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Jüdische Presse · 1924-05-23 · 21 (23.5.1924) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
21 (23.5.1924)
Date
1924-05-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 142 JÜDISCHE PRESSE_Nr. 21 |30®0@3®0 TSCHECHO-SLOW AKEI. 0000030® Die Brutstätte der Verleumdung. •Wir berichteten in unseren jüngste!• Nummern!über den Kampf, den die Zionisten und Nlisrachisten neuerdings gegen idas glaubenstreue Judentum Mi unserem Lande urid besonders geigen das orthodoxe Zentrialbureau in Bratislava wieder eröSfmet haben. »Das Signal zu diesem Kampf wurde von •ihrem oberstenl Heerführer Nahum So ko ׳low in!London ׳gegeben. Rabbi Ghajim Sonnenfeld; der verehrte Führer der gesinnungstreuen Orthodoxen Jerusalems, hatte die Kühnheit, dem König Hussein gegenüber zu erlklären, dass es ausser Zionisten auch noch orthoidoxe Juden auf der Welt gibt und dass dieise orthodoxen Juden iden Anspruch erheben, in Fragen der jüdischen Gesamtheit, der jüdischen Religion und des Heiligen Landes auch gehört zu wenden, zumal sie ln der Agudas Jisroel organisiert sirtd und niemals irgend einer anderen Organisation Vollmacht erteilt haben, auch in ihrem Namen zu verhandeln. Dieses Auftreten der Orthodoxie ist in den Augen So׳kolo׳ws natürlich ein Kardinalverbrechen, ein schwerer ״Verrat“ an . . . an . . . nun an irgend etwas, was!kein Mensch rähier zu bezeichnen vermag, weil es nur in der überflitzten Phantasie der Zionisten existiert. Wenn aber Nabuim Sokolow der Meinung ist, dass man das ortihodoxe Judentum ״Moras“ lehren und solange drangsalieren müsse, bis es seinen harten Nacken beugt urtd sich der Vormundschaft der zionistischen Volksbeglücker unterwirft, so wirkt sein Befehl auch in Pr ag, Brafislava und Munkacs elektrisierend. Nicht nur die gesdhworenien, in Ehrfurcht ersterbenden Sklaven des Zionismus, die wackeren Misrachis'ten, sondern auch andere, von Jedem anderen Autoritätsglauben durch die Wunderkraift des Zionismus so gründlich ״freiigelösten“ Zionisten in der Tschechoslowakei kennen, seitdem der Geistesfunke ׳von dem ,,!Verrat“ deF Aguida in die iWelt 1hinausgesprüht wurde, kein heiligeres Gebot, keine!dringertdere Aufgabe, als dlas orthoidoxe Judentum mit jallen erlaubten• unid! unerlaubten Mitteln!zu bekämpfen. Und dass bei unseren lieben slowakischen und karpatborussischen Zionisten auch die u n erlaubten Mittel zu den erlaubten zählen, ‘ist doch wohl eine moralische Selbst verständlichkeit. Das ist der Ursprung, die dynamische Kraftquelle der neuen Verieumtdiungswelle in den zionistischen Zeitungen u׳nd Versammlungen! gegen die Orthodoxie. Das grosse Geheimnis ist: Die zionistischen Glücksritter des Judentums benötigen im Augenblick für ihre s p e z i e 11 en P a r t e i z w e c k e . i n der Dojw-nlng Street und auf dem ״Oelberg eine wegge.ldrängte, we>ggewählte oder zumiindest w egdem 0 ns t!r i e r t e, weggeschriene Orthodoxie. Dieses edle Ziel soll nun auch ln der Slowakei u m jeden Preis erreicht werden. Die Ermutigung zu dieser neuen Hetze schöpfen sße einerseits aus der Nachricht,!die von seiten klier Orthodoxie 1bisher ihnen gegenüber geübt wurde, andererseits aus dem ״Erfolg", den diese ihre Arbeitsmethode bei den Parlamentswahlen .in Pddkanpatsko IRuss zu verzeiohnen hatte, und :schliesslich in sehr erheblichem Masse auis der Bundesgenossenschaff, die sie zu jeder Zeit! bei gewissenlosen Wühlern im Lager der Orthodoxie selbst finden. ׳Bei der Neuigestaltuing unserer staatlichen Verhältmisse glaubten die alten und neuen׳ Feinde der Orthodoxie ihre Zeit gekommen׳. Schien es!doch das ׳Einfachste von der Welt, die vorsichtig tastende, bedachtsame und bedächtlge, von