Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 28 (11.7.1924)
- Date
- 1924-07-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2629891-2630051-2630078--1503-2633271- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
יייייי^יייי Seite 102 Beileidskundgebungen an die palästinensische Aguda. Jerusalem. (J. T. A.) Die palästinensische Agudas Jisroel hat von dem palästinensischen (Generalanwalt Norman Bentwich, ebenso von den französischen und spanischen Konsuln in Jerusalem Beileidskundgebungen ■aus Anlass der Ermordung Jacob de Haans erhalten. Auch aus dem Auslainde trafen Kondolenzen ein. Eine neue Schule in Erez Isroel. Saffet. 1(A. J. P. B.) Die iPalästlnazentrale der Agudas Jisroel hat nunmehr auch an Saffet eine Mädchenschule eingerichtet. Die hierzu notwendigen Räumlichkeiten wurden von dten Pekidim und Amarkalim (Amsterdam) zur Verfügung gestellt. Eine neue Agudozeltung. New York. (A. J. P. B.) Unter ׳Leitung von Herrn Wolk erscheint eine agudistische Arbeiterzeitung in Ne!w York ״Der jüdiche Arbeiter“, welche sich seit dler kurzen Zeit ihres Bestehens »rosse Sympathien errungen hat. Zionistische Organisation und Sabbatruhe. London. (J.T. A.) Im Zusammenhang mit den Protesten der orthodoxisch gesinnter Kreise der palästinensischen Judenheit in der Angelegenheit der Verstösse einiger zionistischer Persönlechkeiten in Palästina gegen die Sabbatruhe, hat die Exekutive der Zionistischen Or- Zganisation eine Entschliessung angenommen, dass die Beobachtung des Sabbat in jeder Weise respektiert werden solle, dass aber die Exekutive nicht die Macht besitze, irgendwelche Verstösse, die sich einzelne Persositze, irgendwelche Verstösse, die sich einzelne Personen in ihrem Privatleben zuschulden kommen lassen, zu verhindern. (Diese weise Selbstbeschränkung der zionistischen Exekutive ist wohl in Anbetracht der grossen Zahl ihrer Mitglieder, die sich öffentlich über das höchste jüdische Gesetz, über die Thora hinwegsetzen, verständlich. Unverständlich bleibt bloss •die Leichtgläubigkeit!jener thoratreuen Kreise, welche die allfälligen Kongressbeschlüsse über die Respektierung des Thoragesetzes ernst nehmen. lAls Agudas Jisroel im Jahre 1918 mit einem Angebot an die zionistische Organisation herantrat, in Erez Jisroel gemeinsam das Aufbauwerk zu vollbringen, hat sie vor allem die Anerkennung und ׳Respektierung des Thoragesetzes verlangt, worauf sie eine Antwort bekam, aus der wir folgendes hier bringen: ״Auch wir würden es mit Freuden begrüssen, wenn eine Verständigung zwischen uns und Ihrer Organisation herbeigeführt und dadurch JÜDISCHE PRESSE die Gefahr einer Zersplitterung der Palästinaarbeit vermieden werden könnte. Wenn Sie jedoch als Vorbedingung einer derartigen Verständigung die /Abgabe einer Erklärung seitens der zionistischen׳!Organisation über ihre Stellung zu den Geboten der jüdischen Lehre verlangen, so müssen wir Sie darauf verweisen, dass unzweideutige und bindende Erklärungen in dieser Richtung seitens der zionistischen Organisation bereits auf den ersten Zionistenkongress und auch später wiederholt abgegeben worden sind, und dass kein Anlass zu einer neuen Erklärung vorliegt., Weder innerhalb der zionistischen Organisation — und diese umfasst ja auch viele Tausende von gestzestreuen Zionisten — noch bei den thoratreuen Massen des jüdischen Volkes im Osten sind Stimmen laut geworden, die die Abgabe einer solchen Erklärung von uns gefordert hätten.