Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 44 (31.10.1924)
- Date
- 1924-10-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 294 JÜDISCHE PRESSE. ÜL 44 Dr. Nachman Slrkin ein Baal Tschuwoh. ( New-York. (A. J. P. B.) Alle amerfkin? sehen jüüipehen Zeitungen berichten ausführlich über die letzen Stunden des jüngst verstorbenen Poab Zlon-Führrs Dr. Nachman Sinkln, der vor seinem Tode seine Freuade gebeten hat, Ihm efri 1Gebetbuch zu bringen: er sag re jti!vollem Bewusstsein das W|dnj und schloss p«n Gebet tnft einem ׳lauten Schmal jlsroel. Auf die Frag3׳ seiner vei- 1Wunderten Umgebung eiwiderte er, er will nach d<1־ Traditio« seiner Väter sterben. Jackle Coogan kein Jude. Berlin. (J. T. A.) Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, ist der kürzlich in Berlin gewesene Filmstar Jackie Coogan nichtjüdischer Abkunft. Seme Eltern sind aus Irland stammende Katholiken. Der Oberkommissar nach Genf abgereist Jeusalem. (J. T. A.) Aim 15. Oktober trat SfriHenbert Samuel eine Reise nach Genf an, um der Tagung!der ständigen M andatkommission des Völkerbundes bqtzuwoh•■ wen und!über die Administration Palästinas ׳Bericht zu er•» statten. Er!wird dabei die zu dem Bericht von den Mitgliedern der Kommission gestellten Fragen zu beantworten haben. Rabbiner Glasner In Jerusalem gestorben. Jerusalem• (J. T. A.) Am 21. Oktober verschied itt Jerusalem Rabbiner Glasner aus Transsylvanien., Der Verstorbene, eine berühmte rabbinische Autorität, hat sieb vor zwei Jahren in Palästina angesiedelt. teeeoeeeel tschecho-slowakel ־־ M. M. Ussischkin in Bratislava. Zwei Wochen hindurch wurde die jüdische und ganz besonders die nichtjüdische Bevölkerung von Bratislava mit einem bei uns bisher nicht dagewesenen Reklameapparat auf die Ankunft eines ״grossen Juden“, wie manche missverstanden, eines ״jüdischen Gouverneurs von Palästina“ (nämlich des ״Gouvernors“ eines zionistisehen Parteifonds, den sie ״Nationalfonds“ nennen) vorbereitet. Darunter war, wie wir in unserer vorigen Nummer berichteten, Herr M. M. Ussischkin aus Jerusalem, eine unter den Zionisten sehr angesehene, aber sonst im Judentum völlig unbekannte Persönlichkeit, gemeint. Nur wenige Juden in unserer Stadt hatten bis dahin auch nur seinen Namen gehört, und jetzt urplötzlich musste man von spaltenlangen Ankündigungsartikeln in den Tagesblättern, Streuzetteln und Strassenplakaten erfahren, dass ein Mann dieses Namens neben Sir Herbert Samuel der ״bedeutendste Jude der Gegenwart“ sei, und dass er hier eintreffen, im Bahnhof von den Behörden, den ״jüdischen Vereinen und Gemeinden“ unter besonderen ׳Ehrenbezeigungen ״feierlich empfangen“ werden würde, worauf er dann den Tempeln ״beider Gemeinden“ die hohe Ehre seines Besuches erweisen werde. Er werde hier auch einen ״Zionistenkongress“ veranstalten, sodann Vorträge für Frauen halten, von der slowakischen Judenheit ״R e c h e n s c h a f t f o r d e r n“ für ihr ablehnendes Verhalten gegenüber dem Zionismus und zum Schlüsse in einem Massenmeeting seine gewaltigen Ideen offenbaren. Man sprach an allen Strassenecken während des so herrlich schön verlaufenen Sukkothfestes von nichts anderem als von dem, der da kommen sollte. Der Wurf war gelungen; die Reklame hat gewirkt. Ussischkin mochte selbst nicht wenig erstaunt gewesen sein, als! er im Bahnhof ausser von seinen Partei- und Gesinnungsgenossen, den Zionisten, auch vom Bürgermeister Dr. Kraus und einem Vertreter der hiesigen Neologengemeinde begrüsst wurde. Er fand sich jedoch mit Würde in die Situation und nahm die Ehrungen beinahe als selbstverständlich hin. Das Hotel, in dem er abstieg, liess sich dazu bewegen, eine blau-weisse Fahne (nach den