Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 29 (18.7.1924)
- Date
- 1924-07-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Menge sandte eine Depilation an den bishergien Kehillah-Präsidenten Bregmann, die ihn aufforderte, die Sitzung öffentlich abzuhalten. Herr Bregmann verwies jedoch auf die ministerielle Verordnung. Die Delegation verliess unter Protest das Gebäude. Eine starke Polizeiabteilung hinderte die Menge, in das Gebäude einzudringen. Dennoch gelang es grösseren Gruppen, hineinzukommen. Um 7 Uhr eröffnete Herr Bregmann die Sitzung. Die Repräsentanten Dr. Goldinberg und Serubabel verlangten in Jiddisch das Wort zur Tagesordnung. Der Vorsitzende erwiderte in polnischer Sprache, dass die Regierung eine Tagesordnung bereits vorgeschrieben habe. Er wurde fortwährend durch Rufe unterbrochen, Jiddisch oder Hebräisch zu sprechen. Inzwischen gelang es den in das Gebäude eingedrungenen Gruppen in den Sitzungssaal zu gelangen, und es entstand eine nervöse Unruhe. Die Vertreter der einzelnen Fraktionen bestiegen nacheinander die Tribüne und verlasen im Namen ihrer Parteien Protestdeklarationen gegen die polizeiliche Bewachung, sowie gegen die ministeriellen Verordnungen gegen jiddisch und hebräisch. Der zionistische Vertreter Dr. Gottlieb, der hebräisch zu reden begann, wurde durch die anwesenden Bundisten am Weitersprechen verhindert. Unter Protest gegen diesen Zwang setzte er seine Rede jiddisch fort. Auch der Agudavertreter Kirschbraun, der das Hebräische verteidigte, wurde von den Bundisten fortwährend unterbrochen. Der Vorsitzende wurde aufgefordert, seinen Platz zu verlassen, da er nur ein Vollzugsorgan der Regierung sei. Herr Bregmann erhob sich und verliess den Saal. Die Zionisten stimmten die Hatikwah an, die Bundisten sangen die Internationale. Der offizielle Gedächtnisgottesdienst für Dr. de Haan. Jerusalem. (J. T. A.) Am Nachmittag des 7. Juli fand zum Gedächtnis an den einem Mordanschlag zum Opfer gefallenen Dr. de Haan ein Gotttesdienst statt, dem über 1000 Personen beiwohnten. Anwesend waren u. a. die Konsuln Frankreichs, Spaniens, Polens und Hollands, sowie die Mitglieder des Jerusalemer Stadtrates. Rabbiner Jadler hielt die Gedenkrede. Er schiiderte die Persönlichkeit Dr. de Haans und dessen vielseitige Tätigkeit. Er verglich den Mord an Dr. de Haan mit der Tat Kains an seinem Bruder Abel. Beileidsdepesche der britischen Regierung aus Anlass des Mordes an de Haan. Jerusalem. (J. T. A.) Die palästinensische Regierung hat von dem Kolonialamt das folgende Telegramm erhalten: ״Bitte im Namen der Regierung Sr. Majestät den Verwandten Dr. de Haans die Anteilnahme auszudrücken. Die Regierung Sr. Majestät ist über die Gewalttat sehr bestürzt und hofft, dass man die Mörder bald dem Gericht wird übergeben können. Sir Gilbert Clayton, der zeitweilige Vertreter des High Commissioner überreichte das Telegramm persönlieh dem Rabbiner Sonnenfeld während dessen Besuchs im Regierungspalais.״ Antwort dos Herrn Thomas auf die de Haan-Interpellation. London. (J. T. A.) Lieut.