Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 6 (6.2.1925)
- Date
- 1925-02-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 36 _ JÜDISCHE PRESSE_Nr. 6 B*9 TSCHECHOSLOWAKEI. 000000001 Ein Blick in die Gegenwart. ■ Söhne, die das Elternhaus vor vielen Jahren verlassen hatten, kehren wieder. Sie kehren enttäuscht heim ins Eltfernhaus. Weshalb verliessen sie das schützende Obdacli und weshalb kehren sie nun zurück? Drau'ssen schien ihnen! alles schöner, besser. Dort winkt ihnen Glück und Freiheit‘. Drinnen,־ im Hause der Eltern und Grosseltern war’s zu enge geworden. Da herrschte Zucht und alte Sitte, da drückte zentnerschwer die Last der Traditionen, das Joch der Gesetze. Der Sohn stand nicht allein da, wie ein einsamer Wüstenwandercr. Sein Blick wurde von Mauern begrfenzt, die andere, die vor ihm lebten, errichtet hatten. Seine Handlungsfreiheit war von einer ־ Welt in . Schranken gehalten, aus der er sich hinaussehnte. So entwich er denn eines Ta׳־ gfes — als die Eltern gerade mit dein Bestellen ihres Ackers beschäftigt waren, um ihm einen Bissen Brot zu sichern — vom Hause. Er ,ging zu den Nachbarn und zu anderen ״fremden Leuten“, die viele Jahre zuvor zu den Eltfern manche Beziehungen unterhalten hatten. Diese empfingen ihn zunächst freundlich, sie nahmen ihn gern bei sich! auf,, als sie vernahmen, wer er sei, wessen Sohn an ihre!! Tür um Einlass .bittet. Erst als sie erfuhren, dass sie’s mit־ einem ״Ausreisser“ zu tun haben, mit einem Sohn, der das Recht verwirkt hat, sich auf den Adel seiner Abstammung zu,, berufen,■׳ verwandelte sich das Benehmen der Wirts,- leute ihm gegenüber. Die anfängliche Regung in ihrem Gefühle, an dem Sohne manch Böses gutzumachen, das sie in ־• früheren Jahren der geistigen Verirrung den Eltern1 zugefügt hatten, schlug in das Gegenteil um. Der An,- kömmling, der Licht und Freude suchte, fand gar bald nur verschlossene Türen vor sich, aus deren Fugen Hohn und Hass an sein horchendes Ohr drang. Den ״Enttäuschten“ blieb nur noch der Rückweg offen. Mit einer Gebärde 'des Stolzes, des ״,Selbstbewusstseins“, wendet er den Rücken jener Wfelt zu,an der sein treuloses Herz hing/ und bekannt sich als ״Heimgekehrter“. Misstrauisch, wie die vielerfahrenen und schwergeprüften ״Alten“ nun einmal sind, wird der ״reuige“ Sünder mit Vorsicht behandelt. Man weiss, wonach es seinem Herzen gelüstet und man weiss auch, dass er den Eltern nicht* Dank weiss für die ״Erbschaft“, die seiner aus ihren Händen harrt. Wohl׳ beginnt er in den ersten (Tagen der ״freudigen“ Wiederkehr in den Archiven und Schatzkammern des Elternhauses Umschau und Ausschau zu halten, um nach ״Werten“ zu suchen, die vielleicht auch dort ״draussen“ Geltung haben, und bei deren Anblick er alle Kostbarkeeiten seines ,,verlorenen Paradieses“ in das ״traute Heim“ der Eltern hineinzaubern könnte. Umsonst! Die ״Alten“ haben ganze Arbeit geleistet. Da drinnen trägt alles e i n Gepräge). Alles, was sich da vorfindet, gehört hier hinein und passt nicht gut in den Rahmen, den die Nachbarn nach eigenem Geist und eigenem Geschmack geschnitzt haben. Was tun? Gleichgesinnte schliessen sich zusammen. Bald ist ein Kreis• von Baumeistern bei einander, die mit vereinten Kräften das alte Haus der Eltern nach dem Stil der Nachbar’n umbauen und seine 1 n n e n einrichtung im Geschmacke der Nachbarn umgestalten wollen. Sie sprechen die Sprache Derer da draussen und denken ihre Gedanken nach tarem Vorbild. Das Heilmittel ist gefunden. Es wird nicht mehr nötig sein, zu dem unfreundlichen ״Fremden“ hinüberzuwandern. Das ״Fremde“ wird ״heimisch“ im Elternhause. Und der Nachbar wird vor Wut platzen* wenn er sich davon überzeugt, dass wir seine Sache bei ,uns besser machen , als er selber bei sich zuhause. ״Wir“ bekämpfen den dumpfen Geist der Tradition, des Herkommens und alles dessen, was sie bei uns als ״heilig“ vermuten, weit wirksamer, als ihr bei euch. Schaut, wie! wir die Innenwelt bei uns betrachten: ״Edle Seelen scheinen sich da zusammen gefunden zu hab e.11 :die schwärzeste, rückständigste O rt h o d o x i e, die.überhaupt ein Volk in diesem Staate haben kann, neben der jeder andere K1 e r ik a 1 i 6 m us v 0 1 k 8 a 11 f k 1 ä r en d ist/‘׳ von allerfainstor Qualität und billig, weil hergestellt aus Rohmaterialien, die aus dem eigenen landwirtschaftlichen Betriebe der Firma hervorgehen. sawimmE Nicht die Reklame, sondern die vorzügliche Qualität der Ware ist maßgebend. Ein Versuch genügt, um sich von der unübertrefflichen Qualität unseres Fabrikates zu überzeugen. ■ Achten Sie auf unsere Schutzmarke: KAFFEESACK• Hergestell• כשר של פסח unter Aufsicht Sr. Ehrw, Herrn Josef Abeies, Oberrabbiner der orth. isr. Kultusgememde in Velk6 Sarluny (Nagy Sabö). נעשה תחת השגחת הרס הגאון מוהר׳ר יוסף אבעלעס אב״ד . בק״קוועלקע שארלוה׳ יע״א. , כשר בלי שום חשש ופקפוק כלל אפילו למהדרין מן המהדרין, in allen einschlägigen Geschäften erhältlich.. EDUARD FRANKL, VELK& SIAROVCE bei Velkö Sarluhy (Slovensko;. - ■ (Der Zionistenführer Dr. Emil Margulies in Leitmeritz in Nummer 50 vom 12. Dezember der ״Selbstwehr“.) Könnt ihr uns darin übertrumpfen? Hat es je ein ״Heimgekehrter“ bei euch gewagt, so frei, so kühn, so stolz den Daheimgeblieb'enen Kot ins Antlitz zu schleudern, wie wir? Wir können jedoch noch Mächtigeres leisten. Schaut her! Da macht einer von uns ״Heimgekehrten“ jüngst einen Ausflug nach Pressburg, eine ״feste) Burg“ des ״alten“ Geistes, gerade einer von denen unter uns, der eine Zeit lang nicht wenig Lust hatte, sich jn das; Alte wieder einzuleben. Er ist glücklich wieder geheilt; er gehört wieder ganz uns, richtiger euch! Eint ״Blick“ nach Pressburg hat genügt, um bei ihm folgende treuen und scharfen Gefühle auszulösen: Unterhalb der Schlossruine: das Ghetto. Ein schönes Rokokohaus ״Zum guten Schäffer“ steht am Eingang, es soll der Familie Geldern gehört haben (der Heines Mutter entstammte). In den Läden drängen sich Waren, deren Bestimmung man nicht leicht errät. Hinter einem Auslagfenster die rührende Affiche in unbeholfener Schrift: Hier sind einige jüdische Bücher zu verleihen. Heute wohnt nur ein kleiner Teil der Pressburger Juden in dieser Gasse. Die übrigen haben es vorgezogen, die Abhänge von der Stadt mit den schönen Villen zu besiedeln oder in die vornehmen stillen Vierteln des Westens zu ziehen. Wie sehr viele jüdische Gemeinden des ehemaligen Ungarns, ist auch die Pressburger (seit dem Budapesteij Kongress von 1867) in zwei Gemeinden zerrissen, eine orthodoxe und eine;neologe. Die rituellen Unterschiede machen sich vielleicht in PressbUrg noch am ehesten fühl-; bar, in den anderen Gemeinden der Slowakei sind sie mit freiem Augen nicht wahrzunehmen. Und ׳doch gibt es ,überall, wo zwei Gemeinden existieren, alle Gemeinde- Institutionen in doppelter Ausfertigung; sogar, was das Befremdlichste ist״ zwei Vollständig getrennte jüdische Fried-, höfe. Der eigentliche praktische Unterschied der beider!