Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 34 (22.8.1924)
- Date
- 1924-08-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2629891-2630051-2630084--1546-2633320- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
V. b. b. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. JUIISCHE PlUsE Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasee 12a. - Telephon 49.054. Tschechö-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreisei Qanzjährig: Für Oesterreich K80.000, Deutschland Ooldmark 8, Polen Zloty 8, Tschechoslowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar 2, Italien Lire 25, England Shilling 7, Rumänien Lei 800, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100.000. Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen fflr Oesterreich 1 Posta Nr. 13.458; f&r Polen: Postsparka Nr. 190.409; fflr Ungarn: Postapari Nr. 50.170; für Tschechoslowakei Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: 40.217: f.Rumänien: Banca Marmari 8t Co, Bukarest;für die Schweiz: Po parkassenamtWien, Konto ssenamt Warschau, Konto cassenamt Budapest, Konto : Postsparkas8enamt Prag, P08tsp.-Amt Agram,Ko. N. 9sch Blanc 8t Co für Florenz stscheckk. Luzern VII. 1470. Nr. 34 Wion-Brati«1ava, 22. August 1924 ,ביה ויענדדפרעססבורג כיב אב תיפ*ד fOa Jahrg. Die Probleme der Zentralratstagang. II. Natürlich ist das wichtigste Prahlern die Organisation der Tagung selbst. Zunächst die Frag« der Oeffentffidhkeiit. Man müsste u. E. den Mut ,haben, dieselbe auszusdiMessen, weil die Tagiumg des Zentralrat» obwohl sie statutengeimäss eine Art Ersatz für die Kenessijo gedaulo bilden soll, denn doch einen anideren Charakter hat. Es soll eine reine Arbeitstagung werden, ohne jede Nebenabsicht einer Demonstration. Die Tagung findet statt an einem Wendepunkt der Weltgeschichte, deren erste, nur dem geübtesten Auge sichtbaren Spuren in dem Londoner Frieden sich finden• Es ist g!ar keine Frage, dass die nationalistische Welle ihren Höhepunkt überschritten hat und dieselben Faktoren der hohen Poidtik, welche im gegebenen Moment die chauvinistischen Leidenschaften hochpeitschten, müssen jetzt, in vornehmer Konsequeniz der angdbahnten Friiedensepoche, in Wort und Tat der Welt sagen, dass menschliche Gemdnsdbaftsformen denn doch auch anders beinhaltet werden ,müssen, als bloss durch Betonung des Sondernden, Gegensätzlichen. Dadurch wird1 aber auch die Judenfrage in ein anderes Stadium gebracht. Die nach Eindgurrgsunld Verbindungsmomenten sich sehnende Welt wird sich und uns fragen, was wir an solchen Momenten bieten, eine Frage, die beispielsweise schon anklang, als deT deutsche Gesandte Maximilian Pfeiffer den Segen wahrer Internationalität mit den Worten und Werken der Bibel in Zusammenbang brachte. Die Antwort aiuf diese Frage dürfte bestimmend werden für das Verhältnis der Umwelt zu den Juden und in weiterer Folge für das Verhältnis der Juden zu der Umwelt. Darüber sich klar zu weTden, ist die Aufgabe deT Arbeitstagung, die peinriöhste, wie es sich für solch ernste Sache gebührt, leidenschaftslos und sorgfältigst, ohne jede Rücksicht auf den Schlagererfolg des Augenblicks die Kräfte der Thora führend an die Spitze des Genesungsprozesses einer kranken Welt zu führen hat. Sie wird dabei Abreohnung zu hallten haben mit all!denen, welche einer Phraseologie zu Liebe auch jüdisches Leben in die Der Traum des Rabbi. (Fortsetzung.) Nachdem sich das Mädchen entfernt hatte, ging der Priester erregt im Zimmer auf und ab, in finsteres Brüten versunken, das hie und da von einem •kaum verständlich gemurmelten Wort unterbrochen wurde.!Dann auf mich zutretend, fragte er mich mit zornbebender Stimme: ״Nun, was haben Sie mir zu sagen?“ ״Ich erwiderte: ״Ich habe nichts zu sagen!“ ״Wollen Sie mich auch noch verhöhnen?