Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1924-06-06 · 23 (6.6.1924) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
23 (6.6.1924)
Date
1924-06-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2629891-2630051-2630073--1457-2633220
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

V. b. b. jüdische hiüs ORGAN FÜR PIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration t Wien, 11״ Malzgasse 12 a. - Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreiset Ganzjährig: Für Oesterreich K80.000, Deutschland Goldmark 8, Polen Zloty 8, Tschecho-Slowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar 2, Italien Lire 25, England Shilling 7, Rumänien Lei 300, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100.000. Einzelnummer öst. K 2.000. Nr. 13.458; für Polen: Postsparkauenamt Warschau, Konto Nr. 190.408; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram, Ko. N. * 40.217; f.Rumänien: Banca Marmarosch Blanc & Co für Florenz 8t Co, Bukarest; für die Schweiz: Postschedck. Luzern V1I.1470. Np. 23 Wien-Bratislava, 6. Juni 1914 .ויענה־פועססבורג ד* פיון תיפ׳ד n*3 | io. Jahrg. Himmel and Erde. Ist ■es nicht klar und selbstverständlich, .dass die Innigkeit altjüdischer Forscherweisheit den Versuch gemacht hat, die grosse!Stunde der Offenbarung mit allen guten und reinen Gedanken zu umkleiden? Dass sie alten Segen, altes Glückes Wurzeln! auf diesen Tag zurückführt? So verstehen wir es, wenn sie auch in den zukunftsweisenden Taten der Ahnen eine Vorahnung der Sinaistunde eiMckt, wenn sie einen irmeren Zusammenhang zwischen Isaaks Segen an Jacob und der Weihe der Offenbarung herstellt. Fast klingt; es wie ein Rätselwort, wenn einer der alten Weisen; sich vernehmen lässt: Isak sprach: Und er gebe dir vom Tau des Himmels — das ist die Thora; und von; den Fettigkeiten der Erde — das ist die Misohna; j und die Fälle des Getreides — das ist die Gemara;; und Most —das ist die Agadah. Ein Rätsel? Nein, denn die Jahrtausende haben : es gelehrt und am Offenbarungsfeste dringt es uns; unwiderstehlich ins Bewusstsein, dass das Glück der Enkel Jacobs sich nicht im irdischen Gut erschöpft. ״Tau des Himmels.“ Fast beschleicht uns imsag־ bare Wehmut. Vom Himmel sandte der Allmächtige sein Wort, seinen Geist — und was haben die Mensehen aus der Thora Wort gemacht! Menschenwort und Menschenwitz haben sie gesucht, Erzeugnis irdisehen Irrens und irdischen Denkens, kleiner Weisheit zersetzenden Masstab haben sie an der Thora Wort gelegt, haben zerlegt und geschieden, haben gedeutet und geändert haben den Blumenstaub himmlischen Glanzes hinweggeweht. Und doch Segen bedeutet es nur dann, wenn die Thora allezeit s 0 geschaut, ־s 0 gelesen wird, wie es ein Wort der Ewigkeit, ein Gedankenausdruck des Höchsten verdient. Dieser Glaube steht an der Pforte von Jacobs Werden, und *wehe dem Geschlecht, das schamerfüllt am Feste der *SX5KS1 שבועות 1<53©®K9©R2®R9©R£ Offenbarung sich dem Himmel verschliesst, und Heil einer Zeit, die demutsvolj ihre Seele dem Segen des Himmels entgegenträgt. Doch der Erde hat Gott selbst diesen Tau vermacht, der Erde und dem vielgestaltigen Leben. Das ist das Wesen der mündlichen Lehre, wie man sie nennt Das ist keine noch so entfernt liegende Beziehung des alltäglichen Löbens in Leid und Freud, in Genuss und Entbehrung, in Erwerb und Besitz, die nicht von diesem himmlischen Tau befruchtet wäre. Die Vermählung von Himmel und Erde, das ist das Wesen der Mischna. Und deshalb lesen wir Mischna, wenn wir in den geheimnisvollen Stunden des Keimens in dunkler Nacht dem Morgen des Offenbarungsfestes wach entgegeriharren; und dämm lesen wir Mischna, wenn eines staubgeborenen Menschen unsterbliche Seele sich dem Himmel Wiedervermählt hat, und bannen also ihr Angedenken