Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 44 (31.10.1924)
- Date
- 1924-10-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JBIBCHE PRESSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration! Wien, 11., Malzgasse 12 a. - Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. ־- Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise 1 Oanzjährig: Für Oesterreich K 80.000, Deutschland Goldmark 8, Polen Zloty 8, Tschecho-Slowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar 2, Italien Lire 26, England Shilling 7, Rumänien Lei 300, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100.000. Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Oesterreich! Posts Nr. 13.458; für Polen: Postsparka Nr, 190.409; für Ungarn: Postspar) Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: 40.217; f.Rnmänien: Banca Marmari 81 Co, Bukarest; für die Schweiz: Po parka8senam(Wien, Konto ssenamt Warschau, Konto tasBenamt Budapest, Konto : Postsparkassenamt Prag, Postsp.-Amt Agram ,Ko. N »sch Blanc ft Co für Florenz stscheckk. Luzern VII. 1470. Mp. 44 | Wien-Bratislava, 31. Oktober 19x4 ב*ה ויענה־פחןססבורג ג* חשק ודפ׳ד״ 10■ Julii*{!■ Oie Autorität des Rabbiners. ln Oradea Mare (Grosswardein), einer der berühmtesten und angesehensten orthodoxen Gemeinden Transsylvaniens, wo einst Rabbi Mosche Fuchs als Rabbiner und S. UUoiann als Gemeindevor- Steher gewirkt haben, ist ein!Konflikt ,zwischen Rabbiner und Gerne in d»e׳vorstand ausgebrochen. Rabbiner Benjamin Fuchs ist ׳der Sohn und Nachfolger von Rabbi Mosche Her sch Fuchs s. A. und hält die Tradition seines Vaters in Ehren. Der Geist, der in der Kahalstu'be herrscht, scheint aber anders geworden zu sein. Seitdem die Majorität des Vorstandes aus Anhängern von Misraehi 'besteht, seit dem der Gemeindepräses ein prononcierter Zionistenführer ist, wich der Friede aus dieser heiligen Gemeinde. Es sind die Zustände in Oradea Mare so weit gekommen, dass der Vorstand dem Rabbiner und dein ganzen Beth-Oin offiziell erklärt hat, dass er (der Vorstand) der Vorladung des Betb-Din, in einem Streitfälle der Gemeinde mit einem Gemieindeangestellten, nicht Folge leisten kann, weil die Mitglieder des Rabbinates in einem Streitfälle eines Gemeindeangestellten — im konkreten Falle mit dem Diener der Miik/woh — als!Beamtenkollegen nicht unparteiisch sein können. Diese offizielle Kundgebung des Gemeindevorstandes und ähnliche Vorkommnisse in der jüngsten Zeit innerhalb der Gemeinde haben eine Gruppe von Mitgliedern, denen die Aufreohterhaltung des guten-Rufes und״ der allen Tradition der Kehilla am Herzen liegt, veranlasst, ein Zirkular an alle orthodoxen Rabbiner Transsylvaniens zu versenden und die Stellungnahme der bedeutendsten Rabbiner des Landes >z׳u erbitten. Es sind fast von sämtlichen Rabbinern Transsylvaniens Vertrauenskundgebungen an Oberrabbiner Fuchs in Oradea Mare gekommen, die ihn anspornen, seinen * 1Standpunkt zu ׳wahren und die Autorität des Rabbiners mutig zu verteidigen. Es ist nicht unsere Sache, ׳uns in einen lokalen Streit einer Gemeinde einzumengen, es ist nicht unsere Absicht, unsere ablehnende Stellung Misraehi gegenüber durch JB₪₪m₪B₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪H₪K₪₪k An die orthodoxe Wählerschaft Wiens. Montag 5. M a r ch e s c 11 w a n (3. Noveniher 1924), 7 Uhr abends, findet irn Hotel Continental, II., Taborstra!sse 4, eine Kultuswählerversammlung statt. In derselben werden die bisherigen Vertreter der Orthodoxie im Kultusvorstamle und die Kandidaten sprechen. Zahlreiches Erscheinen der Gesinnungsgenossen geboten. den Umstand zu bekräftigen, dass die derzeitige Gemeindeleitung in Oradea Mare aus Anhängern dieser Organisation!besteht. Die Autorität des Rabbiners ist ein so wichtiges Gut der »thoratreuen Judenheit, ist ein so hervorstechendes Merkmal der jüdischen Gemeinde, dass zu ihrem Schutz und Schirm, über alle