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Jüdische Presse · 1924-09-12 · 37 (12.9.1924) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
37 (12.9.1924)
Date
1924-09-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 252 JÜDISCHE PR ESSE Nr. 37 TSOHBOHO-SLOWAKEL «MNfe ^.Oaw;vA׳ Der Pressburger Oberrabbiner uud die Zionisten. Die Zionisten sind auf «inen ganz neuen Trick gefaillen. Sie führen ihre Gegner ins Treffen — für sich! Wie isde dies Kunststück fertigbrfngen, soll heute an einem typischen Beispiel gezeigt *werden. Sr. E'hriw. Herr Oberralbbiner Akiba Schreiber ist dm ganzen Lande als ausgesprochener Gegner der gionistischen Bestrebungen bekannt. Seiner entschieden ablehnenden Ansicht hat er unzähligemal Ausdruck gegeben und niemals eine Silbe gesprochen, aus der man hätte auf eine Gestonungsänderung schliessen dürfen. Er benützt jede Gelegenheit, um die Mitglieder seiner Gemeinde und die gesamte Judertheit vor der verheerenden Wirkung des Zionismus auf die Gestaltung der religiösen, kulturellen und politischen Verhältnisse im Judentum auf das Nachdrücklichste zu warnen. ׳Er weiss sich in dieser Haltung eines Sinnes nicht nur mit der Gesamtheit der orthodoxen ׳Rabbiner u n s er e s L a n d e s, sondern auch mit fast allen anerkannten Führern des g e s e t z e s t r e u e n Judentums überhaupt. Freilich ist Oberrabbiner Schreiber seiner ganzen Wesensart nach nicht der Mann, der den Kampf mit den inneren Feinden des Judentums sucht. Er ׳belehrt sein Gemeinde ■und seine Schüler über den richtigen Weg, den der Jude im Sinne der Thora in allen Lebens- Jagen und in allen Lebensbetätigungen zu gehen hat. Mit den Gegner setzt er sich nur auseinander, wenn der Kampf ,unausweichlich wird. Dann allerdings vertritt er den Standpunkt der Thora und der Tradition ohne Rücksicht, und die Zionisten wissen, dass sie in gegebenem Falle von ihm ebensowenig wie von den anderen orthoidoxen Führern *weder Konzessionen für den Geist des Abfalles noch irgendwelche Kompromisse erwarten dürfen. Was tun nun aber ׳unsere lieben Zionisten? Der Berichterstatter einer New Yorker zionistischen Zeitung (״Der Tog“) sucht eines Tages Sne. Ehrwürden auf, und befragt ihn über Manches, (das ihn Interessiert. Herr Oberrabbiner Schreiber macht aus seiner orthodoxen, also antizionistischen Ansicht kein Hehl und verschweigt auch nicht, dass die Orthodoxie keine Veranlassung gegenüber habe, ihre Stellungnahme gegenüber dem Zionismus zu ändern, trotzdem nicht geleugnet werden könne, dass die Zionisten propagandistisch auch in unserem Lande manche Erfolge zu verzeichnen haben. Diese Erfolge erklärt er dem Berichterstatter gegenüber nicht als Ausfluss der zionistischen, grundlegenden 1׳ d e e, sondern als sehr verständliche und natürliche Wirkung der zionistfisehen Agitatlon-s mittel. Bälle, Turnfeste und unjüdische Lebensführung üben auf die Jugend natürlicherweise eine grössere Anziehungskraft aus, als die Lehren, die wi׳r Ihr erteilen. Wir bieten ihr die Lehren der Thora und stellen die strengsten Anforderungen an ihre Widerstandsfähigkeit gegen die lockenden Genüsse und die Auswüchse des modernen gesellschaitliehen Lebens in Kleidung und Führung, wenn sie des Namens ״Jude“ sich würdig erweisen wolle, während die zionistische Propaganda der männlichen und weiblichen Jugend Gelegenheit ,und jedenfalls freie Bahn gewährt, unter jüdischem Namen in jeder Beziehung lunjüdisch zu sein und zu bleiben. Ausserdem finden politisch obdachlose Kreise nuter den Juden durch die nationalistische Propaganda des Zionismus eine Möglichkeit, sich politisch zu betätigen, ohne praktisch Juden zu sein und den Geist des Judentums zur Richtschnur ihrer politischen Betätigung zu nehmen. Das orthodoxe Judentum hingegen ist von jeher bestrebt, sich ln politischen Dingen äus׳serste Mässigung und die grösste Reserve aufzuerlegen. Unser Lebensziel liegt nicht auf der