-Colonel Howard Bury fragte bekanntlich im Unterhaus den Staatssekretär für die Kolonien an, ob er ״irgendeine Mitteilung über den Mord an den prominenten Antizionisten Dr. de Haan in Jerusalem machen könne“, ferner, ob er wüsste, dass Dr. de Haan im Begriff war, nach London zu reisen, um dem Kolonialamt die Einwände der orthodoxischen antizionistischen Juden gegen jene Verordnungen darzulegen, die geeignet wären, diese Juden unter zionistische Herrschaft zu stellen, endlich, ob die Regierung Schritte zur Ergreifung des Mörders unternehmen wolle. Herr J. H. Thomas erwiderte: Bedauerlicher Weise ist Dr. de Haan in der Nacht des 30. Juni in dem jüdischen Viertel von Jerusalem erschossen worden. Es werden energische polizeiliche Nachforschungen angestellt. Ich bin jedoch nicht in der Lage, irgendetwas über die Resultate zu berichten. Was den zweiten Teil der Frage anbetrifft, so beabsichtigte nach meinen Informationen Dr. de Haan nicht, nach London zu reisen. 1 PalästinasImmigranten Im Juni. Jerusalem. (J. T. A.) Die Palästinensische Telegraphen-Agentur teilt mit, dass während des Monats Juni 1795 jüdische Immigranten (gegen 906 im Mai) in Palästina eingetroffen sind. Zuschriften an die Redaktion. Man schreibt uns aus Belgrad: ״Sehr geehrter Herr Redakteur, Sie gestatten, dass ich Ihnen einmal ausführlicher aus unserem glücklichen Lande berichte, denn wahrlich, es gibt wohl kaum ein Land auf der Welt, in dem ein solches Mass vor Ge- Wissensfreiheit herrscht, wie bei uns. Lassen Sie sich einiges erzählen und ich bin überzeugt, es wird Sie erfreuen und wird die Juden allenthalben veranlassen, unser Land und seinen König zu segnen. Jüngst war unser sehr verehrter Herr Oberrabbiner Dr. Alkalay bei Sr. Majestät dem König in Audienz; unter anderem fragte der König auch nach der Zahl der Juden. 140.000״ Seelen“ war die Antwort. Darauf sagte der König: ״Nur so wenig?“ Ich glaube, es ist das erste Mal, dass der König eines Reiches die Zahl der Juden seines Landes als zu gering empfindet. ׳ Allerdings, wir wissen, dass wir sehr viel unserem ehrwürdigen Herrn Oberrabbiner zu verdanken haben. Lassen Sie sich etwas aus der jüngsten Zeit erzählen. Wie Sie wissen werden, haben wir hier eine Art Gemeindebund, der eine gewisse Autokratie anstrebt. Diesem Gemeindebund ist die Selbständigkeit der Orthodoxie ein Dorn im Auge und er lässt kein Mittel unversucht, um auch die Orthodoxie unter seinen Bann zu zwingen. Da ist es wunderbar, in welch vornehmer und gewissenhafter Weise unser Herr Oberrabbiner für die gerechte Sache eintritt. In der jüngsten Zeit fand eine Sitzung statt, in welcher | sich der Vorsitzende des Gemeindebundes, Herr Dr. Bobs, Nr. 29 darüber beschwerte, dass die Kreise des Bundes immer wieder von solchen Leuten gestört würden, die durch eine Hintertüre zu intrigieren versuchen. Daraufhin erhob sich Herr Dr. Alkalay und erklärte, er wolle die Versammlung keinen Augenblick darüber im Zweifel lassen, dass er der Sünder sei, auf welchen der Vorsitzende angespielt habe. Allein die Orthodoxie käme nicht zur Hintertüre, sondern zur Hauptpforte und das wäre er; er stehe nicht an, zu erklären, dass er tatsächlich alles tun würde, was in seinen Kräften stehe, um die absolute Selbständigkei der Orthodoxie zu erreichen, denn nur darin allein liege die Garantie für einen wirklichen Frieden. Daneben* bemüht sich unser allverehrter Herr Oberrabbiner, auch Belgrad zu einer Gemeinde zu gestalten, die in allen Einrichtungen den strengstreligiösen Anforderungen genügt. So ist jetzt durch seine Bemühungen das streng orthodoxe Restaurant des Herrn Löwy entstanden, welches vis-a-vis dem Grand Hotel liegt und sicher viel dazu beitragen wird, unseren Gesinnungsgenossen den Aufenthalt in Belgrad doppelt angenehm zu machen. Wenn ich so in Ihrer Zeitung lese, wie die Orthodoxie in so vielen Ländern, in jüngster Zeit auch sogar im heiligen Lande bedrängt wird, so freue ich mich doppelt der Weitsichtigkeit und Grossherzigkeit der Regierung Jugoslawiens. S.