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Jüdische Presse · 1924-08-08 · 32 (8.8.1924) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
32 (8.8.1924)
Date
1924-08-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sette 220 JÜDISCHE PRESSE Nr. 32 der Zeit, dass der Ort, in dem Leopold Löw als Rabbiner und Kanzelredner einst amtierte, eine uneinnehmbare Hochburg der Reform zu bleiben schien; in dem Rabbiner Dr. Breuer (zur Zeit der Frankfurter Raw), mit einer kleinen Schar von Getreuen den Kampf gegen die Füchse, die den Weinberg des Herrn, verwüsten, aufnahm und siegreich bestand, das sehnende Verlangen nach einem Führer vom Schlage R. E. D. empfand. Rabbi Elieser Dawid hat nicht die Ambition durch r h e 10 r i s c h e Kunstgriffe zu packen, durch meisterhafte Eloquenz zu glänzen. Ihm ist es genug, die vier Ellen der Halacha absolut zu beherrschen, unablässlich in der Thora zu forschen, zu lernen und zu lehren und in reiner, heiliger Awauda sein Lebensideal zu erschöpfen. Papa hat das gesucht, was es in ihm gefunden hat. Papa ist darob zu beglückwünschen. P. Budapest. Rabbi Elia Fränkl aus Dees, ein Abkömmling eines grossen Rebben, ist nach langem, schweren Leiden im Spital der ,grossen Gemeinde gestorben. Trotzdem er Chossld war und all sein Leben den Schul- Chan Aruch zur Richtschnur für sein Tun genommen hat, und trotzdem, dass seine Familie den ausdrücklichen Wunsch des Toten äusserte, nur auf dem Boden der orthodoxen Chewra Kadischa seine irdische Hülle zu bestatten, weigerte sich der sommerliche Leiter der neologen Chewra, in dessen Machtbereich das jüdische Spital verwaltet wird, die Leiche des chassidischen Rabbi Elia Fränkl auszufolgen. Nur dem Eingreifen der orthodoxen Chewra-Leitung, in deren Namen Dr. Friedmann das energische Wort führte, ist es gelungen, die berechtigte Forderung durchzusetzen. P. Nylregyhaza. Vor zirka eineinhalb Jahren begann die hiesige orthodoxe israelitische Gemeinde mit dem Bau einer neuen Schul, nach den Plänen de? bekannten Budapester Architekten Baumhorn. Nun besteht die Hoffnung, dass die Synagoge, die 400 Sitzplätze und eine Frauen'galerle fasst, zu den Jomim nauroim eingeweiht werden wird. Dabei ist erwähnenswert, dass die Nyiregyhazer orthodoxe israelitische Gemeinde während der letzten zwei Jahre eine neue Talmud Thora und eine grosse geräumige Koscher-Fleischbank errichtet hat. Dem grossen unermüdlichen Arbeitseifer des Vorstehers Herrn Sandor Nemeti sowie der Mitarbeit und Opferwilligkeit aller Mitglieder der Gemeinde, ist es besonders zu verdanken, dass die Gemeinde sich so erfreulich entwickelt und solche Neubauten errichten kann. l|000®®0®0 TSCHECHOSLOWAKEI. Q00000QQ1 Oberrabbiner Schapiro über Pressburg—Prag. Der ״La Tribun# Juive“ in Strasbourg entnahmen wir folgende interessante Ausführung über Pressburg—Prag. Zwei Strömungen haben vor ungefähr hundert Jahren gegeneinander gekämpft, eine gemässigte und eine kompromisslose. Beide haben betont, den Interessen des jüdischen Volkes und der jüdischen Religion zu dienen. Dem objektiven Beobachter musste es damals sehr schwer gefallen sein, sich der einen oder zu der anderen Strömung zu dezidieren. Hingegen haben wir heute es leichter, ein Werturteil über die damaligen zwei Richtungen abzugeben; der Prozess der Entwicklung beider hat bereits seinen Abschluss gefunden: und ihre Früchte sind es, die uns das Urteil erleichtern. Pressburg und Prag, beide haben sich in der jüdischen Welt durch die grossen Männer, grosse jeschiwoth und ihr