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Jüdische Presse · 1925-01-30 · 5 (30.1.1925) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
5 (30.1.1925)
Date
1925-01-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN Dis ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion u. Administration« Wien, II.,Leopoldsjjasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-4-94. Tschecho-SIowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. *1 Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich K 120.000, Tschecho-SIowakei tschech. K. £0, Einzelnummer öst K 3000, das übrige Ausjand 2 Dollar. Zahlungen für Oesterreich s PostsparkassenamtWien, Konto Ur. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.4O&; für Ungarn! Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-SIowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr.'53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217; f.Rnmänien: Banca Marmarosch Blanc & Co für Florenz 8cCo,Bukarest;fürdieSchweiz! Postscheckk. Luzern VII. 1470. m*. 5 Wien-Bratislava, 30. JSnner 1925 ,ב*ד■ ויענה־פרעססבורג ה' שבט תרם״ה II. Jahrg. Chronik der Woche. Das ■pohiteahe lEäsenbahimihitefreriinn ,hat den Tednehrmsnn der Warschauer Rahbinerkonfereiiz, über die wir bereits ®erneddet haben., eine 33pro׳zen/tige ׳Fahrtcrniässigtrng ^sestamlen. — ■Die Smwijetregi'erung!bat *4ie fni Gauireniemen.t!Minsk mit Beschlag belegten Synagogen, inftt Ausnahme 4er •grossen Solmle in •Minsk, in •der!die Arbeiter •einen Klub .!eiiugebichitet haben, wieder •ihrer ,ur- »pritagljchen ßesrtimrruuig xuriickgegeben. — Professor Dr• iBßotli, einer der *grössten wissenschaftlichen Autorin täten Amerikas, ■der durch 40 Jahre an der Harvad IMversdty gewirkt hart, äusserte siola ׳in einem Vortrage vor Studenten, die!Juden täten sehr •unrecht, wenn säe die Speäsegesetze •nicht beachten, Mischehen •eingängen amd überhaaifpt . den Boden des Thoragesetzes verfressen. — Im Letmbcnger ■Museum fand ■sich unter den dort ausgestellten Objekten ■eine ■beschädigte TJiorarolle, diie Blutflecke aufwies. Der Direktor!des Museums erklärte, •dass; •ihm die!Rolle von einem unbekannten Manne übergeben worden sei, der in einem ukrainischen Bataillon gedient hatte und der ®He wahrscheinlich!während der Progome in der Ukraine entwendet haben dürfte. •Die Thorarolle wurde der jüdischen Gemeinde :in Lemberg ■übergeben. — Der ■vor einiger Zeit ׳verstorbene Baron IKiuffner von DSoseoeg, etim getaufter J!ude, äusserte auf dem Sterbebette den• Wunsch, ihn nach seinem Tode ton der ׳Familien־ gruft seiner .Eltern auf dem! (jüdischen Friedihofe zu Lundenbiurg beisetzen zu lassen. י"׳ - Verwandten L belj 4׳d׳e51 ';Die vIutoTivention ,seiner '־׳י'*M estiitrnug״ •i׳u ׳' ׳■ er• mogtie] 1eu;׳Ätm׳eb ■,trortir4 eines •Anbotes von ■fcscih. K. 500.000 ■erfolglos׳. — Die Stadt Rawfcz!in der Provinz Posen, die!zur Zeit der pretissasehen Herrschaft eine .ansehnliche jüdische Gemeinde ■und eine wertvolle Synagoge aufwies, 1ist jetzt ganz von Juden verlassen. Es wurde beschlossen, die Kostbärkeiteu dieser Synagoge der polnisch-jüdischen Kolonie ״Bene Berak“ iim Palästina zu widmen, die von der •in Warschau bestehenden Vereinigung orthodoxer Juden ״Bajütih׳ Wenaclialo“ gegründet worden äst. Der Präsident •dieser Vereinigung, Herr Gerstenkorn, begibt slich •demnächst mit 30 Familien, die Land in Bne Brak erworben haben, ׳nach Palästina und wiird bei dieser ׳Gelegenheit •die Schätze — ein 180 Jahre alter Stuhl des Eiiah; ein 105 Jahre alter wertvoller Vorhang, des Thoraschreins, ein kurstvoller Kronleuchter, eine Mendräh und eine Anzahl Thoraroden — nach!Bne Brak bringen• — Dr. Rudolf I. Coffee, Rabbiner i׳m Tempel Sinai zu -Oaklam (Kalifornien) wurde zum ״Sprecher“ des kalifornischen Repräsentantenhauses gewählt. — In der Sitzung.