Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 13 (27.3.1925)
- Date
- 1925-03-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. JÜDISCHE PRE Redaktion u. Administration ז Wien, II.,Leopoldsgasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-4-94. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich K i20.000, Tschecho-Slowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. K 3000, ...... . das übrige Ausland ,2 Dollar. Zahlungen für Oesterreich r PostspärkassenamtWien, Konto Nr. 13.458;für Polen jHP03tsparkassenamt Warschau״ Konto Nr, 190.405; für Ungarn! PösisparkassenamtBudapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei! Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram.Ko.N. 40.217; für die Schweiz! Postscheckkonto Luzern VII. 1470; für Deutschland! Postscheckkonto Berlin Nr. 122.619 Kr. 13 Wien-Bratislcva, 27. März 1925 .?wir: מד, ויענדדםרעססבורג ב* ניסן II. Jahrg. Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung bezüglich der Kaschruth, der im Annoncenteil angekündigten Unternehmungeu. Es ist Sache des Lesers, bei seinem zuständigen Rabbinat die nötigen Erkundigungen einzuzieheu. Die Administration. »11E.nn w ץ ה _ Die meisten Leser des folgenden Artikels werden gewiss sehr erstaunt sein, wenn ich ihnen sage, 'dass die obige Ueberschrift, die uns allen jetzt so geläufig ist, gai nicht die Bedeutung hat, welche wir damit verbinden. Eine Heiligung oder gar Heiligsprechung der Sonne, und etwas anderes kann קידוש' החמה nicht heissen, gibt es nicht. Der Ausdruck findet sich meines Wissens bei keiner-massgebenden Autorität. Er ist'sicherlich hergcleitet aus dem ähnlich lautenden קידוש , לבנה der aber in sprachlicher Hinsicht!genau so falsch, ist. ■ Man findet ihn in der lat weder im Talmud noch bei den ראשונים, Erst die אחרונים seit Ende des 16. Jahrhunderts bedienen sich — wenn ich nicht irre — dieser Bezeichnung,, und es würde wohl die Mühe lohnen, eine philologische Studie darüber zu schreiben, wann und wo der Ausdruck zum ersten Mal angewendet wird. Bekannt ist die Zusammenstellung קידוש החודש womit Maimonides die Kapitel über Kalenderkunde bezeichnet und die in der •Uebersctzung lautet: ״Heiligung des Neumondstages■“.■ Diese hat ihre volle Berechtigung, da sie auf der T'Ivirs'ei 'nah des 2. Abschnittes in ׳ ראש השנהDD beruht. Im . Talmud sowohl wie im שלחון ערוך ist nur die von ברכה החמה״ Zum Thema selbst übergehend, will ich zunächst clie taltmidische Quelle*) des .Segensspruches über die Sonne hier in wörtlicher Uebersetzung folgen lassen: ״Die Weisen lehrten: Wer die Sonne zu Beginn ihres Umlaufs, den Mond in seiner vollen Strahlung, die Planeten am Anfang ihrer Bahn oder die Sternbilder (des Tierkreises) ihrer Ordnung ensprechend sieht, sage den Segensspruch: Gelobt sei, der die Werke des Anfangs erschaffen hat. Wann tritt das ein? Abaje erwiderte, alle 28 Jahre, wenn die Periode wieder beginnt und die Jahreszeit des Monats Nissan in der Stunde des . Saturn am Dienstag abends in der Nacht zu Mittwoch statt hat.“ Zum Verständnis dieses Zitats wird es nötig sein, einige Erklärungen vorauszuschicken. Bis in die Neuzeit (1781) hinein kannte man nur 7 Himmelskörper, bei denen eine scheinbare Bewegung um die Erde konstatiert worden war. ln der Reihenfolge ihrer Entfernung sind es: Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur und der Mond. Man benannte die einzelnen Stunden des Tages nach diesen Gestirnen und man fing mit der ersten Abendstunde des Mittwoch — also Dienstag nachmittags 6 Uhr — an, weil mit Beginn des vierten Tages :das Sternensystem, inklusive Sonne und Mond, erschaffen wurde. Die zweite Stunde, das ist Dienstag abends 7. bis '8 Uhr, hiess Jupiter, die dritte Mars, usw. Die Wochentage ,wurden nach demjenigen Stern genannt, welcher — wie sich die Astrologen auszudrücken