“ schrie der Priester. ״Reden Sie doch! Verteidigen Sie sich!“ ״Ich kann nichts sagen, hochwürdiger Herr, ich könnte nur wiederholen, was Ihre Nichte Ihnen erklärt hat.“ Er donnerte mich an: ״Ich verstehe, Sie wollen sich die Lüge zu Nutzen machen, mit der Ihnen meine Nichte zu Hilfe kam. ihr lügt beide!“ ״Hochwürdiger Herr, ich lüge nicht!“ ״Wollen Sie nicht auch hinzufügen“ — war die höhnische Antwort — ״dass auch Sie bereit sind, Gott als Zeugen anzurufen, um mit heiligen Eiden Ihre schändliche Lüge zu bekräftigen?“ Engstirnigkeit einer nationalistischen, dem Zeitgeist lügenhaft angebiederten Auffassung zu zwingen versucht haben. Sie muss das Wort Konfession als Summe heiligster, wirklich ewiger, von Geschlecht zu Geschlecht unverbindlicher Bestandteile des Innenlebens wieder zu Ehren bringen unid der Welt in den Tagen des Widuij^Beginnes den Wieg zur frohesten Erfassung der lebenszeugenden Daseinsbetätigung weisen. Solch tiefschürfende Arbeit verträgt nicht den Lärm der Strasse* Bahnbrechendes wird1 allezeit n/ur in bescheidenster Pflichterfüllung geschaffen. Wer immer nach Krakau geht, der gehe, um in einem weitgeschichtlichen Prozess zu sehen und zu zeigen des Allmächtigen Weg und Schritt. Ein historisches Ereignis des Judentums. Von Elias Sternbuch, Basel. Motto:שחחלתו קוצים וסופן מישור בשתים ושלש פ:יעות, wiewohl im Beginne schwer und rauh, nach wenigen Schritten eben und leicht(Sifr.Debar.53). Und die Völker werden es erkennen, dass ich, Oott, Israel heilige, da mein Heiligtum ewig in ihrer Mitte bleibt (Ez.37.28). Es ist nahezu ein Jahr verflossen, seitdem die Thorafürsten und Geistesheroen des Ostens und Westens nach Jahrhunderten der Unterdrückung und Negierung des orthodoxen Judentums zu einer machtvollen Kundgebung in Wien zusammen gekommen sind, um alle Kräfte, unter das Banner der Agudas-Israel zu scharen und feierlichst die!Einheit der Orthodoxie zu verkirmlan. Die Kenessio Gedaulo!h, welche vor einem Jahrzehnt wegen des plötzlich •einigetretenen Weltkrieges nicht statfinden konnte, ist nach de!m Austoben der hochschlagenden Wellen und Stürme ein Friedensbote geworden, der den Nationen und Völkern den Gruss der Thora überbringt. Was noch vor kurzem eine Utopie war, ist zur Wirklichkeit geworden: Die Entthronung der Thaairo leisten die Massen des Judentums durch ihre Vereinigung in der Agudas Isroel den äussersten Widerstand und gründen eine Tribüne, von der aus die Orthodoxie den verbindlichen Rechtsspruch der Thauro und die Normen für das gesetzestreue Leben vernimmt. ״Nein hochwürdiger!Herr“ — erwiderte ich — ,wir Juden vermeiden es, wenn es nur eine Möglichkeit gibt, den Namen des Höchsten anzurufen, selbst wenn es gilt, •dadurch die Wahrheit zu bestätigen.“ Der Priester stutzte und versank wieder in ein längeres Schweigen. Endlich sagte er mit überraschend sanfter Stimme: ״Wollen Sie der Gatte meiner Nichte werden? Selbstverständlich nach!Empfang der heiligen Taufe!“ Diese Wendung in Gesinnung und Ton war wohl unsäglich verblüffend, aber ich anwortete ohne Zögern: ״Nein, hochwürdiger Herr!“ ״Wie, Sie wagen, nach dem, was ich gesehen... mir ins Antlitz die Erklärung zu schleudern, dass meine Nichte Ihnen nicht der ׳Ehre würdig erscheint, Ihre Gattin zu werden! Ihre Buhlerin sollte Sie werden? Dazu wäre Sie Ihnen gut!genug!