Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 21 (23.5.1924)
- Date
- 1924-05-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b. Univorsitä tsbibliotfaok. I•# Franzonsring•; ORGAN FÜR DIE InTeRESDCN GES ÖRflftObOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration t Wien, II., Malzgasse lla. - Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise! Ganzjährig: Für Oesterreich K 80.000, Deutschland Goldtnark 8, Polen Zloty 8, Tschecho-Slowakei Kl. 70, Schwei! Frcs. 10, Amerika Dollar 9, Italien Lire S6, England Shilling 7, Rumänien Lei 800, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100.000. Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Österreich t PostaparkmenamtWlen, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassentmt Warschau, Konto Nr. 100.409; für Ungarn: Postsparkaesenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei: Postsparkasaenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram, Ko.N. 40.217:!.Rumänien: Banca Marmarosch Blanc & Co für Florenz 8tC0,Bukarest; für dieSchweiz: Postscheckk. Luzern VII. 1470. Mr. 21 Wian-Brati■!■*■, 28. Mai 1924 .ב״ה ויענד,־מרעםםבורג ייט אייו תיפ״ד IO. Jahpg. Lublin. (Zur Grundsteinlegung der grossen Weltjescbiwoh.) Am dreiunddreissigsten Omertage wird in Lublin der Grundstein zu einem Bau gelegt, der der Verherrlichung G-ttes und seiner Thora geweiht ist. Am dreiundreissgisten Omertage, am Tage des! Geden׳kens an Rabbi Akiba und seine Schüler, versanimein sich d& Grossen unseres Volkes, die ihre Lebensarbeit und ihre Tätigkeit in Agudas Jisroel darin erblicken, das jüdische^ Volk auf jenen festen Grundlagen aufzujbaüen, die es in allen Wendungen und Wandlungen der Geschichte sicher getragen haben. In Lublin wird sich ein Bau erheben, der dieser geschichtlichen Aufgabe eine neue Stätte bietet. In Lublin, wo vor Jahrhunderten ein Rabbi Schachna gewirkt hat, der als Schüler des Rabbi Jakob Pollak die talmudische Lehrweise schöpferich befruchtet hat, wo der Maharschalf die kritische Richtung im Studium mit unnachsichtiger Schärfe zum Siege verhalf, wo der Maharani die Kunst der klaren Auslegung und Erklärung des Talmuds zur neuen Blüte brachte, — in dieser Stadt der grossen stolzen Traditionen, versammeln sich nun von den jetzt lebenden grossen Lehrern unseres Volkes der greise Chofez Chaim, Rabbi Chaim Oser Grodzenski, der grosse Gaon aus Wilna, der Czortkower und Gerer Rebbe, die weltbekannten Führer der Chassidim und viele andere Führer des Thorajudentums, um die ungebrochene Lebenskraft des alten ewigjungen Judentums zu manifestieren. Sie alle bieten die Gewähr dafür, dass das begonnene Werk ausgebaut und in ihrem Geiste geführt werden wird, das Wissen und Frömmigkeit, Thorageist und Thorawillen, in die Seele jüdischer Kinder pflanzen wird. In einer Welt, wo materieller Aufstieg und materieller Miedergang die Pole!menschlicher Interessen bilden, ,.wird geistige Saat in die Erde gesenkt; wir wissen, das einst der Tag kommt, an dem die Saat aufgeht zu Ehre G־ttes, zum Wöhle unseres Volkes. Die Auswirkung der Wirtschaftskrise auf unsere Institutionen, In den Nachkrregsjahren hat Agudas Jisroel in Wien eine Reihe von Institutionen geschaffen, deren segensreiche Wirkung in weiten Kreisen bekannt ist. Die Not der Kriegswaisen, die Verwahrlosung der Jugend, dem traurigen Schicksal des Emigranten musste Abhilfe geschafen werden. Die Not der Fürsorgebedürftigen ist nicht kleiner geworden, sie ist infolge