Lokal- und Parteünterestsen, alle thoratreuen Juden sich zusammenschliessen sollten. Das Judentum kennt wohl ein Dogma der Uefehlbarkeit. nicht. Der Streit der Ansichten hat im jüdisehen Lehrgebäude freien Raum und soweit eine Anschauung mit dem ׳Wort «der T׳hora und mit dem Geist der Tradition vereinbar ist, hat sie in der jüdischen Gemeinde Anspruch auf Gelbr11|. Trotz dieser Freiheu — oder gerade infolge *ÄserFreiheit — bat die Würde eines More d‘assro, eines Gemeindeober־ 1hauptes Oder, wie wir es 11'eue sagen würden, die Autorität des Rabbiners sehr frühzeitig eine gesetzliehe Sicherung erfahren. Die »Entscheidung des Gemeindeoberhauptes «war massgebend, das Wort des Rabbiners autoritativ. Der 'religiöse Charakter einer jüdischen Gemeinde kann zuverlässig an dem Grad- ■rnesser der rabbimsclien Autorität bestimmt »werden, ln einer Gemeinde, wo der Rabbiner nicht mehr die lefcztentscheidende »Autorität ist, sind dem religiösen Verfall Tor und Tür geöffnet. Nicht so sehr die Statuten einer Gemeinde, nicht so sehr die gerade in einen! Zeitpunkt herrschende Richtung ist bei der Beurteilung einer jüdischen Gemeinschaft massgebend, sondern einzig und allein das Ansehen, das das Wort des Rabbiners dort geniesst. Auf Grund dieses Stand- Punktes hat Agudas Jisroel für sich als wesentlich und grundlegend betrachtet, die Autorität der Gemeinderabbiner zu heben, zumindest diese Autorität nie zu untergraben, nie zu zerstören. Es wird ja ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Aguda, die Schilderung der Selbstbeschränkung und Zurückhaltung sein, die sie sich oft unter Beemträchtigung des momentanen Erfolges nur ׳deshalb auferlegt hat, um die Autorität des Rabbiners in seiner Gemeinde nicht zu schädigen. Man hat sich nie gesagt, dass die Autorität der Rabbiner nur in den engeren Bezirken der Gesetzes- Übung zu gelten habe, aber auf den Gebieten der politisehen iffcd sozialen Betätigung könne doch ihr Wort, da sie auf diesen Gebieten Laien wären, nicht gelten. Diese Anschauung trägt schon einer modernen Richtung Rechnung, die das jüdische Leben schön gegliedert a׳uf verschiedene Gebiete aufteilt. Hie ßeth Hamidrasch, hie das grosse jüdische öffentliche Leben, das sich nicht ■mehr vom Geiste ׳des Beth Hamidrasch meistern lässt. Es ist selbstverständlich, dass eine derartige Anschauung die Autorität des 'Rabbiners untergraben muss. Es ist daher Aufgabe der Aguda und Pflicht der Agudisten im Schutze def religiösen Gemeinde, die jetzt von den verschiedensteil Seiten angegriffen und bedroht wird, dafür einzutreten, dass die gesamte Funktion einer jüdischen Gemeinde, alle Betätigungen des öffentlichen jüdisehen Lebens in denselben, unter den! Gesichtspunkte des Religionsgesetzes und der Tradition sich vollziehen. Soiziiale Tätigkeit, Arbeit für Erez Jisroel, politisohe Stellungnahme kann und soll auf Grundlage der jüdischen Tradition vorgenommen werden. Die Schmälerung der Autorität des Rabbiners, die Einschränkung seiner Geltung, die Befreiung einzelner Gebiete des jüdischen Lebens von seiner Jurisdiktion Der Traum des Rabbi. (Fortsetzung.) Der Oberrabbiner, der mit Spannung den Mit• teilungen »des Vorstehers folgte, konnte sich »doch nicht enthalten, die Frage dazwischen zu »werfen: ,.Si ■ht sie in der *Fat meiner Leah so ähnlich?“ ״Ja, verblüffend ähnlich, obwohl Bella blond ist.“ ״N׳un, — meinte lächelnd »der Oberraibbiner — auf die Farbennuancen kommt es nicht an. Es handeit sich auch schliesslich weniger darum, dass Jose durch Bella an Leah erinnert wurde, als darum, dass er dank ihr allmählich an Leah — vergass.