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Jüdische Presse · 1925-02-20 · 8 (20.2.1925) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
8 (20.2.1925)
Date
1925-02-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 8 JÜDISCHE PRESSE _ Seite 47 ®© TGCHECHO-SLOWÄKEL |©©©®s©®®| .!Zionistische ״Politik“ und daszionistisehe Gymnasium in Munkacs. Dritter Artikel.*) Wir taten in den vorangegangenen zwei Artikeln ‘״bereits der Rolle Erwähnung, die der zionistischen >;P resse in dem Kampfe um das zionistische Gymnasium in Munkacs zugeteilt wurde. Im eigentlichen Sinne sind ׳es eben diese Zeitungen, die das zionistische Erziehungs- -abenteuer zu einer furchtbaren politischen Gefahr und einer moralischen Blamage'für die ...gesamte jüdische Bevölkerung der tschechoslowakischen Republik zu gestalten im Bei .,griffe sind. Die Zionisten unterhalten in unserer Republik f ü n f ״jüdische“ Zeitungen unter recht bedeutenden finan- -ziehen Opfern. Ausserdem haben sie;sich in jüdischen Fragen bei einer Reihe allgemeiner Zeitungen ausschlag-;gebenden Einfluss gesichert. In der Frage des ״hebräi-, :sehen“ Gymnasiums Hessen alle diese Pressorgane ihre :stärksten Minen springen, um auf die Regierung einen! Druck auszuüben. Wer die Verhältnisse kennt, wird bald;gemerkt haben, dass Ton und Inhalt der Argumentation‘ in diesen Zeitungen nach Präge r Weisung auf e i'n e ':Parole eingestellt sind: ״Die verfassungsmässig verbrieften Rechte aller tschechoslowakischen nationalen Minderheits- Völker in Gefahr!“ Die Zionisten und ihre publizistischen Marktschreier erwarteten von diesen Fanfarenrufen zumindestens einige tausend Massenversammlungen und Entrüstungsresolutionen, die dann der Regierung beweisen :sollten, wie sehr nicht nur ״das ganze jüdische Volk“, :sondern alle Nationen in unserer Republik mit der Exi- -.stenz eines zionistischen ״Reformrealgymnasiums“ ver- ־wachsen sind.. Die Fanfaren taten auch ihre Pflicht —; -aber die Welt hat andere Sorgen. Es blieb bei der einzigen Versammlung der studentischen Freunde der Herren Dr. Singer und Waldstein in Prag, der allerdings noch eine Art Tobsuchtsanfall des Herrn Waldstein in den Amtsräumen des Unterrichtsministeriums folgte;;der den ״Ernst der Situation“ theatralisch-wirkungsvoll zum Ausdruck bringen sollte... Diese Szenen sind aber im Grunde genommen die eigene Angelegenheit derer, die es direkt angeht. Für uns?und das Judentum in der Tschechoslowakei ist erst die zweite Phase der zionistisehen Presskampagrie von Bedeutung und diese auch mal ״deshalb, weil sie in Vertretung des ״gesamten Judentums“1 :geführt wird. Wir meinen. damit das Pochen.., auf , die (von den ’ Antisemiten efdicht^etej' pdi1tlsche,i0und jinan’ziefle * Macht* ‘des jüdischen Volkes im allgemeinen und der zionistischen' ■Organisation im besonderen und die Bedrohung der! tschechoslowakischen Regierung mit Schritten vor dem' :Forum der Völker und mit •dem Boykott durch das! .״jüdische Kapital“. Es gehört ein solcher Grad von politischer Frivolität und Gewissen- 'lpsigke.it dazu, im Namen einer •in ihrem ganzen 'Wesen auf den Glauben an ,den Sieg moralische t.!un'd geistiger Faktoren aufgebauten Gemeinschaft nvie die jüdische, sich die Waffen zur Bekämpfung einer, ׳.unerwünschten Regierungsentscheidung aus der . Rüst-!kammer der Blutfeinde des Judentums zu holen und damit «die jüdische Religion und das jüdische Volk zugleich bloss-, :zustellen, dass es ein trauriges Licht auf die Zustände :innerhalb der zionistischen Organisation wirft, wenn w i r, — die grundsätzlichen Gegner der ganzen