pflegten — nachts um '12 Uhr ״regierte“. Daher rühren zum grossen Teile .die Namen der Wochentage her: Sonn-tag, Mond-tag, Marstag (mardi im Französischen), Mercurs-tag (mercredi). Jupiters-tag (giovedi im Italienischen), Venus-Tag (venerdi) und Saturns-Tag (saturday im Englischen). Ferner ist zu beachten, dass zur Zeit des Talmud die Dauer eines Jahres, das ist der scheinbare Umlauf der Sonne um die Erde, zu 365 Tagen und 6 vollen Stunden — *) Berachoth 59b. also rund II Minuten zu gross/— angenommen worden ist. Jede Jahreszeit währte demnach 91 Tage 772 Stunden. Wenn man die Ansicht des R. Josua vertritt, dass im Monat Nizza» die Welt erschaffen worden ist, dann war die erste mit Dienstag abends 6 Uhr beginnende Jahreszeit der Frühling. Der Sommer fing 13 Wochen, 772 Stunden später an, demnach an einem Mittwoch morgens 172 ,Uhr, der erste Herbst am Mittwoch vormittags 9 Uhr und der erste Winter an einem Mittwoch nachmittags 472 Uhr. Der Frühlingsanfang des zweiten Jahres erfolgte dann genau in der Mitternacht von Mittwoch;zu Donnerstag, des dritten Jahres au einem Freitag vormittags 6 Uhr, des vierten an einem Samstag mittags 12 Uhr und so fort. Eine einfache Addition ergibt, dass erst nach Verlaut von 28 Jahren, d. 11. im 29. Jahr mach der Wcltschöpfung, der Frühling wieder Dienstag abends 6 Uhr beginnt. Ein geübter Rechner wird das auch, ohne die Addition auszuführen, einsehen; da die Verschiebung von Jahr zu Jahr 1/« Tag ausmacht, kann sie erst nach je 28 Jahren volle Wochen betragen. Die angeführte Talmudstelle wiil also nichts anderes besagen, als dass man zur Erinnerung “an die Schöpfung nach je 28 Jahren, dein Schöpfer seinen Dank‘und sein Lob durch einen Segensspruch •bekundet. Es bedarf, noch der Erklärung, warum man die ברכה erst am Mittwoch.vormittags und nicht schon am Dienstag abends, so lange die Sonne noch sichtbar ist, rezitieren, soll. Mir scheint der .Grund liiefiir. in dein. Umstand zu liegen, dass nach der Ansicht des .R., Elieser. die. Welt im Monat. .Tischd..- erschaffen worden;ist.. Demnach hat der, erste, Herbst .am. Diens.tag abends 6 Uhr, begonnen,k der erste Winter in. der, Nacht von . Dienstag zu Mittwoch l; St ,Ulli. Um. UCl;;CIMC , y .״VS* •A7י-יג gens 9 Uhr. Damit ist zugleich einleuchtend, warum der Segensspruch nach der Ansicht des מק אברהם nur bis zu dieser Stunde gesprochen werden und nur bei bewölktem Himmel bis Mittag gewartet werden soll. Das laufende Jahr 5685 ist, wie eine einfache Di- Vision zeigt, das erste einer 28jährigen Periode. Die תק׳ נסן fällt auf den 8. April ערב פסח: ein merkwürdiges Zusammentreffen, das sich seit vielen Jahrhunderten nicht mehr ereignet hat, aber in 84 Jahren wieder eintreten wird. Das Datum! für die ברכת החמה des Jahres 5713 wird der 23. ניסן sein. Zum letzten Mal hat man die ברבה im Jahre 5657 am Mittwoch den 5. ניסן gesprochen. Die Veranlassung zu ברלתהחמה liefert, wie nach dem Gesagten klar ist, nicht ein Naturereignis, wie etwa Blitz und Donner, sondern ein kalendarisches Datum. Dieses ist überdies nicht richtig, da der Frühlingsanfang ja nicht auf den 8. April, sondern bereits auf den 22. März fällt. Die 17tägige Differenz ist die Folge des oben erwähnten. ,:1s zu gross angenommenen Wertes für die Dauer eines Jahres; Zum Schluss sei noch erwähnt, dass nach Maimonides und dem שלחן ערוך jener Segensspruch auch rezitiert, werden müsse, wenn die Planeten und Sternbilder sich in derselben Anordnung befinden wie zur Zeit der.Welterschaffung, wie es der Talmud verlangt. Nach'der Interpretation des Rambam —' wenn ich sic recht verstanden •habe — wäre dies der Fall, wenn die Planeten wieder im Anfang des ״Widders“ stehen und dieses Sternbild selbst einen vollen Umlauf in der Erdbahn vollzogen hat. Da es sich hier um Perioden von tausenden von Jahren handelt, so kommt für uns ■eine ברכת; הכוכבית והמזלות gar :nicht in Befracht. Dr. B. Cohn, Strassburg. Die Stellung der organisierten Orthodoxie innerhalb der Wiener Knltnsgeineiiiüe, Rede des orthodoxen Vertreters Wolf Pappenheim?