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Jüdische Presse · 1924-08-01 · 31 (1.8.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
31 (1.8.1924)
Date
1924-08-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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iPIPiPiiiWWfiP ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUHS. Redaktion und Administration« Wien, II., Malzgasse 12a. - Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. ־־ Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise« Oanzjährig: Für Oesterreich K 80.000, Deutschland Ooldmark 8, Polen Zloty 8, Tschecho-Slowakei K8.70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar 2, Italien Lire 25, England Shilling 7, Rumänien Lei 300, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100.000. Einzelnummer öst. K 2.000. Nr. 13.458; ffir Polen: Postsparka Nr. 190.406; ffir Ungarn: Postspari Nr. 50.170; ffir Tschecho-Slowakei Konto Nr. 53.386; ffir Jugoslawien: 40.217; f.Rnmfinlen: Banca Marmar< fit Co, Bukarest; ffir die Schweiz: Po parka88enamtWien, Konto ssenamt Warschau, Konto wasenamt Budapest, Konto! Postsparkassenamt Prag, Postsp.-Amt Agram,Ko.N. >sch Blanc 8t Co ffir Florenz itacheckk. Luzern VII. 1470. Np. 31 Wi«n-Bpatis1ava, 1. August 1924 .סד, ויענה־פרעססבורג א* אב תי&־׳ד IO. Jahrg» wie all diese Bewegungen auf die Jugend wirken. Noch vor einem Jahrhundert hatte das Gebiet des jetzigen Deutschland ungefähr eine halbe Million strenggläubiger, von Thoraliebe, von opferfähiger Begeisterung erfüllte Juden. Heute ist man stolz darauf, etwa noch 50.000 solche Menschen auf diesem geographischen Gebiet zu finden. Oder man gehe nach dem Osten und sehe die Zerstörungen, welche dort unter der Jugend, der männlichen und weibliehen, unter der Flagge der Aufklärung, unter dem Schlagwort eines inhaltslosen, nationalistisch-völkisehen Machtbewusstseins angerichtet sind. Es bleibt aber tatsächlich nichts anderes übrig, als der Jugend, der Zukunft zuliebe zur absoluten Reinheit und Klarheit des Willens und der Betätigung des Wollens zurückzukehren. Was immer an Kräften aufgeboten wird, um durch die Suggestion der Ungebundenheit jeden Autoritätsglauben zu zerstören, dem kann immer der Versuch entgegengestellt werden, durch die Schaffung klarer, energischer Vorbilder der j Jugend einen Halt zu geben. Es ist nichts damit getan, wenn man selbst in der Abwehr der Angriffe dieselben Bahnen geht wie der rücksichtslose Angreifer. Die Jugend muss dazu gebracht werden, das Lebensmartyrium des Duldens ebenso hoch zu schätzen wie die Ekstase des Martyriums des Sterbens für eine grosse Sache; die Majestät eines grossen, selbstlosen Lebens muss zu unserer Jugend sprechen. Das muss der Massta'b ihrer Kritik werden, nicht der Beifall der Strasse, sondern der Schlag eines Herzens, das nach dem Allmächtigen^ sich sehnt, die Schwingungen einer Seele, die eine widerspiegelt. Der jfingste Angriff Nacham Sokolows gegen Agudas Jisroel. Bereits in der ersten Sitzung des zurzeit in London tagenden Aktionskomitees der zionistischen Organisation hat Herr Sokolow es für nötig erachtet, Agudas־ Jisroel anzugreifen: ״Eine grosse Gefahr liegt darin, dass die erst vor kurzem geeinigte Front gebrochen werden könnte. Die Agudas Jisroel einerseits und die anderen Körperschaften andererseits richten fortwährend an die britische Regierung Klagen und Beschwerden im Namen des jüdischen Volkes. Dadurch soll immer wieder dokumentiert werden, dass die zionistische Organisation nicht das gesamte jüdische Volk vertritt. Die Gefahr ist so gross, dass man diesen Spaltungen endgültig Einhalt gebieten müsse.