der Last tausendfältiger Verantwortung •gehemmte Orthoicfoxiie von Ihrer organisatorischen Stellung mit einem verwegenen Ruck hinauszudrängen׳ und׳ ohne viel Federlesens Ihren Platz ■eliniziu nehmen Das bisschen Gesinnungsänlderung, die mancher von ihnen( dabei vornehmen musste, War im Handumdrehen zuwege gebracht. Kaum dass man siah’s versah, ©ab es •im Lager tdier Gegner nur noch waschechte jüdische!Ueberna'üonalisten, die bis in die Fingerspitzen von der hebnäisierten Kultur der Zionistischere Erlösungsepoche durchdrungen׳ waren. Schnell «in ganzeis ׳Dutzend Schlagwörter aus einem Handbuch des Zionismus in den Rucksack gesteckt, hurtig einen tadellos funktionierenden ״!Volksverband“ gegründet, durch einige gute Freunde und Gesinnungsgenossen׳ sich in aller Eile dem amerikanischen׳ ,Joint“ als legitime Vertretung der slowakischen Gesamtemdenheit vorgestellt und los gegen das orthodoxe ׳Bollweilk! So glatt und ©infach igirrg’s aber nicht. Erstens fiel es den orthodoxen Führern, diesen schweibewegldchen Rabbinern, nicht ein, sich von etlichen hingen Advokaten older solchen, die es noch zu werden hofften, über den׳ Haufen rennen zu lassen׳. Und zweitens haben tüchtige Männer in der tschechoslowakischen Republik in •sehr kurzer Zeit mit sidherer Hand die Grundlagen zu einem Rechtsstaat geschaffen׳, der sich nacht so ohneweiters zu Rechtsbruch und* Entrechtung hergibt. Der Ansturm war abgeprallt. Die orthodoxen Gemeinden rekonstruierten ihre Gesamtorganisation auf staatlich anerkannter Rechtsbasis und in Bratislava wurde die ortihodoxe Zentralkanzlei neuerrichtet und mit -allen Befugnissen ausgestattet, die der offiziellen Vertretung fast sämtlicher Gemeinden des Landes zukommen. Dieser Wirklichkeit gegenüber mussten die Gegner des orthodoxen Judentiuns, die sich nun erst recht um die blaanweiss angestrtchene Flagge des nationalistischen Zionismus sammelten, zu neuen Kampfmitteln greifen. Man begann sich nach oben und unten durchzubohren, zu graben und zu wühlen, zu hetzen und m verleumden, zu verdächtigen und anzuschwärzen, zu beschimpfen und zu verunglimpfen, zu lügen und zu verdrehen. ׳Unzählige Male hätte das orthodoxe Zentraibureau Veranlassung gehabt, mittels des Strafgsesetoes die Angreifer mundtot zu machen oder sie doch für alle Fälle in die Schranken der Wahlanständfgkeit zu nötigen. Im Bewusstsein ihrer moralischen Ueberlegenheft ertrug die Orthodoxie alle Beleidigungen, die Führer liessen alle auf ׳sie persönlich konzentrierten Beschimpfungen geduldig über sich ׳ergehen und waren sehr, a 11 z us e h r n a c h s d c h t i g. Das eine!Mal wallten sie nicht1 einen grossen Teil der Rabbiner unseres Landes van den Angreifera als Zeugen vor Gericht zitieren lassen. Das andere Mal glaubten sie dem ״verantwortlichen*‘ Redakteur der ״Jiid. VolkSaeitung“, er sei an!den in seiner Zeitung von nicht ׳festzustellenden Verfassern verötffentlichten Artikeln absolut unbeteiligt, gaben sich ider Farm nach mit einer winselnden Unschuldsbeteuerung (!in einer versteckten Ecke seiner Zeitung abgedruckt) ■zufrieden ׳und liessen *den Mann laufen. SahÜe&slich sind’s doch!jüdische Kinder, die früher oder später zur Einsicht gelangen weiden. Diese Milde und diese Nachsicht erwiesen sich jedoch als u n a n g e b r a c h t. Sie gaben den Zionisten und Hetzern nur neuen Mut zu noch dreisteren urtd sinnloseren Beischuldigungen, ׳wie unseren Lesern!bekannt ist. Die achtizebntausered Stimmen, die die zionistische Liste!bei den Pa r 1 am e nts w ah 1 e n in K»arp׳at׳hor u s s 1!a n ׳d ׳gegen die Liste des Gegenkandidaten Dr. Kroo erlangt hat, lassen den Zionisten begreiflicherweise den Kamm sehr hoch wachsen. Wenn man die Artikel eines sonst in jüdischen Kreisen unbekannten Dr. Juszkovits (offenbar eine neiu aufgehemde zionistische Sonne!) beispielsweise im ,JUj Kötzlöny“, oder etwa die wahnsinnigen Befeihlsbaiberkurtdgebungen im ״Zsido Neplap“, und der zionistischen Jiargonzeitung von MunkaCs liest, glaubt man sich in eiine Welt versetzt, in der es unseren- •Zionisten wirklich schon gelungen ist, alles auf den Kopf -zu stellen. Das gesamte orthodoxe Juden.