politischen Linie und besteht darin, die Thora zu erfassen und ln ihrem Sinne frei und ungehindert zu leben. Wir verlangen im Staate für!uns nicht mehr, aber auch nicht weniger, als auf Grund der Gleichberechtigung mit den anderen Staatsbürgern in unbedingter Treue zum Staate, gemäss den religiösen Anforderungen des Judentums leben und wirken zu können.. Wir wissen, dass die Zionisten von anderem als dem religiösen Geist des Judentums beseelt sind und sehen ׳mit tiefem Schmerze, dass sie sich trotzdem anschicken, für sich eine politische Stellung zu erringen, die es nicht ausschliesst, dass sie eines Tage mit einem Scheine von Berechtigung und Beglaubigung ihre entgegengesetzte Gesinnung als politisches Credo der Juden unseres Landes ausgeben. Das zu verhindern, ist die selbstverständliche Aufgäbe der politischen Sachwalter der orthodoxen Juden. Sie müssen das tun, um ein grosses Unglück, um die Gefährdüng unserer heiligsten Interessen, zu verhüten. Und das wird ihnen auch mit Gottes Hilfe gelingen, wenn alle zielbewussten Juden des Landes über die Tragweite Ihrer Abstimmung bei Wahlen und sonst ausreichend aufgeklärt werden. Um aber diese aufklärende, abwehrende Arbeit leisten zu können, ist das orthodoxe Judentum ganz gegen seine eigenen Intentionen und sogar gegen seine praktischen Lebensid&ale gezwungen, im engsten Sinne des Wortes genötigt, den Spuren der Zionisten zu folgen und sich ebenfalls ־ zu organisieren-und -4n--d£e— politische Kampfarena *einzutreten, also nicht um den Zionisten etwa — Gott behüte — Gefolgschaft zu leisten, sondern um ihnen wirksam entgegenzut r p t e n. Es muss selbstredend danach gestrebt werden, dass diese durch die Haltung der Zionisten offenbar unvermekflich gewordene Auseinandersetzung in den denkbar konziliantesten Formen vonstatten geht und jeder Chällul Haschern unter allen Umständen vermieden wird. Die einfachen Gedanken hat der Herr Oberrabbiner vor dem Berichterstatter in klaren Worten auselnanergesetzt. Dieser hat aber daraus im ״T 0 g“ vom 29. Juli einen Artikel gemacht, der den Eindruck erweckt, als ob Herr Oberrabbiner Schreiber von der Aktivität der slowakischen Zionisten und ihren Leistungen auf gesellschaffclichem und kulturellem Gebiet so ergriffen wäre, dass er es für empfehlenswert!hält, die Segel zu streichen und die Orthodoxie der Führung der Zionisten zu überlassen. Der Korrespondent rühmt die Klugheit und die Einsicht des ׳Herrn Oberrabbiners für diesen erdichteten ״Gang nach Kanossa“ (nämlich zu den Zionisten!) und prophezeit, dass bald auch die ׳anderen Führer d!er Orthodoxie seinem Beispiele folgen würden. * Für Amerika mochte diese Umdeutung der Worte des Herrn Oberrabbiners noch glaubhaft erscheinen. Hier daheim wolte man aus diesem Interview noch besseres Kapital für die zionistische Propaganda schlagen und es kam dabei eine Notiz im ״B. Z. am A b e n d“ heraus, die unseren Lesern nicht vorenthalten werden soll. Die genannte Zeitung die, wie wir bereits wiederholt nachgewiesen haben, für jeden zionistischen Widersinn ihre Spalten öffnet, tischt ihren Lesern 1in ihrer Ausgäbe vom 4. September folgende Mitteilung ׳auf: Oberrabbiner Akiba Schreiber über die Zionisten. Bratislava, 1. September. Ein Mitarbeiter der in New York erscheinenden Zeitung ״Der Tag“ suchte den hiesigen Oberrabbiner Akiba Schreiber auf, um ihn über den Zionismus in unserer Republik zu befragen. Oberrabbiner Schreiber sagte: ״Ich bin ganz anderer Gesinnung wie die Zionisten. Ich anerkenne jedoch, dass die Zionisten das einzig ׳aktive jüdische Element der Republik sind. Sie verfügen über eine mächtige und begehrte jüdische Jugend — sagte der Rabbiner — und während wir nichts anderes machen, als gegen die dekolletierten Kleider und gegen das Rasieren der Jugend in Wort und!Schrift zu kämpfen, entfalten diese durch ihre Turnvereine und Hebräisierung, ernste Aktionen. Wir können natürlich ׳in geistiger Arbeit nicht zurückbleiben, so dass wir die orthodoxe Jugend zum intensiveren Studium der hebräischen Wissenschaften anspornen müssen.