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Jüdische Presse · 1924-10-10 · 41-42 (10.10.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
41-42 (10.10.1924)
Date
1924-10-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. k ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. jüdische nm Redaktion und Administration־ Wien, II., Malzgasse 12a. - Telephon 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. - Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreiset Ganzjährig: Für Oesterreich K80.000, Deutschland Goldmark 8, Polen Zloty 8, Tschechoslowakei K«. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar 8, Italien Lire 85, England Shilling 7, Rumänien Lei 300, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100.000. Einzelnummer 58t. K 8.000. Zahlungen für Oesterreich t Post* Nr. 13.458: fflr Polen: Postsparka Nr. 190.40&: für Ungarn: Postspari Nr. 50.170: fflr Tschecho-Slowakei Konto Nr. 53.386; fflr Jugoslawien: 40.217: f.Rnmflnlen: Banca Marman 8t Co, Bukarest; für die Schweiz: Po parkassenamtWien, Konto ssenamt Warschau, Konto tassenauit Budapest, Konto : Postsparkassenamt Prag, Postsp.-Amt Agram,Ko. N. >sch Blanc 8t Co fflr Florenz itseheckk. Luzern VII. 1470. Np. 41/42 | Wien-Bratislava, 10. Oktober 1924 ,ביה ויענה־פרעםםבומ י־ב תשרי תיפ׳ה IO. Jahrg» סוכות ,.In Hütten sollt ihr wohnen sieben Tage, damit eure kommenden Geschlechter es wissen, dass ich in Hütten wohnen Hess die Kinder Israels, als ich sie herausführte aus dfem Lande Mizraim.“ Diese Feiertage!sind das Fest der eingebrachten Ernte im Agrar- Staat, der das jüdische Land war, d׳as höchste Freudeutest. Sie sind aber auch eine Erinnerung an den Auszug aus Aegypten, aus der schwersten Sklaverei zur absoluten geistigen Freiheit und leiblichen Unabhängigkeit. Die Hütten, in denen wir gehaust, sie sind das Zeichen der ewigen Leitung und des immerwährenden Schutzes, den G-tt seinem V-olke angedeihen lässt, von dem Tage an, da unser 1Urvater Awrohom den einig-einzigen G-tt erkannte und sich •und! seine Nachkommen für ewige Zeiten dem Dienste ' G-tfes widmete. Und dieser Dienst des Ewigen, die Uebung seiner Gebote, die Erfüllung seiner Vorschriften über das Verhältnis des Juden zu G-tt und: seinen Mitmenschen, hat ,uns durch die Jahrtausende der Verfolgung erhalten, hat uns davor bewahrt, gleich den grossen Völkern des Altertums unterzugehen. Die Uebung der jüdischen Religion, hat :uns die Kraft gegeben, unsere Eigenart zu erhalten •umt unsere Zahl nicht vermindert zu sehen, trotz Scheiterhaufen und Pogrom, trotz Not und Entbehrung. Der Strauss der Erez-Jisroel-Bflanzen, Arbah Minim, lehrt uns, dass nur die Zusammenfassung aller Juden, der Frommen und! Gelehrten, der ungelehrten Frommen und der Schwankenden — sie alle zusammen bilden die Gesamtheit, bilden das Widerstandsfähige g-ttgefällige Judentum. Dies allerdings mit einer Ausnahme: ״Fürwahr, Deine Hasser, o G-tt, hasse ich, Deine Gegner bekämpfe ich“. Doch ״Zweck Hass“ ist mein Hass; kein persönliches Moment mischt sich in diese Gegnerschaft. — Wer aber mein Ideal, meinen Glauben an G-tt und seine Lehre mir und besonders meinen Kindern, der Zukunft Jisroels, rauben will, den muss ich!bekämpfen — mit den schärfsten Waffen bekämpfen.!Dieser Kampf kann aber seitens der Orthodoxie nur mdt reinlichen Waffen ausgefochten werden — Lüge, Verleumdung sind Waffen, die dem Juden verboten sind. Auch bei diesem Kampfe denkt der fromme Jude daran, dass es sein Bruder ist, den er bekämpfen muss, der! aber mit einem Gedanken der Busse, der Einkehr sein vollwertiger Bruder wird. «Am Schlüsse des Thoraabschnittes, der dem Feste geweiht ist, heisst es: ״Du sollst nur freudig bewegt sein“. — Wenn die Judtenbeit, nachdem sie an den heiligen Tagen Einkehr gehalten,4 sich von den Schlacken des Vergangenen gepeinigt und eine Woche hindurch sich zu wahrer G-ttesfreude emporge- Schwüngen hat, können wir wahrlich nur freudig igestimmt sein. Dann ist die echte Religiosität gefestigt und die Erhaltung dfer Judenheit für eine Generation gesichert. W. P. Zu den Koltusgetüeindewahlen. Die Wahl des neues Vorstandes der israelitisehen Kultusgemeinde findet am 9. November statt. Der abtretende Vorstand wurde im Juni 1920 gewählt, so dass seine Arbeitsperiode über vier Jahre währte. Während der ersten zwei Jahre seiner Tätigkeit wurde die Zeit mit ziemlich unnützen Debatten und Streitigkeiten vergeudet und diese Periode gehört wohl zu den traurigsten Zeiten in der Geschichte der Kultusgemeinde, •die damals vor dem finanziellen Zusammen- •brach stand. Der Vorstand war daheT gezwungen, energische finanzielle Massnahmen zu ergreifen,' die die glückliche Sanierung der Finanzen der Kultusgemeinde bewirkte. Der finanziellen Sanierung folgte auch däe erhöhte Arbeitsfreude aller Parteien, die befreit von der Sorge des drohenden Zusammenbruches, nun den Notwendigkeiten der Kultusgemeinde mehr Verständnis entgegenbrachten. Die orthodoxe Gruppe im Vorstande hat wohl ihre wesentlichen Forderungen nicht durchsetzen!können, aber soviel wurde doch erreicht, dass man für die Bedürfnisse der Orthodoxie mehr Verständnis in der Seitenstettengasse heute hat, als je zuvor. Der Umstand', dass die drei im gegenwärtigen Vorstande’ sich befinden Gruppen durch gemeinsame erfolgreiche!Arbeit und!durch gegenseitige Rücksichtnähme einander nähergetreten sind, sowie die allgemeine wirtschaftliche Lage, durch welche die Judenschaft besonders hart getroffen ist, Hessen in allen Lagern den Gedanken aufkommen, sich bezüglich der Wahlen zu einigen; um so den hässlichen Kampf, der sich vor vier Jahren zum ׳Entsetzen der besser denkenden Judenschaft und •zum Gaudium der Judenfeinde abspielte, zu vermeiden. Man würde heute es auch kaum verstehen, wenn die Riesensummen,!die ein solcher Kampf Aller gegen! Alle kosten müsste, vergeudet werden, würden. Nach hingen ’Beratungen haben die Führer 4er drei Parteien, aus denen sich! der jetzige Kultus- Vorstand zusammensetzt, ein Kompromiss geschlossen. Sie treten auf Grundlage ihrer jetzigen Stärke mit einer gemeinsamen Liste m die Wahl ein. Ausser dieser Gruppe treten noch andere drei Parteien, und zwar Misrachi, Achdus und die neugegründete Wirtschaftspartei in den Wahlkampf ein. Vom Standpunkte der Orthodoxie betrachtet, ist diese Wendung der Dinge sehr bedauerlich. Die Zersplitterung der Orthodoxie tritt bei dieser Gruppierung der Parteien in geradezu erschreckender Weise zutage. Man würde annehmen, dass in der Wiener Kultusgemeinde, wo für die primitivsten For- Der Traum des Rabbi. (Fortsetzung.) ״Und die Flucht? Haben Sie an die nicht gedacht?“ ״Man würde mich suchen und — finden. Ein Fluchtversuch kann mir nicht helfen.