Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 45 (7.11.1924)
- Date
- 1924-11-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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JÜDISCHE PfttiSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktionu. Administration: Wien, 11.,Leopoldsgasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 4594־4־. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich K80.000, Deutschland Goldmark 8, Polen Zloty 8, Tschecho-Slowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar 2, Italien Lire 25, England Shilling 7, Rumänien Lei 300, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100.000. Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Oesterreich: Postsparkassenamtwien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Pebtsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Posten.-Amt Agram,Ko. N. 40.217; f.Ramänlen: Banca Marmarosch Blanc ft Co für Florenz ft Co, Bukarest; für die Schweiz: Postscheckk. Luzern VII. 1470. Nr. 45 Wien-Bratislava, 7. November 1924 ,ב*ה ויענד.־פרעםםבורנ י• חשק תי&׳ה IO. Jahrg. Der Wegweiser der Heimkehr. Anlässlich der Anwesenheit Doktor Niatlian Birnbaums in Wien veröffentlichen wir nachstehende kurze Skizze der Lebenslinie ׳dieses iBaal Teschuwoh. Er war einmal in seinen Ansichten vereinsamt, aber heute — in einer Zeit der zunehmenden Rückkehr — ist er nicht mehr der ׳Einzige: die Zahl ■der Heimkehrenden wächst von Tag zu Tag und Nathan Birnbaum •ist ihr Wegweiser. ,Die Redaktion. Nathan Birnbaum, einer der interessantesten Denker unserer Zeit, blickt auf eine bewegte 60jährige Lebensgescliichte zurück. Da er in diesen Tagen als Gast der Weltorganisation orthodoxer Juden ״Agudas Jisroel“ in Wien weilt, ׳wird es auch von Interesse sein, die Linie seiner Fntwieklunig in knappen Zügen zu verfolgen. Dr. Nathan Birnbaum war bereits vor dem Frscheinen Herzls Führer einer ■Palästinabewegung. Sie hatte zwar weder politisch noch!wirtschaftlich jene Dimensionen angenommen, welche die jüdische Palästinakolonisation von heute aufweist, aber geistig toesass die historische Palästinabewegung der Achtzigerjahre eine ■Durchschlagskraft, welche noch echter Begeisterung ■und nicht ausgeklügelter Versammlung«- Phraseologie entsprang. Als dann Theodor Hez!1, der Führer der zionistischen Bewegung,!die Idee der Heimkehr der Juden in ihre historische Heirnat zu einem grosszügigen Plane konzipierte, war es Nathan ■Birnbaum, ■der sich ihm als einer der begeistertsten Weggenossen anschloss. Bald aber geriet Birnbaum in einen innefbehen Widerspruch z.ur allzu weltlichen, dem Voikswesen fremden Art, in der sich ■die zionistische Ideologie bcwegte und in der zionistische Politik getrieben wurde. Nach vielen Wandlungen, die ihn immer weiter von seinem nrsprüngliahen gedanklichen Ausgangspunkte entfernten, ■wurde Nathan Birnbaum ein ■gläubiger Jude; er nahm willig auf sich alle Einzelheiten der jüdischen überlieferten ■Lebensform, er kehrte ■heim zu dem geistigen Urquell des jüdischen Volkes, zum religiösen (iestaltungswillen, den vor Tausenden von Jahren das seltsame Volk der Wüste am Sinai empfing, und der es bis zum heutigen Tage ■nicht verlassen ■h:at, so seltsam und verschiedenartig das Antlitz des Juden auch zu allen Zeiten gewesen sein mag. Fs wäre verfehlt, ■diese religiöse Umkehr Nathan Birnbaums, die seinerzeit viel Aufsehen hervorgerutfen hat, als ■merkwürdiges Ereignis im Leben eines Einzelnvn zu betrachten. Birnbaum ist vielmehr nichts anderes״ als der Vorläufer einer religiösen Bewegung, die, bereits sich nicht nur im jüdischen Volke deutlicli fühlbar macht, sondern auch fast bei allen• Völkern bereits bemerkbar zu keimen beginnt. Sie ist die Folgeerscheinung