigtem Preise oder gar umsonst zu erhalten. Zunächst verlangten sie bedeutende Zahlungs־: Erleichterungen. Die Begründung dieser Forderungen war ein fast gleichlautender ■Hinweis auf allgemein anerkannte Verdienste in der Parteiarbeit. Sie werden zugeben, d'assr es einem P a r t e i b e a m t e 11 sehr schwer, ja direkt ünn möglich ist, in so einem Falle Entscheidungen nach reinl wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu treffen. Denn der Gesuchsteller -hat ■ja von seinem Standpunkt aus recht. Er sagt si,ch: ״Ich habe meiner Partei jahrelang uneigeny nützig die wertvollsten Dienste geleistet, jetzt ist es nud billig, wenn mir die Partei in Palästina zu einer wirt)־ schaftlichen Existenz zu günstigen Bedingungen verhilft'.“1 An ein Parteiunternehmen oder einen ,Parteifonds!wird!man immer solche Ansuchen stellen und wird die günstige Erledigung nur als Selbstverständlichkeit empfinden. Niemals aber wird die. ״Agudas Jisroel“ in Palästina eiri grosszügiges Aufbauwerk errichten können, ■wenn sie es auf Parteiunternehmungen in diesem Sinne basiert. Denn an eine allgemein als wirtschaftliches Erwerbsuntemehmen» bekannte. Kolonisationsgesellschaft■ wird man niemals; mit £d.e m»Scheine ,vonl/echt dietaptreten, kön nen*״ mit’denTma'if Hille von ״seiner“ Partei verlangt. Deswegen empfehle ich jetzt schon die grundsätzliche Entscheidung zu treffen/ ־ dass dort, wo wi r t s c h a f 11 i c h e Operationen erforderlich sein werden, dieselben ausschliesslich Wirtschafts׳־ gesellschaften überlassen bleiben, die im Rahmen der Be- Stimmungen des jüdischen Gesetzes nach erwerbswirt•» schaftlichen Grundsätzen zu führen sind. Ich wiederholet Machen Sie sich die Erfahrungen zunutze, die von der Zionistischen Organisation beim Keren 'Hajessod gesammeilt wurden! Geben Sie sich nicht der Täuschung Hin, dass man' mit Aemtern und Beamten wirtschaftlich in grösserem! Masstabe operieren kann! ' Auch die philanthropische Kolonisation d u r c'h den Staat ist wohl geeignet, den Ansiedler# durch Zuteilung von!Brachland ׳und Steuerbefreiungen die Niederlassung zu erleichtern, aber ein grosses Kolonisationswerk kann man auch auf ihr nicht basieren. Im» übrigen kommt diese Art der philanthropischen Kolon(!■* sation für uns fast gla׳r nicht in Betracht, da der palästf« nensische Staat den Einwainjderen wesentliche Erleichte־» rungen nicht in Aussicht stellt, obwohl er nach dem Mai(־» dat zur Abgabe von Staatsländereien usw. verpflichtet wäre. Damit hätten wir die wichtigsten Formen der philanthropischen Kolonisation durchbesprochen und wollen nun in Kürze die!beiden Typen der erwerbswirtschaftlichen An Siedlung skizzieren. Nach erwerbswirtschaftlichen Grundsätzen kann sowohl der Einzelne wie grössere Gesellschaften koloni-i sieren. Im Vorängegangeinen hat es sich herausgestellt, dass! das Vorhandensein eines wirtschaftlichen Verantwortung«- bewusstseins bei jedem Ansiedler unumgänglich notwendig ist. Man darf aber die vielgenannte Privatinitiative ׳nicht mit w i r ts c h a f 11 i c h e r A na rChi e identifizieren. Der Privatmann, dei* auf eigene Faust, ohne Anschluss an eine grössere jüdisch^ Gesellschaft in Palästina Boden kauft, richtet mehr-Unheil, sowohl im wirtschaftliche» wie auch im nationalen Sinne an, als er Gutes zu wirken imstande ist. Denn nur beimf gemeinsamen Ankauf grösster Bodenkomplexe durch jüdisehe Gesellschaften wird man hinsichtlich der Preise, der Zahlungsbedingungen, der Bonität, der Lage, der Sicher- Bevor Sie eine Perücke kaufen, versäumen Sie es nicht Wiens GRÖSSTE Internationale KUNSTWERKSTÄTTE und BILLIGSTE EINKAUFSQUELLE für PERÜCKEN, SCHEITEL U. 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