“ ״Ja, ja . , . Ihr habt, verehrter Rabbi, das richtige Wort gefunden. Mit Freude »konnte ich in der Tat bald wahrnehmen, d׳a!ss Jose, je öfter er von Bella sprach, um so weniger ihrer Aenlichkeit mit Leah gedachte, und ich war nicht mehr überrascht, als!mein, Sohn eines Tages mich bat, ich ׳möge, vorausgesetzt dass ich seine Wahl billige, um die Hand »Bellas für ihn anhalten. Ihr könnt Euch denken, Raibbi, dass ich gerne unverzüglich midi dieser Mission unterzogen hätte. Aber ich hielt es für angezeigt, um Jose nicht unvorbereitet einer eventuellen Enttäuschung a׳us־zusetzen, ihm zu bemerken, es sei doch immerhin möglich, dass seine Bewerbung zurückgewiesen ׳würde. Wird das Mädchen ja sagen? Wird der Grossvater, der Bella, die, früh verwaist, als kleines Kind in sein Haus kam und die er überaus liebt, sich entschbessen, sie in die Fremde;ziehen zu lassen? Ich sah Jose erbleichen, als ich »ihm diese Möglichkeiten vorhielt. A»ber »dann meinte er, eine innere Stimme sage ihm, daiss Bella ihm geneigt sei, ich möge nur mit ihrem Grossvater sprechen, um seine Einwilligung zu erbitten. Ich versprach dies, aber ich muss gestehen, mein •Herz war nicht frei von 1bangen Gefühlen . . . Der Zustand meiner Augen bannte mich noch ans Zimmer, aber Bellas Grossvater »erblickte in dem Krankenbesuch eine fromme Pflicht und so fügte es sich glücklich, dass ich noch an demselben Tage Gelegenheit fand, ihm die «Bitte meines Jose vorzulegen. Der edle Greis hörte mich freundlich an, verhehlte wohl nicht seine Heberraschung, sagte aber dann in seiner milden Weise: ״Es haben sich schon mehrere Bewerber um Bella, die jetzt 17 Jahre alt ist, bei mir eingefunden, Söhne der vonehmsten und reichsten Familien. ׳Bella wies alle Anträge ab und ich vermied es grundsätzlieh, ihr auch nur mit einem Worte zuzureden. Ich kenne jetzt Ihren Jose, ich schätze ihn und ,könnte mir keinen würdigeren Gatten für meine geliebte Enkelin ׳wünschen. Es wäre daher, nach meinem Sinne, sünd- Haft, wenn ich aus selbstischen »Motiven gegen ׳ihn spreche, falls •Bella gewillt wäre, ihm als Gattin zu folgen. Ich werde Bella fragen, ln ihre Hand lege ich die Entscheidung, denn ich weiss, Gott ist es, »der ihren Willen, ihr Herz lenken wird. Die Ehen werden im Himmel geschlossen.“ Mit diesen Worten verliess mich Bellas Grossvater und wahrlich, mir schien es später, als ob er mit prophetischem Geist gesprochen hätte, denn — »denket «Euch, Rabbi, das Glück — am nächsten Tage war Jose der erklärte Bräutigam Bellas und so Gott will, wird er sie in zwei Monaten als Gattin heimführeii.“ ״Masoltanw!“ rief der überrabiner und drückte dem Vorsteher herzlich die Hand. Dann aber sagte er rasch: ״Nun, «mein »Freund, nur noch eine Frage, die mir am Herzen liegt seit Eurer Heimkehr. Wie geht es unserem Perez? Wie habt Ihr ihn verlassen?“ ״Ach, «Rabbi, haltet es der egoistischen Red- Seligkeit des Vaters zugute, dass ich Euch so lange von meinem Jose sprach und nicht schon »Eurer Frage zuvorkam. Wie es Perez geht? Rabbi, Ihr würdet ihn nicht erkennen. Nie hätte ich geahnt, dass ein Mensch innerhalb verhältnismässig so kurzer Zeit äusse-rlich einer solchen Veränderung fähig sei. Der seelisch gedrückte und fast körperlich gebrochene Perez, den ich nach Frankreich brachte, erweckt heute, wo immer mau ihn sieht, durch seine ho'heitsvolle Erscheinung allein geradezu Ehrfurcht. Geistig ׳brauchte er ׳wohl k׳e»iner »Erholung, denn ich wende nie vergessen, mit welchen Ausdrücken «der »Bewunderung ׳der Obe rr abbin er mir schon zwei Tage, nachdem ich Perez ihn vorgestellt hatte, von ihm sprach. Er hätte, sagte er mir, es nie für mög- Bevor Sie eine Perücke kaufen, versBumen Sie es nicht Wiens GRÖSSTE internationale KUNSTWERKSTÄTTE und BILLIGSTE EINKAUFSQUELLE für PERÜCKEN, SCHEITEL U. TRANSFORMATIONEN d.s OTHHAR SCHIFF, WIEN, L, KÄRNTNERRING Nr. 6 Um auVsuflich•■( I Liefert seit mehr eis anderthalb Jahrzehnten den vornehmsten orthodoxen Damen aller Länder Perücken. Speziellst In Brautscheiteln. Die Herstellung einer Jeden einzelnen Perücke erfolgt aus GARANTIERT DAUEROEWELLTEM NATURHAAR, In• dividuell dem Gesichte »gepasst. EN GROS. 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