zionistischen .j,Minderheitspolitik“ und der ganzen zionistischen thoralosen nationalistischen ״Kultur“ — und nicht die! Zionisten selber ihre zionistischen Vertreter von! ■den Rockschössen des Judentums zu schütteln, uns ge- .nötigt sehen. Ihr wollt mit aller Gewalt ein ״hebräisches) *Gymnasium“ in unserem Lande errichten. W i r und mit 41ns (ausgenommen die wenigen organisierten Zionisten; und. Misrachisten) fast die gesamte religionstreue jüdische! Bevölkerung widersetzen uns der Errichtung einer solchen Anstalt. Ihr behauptet, ein zionistisches Gymnasium sei eine Pflegestätte der Menschheitskultur in ״national-jüdischer“ Ausprägung. Wir bestreiten dies und sagen, die oberste! tund erste Voraussetzung für eine jede Kultur ist d i e Treue zu sich selber; die historische jüdische!;Kultur aber findet ihre Ausprägung und Verwirklichung1 in der jüdischen Religion, der ihr den Rücken wendet. Nationalistisches Judentum ist eine Geschichtsfälschung. Ihr braucht das Gymnasium zum politischen {Werkzeug. Wir bekämpfen eure ״Politik“ und bedürfen;auch solcher Werkzeuge nicht. ,Woher nehmet ihr also; .*las Recht, euch über jedes Gebot der Wahrhaftigkeit, der'!politischen Besonnenheit und der politischen Ethik hinwegzusetzen und unter Missbrauch des jüdischen Namens der Regierung in solch potzdummer Weise entgegenzutreten, einzig und allein, weil sie mit der Versagung .der Genehmigung zur Errichtung des Gymnasiums zwar ׳nicht euren Wünschen, wohl aber den jüdischen An- Behauungen der Mehrheit Rechnung getragen hat? — Wir verlangen durchaus nicht, dass ihr, weil ihr Juden seid* zu jeder Entscheidung der Regierung ja und amen sagen sollt. Wir sind gleichberechtigte und gleichwertige Staats- Jbürger und wir wollen alle Rechte mit den anderen Staatsbürgern teilen, genau so, wie wir uns den gleichen Pflichten׳ nicht entziehen wollen. *) Siehe Nr. T und 4. ׳Wir verlangen jedoch, dass ihr euch nicht anmasset, im Namen der Gesamtheit eine Sprache zu führen, die das Judentum weit von sich weisen muss. Hier einige Proben aus den zionistischen Zeitungen als Beleg für unser Urteil über euch und euer Gehaben: Dr. Emil Margulies schreibt: ״Wir werden kämpfen: Gegen jeden Versuch, uns zu einer entwürdigenden Handlung zu missbrauchen; Und für unsere Schule. Wir werden erbittert kämpfen; hier und vor dem Forum dergrossen' ־ Welt; auf allen' Tribünen, di e;uns ..... . stehen.“ (״Selbstwehr“, Nr. 50 vom 12. Dezember 1924.) Das offizielle zionistische Organ ״Zidovsk-e Spravy“ vom 5. Dezember 1924 ,schreibt in einem ״Unser Protest“ betitelten Artikel: ״Es wird vielleicht jemand glauben, dass alles das möglich ist, ohne dass die Welt gleich einstürzt. Es geschehen solche Dinge, ohne dass die Folgen s ofort sichtbar werden. Es gibt allerdings In-' stanzen a u f d e r W e 11; welche die Prestigefragen n i c h t a 1 s eine willkürliche Auslegting der internationalen Vereinbarungen betrachten, sondern sie erblicken dieselbe im ehrlichen Erfüllen dieser Vereinbarungen und gehen in gewissen Fragen danach vor. Es scheint, dass das Unterrichtsministerium dieser Seite kein allzu grosses Gewicht beilegt, sondern sicherlich sich darauf verlässt, im gegebenen Momente auf den Standpunkt der reaktionären Orthodoxie und der mit dieser verbundenen A s s i m i 1 a n t e n hinzuweisen.