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Jüdische Presse · 1924-11-14 · 46 (14.11.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
46 (14.11.1924)
Date
1924-11-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEM JUDENTUMS» ״»״•*ft?« othc* M _ _ _ •*0”Bring. '0108k. JÜDISCHE PRESSE Redaktion u. Administration! Wien, II.,Leopoldsgasee 26, 1. Stiege, 1. Stock. - Tel. 45-4-94. Tschecho-SIowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise! Qanzjährig: Für Oesterreich K80.000, Deutschland Goldmark 8, Polen Zloty 8, Tschechoslowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar 2, Italien Lire 26, England Shilling 7, Rumänien Lei 300, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100.000. Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen fflr Oesterreich: Posta Nr. 13.458; fflr Polen: Postsparka Nr. 190.40S; für Ungarn: Postspari Nr. 50.170; ffir Tschecho-SIowakei Konto Nr. 53.386; ffir Jugoslawien: 40.217:!.Rumänien: Ban ca Mann an & Co, Bukarest; ffir die Schweiz: Po parkassenamtWien, Konto ssenamt Warschau, Konto ussenant Budapest, Konto : Postsparkasaenamt Prag, Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 9sch Rane & Co ffir Florenz stacheckk. Luzern Vll. 1470. Mr. 46 Wian-Brati■!ava, 14. November 19Z4 ,ב*ד. ויענה־פרעססבורג י־ט חשק תיפ״ה IO. Jahrg. Ergebnis der Kultusgemeindewahlen. T>Ie Wahlen in die Kultusgemeinde ergaben folgendes Resultat: Vereinigte Jüdische Parteien: (Zionästen Union und Liste der Vereinigten glaubenstreuen Judenschaft) erhielt 28 Mandate, Sozialdemo- ■kraten 5, Religiöser Block (Misrachi) 2, Achdus lisroel 1. * * Seine Fehler zu erkennen ist ein Erfordernis für jeden denkenden Menschen. Seine ׳Fehler einzugestehen und zu bekennen ist Pflicht jedes jüdisch denkenden Menschen. Was hier vom Einzelnen gesagt ist, gilt auch für die Gesamtheit, tun so mehr, als die Fehler der Gesamtheit sich als die Summe der Fehler einzelner Menschen darstellen. Wenn man die Geschichte der Orthodoxie von den jüngsten Jahrzehnten verfolgt, so zieht sich wie ein roter Faden durch alles Geschehen die Wahr- «ehmung eines Fehlers, und zwar ist dieser Fehler der Mangel an Vertrauen zu sich selbst. Was dem ersten jüdischen König Saul zu eigen war, dass er die Bedeutung seiner Stellung als ,zu klein erachtete, das gilt unter Berücksichtigung der veränderten Verhältnisse von der Orthodoxie. Sie ist auf der einen Seite in das parlamentarische Leben eingetreten, was ja für den Kenner des jüdischen Wesens nichts Neues war, da auch früher!schon die Verwaltung der Gemeinde aus freien Wahlen hervorging. Sie hat aber noch nicht erkannt, dass auf diesem Gebiete Organi- :»ation alles bedeutet. Kommt es dann m den Werfbestunden des parlamentarischen Lebens, also zu den Wahlen,!so trifft diese Tatsache die Orthodoxie herzliehst unvorbereitet. Wir verkennen die Schwierigkeiten nicht, die sich dem Versuche entgegenstellen, die orthodoxen Massen organisatorisch zu erfassen. Fs soll auch kein Vorwurf gegen (die Führer erhoben werden, es sei denn die Bemerkung, dass es ihnen an Voraussicht fehlt. Während andere Organisationen die Verkündigung der Resultate einer Wahl, sei es in Sieg oder in Niederlage, •als den Zeitpunkt betrach־ teil, von dem an man di'e nächste Wahl vorzuibereiten hat, tritt bei der Orthodoxie im Falle eines Sieges Sättigung, 11m Falle der Niederlage eine Mutlosigkeit zutage; wir wiederholen, ׳wir erheben keinen Vorwurf gegen die Führung, sondern gegen die Massen. Es fehlt sehr oft an dem Willen, sich parlamentarisch schulen zu lassen, und so ׳wird der Boden vorbereitet, auf dem streberische Vermittelte am besten gedeihen. Mögen unsere Leser diese Ausführung als abschlressend'es Urteil über die Gemeiudewahl in Wien betrachten und andererseits die Vorgänge hierbei als typisch, als ein Schulbeispiel für parlamentarisch organisatorische Ungeschicklichkeit anschauen. Der ursprüngliche Gedanke, dass d׳e!m Publikum Wiens ein Wahlkampf erspart bleiben sollte, d. 11. pariamentarisch gesprochen, dass der Wahlkampf in die Vor- Verhandlungen über ein Kompromiss verlegt ,werden