-um wlr(d im Zusammenhänge mit diesen Wahlen! van den Zionisten wie ein schmutziger Stiefeflappen behandelt, den zionistische -Burschen einander zuwerfen. Noch niemals hat sich eine Abfaliisbewegung im Judentum gegen die Gesamtheit der Rabbiner unld deT reli- ©lösen Autoritäten so respektlos, so flegelhaft herausfordernd benommen, wie seit den Wahlen in K'arpathorussland die Zionisten und ihre misra-cbiistischen Trabanten. Gewiss, der Mangel an Selbstbewusstsein und an Prinzipien! treue, der bei einem!grossen Teil unserer!Brüder dn!Podkanpatsko -Russ während ,der!Wahl izutaige trat und dem ׳allein die Zionisten eine ihre wirkliche Anhängerschaft •um -das Zehnfache übersteigende StimmerezaM verdanken, gibt auch uns keine Ursache, von!den Zuständen in lenem Landesgebiete besonders entzückt zu!sein. Noch ist aber nicht aller Tage Abend! Wenn idie aufrührerischen׳ Schl'agworte gegen• die bestehende Ordnung in Staat und Gesellschaft bei einer politisch ׳nicht geschulten׳ und ״für!die ׳gesinnungsgemässe Ausübung des ׳Wahlrechtes ganz unvorbereiteten ׳Bevölkerung in ausserjiüidischen Volksschichten den. Kommunisten und anderen umstürzlerischere Parteien eine temporäre Majorität verschaffen ׳konnten, weshalb sollten die jüdischen ״Nationalisten“ mit der gleichen Kampfesart gegen das Bestehende in der jüdischen Gemeinschaft, gegen die religiösen Führer des Judentums nicht a u c h einmal-. 18.000!Stimmen׳ aulbringen׳? Ist es ׳ihnen überhaupt übelzunehmen, rwenm sie sie nun mit der einmal erprobten Waffe »alle Mühe geben, ihren ״Erfolg“ so lange als möglich zu halten und eine Stimmung zu wecken, in der solche Wühlarbeit einen guten Nährboden findet? Ebensowenig liegt es an ihrem guten Willen, wenn sie mangels anderer, würdigerer, edlerer urtd jüdischerer Brautausstattungen Billigste Einkaufsquelle in Leinen- und Damastwaren, Chiffone, sowie in Taschen*' und Tischtüchern etc. Leopold Lederer gries). 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Es ist dies eine so unsäglich traurige, eine so tief beschämende Erscheinung im jüdischen Leben unseres Landes, dass wir sie am liebsten ׳mit Schweigen!übergehen möchten. Ist aber der Skandäl nicht! schon z u g r 0 s s, jedes erträgliehe M'ass verzeihenden Ge wahreres nicht zu sehr übersteigernd, um noch!weiter darüber!zu schweigen, »dass der Rabbiner iSpira zu jeder Zeit an der Seite der Feinde des orthodoxen Judentums zu finden ist, so oft sie gegen die Führer der ׳orthodoxen Gemeindeorganisation oder die orthodoxe Weltorganisation, die Agudas Jisroel, zum Schlage aus holen? Sein Verhalten in der jüngsten Vergangenheit ist bekannt. Von seinem allerneuesten Hervor treten im Vortrab der Zionisten erzählt folgender ׳Bericht, den wir in ׳wortgetreuer Ueber- Setzung aus der jüngsten Nummer des zionistischen ״Jüd. Volksblattes“ in Munkacs zum Abdruck ׳bringen: Eine stürmische Gemeindesitzung in Munkacs. Der Rabbiner gegen Weber. — Ein Bestechungsnehmer kann kein Gemeindevor- Steher sein. -!Von Webers 24.000 Kronen errichtet man die karpathorussische orfhodoxe Zentrale. Sonntag nachmittags!hatte die neugeiwäMte 'M1u׳n> käeser Gemeinde ihre erste Sitzung. Zur Sitzung erschien auch der M/unkäcser Rabbiner.!Beim Eintritt des Rabbiners entstand in der Gemeindestube ein grosser