impulsives jüdisches Leben berühmt gemacht. Ein neuer Zeitstrom. Die Haskala - Epoche kam. Viele jüdische Führer fanden es für unumgänglich, für ihre heilige Pflicht, das jüdische Leben zu reformieren, es zu verwässern, es möglichst der umgebenden Welt gleichzumachen. Manche dieser Reformer waren der irrtümlichen Meinung, durch ihre Zugeständnisse die Masse zu gewinnen, sie dadurch vor den Gefahren des Abfalls zu schützen. Da kamen die damaligen bodenfesten jüdischen Führer, die sich durch jenen Zeitstrom nicht verwirren Hessen, und sagten: Nein, keine Halbheiten, keine Zugeständnisse, wir wollen das Ganze erhalten und dafür treu kämpfen! Und eben diese zwei jüdischen Zentren, Pressburg und Prag, waren es, die die entgegengesetzten Methoden zur Erhaltung des Judentums anwandten. Die Reform in Pressburg hat sich an einer festen, eisernen Mauer angestossen, an dem felsenfesten Charakter des חתם סופר דל. Mit der Losung חדש אסור טן חתוהד" wies er jeden Versuch einer Neuerung im Kult, die die jüdische Tradition nicht kennt, von sich. Und auch sein Nachfolger, sein Sohn, der כתב סופר, wich nicht um eine Haaresbreite von der väterlichen Ueberlieferung. Seine konsequente Losung war: יקוב הדין את התר (das Gesetz soll den Berg durchlochen! . . .) In Prag dagegen begegnete die Reformströmung gemässigten Führern des Judentums, welche der Ueberzeugung waren, dass die Anstrengungen vergeblich seien, ganz gegen den Strom zu schwimmen. Sie führten die Losung im Munde: "שמאל דוחדו וימין מקרבת" (es umarme die rechte Hand, was die linke abstösst). Sie meinten, dass dies das beste Mittel sei, die gefährlichen Waffen den Händen der strikten Reformer zu entwinden, aul dem Wege des Entgegenkommens glaubten sie, sie weniger schädlich zu machen. Ihre Nachfolger Rappaport, (שי״ר) u. a. sahen sich schon gezwungen, auf dem Wege der Kompromisse mehr fortzuschreiten, da die Reformer nach und nach ihre Ansprüche anschwellen Hessen. Rappaport und Genossen schrieben und sprachen daher zweideutig, orakelmässig, wollten jedem gerecht werden und proklamierten sehr oft die Devise "חזראת שעדן שאגי" (die Zeit ist ein wichtiger Faktor in der Entscheidung). So entspann sich ein Kampf zwischen den zwei Losungen von: ״חדש אסור מן חתורוד und: "חראת שעת שאגי.. Beide hatten sowohl ihre Verdeitiger als auch ihre Bekämpfen Das polnische Judentum sah, fern vom Kampfplatz, dem sich in Westeuropa abspielenden Kampf der Methoden zu. Wer ist damals im Rechte gewesen? Die Folgen sollen lehren, die Fakten sollen Sprechern Auf einer Reise von Polen nach London hat sich dem Schreiber dieser Zeilen Gelegenheit geboten, Pressburg und Prag zu besuchen und dort das jüdische Leben zu observieren. Wenn Pressburg stolziert mit seinen Grössen, die auf seinem Friedhofe ihre ewige Ruhe fanden, so kann man getrost auch umgekehrt sagen, dass jene Grössen der Vergangenheit auch auf ihr Pressburg stolz sein können. Jene Grössen sind nicht nur unsterblich durch שפתותיחן דובבות בקבד. indem man dort gelegentlich etwas in ihrem Namen nacherzählt, sondern sie führen ein regelrechtes Mitleben mit den lebenden von heute. Man weiss in Pressburg noch heute ganz genau, was der מחר״ם ברב״י דל gefragt und der חתם סופר דל geantwortet hat. Und wenn man bei uns in Polen die grosse Bedeutung des Rabbi Meschulem Pressburger (מחר״ם איגרא דל) auf dem Gebiete des חריפות kennt, so weiss das Pressburger Judentum viel, sehr viel von dessen frommen Lebenswandel zu erzählen, so ist das Pressburger Judentum bestrebt, sein jüdisches Leben nach dem Muster dieses Grossen in Israel einzuordnen. Auf Tritt und Schritt ist das jüdische Pressburg zu sehen. Hier die Schiurstube von חתם סופר דל, wo man hundert Bachurim antrifft, die תלמוד und פוסקים eifrig studieren, dort begegnet man verschiedenen eingebürgerten Gebräuchen, die von מחר״ם איגרא?