dem Weben und Werden der Erde. Aber die reife Frucht ist die Gerama; es ist der Weg, der jedes einzelne Gebot, jede einzelne Massnähme behutsam wieder zur ersten Quelle, zum Tau :des Himmels zurückführt. Wie bunt ist er!doch, dier:ser Weg! Bald führt er durch die ebenen Gefilde wörtlicher Ueberlieferung״ tmjd scheinen sich ihm •zerklüftete Höhen mühsamem tiefgründigen Denkens entgegenzustürmen. Aber jeder Hauch weist gegen!oben. Lebensspendend und lebenserhaltend ist die Frucht, die auf diesem Weg gepflückt wird, geeignet, den Hunger auch des regsten Geistes zu stillen, sorgend, dass nickt alt!werde Jacobs Zelt. Es ist die Fülle köstlichen Getreides. Jedoch du könntest ja müde werden auf dem •weiten, steilen Weg zur Höhe des Himmels; da sieh einmal, wie reich, wie glücklich du bist. Sendet dir doch der Ewige -seine Engel, um dich zu behüten auf alten deinen Wegen, lächelnde, spielende Engel, Boten der Schönheit und Innigkeit, das sind die Worte der Agadah, perlender, goldblinkender Most. Bald ein Blick in das Innenleben der grossen Meister, bald ein kräftig Wort mahnender Spruchweisheit, bald ein Flüstern׳ der tiefsten Geheimnisse aus deT Seelenwelt, bald ein Gruss aus dem lichten Jenseits. Da löst sioh alles Leid und da lacht die ewige Jugend und trägt dich empor auf sanften Wogen, dass du auf der Erde noch wurzelnd, doch schauest den Zauber des Himmels. Als dereinst im ersten Heiligtum die Span'gen und Bretter, die Teppiche und die Riegel aneinander gefügt werden sollten, dann erklang die Mahnung: das Zelt soll zur Einheit werden. Es ist dieselbe wörtlich treue Mahnung, mit der Isak einst seinen Sohn segnete, es ist dieselbe Bitte, mit der das Offenbarungsfest an uns herantritt. Himmel und Erde geschriebene Satzung und das Wort des lehrenden Mundes, Weisheit und Schönheit frohes Gelingen und heiteres Wollen — gibt es höheres Glück? P. K. .שבועות Das Fest der Offenbarung, an dem uns G־tt, *den wir zuerst erkannt haben, seine תורה gaib, die uns Erzieherin, Leiterin i״m Löben, Trost im׳ Leiden seit nahezu 4 Jahrtausenden ist, naht heran. Ohne uns die Freude an irdischen Genüssen zu verleiden, gibt uns die תורה die Richtung, den Geist und die Ethik über die persönliche Kraft ־zu stellen. Drei Säulen sind es, auf denen die irdische Welt aufgebaut ist: תורה׳ עבודה ונ״ח. & Die Lehre, die uns die Regeln und Vorschriften für alle Belange des Lebens gibt von der Wiege bis zum Grabe; 1deren 1U e b u n g in G-ttesdienst und M e n s c h e n d i e n s t. Seit der Emanzipation haben die Einflüsse un- Der Traum des Rabbi. i (Farttsetzamz.) Ich erfüllte getreulich alle Gebote und Satzungen, aber nicht in dem zagenden Bewusstsein menschlicher Schwäche und Unzulänglichkeit, sondem in stolzer Uebef-hebung, dadurch als Muster und Beispiel für;andere hingestellt zu werden. Mir fehlte die Demut, die Bescheidenheit! Und wenn ich auch bei jeder Gelegenheit auf den Lippen die Worte der Weisen trug, die Selbstlosigkeit, Gottergebenheit und demütigen Sinn als höchste Ideale künstelten, so wusste mein Herz nichts davon. Audi da war es mir nur um den Schein zu tun, es genügte mir, anderen als das zu gelten, was ich in Wahrheit nicht war und was ich wohl auch bei einer strengen, ehrlichen Selbstprüfung erkannt hätte. Aber wie ferne lag mir diese Selbstpriifung! So kam es, dass auch meine schönen, erbauliehen Worte weniger geeignet waren, mich als andere zu bessern und zu veredeln, und in Selbsttäuschung versunken, gelang es mir, ohne eigentliche böse, betrügerische Absicht auch andere zu täuschen. Wohl auch Euch, Rabbi, meinen geliebten Lehrei־! Ich glaube dies, wenn! ich mich der Worte erinnere, die Ihr zu mir sprächet, als ich — Eurem Rat folgend — vor mehr als fünf Jahren diese Stadt verliess, abschiednehmend vor Euch stand. Nachdem Ihr mir Eure Hände segnend auf das Haupt gelegt, waren Eure letzten Worte an mich: .,*Gebe der Allmächtige, dass ich dich, wenn du heimkehrst und' ich dich wiedersehe, so finde, wie du heute von mir gehst?