der ■Kriegs- und Nachkriegs־ jahre. Gerade die Nachdenklichsten und Wahrhaftigsten unserer Zeit wurden von ihr erfasst, und sie haben als Jungkatholiken, als Jungprotestanten, als heimkehrende Juden zu dem Glauben ■ihrer Väter zurückgefunden. Dass diese Umkehr Birnbaums gerade in eine Zeit fällt, in der das jüdische Volk bis in sein ■Innerstes aufgewühlt wurde, hat die Wirksamkeit seiner zur religiösen Finkehr und zum ständigen Gottesdienste mahnenden Worte verdoppelt. Fr übt auf die Jugend — besonders im Osten — jene unvergleichliche!hinreissende Wirkung aus, die grossen Persönlichkeiten immer dann entströmt, wenn sie in ihrer Geste am wahrhaftigsten sind, wenn ■ihre Worte die seltene Kraft besitzen, in die geheimsten Tiefen der suchenden Menschenseele einzudringen, um ihr Kraft und Zirversicht;zu bringen. Es ist nicht zu leugnen, dass innere Zerfahrenheit und Leere das Antlitz des Juden in Westeuropa nicht zu seinem Vorteil verändert hat. Nur die bedingungslose Rückkehr zu den religiösen Wurzeln des jüdischen Daseins kann dem äusserlich vollkommen der Umwelt angegliederten, innerlich aber von Unrast und Unbefriedigtheit erfüllten Juden jenen Halt geben, dem er in diesen Tagen der Entscheidung bedarf. Nathan Birnbaum, der über diese sehr wesentliehen Fragen hier zu sprechen beabsichtigt, wird sicherlich in Wien jenes Echo finden, das er überall geweckt hat, wo nachdenkliche junge Menschen erkannt •haben, dass als stärkste Triebkraft ihres Lebens eine latente Religiosität in ihnen zur Gestaltung drängt. R. W. Dr. Nachau Birnbaum wird Montag •den 10. d. um halb 8 Uhr abends im Hotel Continental einen Vortrag über das Thema ״Zeitgeist und Judentum“ halten. Dr. Birnbaum, der in den l!etaten Jahren als Folge einer innerlichen Wandlung für die Wiederaufnahme der jüdisch-religiösen Idee ein tritt, hat mit seinen Ausführungen überall in Deutschland, ■in der Schweiz und im Osten bcgeisterte Zustimmung •gefunden. Der Vortrag ■ist •des Interesses aller jener sicher, die an den entscheidenden Protoelmen unserer Zeit nicht vorübergehen wollen. Karten ■bei Theaterkarten-Burcau Aida, II., Tabor Strasse 5. Die Wiener Kultnsgemeinden. II. Der Mangel an aufrichtiger, ehrlicher Demokratie macht sich aber auch ׳auf dem Gebiete der Fürsorge geltend. Zur Beleuchtung dieser Behauptung wollen wir folgende statistische Daten anführen: Sterbefälle kamen nach den dem Berichte bei gegebenen Tabellen im Jahre 1923 2565 vor, Austritte aus dem Judentum im selben Jahre 1235, also insgesamt 3800 Seelen haben die Judenschaft Wiens im Jahre 1923 verloren. An Geburten kamen 2704 Menschen hinzu. Wenn wir noch die 318 Eintritte in das Judentum ihiiizuzählen, so können wir an Zuwachs im Jahre 1923 insgesamt 3022 Seelen verzeichnen. Diese ZusammenstellUng ergibt, dass ■die Wiener Judenheit mit 788 Menschen mehr verloren a’!s gewonnen hat. Der Traum des Rabbi. (Schluss.) Beim Lampenlicht sassen Mutter und Tochter traulich beisammen. Lea׳h hatte das schmale Heft, das die Beichte Perez’ enthielt, in der zitternden Hand, und ihre Mutter folgte mit steigender Erregung der Vorlesung aus demselben. Oer Oberrabbiner hatte, heim-gekehrt von ■dem Besuche bei seinem ■Freunde, der Gattin und der Tochter freudestrahlend die empfangenen ■Nachrichten mitge teilt. Die Verlobung Joses wunde von beiden herzlich begrübst un׳d Leah antwortete lächelnd, auf eine neckende Bemerkung ,ihrer Mutter, sie sei nicht eifersüchtig auf ■Bella, sehe vielmehr mit Freuden ■der Ankunft der ihr angeblich so ähnlichen Bella entgegen. Viel mächtiger aber wirkte die den Frauen erst jetzt zur Kenntnis gebrachte Kunde, dass Perez, der Verschollene, und wohl auch Totgeglaubte, am Leben sei, dass er, geehrt und gefeiert, schon heute als eine Leuchte Israels gelte. Frau Esther hatte laut den Ruf ausgestossen: ״Also geschehen ■doch noch Wunder auch in unseren Tagen!