״ל, und מדרס ברב״י דל herrühren. Eine feste Kette des Lebens verbindet die vergangenen mit den lebenden Geschlechtern. Im Lauf der Zeit hat sich vieles auf der Basis des Alten vervollkommnet, mehrere jüdische Institutionen sind neugeschaffen, darunter auch die berühmte ״Mensa״ für die Jeschiwa-Zöglinge. Und jene Tradition des חתם סופר דל ist noch heute ein grosser Faktor im jüdischen Leben Pressburgs. Zwei Uhr nachmittags besteigst du den Schnellzug in Pressburg und um 9 Uhr abends bist du in Prag angelangt. Du willst natürlich das jüdische Prag sehen. Du erhältst die Antwort, dass du morgen früh um 8 Uhr das jüdische Prag zu sehen beginnen kannst. Pünktlich zur Stunde, am Frühmorgen, kommt zu dir eine Person und führt dich direkt auf — den alten Friedhof. Er zeigt dir die Grabsteine von כלי יקר# ד דוד גאגז דל מחדל מפראג!. Er bringt dich dann auf einen zweiten Friedhof, wo er dir den Grabstein des גודא ביחודח דל zeigt. Von dort geleitet er dich irgendwo hin, wo du die alten Steine der bekannten historischen Alt-Neu-Schul besichtigen kannst. Und wenn du fragst: ״Und wo ist das lebendige׳ jüdische Prag zu sehen?“ So bekommst du die Antwort, dass statistisch in Prag nur noch 160 jüdische Seelen rituell leben. Und wenn du dich nach der Zahl der jüdischen Bevölkerung neugierig erkundigst, so erfährst du, dass sie sich auf 35.000 beläuft. Natürlich, dein Begleiter bemerkt bald dein unzufriedenes Gesicht, und er beeilt sich, dir zu sagen, dass er dir eine Wichtigkeit zu zeigen ausgelassen habe. Er führt dich, als wolle er deine Unzufriedenheit mildern, zum ״Jüdischen Rathaus״ und zeigt dir die alte Uhr, deren Zifferblatt mit jüdischen Lettern versehen ist . . . Ja, das ist das jüdische Gesicht Prags: Die Uhr schreitet vor... und zeigt jüdisch, das Leben aber unjüdisch. Der חתם סופד דל hat den Prozess gewonnen! Jüdisches Schulwesen in Kosice. Aus Kosice wird uns berichtet: Unsere orthodoxe Gemeinde hat dieser Tage einen bedeutungsvollen Schritt getan, um das Unterrichtswesen und die religiöse Erziehung überhaupt zur besseren Entfaltung bringen zu können. Seit Jahren wurden Klagen laut, wonach unsere Talmud Thora-Schule trotz besten Willens ihrer tüchtigen Melamdim und trotz der grossen finanziellen Opfer, die von der Gemeinde dafür gebracht werden, nicht die günstigen Lehrresultate zeitigt, die von ihr erwartet werden durften. Ein ansehnlicher Teil der Gemeindemitglieder erblickte in der Hebung des ו ר ח ^Unterrichtes die wichtigste Voraussetzung für die Existenz einer wirklieh jüdischen Gemeinde und drängte die Verwaltung zu entscheidenden Massnahmen, um den berechtigten Klagen ein Ende zu bereiten. Am 11. Tamus (13. Juli) erfolgte denn auch die Gründung eines Vereins חברת יסודי חתורח dem diese wichtige und verdienstvolle Aufgabe zufallen soll. Die Einladung zur konstituierenden Versammlung des Vereins ging vom Vorstande der Gemeinde aus. In dem Zirkulare an die Gemeindemitglieder wird darauf hingewiesen, wie wichtig es־ sei, dass die Leitung des Unterrlchtswesens in Händen von Männern liege, die — im Gegensatz zu den meisten Eltern יbefähigt und auch ln der Lage sind, die Schule systematisch zu leiden und zielbewusst zu fördern. Die bisherige Talmud