“ ' ■; ״׳’•'־׳:־׳ ־׳ v l.w I Briefkasten. S. L., Nyiregyhaza. Ihren Brief erhalten. Besten Dank für ihre Anregung. Wir werden demnächst über die Aguda, deren Tätigkeit Sie, wie alle unsere ungarischen Abonnenten, zwei Jahre hindurch nicht verfolgen konnten, ausführlicher schreiben. — Dr. B. F., Kolomea. Ihre Korrespondenz ist bis heute nicht eingetroffen. Die VI. Internationale Donau-Messe findet statt vom 23. August bis 2. September 1924. 18 Auss'ellungsgruppen. 33°/0'ge Ermäss׳gung auf den Eisenbahnen. Anmeldungen an die Direktion der Messe, Bratislava) Hafenstrasse. Telephon 57-7-78 Scheitel, Perücken Transformationen Brantfrtauren aus allerfeinstem dauergewedten Naturhaar liefert für die vornehmsten orthodoxen Damen der bekannte Spezialist für individuelle Frisuren Carl Polak Üamenf t*isecnr Wien, IV., Schleifmühlgasse 3 prompt und billigst für In- und Ausland en groi und en dötall. Bei Bestellungen von auswärts erbitte genaues Haarmuster und Angabe des Masses von einem Obr zum anderen. :!1: Kostenlose Vorführung der neuesten Modelle. Beachten Sie gefälligst die Hausnummer 3 TSCHECHO-SLOWAKEI. Za den Vorgängen in Munkacs. Wir berichteten bereits in der vorigen Nummer der ״Jüdischen Presse“, dass die Munkacser Spira-Gemcinde nach langem, allzulangem Zögern sich entochlosccn hat, den ,Verheerungen des Zionismus auf dem Gebiete der J ug e n d e r z i e h 1111 g nun doch einen Dam ׳n 7 \ setze»״ Jahre hindurch hatten die Zionisten in Munkacs freie Hand die öffentliche Meinung 511־ lenken, wo fie nur wollten. Die offizielle Gemeinde war einfach blind und taub gegenüber allem, was um sie nerum geschah. Hunderte junger Menschen beiderlei Geschlechts, Söhne und Töchter braver frommer Eltern wurden durch die zionistische Propaganda auf Abwege geführt, tausende biederer, schlichter Menschen, denen nichts im Leben ferner stand, als den Traditionen ihrer Väter untreu zu werden, standen ohne Führer und Wegweiser da, als es galt, sich in den bewegenden Tagesfragen zu orientieren und liehen — ohne böse Absicht — ihre Unterstützung den zionistischen Aspirationen; sie wurden unversehens zu ״Bekennern des nationalistischen Stammesjudentums“ und ahnten nicht, dass sin mit diesem ihren ״Bekenntnis“ den erbitterten Bekämpfern des religiös-orientierten Judentums eine Waffe in die Hand liefern. Von der jüdischen Gemeinde, riehtiger von ihrem rabbinischen Obeihaupte hörte man allerdings hie und da lächerliche brutale Flüche gegen die Zionisten. Da aber in diese Flüche in einem Atemzuge mit den Zionisten gleichzeitig fast sämtliche גדולי חדור die bekanntesten Führer des orthodoxen Judentums im In- und Auslande אשד מפיהם אנו חיים inbegriffen waren, so konnten sie logischerweise höchstens nur d i e Wirkung haben, dass sie kein vernünftiger Mensch ernst nahm. Dagegen war es der gross Menge ebenso wie den zunächst interessierten Kreisen in sehr kurzer Zeit bekannt geworden, dass eben derselbe Oberrabbiner Spira mit leitenden zionistischen Persönlichkeiten und auch mit manchen der schlimmsten Hetzer und Aufwiegler In engster Fühlungnahme stand zur gemeinsamen Bekämpfung der Orthodoxie, der orthodoxen Gemeindeorganisat'ion, ihrer offiziellen Vertretung und ihrer