■ Organisationsformen liegt darin, dass in den prtliodjoxen Gemeinden der Rabbiner eine stärkere Macht- Position hat und dass das Wahlrecht der o r t h o d 0xen Gemeinden von einer geradezu lächerliehen Z11 r ii c k g eb 1 i e b e n h e it i s t. In Pressburg z. B. haben nur jene Gemeindemitglieder das Wahlrecht, die von der Repräsentanz inkorporiert worden sind. D i e Repräsentanz bestimmt also selbst, vom! wem sie ge wählt''s ein' W i 11. Zur Steuerleistung hingegen werden alle Mitglieder herangezogen, auch die nicht inkorporierten. Den, durch solche Scheinwaht z u r M ä c 111 g. e 1 a n g־.t e n _'R.e r s o n.e n w j r d s e itens der'Regier üng'!Verf ü g ü n g über Millioneng elder anvertraut. Sie greifen auch (wie zuletzt bei den karpathorussischen Wahlen) ihre Kornpetenz als R e 1 i g i on s b e h ö r d e n überschrei- ,t e 11 d, in die Politik ein. Ein i n t e r e s s a n t d r Parellelfall zu de n Hirtenbriefen in deil Slowakei: der Cherem, eine Art von jüdischem Kirchenbann, wurde jenen, die fortschrittlich wählten, angedroht. Dies eine der vielen Seltsamkeiten, die der aus dem Westen kommjende und an eine weniger reaktionäre Umgebung gewöhnte Gast mit Erstaunen notiert, ohne in die Tiefe (sowohl der Tatsachen, als der sie!! protegierenden Regierungsweisheit) eindringen zu können. (Max Brod im ״Prager Tagblatt“ vom 25. Jänner!) Ist euch immer noch nicht leid, dass ihr eure Türen vor uns verschliesst? I Und die ״Alten“, wie verhalten sie sich diesen Reumutigen gegenüber? Die nächste Zeit muss auch darüber entscheiden. M i d i a. Aguda-Versammlung in Novy Zamky (Neuhäusel). Sonntag,' den 7. Schewat hatten ,wir hier eine schöne und wirkungsvolle Versammlung der Agudas Jisroel. Auf Einladung der Orts- und Jugendgruppe besuchte uns Herr Jakob Joel Braun aus Bratislava in Begleitung einiger Mitglieder des Aguda-Jugendverbandes. Nachdem die Gäste im Hause des Präses der Jugendgruppe Herrn Nathan Teltsch bewirtet worden waren, fand zunächst eine intimere Aussprache im Beisein der Leiter der Orts- und Jugendgruppe statt. Herr Braun gab dabei wichtige Informationen über den Stand der Bewegung und regte den Vorstand an, mit gesteigerter Kraft für die Ausgestaltung der Ortsgruppe tätig zu sein. Darauf hielt die Jugendgruppe unter Vorsitz des Herrn N. T e 11 s c h eine (General- Versammlung. Herr Heinrich - Kohlmann aus Bra+islava referierte über die Tätigkeit der Jugend und •instruierte Die einzig verlässliche und in Qualität anerkannt beste ״tt£0־Se3ffe ist ״ש ל ו ה״ ״Schaiwo“ Nagymegyar weil nebst הכשרים der grössten גאונים auch de* Erzeuger selbst für כשרות bürgt, da eine direkte Abteilung ausschliesslich für 6^^״כשר eingerichtet, ist und das nicht einwandfreie כשרן nicht stattfindet SAMO WGISZ Rabbiners״Sohn des הרב הגאון הצדיק ז״ל aus Velky Meder (Slowakei) die Novy Zamkyer Jugend im besonderen über die sofort in Angriff zu nehmende Kofer!Nefesch-Samm- 1 u n g. In der Diskussion wurden sodann die Einzelheiten der weiteren propagandistischen und praktischen Arbeit besprochen. Auf 5 Uhr war ein öffentlicher Vortrag des Herrn Braun angekündigt. Lange vor Beginn der Ver- Sammlung war der Talmud Thora-Saal dicht besetzt; die angesehensten Balebatim und eine grosse;Anzahl von Freunden, aber auch von zionistischen und misrachistischen Gegnern der Aguda waren erschienen, insbesondere da auf Flugzetteln im voraus zugesichert war, dass jedem. Gelegenheit geboten wird, das Wort zu ergreifen. Auf der Tribüne nahmen Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Tiger■• mann, der Ortsgruppenpräses und der Redner Platz. Herr Josef R e i c h f e 1 d, Präses der Ortsgruppe, begrüsst mit herzlichen Worten den