Thora-Schule steht wohl unter Gemeindeverwaltung, aber die Repräsentanz ist mit den Agenden der Gemeinde so überlastet, dass sie den Schulausschuss nicht genügend zu überwachen vermag. Die Folge davon war, dass manche בעלי בתים ihre Kinder der תלמוד תודח entzogen, wodurch ein Defizit zu Lasten der Gemeinde entstanden ist. In Anbetracht dieser Sachlage hat die Gemeinderepräsentanz beschlossen, die vier oberen Klassen der Schule dem neu zu gründenden Verein zu übergeben und hiezu eine Vorbereitungskommission gewählt. Durch den Uebergang der Schule in die Verwaltung des Vereins erhofft man sowohl eine Besserung ihrer finanziellen Lage, als auch besonders einen Aufschwung ihrer geistigen Verfassung. Aus Anlass der Beratung über diesen Gegenstand wurde Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Spitzer aus Kirchdrauf hierher berufen. Er hielt im Bes Hakneses eine zweistündige glänzende דרשה, in der er die Gemeindemitglieder zu materiellen Opfern für das Schulwerk aneiferte. Er beteiligte sich' auch sehr rege an der Generalversammlung. Die Gründung des Vereines wurde auch mit grosser Begeisterung beschlossen. Nicht unerwähnt soll, bleiben, dass es auch Opposition gab, nämlich die ״Sefardim“ — wenn auch vielleicht nicht in gewollter Absicht — als Hilfstruppen der Zionisten. K• Chajim Roth ל?. Das Judentum in Karpathorussland und mit ihm das gesamte Judentum hat am vergangenen שבת קודש einen seiner besten und hervorragendsten Söhne verloren. R. Chajim (Heinrich) Roth aus Tiacevo (T6csö) Ist ins Jenseits abberufen worden. Er genoss Im ganzen Lande grosses Ansehen und war auch ausserhalb der Orthodoxie geachtet. Sowohl als Talmud Chochom wie auch als Wohltäter anerkannt, lebte er besonders in den letzten Jahren ausschliesslich der Gesamtheit und gemeinnützigen Werken. Er war Mitbegründer und erster Vorsitzender des Waisenfürsorgevereins und nahm führenden Anteil an vielen Institutionen des jüdischen Gemeinwohls. In seiner Jugend hatte er die Jeschiwos in Papa (Rabb. Doktor Breuer) und Suräny besucht und galt in ganz Marinorosch als weiser Ratgeber der Bedrängten in allen Nöten des Lebens. Er förderte jedes gute Werk, von dem er eine Stärkung des orthodoxen Judentums erwartete. Er unterstützte auch eifrig die jüngst erst begründete Agudas Jisr0e 1«Jugendgruppe. Er verschied zum allgemeinen Schmerze in Wien, wo er sich einer Operation• unterzogen hatte, und wurde nach Tiacevo überführt. Die הלויה fand unter Beteiligung von Hunderten aus dem weiten Umkreise statt. Die Oberrabbiner von Hust, Teresew .,und Wisk hielten ergreifende Hespedim und gaben der Trauer beredten Ausdruck, die sich ob des Verlustes dieses Menschen und guten Juden aller Herzen bemächtigte. תגצב״ח. Die VI. Internationale Dooan-Messe findet statt vom 28. August bis 2. September 1924. 18 Ausstellungsgruppen. 83°/0ige Ermässigung auf den Eisenbahnen. Anmeldungen an die Direktion der Messe, Bratislava, Hafenstrasse. Telephon 57-7-78 Scheitet, Perücken Transformationen Br antfri euren aus allerfeinstem dauergewellten Naturhaar liefert fttr die vornehmsten orthodoxen Damen der bekannte Spezialist für individuelle Frisuren Carl Polak Dame&f jfisea* Wien, IV״ Schleifmählgasse 3 prompt und billiget für In- und Ausland en groa and an ddtalL Bei Bestellungen von auswärts erbitte genaues Haar-‘ muiter und Angabe des Masses von einem Ohr zum anderen. bssbb Kostenlese Vorführung der neaeiten Modelle, ssbbs Biachten Sie gefftllifst die Hauenemer 3

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