ח der Budgetdebatte. Meine sehn: geehrten Herren! . Die ausgezeichneten persönlichen;Beziehungen zu sämtlichen, geehrten. Herren' Kollegen erleichtern mir die Aufgabe, mich in das Thema; Verhältnis Orthodoxie und Kultusgemein.de“ etwas gründlicher zu vertiefen. ... Seit einem Jahrhundert, das heisst seit Beginn, der Reform in Wien wird, die Orthodoxie' als Paria behandelt. Schon die erste Enunziation, deij Aufruf zur Erbauung eines Tempels, verfasst, von M. L. Biedermann, diesem Muster ,eines Gemeindepräsidenten, der als der eigentliche Gründer der Wiener Kultusge- .meinde zu betrachten ist und sich um dieselbe ungeheitre Verdienste erworben hat, enthält folgendes: ״Wenn> auch der Orthodoxe sich nur in einem düsteren Tempel ohne Licht und . Luft heimisch fühlt, müssen wir doch ein schönes modernes G-tteshaus errichten.“ Und das sagte ein Mann,, der aus einer äusserst orthodoxen Gemeinde, aus Pressburg, kam, deren Synagoge ein hoher, luftiger Prachtbau war. Aber dieser Mann, der sich vorn armen Lehrling in Pressburg zum hervorragenden Bankier, zum ausgezeichneten Gemeindeverwalter und angesehenen Politiker entwickelt hatte, bleibt auf dem Gebiete ji'idisehen Wissens ein Analphabet. Die Stellung der Kultusgemeinde zu der Orthodoxie fand ihren starken Ausdruck darin, dass mit dem Bau eines Tempels sämtliche, bis dahin bestehenden kleinen Bethäuser und Minjanim' geschlossen wurden, darunter auch das Hausminjan des1 reichen Bankiers und grossen Wohltäters Wolf Wert1־ heim. , I Zweck dieser Massregel war, die Orthodoxie zu zwingen, in einen ihr aus religiösen Gründen nicht /genehmen Tempel zu gehen. Glücklicherweise fasste der neue Tempel nicht alle Gläubigen und so musste man ein polnisches und deutsches Minjan genehmigen. Ich will die verschiedenen Kämpfe!übergehen, um nicht weiti schweifig zu werden, und komme zum Jahre 1861. Damals) verlangte die Orthodoxie!in einer Eingabe an den Kultus- Vorstand unter Betonung, dass sie in der Gemeinde verbleiben und deren!Einheit nicht sprengen wolle, dass die Kultusgemeinde ihrem sehr be« scheidenen Verlangen Rechnung!trage, indem sie ansucht, die Gemeinde wolle eine grosse jorthodoxeScftttÜ bauen und ein a b s o l n t vom orthodoxen Stand* punkt aus einwandfreies Rabbinat bestellen. In einer Verhandlung bei der Staatsbehörde hatte der. Kultus Vorstand diesem Verlangen :zugestimmt und der Friede in der Gemeinde schien auf Jahrzehnte hinaus gefestigt. Da traten die Seelsorger der Gemeinde in die Bresche. In fulminanten Kanzelreden warnten sie davor, den Orthodoxen irgend welche Konzessionen zu machen. Meine Herren! Obgleich Mannheimer, als ihn der erwähnte M. L. Biedermann in Leipzig kennen lernte, in Kopenhagen amtierte, wo er den Samstag auf den Mittwoch verlegt hatte (die Gründe für den Mittwoch sind mir unbekannt), habe ich ihn Zeit meines Lebens als das Muster eines edlen Herzens und eines glänzender* Redners bewundert. Jellinek, ,im Prinzip auf dem äussersten Flügel der Reform stehend, löste durch seine Gelehrtheit, seine herrliche Rednergabe und seinen sprühenden Geist Bewunderung aus. Diese beiden Herren miss- | brauchten die Kanzel zu einem Feldzug gegen die Ortho-!Bevor Sie eine Perücke kaufen, versäumen $Se es nicht Wiens GRÖSSTE Internationale KUNSTWERKSTÄTTE und BILLIGSTE EINKAUFSQUELLE für PERÜCKEN, SCHEITEL Ü. TRANSFORMATIONEN des «*׳ 6 (GEGENÜBER DEM HOTEL ״BRISTOL«) :: TELEPHON-NUMMER 51-3-62 :: aufzusuchen 1 Liefert seit mehr als anderthalb Jahrzehnten den vornehmsten orthodoxen Damen aller Länder Perücken. Spezialist in Brautscheitejn. 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