“ Orthodoxe Juden unterbrechen den Gottesdienst der ״lebenden Synagoge“. Riga. (J. T. A.) In Poltawa, dem Hauptsitz der ״lebenden Synagoge“ fanden Streitigkeiten zwischen orthodoxen Juden und Mitgliedern der neuorganisierten ״lebenden Synagoge“ statt. Seit der Bildung dieser Sekte pflegen orthodoxe Juden die Sitzungen zu besuchen und den Anschauungen der ״lebenden Synagoge“, dass die Lehre der Thora von Lenin im ,Kommunismus verwertet worden ist, entgegenzutreten. Letizhin fand sich eine ganze Reihe orthodoxer Juden an dem Versammlungsort ein und protestierte gegen die Entweihung der jüdischen Lehre durch die ״lebende Synagoge“. Es kam :zu heftigen Zusammenstössen, Tische und Stühle wurden durcheinander ,getworfen, und die Ver- Sammlung endete in völliger Verwirrung. (Aus dieser!Meldung ist nun zu ersehen!, dass die' Gründung der ״lebendigen Synagoge“ als ernste Gefahr für die von tausend -Wunden!blutende thoratreue russische Judenheit!zu betrachten ist. Nach den liberalen und nationalistischen Versuchungen kommt letzt die sozialistische. In diesem Kampfe darf die thoratreue russische Judenheit nicht ohne Unterstützung ׳bleiben. Die Förderung des Keren Hathora, der die Möglichkeit hat, dlie wenigen russischen ■Lehrhäuser mit Büchern!zu unterstützen, ist ein geeigneter Weg, um so der thoratreuen Judenheit in Russland Hilfe zu gewähren.) Eine Berichtigung. Zürich. Zum Ableben Dr. Rappaports erhalten wir von der Witwe des Verstorbenen׳ folgende!Mitteilungen: ,/Wein unvergesslicher lieber Gatte hat nie der m i s- Nr. 28 rachistischen Bewegung ,angehört; er stand' über allen Parteien. Die Einnahmen aus seiner literarischen und journalistischen Tätigkeit waren Ihm nur eine Nebenbeschäftigung. Den grössten Teil seiner Tätigkeit (widmete er seinen wissenschaftlichen1 Arbeiten.“ Die orthodoxe Fraueabewegung in Polen. Warschau. CA.. J. P. B.) Die orthodoxe Frauen- Organisation ״!Betih Jakob“ entfaltet eine eifrige Tätigkeit. In Warschau fand in letzter Zeit im grossen Saal der ,yObawazeleitih“ Mädchenschule eine massenhaft besuchte Frauenversammiung ׳statt. Das Hauptziel der Frauenortganiisation (Befih Jakob ist die Gründung unjdi Erhail'tung der Beth Jakob Mädchenschule. Die neugetgründe-׳ teni Beth Jakob Schulen ׳in Mtlaiwa and In Stanislau machen gute Fortschritte. Die!letztere wird1 bereits von!1180 Kindern ׳ besucht.!Die 4. Nummer des Frauenioumals!Beth Jakob erschien ■zum Fessaah. Rabbi Chaim Oser Grozenski, Wilna an die ameräcanl• sehe Judenheit. New York. (A. J. P. B.) Das Zentral Relief-Komitee' erhielt von Rabbi Qhaim Oser Grodzeniski. Wilna, einen * Brief, der der Oeffentlichkeit übergeben wurde. Rabbi Chaim Oser Grod׳zen׳ski bittet die amerikanische Judenheit, die Anwesenheit deT grossen Rabbinerdelegation dazu zu benützen, die Existenz und Zukunft der Thoralehranstalten in Erez Jisroel und in Golus,!zu sichern. Die Wiener Herbstmesse. Oie Anmeldungen zur Wiener Herbstmesse erfolgen in einer, sebst nach dem glänzenden Ergebnis dler Früh- Hahrsmesse kaum erwarteten׳ grossen Anzahl, da sie die bis zur gleichen Zeitspanne vor der letzten Messe eingelaufeneni Anmeldungen der Anzahl nach um 63 Prozent, dem Rautoanspruobe nach um 51 Prozent übersteigen׳. Insbesondere ist das Interesse des Auslandes und der Bundesliänder statrk gestiegen. Es!wir daher nötig sein, diass auch dfe stäridfigen Aussteller mit ihrer Anmeldung nicht bis zum Abläufe dies AnmeldUngsteTmines (lä. Juni) warten, wenn sie Ihre Wünsche bei dler FlatzZuteilung berücksichtigt sehen urid dies Voranmeldüngsrabbates teilhaftig werden wollen, 'dessen Geltung ׳am 15. iMai erlischt. Auch hofft die Messdeitumg, diesmal tatsächlich den VoTkatalog hierausbrinlgen zu können, und wird zu diesem Zwecke mit. der Pllat׳zizute!ilung schon vor 1dem Schluss des Anim eil d!u mg »!t e rmiue-s b e- ^ginnen müssen, da in dien Katalog nur jene Firmen ausgenommen werden׳ können, denen ein Platz zugewiesen wurde. Die Aufnahme erfolgt kostenlos. TSCHECHO-SLO W