“ Nachdem Herr Weitzmann, der Präsident der zionistischen Organisation, zu Beginn der Tagung sich vor dem amerikanischen Geldsack tief, sehr tief, bis zum Ausgleiche von 50 Prozent verbeugen musste, hat Herr Sokolow, Präsident der Exekutive, es für nötig und politisch klug gehalten, die ungebrochene Kraft und den Kampfesmut der zionistischen Organisation in einer Kampfrede gegen die Aguda zu dokumentieren. Es ist nämlich noch immer der billigste Erfolg eines Zionistenführers, Agudas Jisroel anzugreifen. Dabei glaubte Herr Sokolow, auf die Wahrheit wenig Wert legen zu müssen. Er sprach von einer jüdischen Front, die noch vor kurzem geeint gewesen wäre. Die Existenz dieser Einheitsfront erlauben wir uns entschieden zu bestreiten. Es waren bloss Zeiten, wo die überklugen zionistisehen Politiker es glaubten oder glauben machen wollten, dass sie das gesamte jüdische Volk repräseritieren. Ja, sie haben sich von diesem Irrglauben zu einem Machtdünkel verleiten lassen, dessen verhängnisvolle Wirkung sie jetzt am eigenen Leibe spüren müssen. Mit ihren terroristischen Methoden haben sie Agudas Jisroel, die sich am 15. November 1918 offiziell an die zionistische Organisation gewandt hat, um eine Einheitsfront, mindestens nach aussen, im Interesse von Erez Jisroel herzustellen, mit allerlei diplomatischen Ausflüchten zurückgewiesen. Wir wollen aus diesem historischen Schreiben der Agudas Jisroel bloss folgende Zeilen zitieren: ״Wir hoffen, dass auch Sie, die Führer der grossen zionistischen Bewegung, den Ernst der Stunde erkennen, der fordert, dass alle, denen das heilige Land Ziel ihres Strebens, Erfüllung ihrer Hoffnungen bedeutet, gemeinsam dafür arbeiten und ein¬ Vorbild der Jugend. Oft betäubt der Lärm des Tages das Leid der Zeir. Das ist ein Uebel, weil wohl oft ein billiger Erfolg im Tageskampf Herz und Geist von der Erfüllung der wirklichen Probleme in ihrer Tiefe ablenkt. Das ist der Jammer unseres Lebens. Kleine Geister herrschen, verbleiben ringend auf der Oberfläche der Dinge, dort ringen sie um welkende Palmen, dort vergehen sie und hinterlassen ein verworrenes Bild der Dinge und der Fragen. So hat man jetzt schon ein Menschenalter lang übersehen, dass all die modernen Konzeptionen des Judentums nichts anderes sind als eine fast geradlinige Fortsetzung der Lebensauffassung einer Elisa ben Abuja, eines Geiger und eines Holdheim und eines Graetz. Es war immer das Streben einer Emanzipation von der Thora, eines Ab- Werfens der als Fesseln empfundenen Bindungen und Weisungen, welche die Religion dem Leben des Alltags und der gehobenen Stunden gibt. Man suchte und sucht — das ist der tiefe Inhalt der Reform oder des Nationalismus — sucht oft aus heisser Liebe zum Judentum, allerdings aus missverstehender, trotziger Liebe — nach einer Auffassung des Judentums, welche den Juden die vermeintliche absolute Freiheit gibt. Alle, aber auch wirklich alle Bewegungen innerhalb der Judenheit hatten stets nur die eine Alternative ״Los vom Sinai“ oder ״Auf zum Sinai“. Es ist oft schwer, es erprobten Kämpfern klarzumachen, dass hinter der Maske jeder Gedankenweit, welche auch nur den kleinsten Strich eines Wortes der Thora seiner Kraft entkleiden ■möchte, das ״Los vom Sinai“ steckt. Oft auch glaubt man, der Not der Zeit, dem Weh des Abfalls dadurch steuern zu können, dass man den Geltungsbereich des geistigen Wortes einschränkt und Gebiete der Lebensbetätigung zu ergründen sucht, )für ■die das Wort und sogar auch der Geist der Lehre nichts zu sagen haben. Wer aber diese Behauptungen als zu weitgehend empfindet, der möge einmal genau prüfen, Der Traum des Rabbi. (Fortsetzung.) ״Haben Sie über meine Worte nachgedacht?“ fragte er mich nach der gewohnten freundlichen Begrüssung. ״Wie stellen Sie sich die von mir gewünschte Mitwirkung der Juden vor? . . . Sagen Sie mir alles . . . alles . . . ׳was Sie dachten, seitdem Sie mich gestern verlassen.