Angaben des Midrasch war dies nämlich die Standarte eines der zwölf jüdischen Stämme) zu Ehren des ״jüdischen Gouverneurs“ zu hissen. Freitag abends sah man ihn im orthodoxen Tempel, Samstag vormittags bei den N e o 1 o g e n. Im Neologentempel fand eine Art ״feierlichen G־ttesdienstes“ statt. Rabbiner Dr. Funk hielt eine glänzende Predigt, in der er der Frömmigkeit des Herrn Ussischkin besondere Anerkennung zollte. Am Abend hielt er den avisierten Vortrag vor den Frauen. Nächsten Morgen fand eine geschlossene Sitzung der Zionisten und Misrachisten in Gegenwart Ussischkins statt, in der über innere Parteifragen verhandelt wurde. Am Nachmittag versammelte sich eine grosse Menge Zionisten, Zionistinnen und auch viele an■* dere Juden im grossen Saale des ״Bellevue“, um die öffentliche Rede Herrn Ussischkins anzuhören. Auch der englische Konsul hat der Einladung Folge gegeben. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, als der Führer der Bratislavaer Zionisten, ein Herr Dr. Kondor, den Gast und die Anwesenden in einer polyglotten Rede (englisch, slowakisch, deutsch und noch eine Sprache, die der Redner für ״hebräisch“ hielt) herzlich begrüsste. Hierauf hielt Herr Ussischkin eine gutdurchdachte, rednerisch sehr wirkungsvolle Propagandarede über die Bedeutung des Bodenerwerbs in Erez Jisroel. Es muss 1anerkannt werden, dass Herrn Ussischkins Vortrag sich wohltuend unterschied von manchen Reden, die er während seiner Propagandareise anderwärts hielt. Er vermied hier in Bratislava jeden Angriff auf die Orthodoxie und blieb taktvoll, soweit dies bei seiner Geistesrichtung möglich ist. Inhaltlich glich die Rede in jeder Beziehung den Propagandareden, die man seit Jahren in allen Zionistenvereinen vernimmt. Wer eine grosse Linie der zionistisehen Gedankenwelt oder doch zumindest genaue Daten und Zahlen über die Leistungen der Zionisten in Erez Jisroel und vielleicht auch Aufschlüsse über die Araber- Politik der Zionisten zu hören hoffte, war ent täuscht. Wer aber über Allgemeinheiten nicht hinausgehen wollte, kam auf seine Rechnung. Man gewann den Eindruck, dass die zionistische Organisation in Ussischkin einen hingebuHgsvollen Führer besitzt, der es versteht, seine eigene Begeisterung für seine Ideale auch auf andere zu übertragen. Ob er seinen Zweck, auf den es ihm in Bratislava hauptsächlich ankam, erreicht hat, ist bis zur Stunde unbekannt. Sammlung für Erez Jisroel in Bratislava. Auf Grund eines Beschlusses des Getpeindevorstandes mit Zustimmung Sr.. Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners wurden am שמחת תורה in allen Bethäusem in Bratislava den Armen des Heiligen Landes Spenden gewidmet. In allen Bethäusem hielten Vertrauensmänner des ״Kolel Schorn re Hachomoth“ die Spenden in Evidenz. Dank der Bemühungen dieser Herren ergab die Sammlung ein schönes Resultat, obwohl ein grosser Teil derjenigen, die ihre Spende erst nachträglich an-J melden, noch nicht verzeichnet ist. Bisher sind folgende Beträge eingegangen: Grosser Tempel (Vertrauensmänner: Lazar Kohlmann, Sam. Sternfeld) tschech. K 1539; Jeschiwah (Max Kaltmann) 1052; Gemeinde-Beshamidrasch (Eikau Waldmann, Jos. Salzer) 411; Lewon-Schul (J. Pressburger) 300; Jesode Hathora (Lazar Stern) 487; Brüll- Schul (Pinkas Adler) 300; Machrike Hadas (Salomon Steiner) 158; Ref. Nensch-Schul (Sam. Taub) 307; Agrana-Schul (Jos. Kern) 200; Wödritz-Schul (Rabb. Sal. Unsdorfer) 598; Neuer Tempel, Preissgasse (Rob. Grünwald) 1049; Hochstrasse-Schu{ (Jakob Klein) 1600; Turnergasse-Schul (Mart. Weiner) 1600; Stefaniestrasse-Schul (Markus Weisz) 482; Bethaus-Versorgungshaus (Joel Kornfeld) 550; Femine Derech (Siegm. Adler) 613; Volksküche (Heinr. Ullmann) 166; Minjan Direktor Oesterreicher (Dir. Oesterreicher) 300; Minjan Steiner (Herrn. Steiner) 123; Aguda-Jugendgruppe (Heinr. Kohlmann) 200; Mewaksche Thora (Jos. Weisz) 150; Misrachi (Franz Lieber) 151; Chewra Mischnajos (Rabb. Frenkel) 163; Minjam Grünsfeld (Leop. Grünsfeld) 65. Im ganzen sind bisher zirka tschech. K. 12.500 eingegangen. Allen Spendern: und Vertrauensmännern sei auch auf diesem Wege Dank gesagt. Es sei hier darauf aufmerksam gemacht, dass die Notlage unserer Brüder in Erez Jisroel es dringend erfordert, dass alle Gemeinden dem Bratislavaer Beispiel bald folgen und einender nächsten Sabbate zu Spenden für die עניי ארץ ישראל b esti m men. Verein מרפא לנפש in Bratislava. Am 21. September hielt der seit Jahrzehnten segensreich wirkende Verein ״M arpe Lenefesch“ (Verein zur Verköstigung jüdischer Kranker im Landeskranken־' hause und den anderen Spitälern in Bratislava) im Prunksaale der orth. isr. Kultusgemeinde seine ordentliche Generalversammlung ab. Die Mitglieder bekundeten ihr Interesse für den Verein durch ihr zahlreiches Erscheinen. Unter anderen erschien auch der Präses der Kultusgemeinde, Herr David Kraus. Vereinspräses Herr Siegmund Rosenbaum begrüsst die Erschienenen mit herzliehen Worten und verliest den (nunmehr auch in Druck vorliegenden) Bericht über die Tätigkeit des Vereines vom 14. Mai 1920 bis 30. Juni 1924. Mit grosser Befriedigung wurden die einzelnen Nachweise über die Leistungen des Vereines zur Kenntnis genommen. Aus dem Bericht geht hervor, dass es der anstrengenden und aufopfernden Arbeit der Vereinsleitung gelungen ist, während ihrer Amtsdauer sehr beträchtliche Beträge für die edlen Zwecke des Vereines aufzubringen. Von Mai 1920 bis Dezember 1921 wurden zirka tschech. K 120.000, von Jänner 1922 bis Mai 1923 zirka tschech. K 100.000 und von Juni 1923 bis Juni 1924 zirka tschech. K 50.000 an barem Gelde für die rituelle Verköstigung der unter Obhut des Vereines gestandenen Patienten — 660 an der Zahl — verausgabt. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, dass die Kost genau nach den Anordnungen der Aerzte zubereitet wurde, und dass die Vereinsleitung nicht nur für das körperliche, sondern auch für das seelische Wohlergehen der Kranken nach Möglichkeit gesorgt hat. In dem Bericht wird hervorgehoben, dass der grösste Teil der Patienten von auswärtigen Gemeinden stammt, während die für ihre Verpflegung aufgewandten hohen Beträge fast ausschliesslich von den Mitgliedern unserer orthodoxen Gemeinde herrühren. Da jedoch die Anforderungen, die an den Verein gestellt werden, weit über seine normale Leistungsfähigkeit wachsen, wurde auf Antrag des Vorstandes der Beschluss gefasst, nunmehr auch an die auswärtigen Gemeinden und C h e wroth Kadischoth wegen Gewährung von Jahresbeiträgen heranzutreten. Die Generalversammlung votierte dem abtretenden Vorstand Dank und Anerkennung und wählte ihn mit Akklamation wieder. Dem Gebarungsausweis sind Anerkennungs- und Empfehlungsschreiben vom שבט סופר זצ״ל und להבחל״ם vom gegenwärtigen Oberrabbiner שליט״א beigedruckt. Im Gemeindebureau (Turnergasse 14-16) liegt das Verzeichnis der Beiträge und Spenden zur Einsicht auf. ׳ Der 85. Jahrzeittag des Chasam Sofer זצ״ל♦ Am 25. Tischri wurde der Jahrzeitstag des חתם ספר זצ״ל in Bratislava in üblicher Weise begangen. Seine Ehrwürden Herr Oberrabbiner Schreiber hielt in der Schiurstube einen halachischen Vortrag im סוגיא דחינוך קטן, dem zahlreiche Talmide Chachomim von Bratislava und benachbarten Gemeinden anwohnten. Jüdisches Altersversorgungsheim in Kosicc. Herr Leopold J u r o v i c s, Vorsitzender des Vorbereitungskomitees zur Gründung eines jüdischen