“ während Leah leise wiederholte: ״Fs geschellen Wunder!“ Seit Jahren ■war Perez‘ Name kaum mehr genannt worden und der Rabbi hatte gute Gründe, das Geheimnis nicht früher ,zu lüften, bevor er seinen Schützling nicht in Sicherheit wusste. Alber auch jetzt beschwor er Gattin und Tochter, ja das Geheimnis strenge zu bewahren, denn dessen Verletzung könnte noch immer Unheil schaffen. Um. den vielen, vielen Fragen von Gattin und Tochter zu entgehen, ־ entschloss sich der Oberrafbbiner, der die Neugierde der Frauen in diesem ׳Fälle wohl!begriff, ihnen ■die Handschrift Perez‘, die alles beantworten ■würde, für wenige Stunden anzuvertrauen. So fesselnd und ergreifend auch die Mutter ■die Schilderung des Lebensscbicksales fand, das sich in diesen Blättern abrollte, so galt ihre wachsende Erregung doch m&lir noch der Wirkung, die diese Lektüre auf Leah ■übte. Ihre, sonst leidenschaftlichen Gefiihlsäusserungen abholde Leah schien, ■das Antlitz bald von Blässe, ■bald von glühender Röte überzogen, je weiter sie las, um so wehrloser gegen die Rührung zu werden, die sie vergebens zu verheimlichen suchte. Die kluge Mutter stellte keine Fragen. Mit liebevollem Lächeln nahm sie Leah das Heft aus der Hand: ״Kind, ich begreife, dass ein junges Mädchen leichter zu Tränen hingerissen ■wird als wir Alten. Lass‘ mich weiter lesen!“ Sie las tapfer, wenn auch die eigene Ergriffenheit schwer verbergend, Ibis zu Ende. Dann aber konnten weder Mutter noch Tochter länger ihre Gefühle bemeistern. Laut aufschluchzend, warf sich Leah ,in die Arme ihrer Mutter, deren Antlitz nicht weniger von Tränen Überflossen war als das ihre. ״Mutter, teure Mutter“, flüsterte Leah, ״denke dir das Glück! Fr lebt! Perez lebt! Meine Ahnung hat mich nicht getäuschtl“ Zärtlich ihr schönes Kind liebkosend, sagte Esther: ״Dem Himmel sei Dank, er lebt! Und welch grösseres Glück, dass er zu seinem Glauben ׳zurückgefunden, und ■dass der Vater von ihm mit solcher Sympathie, mit solcher Achtung, sprechen konnte!“ ״Dass er 'lebt, Mutter, welches Glück“, wiederholte die ruhige, gelassene Leah unter einem ■neuen Tränenstrom. Wer sie so gesehen hätte, ׳würde wohl bezweifelt haben, dass Leah jemals in Wahrheit ruhig und kühl empfunden hätte. ״Mutter“, fragte sie, wie aus einem 'Traum erwachend, ״!was mag wohl aus der schönen, guten Marianne geworden sein?“ ״Mein Kind, das werden wir wohl kaum je erfahren. Vielleicht ist sie eine glückliche Gattin, vielleicht lebt sie in einem Kloster....“ Leah, ihr fieberheisses Antlitz mit den Händen bedeckend, wollte etwas antworten. Ihre Mutter wehrte ihr aib: ״Mein Kind, ich bitte dich, nein, ich befehle es dir.... kein Wort mehr heute. Geh‘ zu ׳Bette, morgen sprechen ■wir weiter. Gute Nacht, mein Kind. Auch ich bin der Ruhe bedürftig.“ * Bevor Sie eine Perücke kaufen, versäumen Sie es nicht Wiens GRÖSSTE internationale KUNSTWERKSTÄTTE und BILLIGSTE EINKAUFSQUELLE für PERÜCKEN, SCHEITEL U. TRANSFORMATIONEN des OTHMAR SCHIFF, WIEN, I., KÄRNTNERRING Nr. 6!fEVE?EupBHeSN״f.M״MMH0ET»״״3?־51״.Ta0L,:i auf zusuchen! Liefert seit mehr als anderthalb Jahrzehnten den vornehmsten orthodoxen Damen aller Länder Perücken. Spezialistin Brautscheiteln. Die Herstellung einer jeden einzelnen Perücke erfolgt •us GARANTIERT DAUERGEWELLTEM NATURHAAR, In• dividuell dem Gesichte angepasst. EN GROS. Grosse* Lager u. reichhaltigste Auswahl In Perücken modernster Frisuren. EN DETAIL. Verlangen Sie die kostenlose Zusendung meines niu enchlantntn Katalogesl Uw vor Irreführung zu nhfltzan, bitte den Vornamen OTHMAR und die Adresse genau zu beachten! -WO