־ des deutschen Reichstages vom 22. Jänner erhob der Abgeordnete Graf Ernst Revenflow Protest gegen den Empfang des Präsidenten der Zionistischen Organisation Dr. Weitzmann durch den Reichspräsidenten Ebert und :׳ andere hohe Reglern ngsstellen. . l .? Probleme der Gewissensfreiheit. Man muss darüber Klarheit •gewinnen, dass gelegen dich der Gesetzgebung in Palästina solche Materien ■zu regeln, solche Fragen zu lösen sind, welche — man kann es getrost sagen — seit mehr als hundert. Jahren stets dort zutage treten, wo ein Staat die Verhältnisse der Juden gesetzgeberisch zu lösen sich *bemüht. Soweit natürlich diese Gesetzgebung sich!bloss auf die äusseren Verhältnisse beschränkt «und* Jm wesentlichen das Verhältnis des einzelnen jüdisehen!Individuums zum Staatsganzen zu regeln!berufen war, erwies sich״die7 Lösung als ziemlich leicht. Man konnte entweder, die volle Emanzipation aussprechen ■und *die volle Gleichgültigkeit ■des Staates; gegen die religiöse Edgenart;des jüdischen Individmms * bekunden Der spätere Historiker dieser Gesetz- ^dM«^w4rd''abtu־'*f^tätelie1^dass׳‘äirch'diese absolute Gleichgültigkeit j nicht immer die gewünschte •Form darstellt; denn da das religiöse Bekenntnis des Juden sich auch dort manifestiert, wo es sich um äussere Lebensformen handelt, so müssten d!ie religiös gearteten Juden in der einen oder anderen Hinsicht gewisse Forderungen an •den Staat stellen, die nach der sonstigen Gesetzgebung des betreffenden *Staates eine Ausnahmestellung verlangen, indem sie eine Respektierung. der religiösen Vorschriften beantragen. Wir *erinnern nur an das ‘Niohtschrei'ben am Sabbat, an das Bedecken des ■Hauptes beim Eid usw. ■usw. Rechtlich gesprochen, stellt ein derartiges Gesetzgebungsmornent immer eine Art Toleranzedikt vor. Allein merkwürdigerweise hat die Legislative •fast sämtlicher Staaten ganz andere Wege genommen, die näher bezeichnet werden müssen. Das Interesse des Staates am Inhalt einer Religion kann vorausgesetzt werden. Insofern der Staat eine gewisse Gesinnungsrichtung: seiner Glieder wünscht, kann es ihm gleichgültig sein, ab die von •der Religion gewünschte Gesinnung sich auf einer Linie mit der vom Staat erstrebten befin- *ciet. Um ein ganz krasses Beispiel anzuführen, so erklärt sich hieraus die Gegnerschaft der Sowjetstaaten gegen religiöses •Denken und Wollen ■überhaupt. ׳Geht aber der Staat einen solchen Weg, ■so befasst er sich nicht, nur mit dem jüdischen Individuum in bezug auf seine •bürgerliche Stellung, sondern er sucht auch das!;׳u erfassen, ,was die Individuen׳ eint und zu einem ■beseelten Ganzen macht. Ursprünglich stellt sich die Sache so dar: Der Staat prüft *den Inhalt einer Reli- ,Sion und entscheidet auchin dieser Prüfung, ob ■die Ausübung dieser Religion in seinen Grenzen gestattet ist. Er stellt weiter das Verlangen, dass etwaige wesentliche Aet'denmgen!dieses •Inhaltes ihm notifiziert werden, um dann aufs neue die •oben genannte Entscheidung zu treffen. Hat aber einmal der Staat. eine Religionsgemeinschaft rezipiert, so hält er sich wohlweislich davon zurück, eine *Beeinfussyng des Religionsinhaltes auszuüben. Merkwürdigerweise hat in sehr vielen Staaten der Gesetzgeber dies in seinem Verhältnis zum Judentum gänzlich unterlassen׳, weder nahm er Kenntnis von dem Inhalt ׳ noch hielt er sich vonBeeinflussimgfern;^ ׳Da$־ :Vu dieser •Art‘ist jene preussische Gesetzgebung, welche fs jedem •einzelnen jeweiligen Vorstand in Stadt und Land freistellt, religiöses Leben ■und religiöse Lehre nach eigenem Gutdünken zu!bestimmen. So sind Re- •l'gionslehre und Religionsübung auch Gegenstand von Majoritätsabstimmungen im Gemeindeparlament geworden. Und so trat auch die Verwirrung ein, dass Religionslehre und Religionsweise ein vollkommen subjektives Gebilde ihren Schülern bringen durften. Indem also der jeweilige Staat die Summe der Individuen als nichts andeies denn als eben diese Summe, nicht aber als .einen Organismus betrachtet, haben sich allmählich auch die Juden daran gewöhnt, Nörgeln und Lästern. Von Wilhelm Eckfeld. Wir Juden sind geborene Kritiker. Wir haben die eine besondere