Tumult. Der Rabbiner kritisierte scharf Weber, die orthodoxe Zentrale und die Aguida. Der Rabbiner griff -heftig -den neugewählten Gemeinldeworsieh׳er Her sch Ber Klein an, weil er angeblich von Weber Geld erhalten habe. Der Rabbiner äusserte sich, dass ein Bestechungsnehmer und ,Webers Lecker ein!Munkacser Gemeindevorsteher nicht sein könne“. Ferner protestierte der Rabbiner dagegen, -dass das Geld, welches Weber gesaridt hatte, zu Thora-Unterstüt'zungszwecken verwendet wenden sollte, er bewies mit einer Entscheidung das Ma‘der Rabbiners, dass die Aguda verboten sei unid dass man ihr Geld -zu 1Thora-jUn|terstützung$zw׳ecken1 nicht benutzen! dürfe. Nach dieser Aufforderung des Rabbiners entstand ein grosser Lärm. Zum Schlüsse wurde ein Antrag des Schaul Perlstein angenommen und auf Wunsch des Vor- Stehers ins Protokoll eingetragen. Der Antrag lautet׳: ,Der Munkacser Gemeindevorsteher darf im Namen! der Gemeinde nicht verhandeln. Zu den Verhandiungen betreffend die orthodoxe Zentrale darf er nicht erscheinen 'und er wird zu den betreffenden Sitzungen auch nicht eingeladen. Die 24.000 Kronen,!die er von Weber erhalten hat, muss er dem Präses und dem Rabbiner zur Verfügung stellen und mit diesem Gelde wird man die orthodoxe Zentrale( in Karpathorussland ׳gründen.“ Man kaum ruhig sagen!, dass Weber •den! Grund legte zur karpathorussischen orthodoxen Zentrale. Wir fragen: Wo ist da auch nur eine letzte!Spur von jüdischer!Moral, wo der leiseste Hauch jüdischer Jiras Schomajim? Zum Ueberfluss haben wir das Präsidium der orthodoxen Landeskanzlei wegen der obigen Anschuldigung des Munkacser Rabbiners befragt. iWir erhielten folgende 'klare und eindeutige Antwort: ,Wir haben keinerlei und halten n!iemals irgendwelche ״Beziehungen zu Herrn Hersc!h Ber Klein. Wir haben ihm weder direkt noch indirekt weder 24.000 Kronen noch irgendwelchen anderen Betrag zukommen lassen. Die ganze Geschichte ist von Anfang bis Ende glatt! e r f u n d e n.“ Ist nicht endlich die Frage am Platze: Will es das orthodoxe Judentum in der Slowakei noch länger dulden, dass seine Führer als Hefker betrachtet werden, in deren Ehre ein Jeder mit schmutzigen Händen hineinzugr ei.f en sich vermessen darf? Nochmals die ״Jüdische Partei“. Die Leiter des ״Volksverbandes“ rufen ihre Getreuen für den 28. und 29. Mai zu einer Tagung nach Poprad zusammen. »Das ist ihr ,gutes Recht und bis zu einem gewissen׳ Grad© sogar ihre Pflicht. Sie tun dies aus der Erkenntnis!heraus, dass schliesslich auch die Zionisten eine Tribüne haben sollten, wo sie sich über die Fragen der Politik vom Standpukte des Zionismus auseinandersetzen können. Ganz ohne Zweifel gibt es in diesem Lande manche Zionisten, die nicht ohne Grund mit der Arbeit der Leitung nicht sehr zufrieden sind. Auch diese wollen! einmal zu Worte ׳kommen und ,verlangen mit Recht, dass eine Ver- Sammlung von Delegierten ״ihnen Gelegenheit dazu gebe. Soweit ist alles in bester Ordnung oder richtiger, wäre alles in Ordnung, wenn die Lotung des Volksverbandes sich ln Ihren Grenzen halten würfde. Das geschieht aber keineswegs. Wir haben ln Nummer 16-17 dieser Zeitung schon einmal darauf aufmedcsam gemacht, dass das ״Sekretariat“ sich für befugt hielt, das Präsidium des Volksverbandes ״zugleich“ zur Exekutive der ,Jüdischen Partei“ zu ernennen und in ihrem Namen die Tagung des Volkswerbandes ״zugleich“ als Tagung dieser Partei zu bezeichnen. In der Zwischenzeit lasen wir im ,ß. Z. am ^bend“ von sehr sonderbaren Dingen. Im Namen der ״Jüdischen Partei“ wurden Resolu-ttonen verfasst, Rügen׳ erteilt, Ausstoßungen angedroht, Gnade geübt, Beifall gespendet und ״einstimmig“ versagt

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