“ Mit Eurer Zustimmung und auf Euren Rat sollte ich für zwei Jahre die Heimat verlassen und in M. auf der grossen tahnudischen Hochschule in Deutschland meine Studien vollenden. Der günstige Umstand, dass in dieser Stadt ein naher Verwandter meines Vaters s. A., ein reicher kinderloser Mann lebte, der freudig während dieser Zeit für meine Existenz sorgen wollte, machte es möglich, dass ich diesen Plan fassen und mich zu den Jüngern des grossen Lehrers gesellen durfte, der heute noch als die höchste Autorität in ganz Israel gilt, an den die gefedertesten Rabbiner alter Länder sich in zweiteIhaften Fällen mit ihren Anfragen wenden, um nach seinem Bescheid zu lehren und zu urteilen. Dank Eurer Empfehlung, Rabbi, war ich sicher, Aufnahme in das Lehrhaus dieser Leuchte Beils zu finden. Ihr, Rabbi, wäret auch so gütig damals, in mir die Hoffnung, ja die volle Zuversicht zu wecken und zu nähren, dass ich, wenn ich nach zwei in ungestörtem Studium verbrachten Lehrjahren wieder heimkehre, trotz meiner Jugend schon der Berufung auf einen' Rabbinersitz gewärtig sein dürfte... Meine Tränen fliessen, wenn ich heute bedenke, wie unwert ich de* guten, hohen Meinung war, die Ihr von mir einst gehegt... So mächtig mein Wissensdurst, das Verlangen in mir brannte, rasch auf den Weg vorwärts zu kommen, der mich zu den Zielen meines Ehrgeizes führen sollte, leicht fiel es mir nicht, die Heimat zu verlassen,mit der ich durch so viele Fäden verbunden war. Ein Stück meines Herzens blieb zurück... Rabbi, ich will Euren, so ganz dem Heiligen zugewandten Sinn nicht damit behelligen, dass ich Euch des Langen und Breiten auch von den Regungen einer mich ganz in ihren Bann zwingenden Liebe spreche, die den Jüngling zu jener Zeit erfasst hatte. Aber ich muss davon sprechen, weil dieses Gefühl mitbestimmend auf meine Entwicklung wirkte. Ich darf aber auch davon sprechen, ohne fürchten zu müssen, Euer Ohr durch ein sündhaftes Bekenntnis zu verletzen. Denn es warein ebenso mächtiges als — ich schwöre es ־־־ keusches Gefühl der Liebe, das sich in meinem Herzen für die ebenso berückend schöne als fromme, kaum noch den Kinderschuhen entwaohsene Tochter eines edlen Hauses entzündet hatte. Sie war, das schien mir als unerschütterliche Gewissheit, die von aller Ewigkeit her vom Himimel mir bestimmte Gattin, die mein Glück auf Erden sein würde. Nur selten war 08 mir vergönnt sie zu sehen, noch seltener, ein Wort mit ihr zu sprechen, und sicherlich haben rhr meine Augen immer mehr als mein Mund gesagt. Ein günstiger Zufall; — oder war es mehr als Zufall? — wollte es, dass ich sie kurz vor meiner Abreise einen Moment, trotzdem sie von einer Freundin begleitet war, unbelauscht sprechen konnte. Ueberwältigt von dem Schmerzgefühl der Abschiedsstunde entrang sioh mir, fast ohne zu wollen, die Worte: ״Ich komme in ,zwei!ahren zurück. Wirst du auf mich warten? Bei Gott schiwöre Ottmar Schiff —===== .1 »«ש — — kärntnerring 1h. 8 (gegen!»« dem fiote( Bristol). Cei. *1-J-62 ■- Oie gr$$1te internationale Kmutwerkititte für -- Perücken, Scheitel und Cransformationen €» gro» — en ««all / Blllünte ennanftgnelie / Pie Hemeiung in gaum, (!««gemeine■ nawpaar!liefert seit wehr all aadertbalb Sabriebatt« dca ooraebNitca orthodox(« Datei «Iler Hader Pericke« SacxlalUt 1« Bra«t*$cbelttla. Die« werde! 4er midebeafrisiir Nit oerbliffeader Clasebaag «acbgeNacbt. * * ■T Un vor Tmtäbnwg 1« »chgtiea, bitte 4ea OoraaNea OTHMAR aad die Jldrosc geaaa 1« beachte» 1 *Wm

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.