“ Einem Rasenden gleich hatte er diese Worte ausgestossen und sein Antlitz war verzerrt vor Wut. ״Hochwürdiger Herr, Sie misshandeln einen Wehrlosen“. Das war alles, was ich zu antworten vermochte. Der Priester wurde ruhiger. Heute, am Erinnerungstage jener imposanten Versammlung, soll ein Rückblick auf die Ideen, welche den Kongress der Gläubigen leiteten, die Bedeutung des lebendigen Judentums dokumentieren. Innenpolitische und aussenpolitische Beschlüsse von weittragender Bedeutung hatte die K. G. zu fassen. Es lag ihr die Aufgabe ob, neue Satzungen aufzustellen, Pläne zur Erweiterung der sozialen Fürsorge zu studieren, und endlieh die kulturellen, geistigen und wirtschaftlichen Aufgaben in der Diaspora und vornehmlich in Erez Israel für die nächsten Jahre vorzuzeichnen. Von jeher hat Agudas-Israel ihr Hauptaugenmerk auf ׳das Exil konzentriert, weil sie einer vorzeitigen Rückkehr nach Palästina und damit einer Verkennung der Ursachen und Tendenzen der ursprünglichen Verbannung Vorbeugen wollte. Die Verhältnisse in Erez-Israel und der Einfluss der Gegner haben zu einem politischen Umschwung in gewissen Beziehung engeführt und die Folgen der ursprüngliehen Passivität, aus der wir heute keineswegs einen Hehl machen wollen, haben der Devise zur grösseren Anfmerksaunkeit auf das Hl. Land Raum geschaffen und die Intensität geboren, mit welcher dieses Jahr auf dem gottgeweihten Boden gearbeitet wurde. Die K. G. hatte als Riehtlinien der praktischen Palästinaarbeit zunächst nur aufgestellt: Bodenerwerb, Häuserbau, Landwirtschaft und Industrie. In der Praxis haben aber diese Punkte eine bedeutende Erweiterung erfahren und alle Erwartungen wurden weit übertroffen. Vor allem war es die Palästinakommission, welche mit ausgezeichneten und zuverlässigen ׳Fachleuten den Bodenkauf in Erez-Jisroel vermittelte. Die Gründung zahlreicher Aktiengesellschaften zum Erwerb von Kolonien und Boden, von welchen die in Warschau gegründete Gesellschaft ״Nachlath Israel“, die bereits Hunderte von Dunam Boden ihr eigen nennt, hervorgehoben sei, die Gründung einer Schule in der Schweiz zur landwirtschaftlichen Ausbildung von ״Aulim“ nach Erez- Israel, die von der Aguda-Delegation ins Leben gerufene Strickerei ״Matweh A.-G., die Erhebung eines ״Kaupher Nefesch“ (Goldkrone zur persönlichen Auslösung) in der Tschechoslowakei für praktische Arbeit in Erez Israel, die Palästinabank, die Gründung und Unterstützung von Schulen und Jeschiwoth, endlich die fielen Fonds, denen im verflossenen Jahre namhafte Summen zugegangen sind, wie z. B. der ״Keren Hajischuw“, ״Keren Erez-Israel“, ״Wollen Sie mir vielleicht sagen, dass Sie es verschmähen, dieses ׳Glück um den ׳Preis der Taufe zu erkaufen? So gering ist die Liebe, die Sie für Marianne empfinden? Ist diese Liebe so rasch verflogen?“ Ein seltsames Zucken in den Mienen des Priesters begleiteten diese Fragen, die auf mich herabprasselten. Konnte ich etwas anderes als die Wahrheit sagen: ״Hochwürdiger Herr, ich liebe nicht Ihre Nichte, ich habe nie Liebe für sie empfunden. Ich sah sie heute zum erstenmal.“ Er blickte mir ganz fassungslos ins Gesicht: ״Das soll ich glauben?“ murmelte er. Wieder ging er erregt durch das Zimmer hin und her. Dann sagte er: ״Hören Sie mich an: Dass meine Nichte schön ist, schön wie wenige im Lande . . . nun das haben Sie ja gesehen. Sie bringt ihrem Gatten auch eine sehr reiche Mitgift ins Haus und . . . nun Sie können sich wohl denken, dass ich den Gatten meiner Nichte zu fördern vermag. Sie sollen der glücklichste, der beneideste Mann werden... Ich will nicht weiter nachforschen, wie das alles gekommen ist... Ich wfll Bevor Sie eine Perücke kaufen, versäumen Sie es nicht Wiens GRÖSSTE international• KUNSTWERKSTÄTTE und BILLIGSTE EINKAUFSQUELLE für PERÜCKEN, SCHEITEL U. TRANSFORMATIONEN ... OTHMAR SCHIFF, WIEN, 1״ KÄRNTNERRING Nr. 6 fSKUSfflr: aufzusucheirl Liefert aalt mehr als anderthalb Jahrzehnten den vornehmsten orthodoxen Damen aller LHnder Perücken. Spezialist In Brautscheiteln. Die Herstellung einer Jeden einzelnen Perücke erfolgt ans GARANTIERT DAUERQEWELLTEM NATURHAAR, Individuell dem Geeichte engepasst. EN GROS Grestes Lager u. reichhaltigst• Auswahl in PerQoken modernster Frisuren. EN DETAIL IV Um vor IrrofOhrung zu schlitz• n, bltto dort Vornamon OTHMAR und diu Adresia genau zu baachton! *0!