“ ״Ach — seufzte der Rabbiner — ich •vüsste, wie Ihre -Flucht zu bewerkstelligen wäre; ich besorge auch weniger, dass man Euer habhaft •wird, ich fürchte nur eines: das Entstehen des Verdachtes, wenn die Häscher Sie suchen.“ Als Perez verwundere auf blickte, teilte ihm der Oberrabbiiier die Idee mit, •auf -die er durch die Reise des Vorstehers nach Frankreich gekommen war. ״Sie würden gewiss — schloss er — unter seinem Schutze, verkleidet als . . . als sein Sekretär, als sein Diener ungefährdet aus dem Lande kommen. Aber wenn man Sie sucht, dann .. .“ Perez unterbrach den Cberribb’rei: ״Verzeiht Rabbi . . das Mittel, dass man mein Verschwinden am liebsten iatschwetge . . . dass man mich nicht suchen würde ... das Mittel kenne ich!“ ״Wie — sagte der Oberrabbiner erstaunt — höre ich recht? Ein hochangesehener, «berühmter Geistlicher flüchtet sich und das soll unbemerkt, ünbeachtet, unbesprochen bleiben? Ihre Flucht könnte verschwiegen werden? Ist das denkbar?“ ״Verzeiht, Rabbi, ich habe mich schlecht ausgedrückt. Kann ich auch trotz meiner Eregung noch rasch einen Gedanken fassen, das Wort hinkt nur unbeholfen dem Gedanken nach . . . Gewiss . . . ich darf nicht den Anschein der Flucht erwecken, man darf auch nicht die Möglichkeit annehmen, dass ich je wiedei erscheinen könnte . . . sonst bin ich verloren. Man muss glauben, dass ich für immer fort bin, dass ich nicht mehr unter den Lebenden weile.“ ״Aber wie können Sie diesen Anschein erwecken?“ ״Man muss glauben, dass ich einen Selbstmord begangen habe!“ ״Um des Himmels willen, Sie hegen doch nicht eine so furchtbare, sündige Absicht?“ ״Nein, 0 nein! . . . Aber ich denke, es wird mir ein leichtes sein, in einem Abschiedsbriefe, der zunächst in die Hände des Bischofs gelangen wird, . . . ohne zu lügen . . . solche Wendungen zu gebrauchen, die den Leser!zu dieser Ueberzeugung briiigen muss.“ Der Oberrabbiner schüttelte bedenklich den Kopf, dann meinte er: ״Sie kennen besser die Verhältnisse als ich. Aber ich kann die •Frage nicht unterdrücken: Wie soll die Annahme des Selbstmordes weniger Aufsehen als die Kunde von der Flucht erregen? «Wird man den Ursachen, den Gründen, die einen hervorragenden Priester zum Selbstmord führten, mit geringerem ufld nicht viel mehr mit erhöhtem Eifer nachforschen?“ Perez antwortete mit ruhigem ׳Ernst: ״Jch erwartete diese Frage, aber . . . verzeiht Rabbi . . . alles möchte ich nicht sagen. Ich müsste sonst ein Geheimnis berühren, das nicht mein Geheimiris allein ist, und ich will auch in dem Momente, in dem ich ganz und für immer mit meiner Vergangenheit breche, das Vertrauen nicht missbrauchen, das mir geschenkt wurde ... Ich bitte Euch, Rabbi, lasst Euch an dieseT Antwort genügen. Aber ich weiss es bestimmt: Der entflohene Priester Jeronimo würde gesucht und gefunden werden, und wenn er sich wo immer versteckte, aber von dem Toten, Bevor Sie eine Perücke kaufen, versäumen Sie es nicht Wiens GRÖSSTE internatlonsls KUNSTWERKSTATTE und BILLIGSTE EINKAUFSQUELLE für PERÜCKEN, SCHEITEL U. TRANSFORMATIONEN d» OTHMAR SCHIFF, WIEN, I., KXRNTNERRING Nr. 6 (GEGENÜBER DEM HOTEL ״BRISTOL“) 8s TELEPHON-NUMMER 51 - 3 - G2 81 aufzusuch•* I Liefert seit mehr als anderthalb «Jahrzehnten den vornehmsten orthodoxen Damen aller Linder Perücken. Speziellst In Brautscheiteln. 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