Altersversorgung^heimes מושב זקנים in Kosice, sendet uns einen Aufruf, in welchem er erneut auf die Notwendigkeit eines Heimes für jüdische Greise in Kosice aufmerksam macht. Die von ihm geleiteten Vorarbeiten haben weitere Fortschritte zu verzeichnen. Unser Herr Präsident Mas a r y k hat sich mit einer Spende von tsch. K 3000 an die Spitze der Gründer gestellt. Ausserdem haben gespendet: L. Jurovics tschech. K 1000, Heinr. Franck Söhne 200, Samu Jurovics (Berlin) 100, Jurovics Frcs. 100, Sophie Gütlich (Amsterdam) K 300. — In den nächsten Tagen wird eine ausserordentliche Generalversammlung stattfinden, in welcher eine Kommission gewählt werden soll, die dem Initiator zur Seite stehen soll. Spenden sind an die Zentralbank, Kosice, Hauptgasse 21, und eventuell auch an die Administration unserer Zeitung zit senden. Der 28. Oktober in den jüdischen Gemeinden. Der Gründungstag der tschechoslowakischen Republik wurde in allen jüdischen Gemeinden im Rahmen eines Sondergottesdienstes mit Gebeten für das Wohl des Vaterlandes gefeiert. ״Jüdisch“ als Minderheitssprache. Eine prinzipiell wichtige Entscheidung traf jüngst die Gerichtstafel in Kosice. Aus Anlass eines Press- Prozesses, der gegen den Redakteur einer in ״jüdischer״ (Jargon) Sprache erscheinenden Zeitung angestrengt wurde, verlangte der Untersuchungsrichter in Uzhorod die Beibringung einer Uebersetzung der inkriminierteir Stellen aus dem Artikel zu den Anklageakten. Der Anwalt des Klägers verweigerte dies mit der Begründung, die Juden bilden im Sinne des (Gesetzes eine ״nationale Minderheit“ und ״jüdisch“ sei ihre ״Minderheitsspräche“. Der Richter müsse daher diese Sprache selbst verstehen oder doch die Artikel im eigenen Wirkungskreis! durch einen Dolmetsch übersetzen lassen. Die Frage gelangte vor die Gerichtstafel in Kosice. Diese hat nun vor einigen Tagen dahin entschieden, dass ״jüdisch‘4 nicht als Minderheitssprach'e der Juden anzusehen sei. — (Wir halten es für verfehlt, solche Gerichtsentscheidungen unnötigerweise zu p r o v ozieren, solange die sehr komplizierte Frage der jüdisehen ״Minderheitsrechte“ bei uns Juden selbst nicht einheilig geklärt ist. Besser gesinnte und Ihrer Verantwortung bewusste jüdische Kreise sollten der zionistischen Propaganda nicht auf den Leim gehen und es vermeiden, sich auf angebliche ״Rechte“ zu berufen, von denen es noch nicht feststeht, ob diese aussefr den ganz offensichtlichen Nachteilen überhaupt auch irgendwelche Vorteile für das Judentum enthalten. Wir warnen dringendst vor dem Unfug, den unsere hypernationalistischen Turn- und Tanzjuden von Prag mit der Phrase von der ״nationalen Minderheit“ treiben. Die Opfer würden nicht diese Herren in Prag, sondern w i r, die auch im praktischen Leben mit dem Schicksal des Judentums unlösbar verknüpften Juden, sein. Wir sagen nochmals: Vorsicht, bevor es zu spät ist! — Die Red.) Schomre Schabbos-Stellenvermittlung des L. V. der A. J. Jugendgruppen in der Slowakei. BRATISLAVA, Turnergasse 14—16. Aus technischen Schwierigkeiten entfällt in der dieswöchentlichen Nummer das Verzeichnis der Stellenvermittlung. Ben neuesten Wnnderscheitel trägt jede vornehme orthodoxe Dame. Alleinerzeuger ist der Spezialist für individuelle Brantfrlenren aus allerteinstem dauergewellten Naturhaar Carl Polak Damenfriseur Wien, IV., Schleifmühlgasse 3 Telephon: 57-7-78 Lieferungen von Perücken, Transformstlonen etc. prompt und billigst für In-und Ausland en groe n. en detail. Bei Bestellungen von auswärts erbitte genaues Haarmuster und Angabe des Masses von einem Ohr zum anderen. Zur Besichtigung der neuesten Modelle werden die p. t. Damen höfl. eingeiaden. Beaohton Sie gefälligst Hauannmme <• 3 »