Oberrabbiner, die Gäste und sämtliche Erschienenen und erteilt dem Vortragenden das Wort. Herr Braun, von der Versammlung mit lebhaften Jechi-Rufen begriisst, skizziert in scharfen Umrissen zunächst den kulturellen und geistigen Hintergrund, das geistige und sittliche Leben der europäischen Völker, auf dem sich seit Beginn des Exils das Leben des jüdisehen Volkes abspielen musste und schilderte dabei die grossen Gegensätze zwischen der äusseren Umgebung und der inneren Welt des Ghettojuden. Uebergehend zur neueren Zeit, von der Epoche der ״E u r o p ä i s i e r u n g“ des Juden, der Emanzipation, Reform, Neologie, den i 11d i v i d u e 11 e n Angleichungsbestrebungen (persönliche ״Assimilation“ des einzelnen Juden an seine nichtjüdische Umgebung!) bis zu unseren ,Tagen und dem gegenwärtigen ״Nationalismus“, dem höchsten Gipfel der Assimilation, der kollektiven Angleichung der jüdisehen Gesamtheit an die nichtjüdische Welt und der prinzipiellen und völligen Bankerotterklärung des alten von der Thora allein beherrschten Judentums (der gemeinsamen Anpassung des ganzen jüdischen Volkes an die. ״Nationalitäten“ der europäischen Völker!), zeigt der Redner, welchen Gefahren alle ewigen und vorübergehenden Aufgaben die jüdische Gesamtheit ausgesetzt wäre, wenn alle treuen Juden sich nicht auf sich selbst besinnen, sich nicht nach dem Programme der Agudas Jisroel zu einer starken Phalanx zusammenschliessen und das alte t h 0 r atreue Klal-Jisroel prinzipiell und praktische wieder hersteilen. Im Anschluss daran berichtete der Redner über Einzelheiten der Tätigkeiten und Arbeiten, die von der Organisation bereits unternommen wurden, um ihr Programm sowohl in Erez. Jisroe-l als auch in den anderen Ländern zu verwirklichen. Bei ider־' Erwähnung des^ schweren Kampfes, den das orthodoxe Judentum gerade jetzt in Erez Jisroel im Zusammenhänge mit dem^ Gemeindestatut für die religiöse Gewissensfreiheit gegen die Zionisten auszufechten hat, •erhob sich die1 ganze Versammlung spontan zu einer begeisterten und einhelligen Kundgebung für Rabbi C h a j i m Sonnen־, f e 1 d של'ט״א . Zum Schlüsse forderte der Redner alle Anwesenden auf, sich an der Kofer Nefesch- Sammlung und der Sammlung für den Keren Hat h 0 r a zu beteiligen. Herrn Braun wurde wäh-1 rend der Rede und am Schlüsse enthusiastischer Beifall gezollt. Der Präses dankt dem Redner und fordert wiederholt die Anwesenden auf, sich ׳zu Worte zu melden. Als von den Kreisen, die bisher unter dem Einfluss, der Zionisten und Misrachisten standen, ^niemand sicht meldete, ergreift auf vielfachen Wunsch der eifrigste hiesige Vorkämpfer der Aguda-Idee Herr Hermann Löwy das Wort zu einigen ergänzenden Anmerkungen und Anregungen und erntet reichen Beifall. Im Namen der Jug e n d referiert sodann Herr Ludwig Kästner aus Bratislava über die Jugendarbeit und speziell über den Kofer Nefesch und löst mit seinen Worten lebhaften Beifall aus. In seinem Schlussworte dankt der Präses Herfe Reichsfeld nochmals sämtlichen Rednern und fordert die Versammlung auf, sich der Ortsgruppe anzuschliessen und zur Verwirklichung des Programmes beizutragen. Besuchen Sie die 8. Wiener Internationale Hesse (Frühjahrsmesse) 8. bis 14. März 1925 Internationale Musterschau von Erzeugnissen der v Industrie und des Gewerbes Internationale Motorrad -Ausstellung Ausstellung für Nahrungs- und Genussmittel Land- und forstwirtschaftliche Musterschau // Wein ko st Bedeutende Fahrpreisermässigung auf den öst. Bahnen üuskünfte mellt die Wiener Hesse 11.-0., Wien, llll. I 573501