“ Auf den Gipfel zionistischer Politik;erhebt sich jedoch erst der ״Zsido Neplap“, das offizielle zionistische Organ für Karpathoruss. Wir bringen hier seinen Leitartikel vom 29. Dezember 1924 ungekürzt ohne Unter- Streichung zum Abdruck, damit der Leser sich selbst ein Urteil bildet, wohin es führen kann, wenn ' diesem) Treiben freies Feld gelassen wird: ״Der tschechoslowakische Kultusminister hat das hebräische Gymnasium nicht bewilligt. Mit einer schablonenhaften Motivierung weist der Kultusminister das' hebräische Gymnasium ab, an welches das gesamte Judentum der Republik so viele und wohlverdiente5 Hoffnungen knüpfte. Die Entscheidung der tschechp- ';i slowakischen‘ Regierung;‘in Angelegenheit des'Kebräisehen Gymnasiums ist auch politisch eine verfehlte! Stellungnahme. Die Republik dankt ihren guten Ruf, das Bekanntwerden ihrer demokratischen Bestrebungen' im Ausland, hauptsächlich jenen Juden, die auf äeri zionistischen Konferenzen, in Karlsbad von dem liberale^ Programm der tschechoslowakischen Regierung, von ihrem korrekten Verhalten gegenüber der tschechoslowakischen Judenheit und solchergestalt auch von der Bewilligung des hebräischen Gymnasiums Kenntnis erhielten. Diese Menschen, die die Kontinente durchqueren, verbreiteten wohlwollend den guten Namen des tschechoslowakischen Staates, hoben sein Prestige! und beeinflussten die öffentliche Meinung /des Auslandes, dass sie in der. Republik einen sich gesund entwickelnden Staat erblicke. Hauptsächlich den Delegierten dieser Karlsbader Konferenzen und der zionistisehen Presse verdankt es die Republik, dass die Finanz- Ieute des Auslandes sich vertrauensvoll dem tschecho•1 slowakischen . Staat näherten und an der Sanierung seiner Finanzen gern mithälfen. Wie richtig und klug die Politik war, dem hebräischen Gymnasium und der jüdischen nationalen Idee gegenüber Sympathie zu zeigen,!ebenso irrig und falsch ist es jetzt, dem hebräischen Gymnasium die Genehmigung zu versagen. Die tschechoslowakische Regierung hat mit diesem unverständlichen und be-׳ Rumn. Likörfabrik Spirituosen jeder Art Alle Sorten Weine von 40 Liter aufw. auch כשר של פסח Versandt in Gebinden, Demi] ohne und elegant adjustierten Flaschen zu billigen Preisen Bernat Preisz & Söhne Presov (Ep er je 8) Prima Perücken, Scheitel Tra sfo rnationen aus gara tiert dau-r^web» nu Haar v״rf״rtigt Frant. Ontl, Bratislava RepublikpLitz 26 ...... Telephon 2566 Manlcure / Massage dauerlichen Schritt nicht nur die Erbitterung des Judentums sich zugezogen, sondern auch!das Vertrauen des Auslandes aufs Spiel gesetzt. Glaubt etwa der tschechoslowakische Kultusminister, dass jene ausländischen Zionisten, die bisher die vertrauenerweckenden Vorposten, die Freunde und Agitatoren des Staates waren, auch jetzt nach dem Verbot des hebräischen Gymnasiums ihren Glauben an die liberale und demokratische Politik des tschechoslowakischen Staates aufrechterhalten werden? Sprechen wir aber nicht nur vom Auslande, sondem auch vom Inland. Ein Fünftel der Bevölkerung Russinskos sind Juden und dazu noch — wie die , jüngsten Parlamentswahlen gezeigt haben — bewusste und auf Basis des Programmes der Jüdischen Volkspartei stehende Juden. Dieses Judentum unterstützte ehrlich die Bestrebungen der Regierung zur Konsolidierung Karpathorusslands, dieses Judentum war loyal und treu zur Republik. Wäre es also eine gute Politik* diese einheitliche, zuverlässige jüdische Masse, welche in der Bewilligung des hebräischen Gymnasiums diel Verwirklichung der jüdischen Ideale erblickte, zweifelnd und misstrauisch zu machen? Das karpathorussische Judentum sieht in der Ablehnung des hebräischen Gymnasiums seitens der Regierung einen undankbaren und unverdienten Schritt, der die Illusion von der Wahrheitsliebe und der Rechts-! achtung der Regierung zerstört. War dies nötig und wozu war dies