vom ganzen Lande verehrten rabbinischen Führer. Das waren nicht mehr leere Worte, die man verzeihend auch als ungewollte Ausbrüche eines verwilderten schrankenlosen ״Temperaments“ und unverfeinerten Geschmackes deuten konnte. Das waren klare, klug berechnete und von vornherein wohlerwogene Taten, die auf ganz bestimmte erhoffte Wirkungen eingestellt waren. Das waren Taten, ausschliesslich auf die S c h ä d igung und Verndchtung.mühseliger organisatorischer Arbeit der Orthodoxie abgezielt, deren Wirkungen jedermann im Voraus sehen konnte. Das waren nicht zu missdeutende Taten, die die Worte des Oberrabbiners Spira über Zionisten und Zionismus vor aller Welt lüge straften. Diese Taten hatten auch unvergleichlich bessere Erfolge als alle Worte. Was wir heute in Munkacs erleben, wird von der Geschichte als direkte Folge der Bundesgemeinschaft des Munkacser Oberrabbiners mit den Zionisten verzeichnet werden müssen. Auf die unseligen sachlich unmotivierten Angriffe des Oberrabbiners Spira auf die Orthodoxie ist die Demoralisierung der Jugend und der breiten unerfahrenen Masse in Munkacs und manchen anderen karpathorussischen Gemeinden zurückzuführen. Die herabsetzende Behandlung aller rabbinischen Autoritäten, die nicht mit ihm durch dick und dünn gehen mochten — und das waren beinahe alle — schuf die Zustände, aus denen jetzt — merkwürdigerweise gerade zu einer Zeit, da der Munkacser Oberrabblner (Zeitungsberichten zufolge) ausländische jüdische Gemeinden bereist — die besser gesinnten Gemeindeführer die Gemeinde herauszuwinden bestrebt sind. Ohne die wertvollen Dienste, die der Munkacser Rabbiner den Zionisten geleistet hatte, wäre es niemals so weit gekommen. Ohne sie hätten die Zionisten es niemals gewagt, sich ausgerechnet in Munkacs als ״Herren der Situation“ zu betrachten. Ohne sie würden heute die chassidischen Massen in Karpathorussland zumindest so stark und gegen jeden Vorstoss der modernen Abfallsbestrebungen mindestens ebenso gefeit dastehen, wie sie sich bei den jüngsten Gemeindewahlen in Polen infolge der organisatorischen Aguda-Ar beit erwiesen haben. Als festgefügtes Glied einer respektablen Organisation würden sich allenfalls die Kämpfe um das Zionistisehe Gymnasium auf einem ganz anderen moralischen Hintergrund abspielen und die Gerechtigkeit der orthodoxen Forderungen in dieser wichtigen Frage würde sicherlich viel klarer an den Tag treten, als dies im jetzigen Augenblick der Fall ist. M Das alles mit der denkbar grössten Deutlichkeit au|zusprechen, erscheint gerade jetzt umsomehr geboten, als die Munkacser Gemeinde seit einigen Tagen einen Abwehrkampf begonnen hat, dersiewiederan dieSeite der gesamten Orthodoxie bringt. Es muss im Interesse der Aufrichtigkeit und der Wahrhaftigkeit festgestellt werden, dass während der Nachkriegskämpfe der letzten Jahre in unseren Ländern keine jüdische Gemeinde sich gegen die Interessen des orthodoxen Judentums so schwer versündigt hat wie Munkacs. Es soll aber auch gesagt werden, dass die Munkacser Gemeinde auf die vollste Unterstützung des gesamten orthodoxen Judentums mit Sicherheit rechnen kann, wenn sie sich auf ihre Aufgabe besinnt und auch mit der moralischen Ueberlegenheit einer wahren קחלח קדושח sich dem weiteren Vordringen des nationalistischen כפירח -Geistes entgegenzustämmen entschlossen ist. Die Sympathien des gesamten thoratreuen Judentums geleiten die klarsehenden Mitglieder der Gemeinde