sollte, hat immerhin die Möglichkeit geboten, dass jede Gruppe ohne Aufgabe der Prinzipien, ohne Verschieierung derselben, in ein solches 'Kompromiss eintreten könnte. Diese ursprüngliche Form dient als Rechtfertigung für diejenigen Gruppen, •die auch nach dem Scheitern des Kompromisses an dem Block festhielten. l׳m übrigen sind ׳die Wiener Wahlen auch ein Schulbeispiel dafür, wie selbst das proportionale Wahlsystem zu denselben Unsittlichkeiten führen kann, die früher so gern dem Einzelwahlsysteim zugeschrieben ׳wurden. Es ist das Eine wenigstens zu hoffen, dass diejenigen Parteien, die in den technisehen Wahlkampf block eintreten, unmittelbar nach der Wahl zwar an ihren Prinzipien treu festhalten, aber in der Form der Auseinandersetzung die Grenzen einhalten werden, die Vonbedingung eines wirkliehen Parlamentarismus sind. Es ist bedauerlich, ■dass die hässlichen ׳Aeusserungen des Wahlkampfes innerhalb der sabbathaltenden Judenheit sich vollzogen. Wäre die Orthodoxie ihrer Pflicht bewusst gewesen, so hätte das vermieden werden können und müssen. Man komme uns •aber nicht mit der Frage nach dem Schuldigen, denn die Quelle der Fehler liegt ׳in dem Mangel an Selbstvertrauen und in dem Mangel an Frkcnntnis der Bedeutung, welche der eigenen Anschauung eignet. Brief aus Ungarn. Budapest im November. Wie seinerzeit semeMet, Inat!diie am 18. HM 5684 hier -abgehaltene Jahresversammlung der orthodox-ksraehoscheu Landesrefpräseutanz die Einleitung einer auf das ganze Land sich erstreckenden A kt i o n •zu r U n t er- Stützung der J •e s cih 8 w o s und Talmud- T hora-8 ■eh u 1 e n! Uns a 1r 11 ׳beschlus weise ausigesprachen. Zur wirksamen Durchführung dringender Arbeit j wurde das Land •in dieser Beziehung in mehrere Rayons eingeitüMt. Einen derselben büDdet die orthodoxe ׳Kultusgemeinde Budapest, die sich heute •in einer speziell zu diesem Behufe einberufenen, von den interessierten Gememdemiifigliiedern ziemlich gut besuchten Versammlung konstituiert und seine Tätigkeit zugleich auch schon begönnen hat. Präsident Albrabam v. •Freudiger wies in seiner Eröffnungsrede daraufhin, dass die Pflicht fair •deu Nachwuchs an ■in ׳ ש״ס ופוסקיםbewanderten Mitgliedern in e n t s p r e c 11 e n d e r Zahl aus eigener Mitte Sorge zu tragen, und das ist nur dann möglich, wenn wir die zur Aufrechterhaltunig unserer Talmud-Thora-Schuilen und Jeschivvohs erforderlichen finanziellen Mittel sichern. Sichern in dem ׳Masse, dass •im heutigen Ungarn jeder Knabe, den seine Eltern dem intensiven Thorastudium vvidmen wollen, dieses hehre Ziel auch erreichen könne •und kein thorabeflissener Jüngling •durch die Unzulängbchkeit der materiellen Lage seiner Eltern daran verhindert werde. Nachdem hierauf noch!mehrere Redner gesprochen und hervorgehobeii hatten, •dass die orthodoxe Judenschaft der Hauptstadt mit je grösserer () pf e r׳b e r ei t s e ha f t als mustergebendes Beispiel der Provinz vorangehen müsse, •wurde die Kon st it u i •e r 11 n g d e s B u!d a p e s t e r Rayons mit e •i n- 11 e 11 i •g e r Begeistern 11 g beschlösse n. Der sodann unter den Anwesenden zur Zirkulation gelangte Bogen zur Zeichnung von Monatsbeiträgen war alsbald ausgefüllt. Es ergab sich das hübsche Resultat von zirka 2 5 M i 111 i <כ n 11> 0׳ Krone 11, und zwar aus Beiträgen von 50.000 bis 1,000.000 •Kronen, wobei zu bemerken ist,!dass Zeichnungen von weniger als 100.000 Kronen monat- Weh bloss f ii 11 f ׳erfolgten. Insgesamt ,haben sich au der Zeichnung ׳beiläufig 70 Personen beteiligt. Schliesslich wurde ein 18gliedrtiger Vorstand, eine 50gModrige Repräsentanz und ein 40gl׳iedriges Prapagandakamitee gewählt und unter dem Vorsitz des Rayonsprä»identen Abraham v. F ׳re 11 d i g e r ein aus den Herren Dr. Adolf Deutsch, Leopold G r o ts s ׳b e r g, 'Rein rieh Rot h und Adolf S c 111 esi 11 g e r ׳bestehendes Exekutivkomitee entsendet. Für die •Budapestcr בחורים die in verschieden eil Jescliiwoiis •der Provinz Jemen und auf die ימים נוראים nach Hause gekommen waren, wurde gestern abends an dem grossen Festsaale der hiesigen orthodoxen Knltussemeinde ein Abschieds- ,מלו ה**ד מלבד