Vorliebe für das Nörgeln, für das radein und für — das Schimpfen. Worauf diese Eigenschaft zurüokzuführen sei? Vielleicht darauf, dass wir durch so viele Jahrhunderte bei unseren Wirtsvölkera von jeder *produktiven Arbeit gewaltsam ferngehalten worden sind und uns gewissennassen nur im Kritisieren und nicht i m Schaffen ausleben!konnten. Wir werden drum auch vielfach von oberflächlichen und feindseligen Beurteilem fälschlich als ״destruktives •Element“, als Vorkämpfer der Zerstörung, der Zersetzung und des Umsturzes hingestellt. Auch der vielen jüdischen Schriftstellern und Dichtern eigene Sarkasmus und der. spezifische ätzende und ׳beissende Witz der Juden ist offenbar nichts anderes als •die natürliche Rück- Wirkung auf die den Juden auf Schritt und Tritt zugefügten Kränkungen. Aber Tatsache bleibt es dennoch, dass wir Juden alle ׳samt und sonders grosse, aber dabei oft leider sehr kleinliche Krittler sind. Wir •befassen uns zu oft /und zu gern mit den Fehlem und Sünden — der an- I deren.־ Wir *mäkeln mit besonderer Lust an unseren Mitmenschen und durchhecheln nicht selten, mehr als es notwendig wäre, ihre Verhältnisse. Diese kleinstädtische Gepflogenheit stammt noch von unserer Ghettozeit her, in der" wir in den engen Gässchen des Judenvierteis einander sozxisagen in die Töpfe gucken konnten und gewohnt waren, über alle Vorgänge ■bei unseren Nachbarn auf dem laufenden zu sein. Es ist drum auch recht!bezeichnend, dass das jetzt in neuer Auflage erschienene klassische *Werk *des weltberühmten Rabbi I s rä e 1 M e i r •H a k 0 h e n in R a d i 11, ״C h o f e 1z C 11 a j i m“, hauptsächlich' mit dem Verbote der üblen ׳Nachrede, des L ä s t e r n s, der Verleumdung, der Z w is c h e n t r ä g e r e i usw. sich beschäftigt und im Sinne des Psalmisten ausgeführt ist, der •da sprach: ״Wer ist der Mann,, der leben will, Der es liebt, die Tage in Glück zu verweilen: . Bewahre deine Zunge vor Schlechtem Und deine Lippen vor trügerischer Rede! Halte dich fern vom Bösen und ü)be •Gutes! Suche Frieden und strebe ihn! nach!“ Ja, wir loben nicht gern, t a d e 1 n aber dafür um so lieber und um so ausgiebiger. Wo hat es zum Beispiel jemals einen Raw gegeben, und wäre er noch so ein Gelehrter und Zaddik gewesen, ■mit dein׳ alle seine Baalebatim ohne Ausnahme zufrieden gewesen wären? Und hat jemals seit Erschaffung der Welt eine Khilla existiert, in der über den Roschhakohol und •wäre er noch so wohltätig, noch so fromm, eifrig und selbstlos gewesen — nicht weidlich geschimpft worden wäre? Man braucht bei uns nur den׳ Wohltätigkeitssinn des X vor Leuten zu rühmen und sofort kamt man zu hören bekommen, sein Wohltun entspringe nur seiner Eitelkeit, als Wohltäter zu gelten. Lobt man das gemeinnützige Winken •des Y, so heisst es prompt, die Triebfeder seines Handelns sei nur die E11 r s 11 c h t. Hebt man die Gelehrsamkeit des Z hervor, so hört man, ja, er habe abe r diesen oder jenen Fehler. Spricht man von der Frömmigkeit einer Persönlichkeit, so wird im •Nu jemand da sein, der mit vielsagendem Augenzwinkern ־zu erzählen wissen wird, dass es bei eben dieser!Personlichkeit in dessen Jugendzeit mit der Frömmigkeit nicht •weit her gewesen sei .. . Kurz, wir •haben bei jedem ■Lob ein ernschränkendes ״Aber ... .“ Wir finden in allem ein Haar. Wir haben an jedem -ד- und mag er •noch so vollkommen.sein — naserümpfend etwas auszusetzen. \i Bevor Sie eine Perücke kaufen, versäumen Sie es nicht Wiens GRÖSSTE Internationale KUNSTWERKSTÄTTE und BILLIGSTE EINKAUFSQUELLE für PERÜCKEN, SCHEITEL U. TRANSFORMATIONEN DE: OTHMAR SCHIFF, WIEN, I., KÄRNTNERRING Nr. 6 j aufzusuchen! Liefert seit mehr als anderthalb Jahrzehnten den vornehmsten orthodoxen Deinen aller Länder Perücken, Spezialistin , {\ Brautscheiteln. Die Herstellung eljer Jeden einzelnen Perücke erfofgt aus GARANTIERT DAUEROEWELLTEM NATURHAAR, In- *y \ . dlvlduell dem Gesichte angepasst. EN GROS. 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