AKE1. Was lehrt uns die Bluttat in Jerusalem? Der geheiligte Boden׳ der heiligen Stadt Jerusalem ist mat Blut befleckt worden, mit jüdischem ׳Blut. Ein Jude hat es mliti seinem Leben büssen müssen, dass er dem Terror nicht weichen wollte, dass er in Erez Jisroel immer noch das Land -sah, ״in dem die Augen Gotttes stets weilen“ und das seit Urbeglinn dazu auserkoren war, ein Land des jüdischen Heiligtums zu sein und nicht der Tummelplatz f-üT allerlei thoralose nationalistisehe Experimente, deren Ziele fernab vom Judentum zu *uchen sind. Dieser Jude hiess Dr. Jakob Israel de Haan. Mörderhand hat ihn inmitten! seines besten Schaffens für Juden und Judentum zu Boden gestreckt. Drei Dum-Oum-Kugeln haben׳ in deT ,heiligen Stadt. Jerusalem ein (Menschenherz -zerrissen, von dem die (Mörder und׳ noch mehr deren intellektuelle Anstifter ganz genau wussten, dass es keine andere Sehnsucht kannte, als das Judentum ln seiner Blüte, auf der Höhe seiner ewigen, aus Gottes Hand selber empfangenen religiösen und sozdalen Mission zu wissen. Er starb, weil er ein!Jude war, der sich selber ernst und׳ die reichen Gaben seines Geistes und seines Wissens als «Mittel betrachtete, ׳die ihm vom Schöpfer verliehen wurden, um damit seinem Volke, dem Volke der Thora und der gottgebotenen מצות zu dienen, weil er sich keineswegs hinter die!Hecken seines Hauses, im Schatten ״seines Weinstockes und seines Feigenbaumes“ verbergen wollte, wenn klare Einsicht in die Verhältnisse des Judentums zur Arbeit mahnte,!wenn die nüchterne Erkenntnis von deT werdenden Wirklichkeit .im heiligen Ln ade zur!Tat, zur zielbewussten, zielstrebigen Tat ׳auifforderte. Er war ein כעל תשבח ׳war aus der Fremde zum w!ahren, thoratreuen Judentum, zur thoratreuen! -jüdischen Gesinnung und zum thoratreuen jüdischen ,׳Lebenswandel heimgekehrt. D a s war ein Verbrechen, das in einer Zeit der Verw;i׳iderung, •der schmachvollen künstlichen׳ Ertötung des Volksgefühls für wahre jüdische Grösse, mit dem Tod durch iMörder-hand bestraft werden musste! Gleich vielen, leider sehr vielen unserer jüdischen Zeitgenossen hing er in den Jahren seiner Jugend fremden Idealen nach. Unter den geistigen Erschütterungen des. Weltkrieges drängte sein Sinn für Wahrhaftigkeit ihn nach dem Judenlturne hin. Aus der fremden Weltanschauung heraus konnte er ׳nicht anders als den Weg zum Judentum einschlagen, der ihm der kürzeste schien; er wurde Parteigänger *des Zionismus. Er war^ freilich keiner!von den Zionisten, die daheim bei ׳den ״Wirtsvolkern“ ausharrend für ein ,jüdisches National ׳heim“!(gemeint ׳ist immer nationalistisches!Heim!) — Propaganda machen׳, sich;in der jüdischen Gasse Volkstribunen gleich geberden und nach (Mandaten grätschen. Er ging selber -nach Erez Jisroiel, um an Ort und Stelle seine Kräfte für das neue Ideal ■einzusetzen. Auch diese seine Arbeit für den thoralosen Zionismus, die sehr gern gesehen wurde, war noch ein Ausfluss der fremden Weltanschauung, die er in sich aufgenommen hatte. Das zionistisohe Trugbild ׳hielt ihn auch noch im (Banne, als er bereits die jüdische religiöse Wahrheit erkannt und in seiner Eigenschaft als Professor der Rechtswissenschaft an den von der Regierung errichteten Kursen auch allmäjhligl eine Vorstellung!von ׳der Gefährlichkeit der Politik gewann, die von Seiten mancher :zionistischer tollkühner Brauseköpfe in ׳Bezug, auf das!Verhältnis der Juden zu den Arabern getrieben wurde. Er glaubet lange Zeit, dass es möglich sein ■werde, die ®ionistischen Führer sowohl in ■ihrem Verhältnis zur תורה חק״ דושח als auch vielleicht bezüglicher des friedlichen Ein- Vernehmens mit den nächsten Nachbarn eines Besseren zu belehren und zu׳r Einsicht zu bewegen. Deshalb gehörte er übergangsweise