“ Mein Heriz war übervoll, und ermutigt durch seine Aufforderung, sagte ich ihm in der Tat alles, was ich in der langen, schlaflosen Nacht in meinem Kopfe gewälzt hatte. Am längsten verweilte ich bei meinem Vorschläge, was den Wucher betraf. Der Priester hörte mich ruhig an, ohne mich auch nur durch ein Zeichen der Zustimmung oder des Missfallens zu unterbrechen. Es schien, als ob er mich sprechen lassen wollte, um ganz in meiner Seele lesen zu können. Ich hatte nichts zu verschweigen, nichts zu verheimlichen. Dann nahm er das Wort und sagte ־beiläufig: ״Ich habe nichts anderes von Ihnen erwartet. Ich ׳stimme in vielem ■von dem, wias Säe ausführten, mit Ihnen überein, in vielem/denke ich anders . . . Aber es handelt sich mir heute nicht um Einzelheiten, über die diskutiert werden kann, ohne dass das grosse Problem, dessen Lösung mir vorschwebt, auch nur im geringsten davon berührt würde . . . Und was Ihre Ansichten über den Wucher anbelangt — fuhr er mit einem seltsamen Lächeln fort — nun, das ist ja ganz klug und richtig . . . aber dazu will ich Ihnen bloss eines bemerken. Wenn Sie von den Vorurteilen, dem Hass gegen Ihre Glaubensgenossen sprechen, diese haben nicht in den Fehlern der Juden ihre Wurzeln, ihren Nährboden. Der Kern der Frage ist ganz wo anders zu suchen. Das jüdische Volk, so tolerant seine Religion gegen andere Religionen sein mag, ist durch seinen Bestand allein, durch sein hartnäckiges Verharren bei der Religion, die ihm statt Vorteile auf Erden nur ein viele, viele Jahrhunderte dauerndes Martyrium sichert, ein unaufhörlicher, lebendiger, nie zum Schweigen zu bringender Trotz gegen unsere heilige Kirche. Der unüberbrückbare Abgrund, der uns bisher trennte und trennen musste, ist der Messiasglaube. Der Priester mochte an meinen Mienen rrtir angesehen haben, dass ich ihm in dieser Ansicht beistimme. Er fuhr mit scharfer Betonung fort: ״Israel wünscht — und wer wird diesen Wunsch nicht vollauf begreifen — dass es endlich, von Leiden und gehässigen Verfolgungen erlöst, in ungestörter Ruhe der irdischen Glückseligkeiten teilhaftig werde. Ich habe Ihnen gezeigt, was ich, nicht allein, sondern ich mit Hilfe eine* mächtigen Schar gleichgesinnter Männer tun können, tun wollen, um diese Zeit herbeizuführen. Was die Juden dazu beitragen können? Ich wiederhole es Ihnen, es handelt sich da nicht um ihre Fehler. Aber es müssen Männer sich aus ihrer Mitte erheben, die die allmählich durch unsere Wirksamkeit entstehende Wandlung in den Gefühlen und dem Denken der Bevölkerung nicht nur erkennen, sondern auch dankerfüllt anerkennen und dies beseligt, begeistert, ihren Glaubensgenossen verkünden. Wenn wir unseren Gläubigen zu Gemüte führen werden, was die Welt dem kleinen, an Zahl verschwindend kleinen Israel und seiner Lehre schuldet, auf deren Grundlagen der herrliche Bau unserer Refc* gion aufgerichtet wurde, so sollen die Juden durdh ihre führenden Männer immer wieder daran gemahnt werden, dass sie nur dank der Gnade der alles besiegenden Liebe sich des Löbens erfreuen können. Diese Gnade, diese Liebe hat aber auch ihren Preis, der gezahlt werden muss. Wenn dies geschehen wird . . .“ Obwohl der Priester die Worte von Gnade und Liebe in einem Tone gesprochen, die mehr zu einer düstern Drohung gepasst hätten, fand ich doch den Mut, ihn mit der Bemerkung zu unterbrechen, die Juden seien durch die Thora in dem Glauben erzogen worden, dass alle Menschen gleichen Anspruch auf Recht und Gerechtigkeit hätten und deren Gewährung nicht auf menschliche Gnade oder Liebe, sondern auf einfache Erfüllung eines göttlichen Gebotes zurückzuführen ist. Ein stechender 1Blick des Priesters traf mich. Aber mit sanfterem Tone sagte er: ״Auf welchem Wege die Menschen!zujr Erfüllung ihrer Pflichten gelangen, das ist nicht das Entscheidende. Wenn sie nur dieses Ziel erreichen! Die Völker sind in manchem wie die Kinder, damit müssen wir rechnen. Auch Ihre führenden Männer müssen es erlernen, ihre Gläubigen davon zu überzeugen, dass dies der Weg sei, um an der messianisehen Zeit Anteil zu haben, die ihnen ihre Propheten Ottmar Schilf Bit 8r$$$te internationale Hnnttwerkttäne ffir Perücken, Scheitel und Transformationen €m qros - <11 detail / Billigte 6ln>a«ft«eiie / Pie Berstei1M«fl m ftarmt. Ummmtwtm Patirfrof tiefen ittt •rtt »•fttftbslb 3»*nuh»t« «t» wratbNttc• offtofloxtiJ)»Ne1 •Iler tinÄer PerlcktR. $ttxian*t 11 iratikScfceittli• Dittt «mdei dir Mldtbtafritiir Nit mtkillltidir Ciitcftiitf 1*cb§tN*cM« _ Kirntnenrino Br. 0 (g*gt«1»<r am bm*1 ntwei), c»1.■•־־ a»iwtuwy n «>»«««•tlm «*» ”tBHfig otmhär י»«. ««JMif«■»»*"OSü "*י Wien 1.

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