“ Das hat Herr Oberrabbiner Schreiber natürlich niemals gesagt und das steht noch nicht einmal im ״Tag“. Dies kennzeichnet die zionistische Agbalio 1 in unseren Lande am deutlichsten. Der .B. Z. am Abend“ veröffentlichte* darauf in seiner Nummer vom 4. September folgendes Dementi: — ״Oberrabbiner Schreiber über die Zionisten.“ Der in Ihrer gesch. Zeitung vom 4. September unter dem Titel ״Oberrabbiner Akiba Schreiber über die Zionisten“, veröffentlichte Auszug aus meiner Unterredung mit einem Korrespondenten des New Yorker ״Tog“ über orthodoxes Judentum und Zionismus in unserem Lande, •enthält eine entstellte Wiedergabe meiner Aeusseritngen. Schon der im ״Tag“ abgedruckte Wortlaut entspricht in wesentlichen Teilen und besonders in seiner Tendenz, keineswegs meinen Ansichten ׳und meinen Aeusserungen. Die hier verbreitete Notiz weicht aber auch vom Original des ״Tog“ sehr ab. Meine Setliungnahme gegenüber den zionistischen Bestrebungen ist hinlänglich bekannt; sie hat sich ebenso, wie die des überwiegenden Teiles aller religiösen Autoritäten des Judentums, durchaus nicht geändert. Oberrabbiner Akiba Schreibe r.“ ׳Für die Zukunft empfehlen wir den zionistischen Journalisten, sich ein klein wenig Objektivität anzugewöhnen, oder bei ihren Erdichtungen sich wenigstens ln den Grenzen des — Glaubwürdigen zu ׳halten. Das ״hebräische" Gymnasium In Munkacs. 1 Am 17. August hatten die Zionisten ihren grossen! Tag in Munkacs, das gesamte glaubenstreue Judentum hingegen einen — Trauertag. An diesem Tage wurde der Grundstein zum zionistischen Gymnasium niedergelegt und, wie dies nun einmal üblich ist, dieser Anlass mit grossen, hochtrabenden Reden, Bankett und —Kabarett gefeiert. Es sollen sich tausende am Bauplatz eingefunden haben. Nicht eine jüdische Gemeinde, kein jüdischer* Verein (ausser den zionistischen und misrachistischen!)» kein Bethaus, kein Lehrhaus, kein Rabbiner, mit einem׳ Worte niemand aus dem wirklichen Judentum war vertreten. Wer zugegen war, kam, um seine Schaulust zu■ befriedigen. Die Zionisten allerdings waren vollzählig erschienen, um ihren Triumph über das religiöse Judentum! voll zu geniessen. Auch einige Behörden Hessen sich vertreten. Festredner waren Moische Guttmann und Eisik Springer namens der Zionisten und Elefant und Weingarten im Auftrag der Misrachisten. Sämtliehe Redner wollten dem naiven Publikum glauben machen, es handle sich beim zionistischen Gymnasium um einen ״Tempel der Wissenschaft“. Einen durch seine Uebertreibungen geradezu komischen Eindruck machte ein, wie man sagt, eigens zu diesem Zwecke nach Munkacs gekommener ״Rabbiner“ Miliakowsky aus J e r u s alern, der im Namen des Heiligen Landes, der hebräi)7 sehen Universität in Jerusalem und des ״gesamten jüdi- ־־sehen-Volkes“ die Errichtung dieses Gymnasiums als einen Wendepunkt in der jüdischen Geschichte, als einen Aufstieg der jüdischen Nation zum ״Lichte“ und als den höchsten Gipfel idealen Strebens schilderte und den Tag pries, an dem ihm und seinen Gesinnungsgenossen' vergönnt war, eine solche Freude, einen solchen Sieg! ״des Lichtes über die Finsternis“ zü erleben. Die fciegner des Gymnasiums erhielten sich jeder Demonstration an, diesem Tage. Und wichen jeder Herausforderung aus. Auch der Oberrabbiner von Munkacs War verreist; er liess jedoch vor seiner Abreise keinen Zweifel darüber,! dass er in dieser Angelegenheit die Zionisten nicht/ zu unterstützen wünsche. In einer Gemeindeversammlung hatte er vorher schon den Zionisten öffentlich angedrohb er werde — falls sie von der Errichtung des Gymnasiums;!licht absehen und ihm dadurch bei den Orthodoxen Unannehmlichkeiten bereiten wollen — in Zukunft sie, seine bisherigen stillen Bundesgenossen, im Kampfe gegen die Orthodoxie mit der gleichen Entschiedenheit