der religiös gefärbten aio-* nistischen (misTachistischen) Fraktion an. Dieser Gebergangszustand konnte jedoch nicht lange anhailten. ׳Dort im Brennpunkte der jüdischen Zukunftskämplfe, dort im Angesichte des Z e r s t ö r u n g ■s w e r k e s, das unter dem Titel ״Aufbau“ an den jüdischen! Ewigkeitsgütern ׳vollbracht wird, musste sein scharfer Blick, sein nach wahrem Judentum lechzendes Herz erkennen, wo seine Lebensaufgabe liegt. Er tat תשובח שלמח und fand ■den Weg ׳zur Agudas Jisroel. Et wusste, dass er mit diesem Schritt das grosse!Heer der Schreier in Erez Jisroel für immer verliess und sich :in •das kleine Lager derjenigen ׳begab, die sich zur Stunde von allen Seiten angefeindet im (Hintertreffen beifinden. Das schreckte ihn nicht ab. Et war vom Scheitel bis zut 1Sohle ein moderner Politiker und war zu sehr mit dem Getriebe der PaTteibewegungen in unserer Zeit vertrtu, um nicht die Lebensdauer solcher auf die Leidenschaft der!Massen und die Wirkung der höhlen Phrase aufgeba-uten! Organisationen gegen den Wert einer Gemeinschaft richtig abzuschätzen, die auf das Wort Gottes sich stützt und ׳in der ת1רח חקדושח allein iWegleitung sucht. (Die Agudas Jisroel war für ihn das geworden, was sfie für Tausende und 'Hunderttausende schon längst war: Der organisatorische Ausdruck für den jüdischen Klal, der alle seine Lebenlsäus s er׳u:n.gje׳n an 1׳dler, Thor(ar zu orientieren entschlossen ist. Diese Neuorientierung seiner Politik an den Not- Wendigkeiten der ת1ח״ק diese Schärfung seines Rechtssinns an der (Wahrheit der תות״ק und die Hilfe, die er damit dem grossen Führer ׳des orthodoxen Judentums in Erez Jisroel, Rabbi Chaim ßonnenfeld, geleistet hat, wurde ihm zum Verhängnis. Das war sein grosses Verbrechen. Das machte ihn zwar zum wertvollen Mitarbeiter für die יראידי, zu einer der äusserst wenigen Persönlichkeiten unter den Juden der Gegenwart, die dazu prädestiniert waren, das chemalige, vorzionlistiisohe, friedliche Verhältnis zu ■den arabisehen Stämmen wieder herzustellen, gerade dies trug ihm aber bei den Zionisten Hass und Verfolgung und in ׳der für solche Zlwecke von den Zionisten besonders stark geheizten mis rachi s tli-sch e n Presse das Wutgeheul בוגד, בוגד!״“ ein. Dr. Jacob Israel de (Han kannte die Atm o s p h ä r e, die alle seine!Schritte umkreiste, kannte auch ganz genau die Moral, den Geist des Terrors und der G e w a 111 ä t i g k e 1i t mit denen man im z i 0nistischen Erez Jisroel die Wege der orthodoxen 1Klal Jisroel für lange Zelt versperren will. Er wusste aber auch, dass wir verurteilt sind, in einer Zeit zu leben, in der von jedem einzelnen Glied eben dieses Klal m e ׳h t ׳denn 1j e!zuvor מסירת הגפש im׳ wörtlichsten Sinne gefordert werden muss. Und er, der 3על תשובהscheute sich nicht, auf der!Bahn der persönlichen!Opferbereitschaft -voranzuschreiten. Wer weiss es nicht, dass SeneT Geist, ׳der die Mörder Jacob Jisr-aels de iHan’s in Erez Jisroel zu ihrer verruchten Tat inspirierte, überall wo deT Zionismus das Judentum ״erobern“ will, Eingang zu finden droht? Gewiss: die Zionisten verabscheuen -den!Mord gleich ׳allen gesitteten Menschen. Wir glauben ihren Versicherungen, dass sie Jede Gemeinschaft mit den( Meuchelmördern de Han’s weit!!von sidt weisen. Gewiss: es war Wahnsinn, deT die Mörder an den Eingang des Bethauses im Hofe des Schaare Zedek-(HospitaIs stellte. Wir fragen aber weiter: Ist!es nicht d e rs elb e 1Wah nsinn, der auch in anderen ׳Ländern und vor allen Dingen hier bei uns in der Slowakei den (Hass gegen das orthodoxe Judentum׳ künstlich züchtet? ׳Möge sich jeder ״Schekelzahler“ einmal ernstlich diese Frage vorlegen! Uns orthodoxe Juden le׳h)r׳t! der Mo/rcF an de Han: mit gesteigerter Energie, im