veranstaltet. Die Zahl •derselben beträgt über 100, darunter 55 arme, die von dem zu diesem Zwecke hier bestehenden ״Hisoharu-Verein“ monatliche Unterstützung, teils auch Kleidung erhalten. An dem Abschiedsbankett haben nebst den בחורים deren Eltern, ferner das ehrwürdige ortliodoxe Rabhinat und leitende Mitglieder der orthodoxen Gemeinde tei'lgenommen. Die Schar von, wie gesagt, über 10t) בהורי חסד die sieh jetzt nach den pT-Ferien In d'ie ישיבה zurück begibt, lim ihren Wissensdurst an der reinen Quelle der תורה הקדושח zu stillen und daselbst zu ירא'ם ושלמים erzogen zu werden, —- sie bot einen wahrhaft h e r z e v 11 e b e nd e n Anblick. Die schöne Feier, •bei der auch בחורים gute דברי תורה t!nthaltende Ansprachen hielten, endete erst gegen Mitternacht. * Leitende Persönlichkeiten der lvierländiselieii Neologie, darunter der gewesene Justiizminister Wilhelm Vasso 11.v1i, haben für heute nach Budapest einen jüdischen Kongress einberufen, um einen ״Bund der jüdischen Ku׳ltusgeme'indc Ungarns* zu gründen, ■der die Aufgabe haben soll, die moralischen und materiellen Interesssen der tmgariischen Judenschaft zu wahren. Von den 128 nicht-ort'liodoxeii Gemeinden des Landes haben 106 ihre Vertreter entsendet. Die Orthodoxie jedoch ist diesem Kongress ganz ferngeblieben, da sie an einer miit dem Fort sch rittsjudentum gemeinsamTen Organisation sich prinzipiell nicht beteiligen will, Umd nachdem die orthodoxe Leitung diesen ihren Standpunkt ׳den Kongresseiniberufern voraus mitgeteilt, halben dieselben ihre Absicht, ihre Einladungen auch an 1die orthodoxen Gemeinden zu versenden, iallengelassen. * Auf dem Gebiete Ungarns sind über 2600 solche jüdische Kriegswaisen verblieben, deren Versorgung und Erziehung der öffentlichen Mildtätigkeit obliegt. Infolge der absoluten Unzulänglichkeit der eigenen finanziehen Hilfsmittel der ungarischen Judenschaft ist die Erfüllung dieser humanitär-religiösen Aufgabe nur durch die Opferwilligkeit des amerikanischen Joint möglich, der die Unterstützung anderer jüdischer Institutionen unseres Landes wohl längst eingestellt hat, aber die Kriegswaisenfiirsorge erfreulicherweise fortsetzt. Der Joint Urlaubstage im Burgenland. Von L. Moses. I. Mattersdorf. Lange vor Tagesanbruch macht schon der Bachur G. die Runde durch die Gassen und Gässchen und weckt seine Genossen zum liebgewohnten Werk. Ich trete ans offene Fenster und atme in tiefen Zügen die würzige Nachtluft ein. Ueber den stillen Häusern und den im erquickenden Tau wie träumend daliegenden Feldern und Gärten strahlt noch der Morgenstern in seiner ganzen Pracht und schon dringen von dieser frühen Stunde an den ganzen Tag hindurch die Töne der heiligen Lehre aus dem Beth-Hamidrasch und den verschiedenen Quartieren der Bachurim. Auch viele Geschäftsleute benützen jede freie Viertelstunde, um ein Stückchen zu ״lernen" und am Abend versammeln sich im Lehrhause des Vereines ״Ez Chaim״ noch alle jene, die tagsüber nicht Müsse gefunden hatten, um wenigstens ein halbes Stündchen zwischen dem Mincha- und Maariwgebet unter kundiger Leitung der Thora zu widmen. Während die Hand des Landmannes draussen das Feld bearbeitet, bestellt innerhalb seiner engen Mauern der Jude, dem der Besitz eines anderen Feldes hier nicht gegönnt ist, das des Geistes und der Sittlichkeit. So unglaublich es klingen mag, ist, ja in diesem grossen Orte mit seiner starken jüdisehen Bevölkerung nicht nur die Landwirtschaft sondern auch das kaufmännische und industrielle Grossunternehmertum fast nur durch Nichtjuden Bevor Sie eine Perücke kaufen« versäumen Sie es nicht Wiens GRÖSSTE Internationale KUNSTWERKSTATTE und BILLIGSTE EINKAUFSQUELLE für PERÜCKEN, SCHEITEL U. TRANSFORMATIONEN « OTHMftR SCHIFF, WIEN, 1״ KÄRNTNER RING Nr. 6 S^SSStXStStSMS^i aufzusuchon I Liefert seit mehr ela anderthalb Jahrzahnten den vornahmstan orthodoxen Damen aller Länder Perücken. Spezlaiiat in Brautachaitaln. Die Herstellung einer Jeden einzelnen PerUcke erfolgt eus GARANTIERT DAUERGEWELLTEM NATURHAAR, in• dividuell dem Gesichte angepasst. EN GROS. 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