bekämpfen wie die — Agudisten! Die Zionisten zeigen sich jüber diesen — wie sie behaupten — ״Frontwechsel“ sehr er■* bost und werfen ihm Untreue vor. In den frommen Kreisen wiederum wartet man gespannt ab, ob der Oberrabbiner sich nun wirklich von seinen Freunden abkehren und Anschluss an die ירא' חשם des Landes suchen werde. Einige יראים וחרדים der Gemeinde sind für alle Fälle entschlossen, reinen Tisch zu machen und selbst umf die grössten Opfer dahin zu wirken, dass der gute und geachtete Name der Munkacser Gemeinde in der orthodoxen Judenheit wieder;hergestellt wird. Zu diesem Zwecke sind bereits Verhandlungen im Zuge. Man hofft, dass diese zu einem guten Ende gelangen werden, besonders!da! der Oberrabbiner sich diesem Bestreben gegenüber vorläufig nicht feindlich verhält. Wenn es gelingt, den Gemeinde wieder eine geradlinige orthodoxe Richtung! zu geben, ist die Hoffnung nicht unbegründet, dass sichl viele tausende guter Juden in Munkacs und der anderen Gemeinden in Karpathorussland mit vereinten Kräften der positiven auf bauenden Arbeit לכבוד ח* ותורחל zuwenden werden. Wie die Zionisten unter orthodoxen Juden Propaganda machen. Ueber einen recht drastischen, wenn auch leider nicht vereinzelt dastehenden Fall dummdreisten Benehmens zionistischer Wanderpropagandisten werden im Bratislavaer ״G r e n z b o t e n“ vom 13. August aus K o s i c e folgende Einzelheiten erzählt: ״Wie ein Augenzeuge erzählt, erschienen während des Sabbat-Gottesdienstes etwa zwanzig junge Leute» mit Wanderstöcken versehen, baren Hauptes im Tempel. Dem Aeusseren naclf wähnte man Andersgläubige vor sich zu haben, weshalb man diese auf aen rituellen Gebrauch der Juden — mit bedecktem Haupte die Andacht anzuhören — aufmerksam machte. Wie unangenehm war jedoch die Ueberraschung der Andächtigen, als sich die jungen Leute als zionistische Propagandisten vorstellten und sich dem Wohlwollen der Kaschauer Juden zu unterstellen beabsichtigen. Anstatt einer gewärtigenden ,Liebestat zeigte sich eine solche Aversion gegen die zionistischen jungen Leute, dass — wenn besonnene Männer nicht dazwischen getreten w$ren — es zu einem Tumult gekommen wäre. Erst ftljj die ZlaiiiStert den Tfempel verlassen hatten, konnte der Gottesdienst Wieder fortgesetzt werden.“ Unsete Misrachisten werden sich über solche Vorfälle natürlich auch entrüsten, aber nicht versäume^ hinzuzufügen, dass wir den jungen Zionisten dankbar seit( müssen, dass sie überhaupt dem Gotteshause einen Besucft abstatten. Schönen Dank! Verbandsausschussitzung der Agudas Jisroel-Jugendgruppen. In Ausführung dies Beschlusses des Delegiertentages in Bratislava, fand die Sitzung des Vierbandsausschusses am 7. d. M. in TrenciauskS-Tepdice statt. Anwesend waren die Vertreter der Jiugendgruppen, Vertreter der Agudisten aus Russinsko (die Herren Klein und Kahan). Der A. G. war durch Herrn Wolf Pappenheim und Dr. Joel PoJlak vertreten. Mit Rücksicht auf den internen Charakter der Sitzung war dieselbe der 0 Öffentlichkeit nicht zugänglich. Es wurden die Statuten der Jugendorganisation für die Slowakei und Russinsko genehmigt, »und wegen der Arbeit in der Ostslowakei und des Russinsko Beschlüsse gefasst. Das Programm der Erez Jisroet-Arbeit der Jugendgruppen, und die Art der Verwendung der bisher aufgebrachten Gelder ׳wurde festgelegt. Telephon 57-7-78 Scheitel, Perücken T ransformationen Brantfrlsuren aus allerfeinstem dauergewellten Naturhaar liefert für die vornehm8ten orthodoxen Damen der bekannte Spezialist für individuelle Frisuren Carl Polak Ü&tnenf 1* iseair Wien, IV״ Schleifmählgasse 3 prompt und billigst für In- und Ausland an gros and en d6tall. Bei Bestellungen von auswärts erbitte genaues Haaiv muster und Angabe des Masses von einem Ohr zum anderen. ääeSä Kostenlose Vorführung der neuästen Modelle, sssss Beachten Sie gefälltgst die Heuenummer 3 \ wm

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