gut?... Die hebräische Kultur bedeutet heute eine ernste und tüchtige Kultur. Diese Kultur wird heute nicht nur von den nach Palästina einwandernden Finanzkapazitäten, sondern auch von der hervorragendsten Gelehrtenwelt gekannt und hochgeschätzt. Die hebräische Kultur, die der Seele und dem Herzen des Judentums( entquillt, hätte von der tschechoslowakischen Regierung Unterstützung und Förderung verdient, nicht aber eine stiefmütterliche Behandlung. Das Judentum erwartete, dass die tschechoslowakische Regierung deirt hebräischen Gymnasium mit Geld und Opferbereitschaft helfen werde und diese Erwartung war motiviert und wohlverdient. Anstatt dessen verweigert die Regierung den' jüdischen nationalen Idealen nicht nur die materielle, sondern selbst die moralische Unterstützung. Welche Enttäuschung!... Im reaktionären, antisemitischen und judenfeindliehen Polen wirken 11 hebräische Gymnasien und etwa 200 Elementarschulen. In der sich zu liberalen, fortschrittlichen Ideen bekennenden, auf ein westeuropäisches Niveau emporgestiegenen Tschechoslowakei hingegen verweigert die Regierung die Erlaubnis zutä ersten hebräischen Gymnasium. Ist das recht so? Dasr karpathorussische Judentum nimmt mit Bedauern und Schmerz den steifen und stiefmütterlichen Standpunkt des Kultusministers zur Kenntnis, findet sich aber damit nicht ab... Es wird vielmehr, wie bisher, auch weiten mit allen gesetzlichen Mitteln für seine Wahrheit kämpfen und wird das Schwert nicht niederlegen, bis es die Freiheit zur Verbreitung der hebräischen Kultun und zur Errichtung des hebräischen Gymnasiums nichll errungen hat.“ Am 16. Jänner berichtet dieselbe Zeitung mit Missmut darüber, dass der Präsident der Zionistischen Organition, Dr. Weizmann, mit der Aufgabe betraut' wurde, vom Herrn Präsidenten Masaryk und Aussenminister B e n e s c h die Bewilligung des Gymnasiums zu e rbitten. Zu ״e r b i 11 e n“? Das sei der jüdischen Sache u n w ü r d i g, meint die Zeitung. Laut dem Berichte eben dieses ״Zs.. N.“ vorn 30. Jänner hat eine Deputation von Minister Mark o v i c bei seiner jüngsten Anwesenheit in Uzhorod die! Bewilligung des Gymnasiums gefordert und der Sprecher der Deputation, Bela S z e r € n y, hat sich dabei ausdrücklich auf die oben abgedruckten Ausführungen des ״Zs. N.“ berufen. In der jüngsten Nummer vom 6. Februar beschäftigt sich dieses Blatt abermals mit der ablehnenden Haltung( des Ministers und bringt neue Argumente ins Treffen. Ein kurzes Zitat mag genügen: . ״Aber auch aus einem anderen Gesichtspunkte müssen wir das Verhalten des Ministers, in diesen Frage missbilligen. Das Judentum war in der Vergangenheit und bleibt unabhängig von der Frage des Gymnasiums auch in der Zukunft eine loyale, treue; und staatserhaltende Schichte der tschechoslowakischen Republik. Jetzt aber, da die tschechoslowakische Regierung zur vollständigen Sanierung der Finanzen der Republik eine amerikanische Anleihe aufnehmen will, was denkt sich da Markovic? Welche Wirkung wird die Zurückweizung des Gymnasiums auf die araerikanischen jüdischen Finanzmänner a usüben? Was denkt Markovic und die tschechoslowakische Regierung: Welche Impressionen werden die amerikanischen jüdischen Bankiers, die die Anleihe zustandebringen sollen, gewinnen, wenn sie sehen werden, dass die Regierung die allerelementarsten, in der Verfassung deutlich nie*! dergelegten evidentesten Rechte der jiidischnationalea, Minderheit negligiert? Ist der kurzsichtige, anfidemokratische Standpunkt des Kultusministers Markovic nichjf

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