der Wirren der Nachkriegsjahre eher noch gestiegen. Die Beschaffung der notwendigen Betriebskosten für unsere sozialen Wohlfahrtswerke ist aber ungeheuer schwierig geworden. Die ausländischen Geldgeber werden immer rarer, denn man glaubt im Ausland, dass bereits der Zeitpunkt gekommen ist, dass jedes Land für sich Sorge trägt. Diese Gebeunlust der ausländischen Spender fällt nur zeitlieh mit der Wirtschaftskrise in Oesterreich zusammen. Seit zwei Monaten haben die Spendensammler eine bittere Arbeit; sie werden so oft abgewiesen, dass sie kaum mehr wagen, an jemanden heranzutreten... Angesichts dieses Umstandes ist sehr guter Rat teuer. Unsere Institutionen haben aber nicht nur einen guten Rat, sondern auch einen raschen von Nöten. So schlecht sind die Verhältnisse in Oesterreich doch nicht, dass die Einstellung des Betriebes in einer unserer Anstalten verantwortet werden könnte. Aber es wäre höchste Zeit, analog den Massnahmen der Wirtschaftlichen Faktoren in Oesterreich auch in unserer Mitte ein Stützungskomitee einzusetzen, um das ׳Schlimmste z1r:־verhüten... Ausser den Wohlfahrtsanstalten hat die Orthodoxie in Wien in den letzten Jahren Thoralehranstal;- ten gegründet oder wirksam unterstützt, die gleichfalls auf dem Spendensystem aufgebaut waren. Das Spendensystem versagt aber heute, wo selbst willäge Menschen für Spenden nichts übrig haben. Es wäre aber ein schwerer Schaden für däe thoratreue Judenheit Wiens, wenn auch nur ein Kind infolge der Auflassung einer Thoraanstalt ohne jüdisches Wissen aufwachsen müsste. Die Lehranstalten haben zwar in den letzten Monaten — der Not gehorchend, nicht dem eigenen Trieb — mit der Einrichtung des Schulgeldes begonnen, beziehungsweise die Taxe der Schulgelder bedeutend erhöht. Es darf aber nicht vergessen werden, dass selbst die schärfste Praxis bei der Einhebung der Schulgelder höchstens die ׳Hälfte des Budgets decken kann, denn mehr als die Hälfte der Schüler der Thoralehranstalten kann überhaupt kein Schulgeld zahlen, vielfach kaum ein Drittel. Die Betriebskosten der Anstalten können kaum reduziert werden, da das Gehalt der Lehrer und Angestellten eben das Minimum ausmacht, das ein geistiger Arbeiter zum Leben braucht. So befänden sich die Anstalten der thoratreuen Judenheit in Wien in einer kritischen Lage. Die verantwortlichen Führer der Wiener Orthodoxie müssen die schwere Arbeit, die sie Jahre hindurch geleistet haben, dadurch krönen, dass sie schleunigst alles unternehmen, um in dieser schweren Zeit all das aufrecht zu erhalten, was der Wiener thoratreuen Judenheit Ehre und Anerkennung in der jüdischen Welt gebracht hat. P. Zum Problem ״Jewish Agency“.!An der ׳amerikanischen Palästänakonferenz,!die, von Louis Marschail einberufen, im Hotel Astor am 17. Februar 1924׳ stattfand, wurde ■so manch interessanter Beitrag zur Frage der Jewish Agency geliefert. Wir bringen heute die Rede von Doktor Cyrus Adler. Der Gedanke, in irgendeiner Form an der Agency teilzunehmen, scheint etwas lebhaftere Erörterungen hervorzurufen. Und das freut mich sehr, denn ich glaube nicht, dass irgend etwas so unangenehm gewesen wäre, als wenn die Konferenz mit ein paar schönen׳ Reden,!denen jeder zustimmte und in denen jeder jeden andern erbaut hätte, auseinandergegangen wäre. Ich stimme Dr. Fran׳kel darin zu, dass in der Frage der Erweiterung der Agency eine grosse Schwierigkeit hegt, und diese Schwierigkeit wird, glaube ich, zutage treten, wenn die Frage aktuell wird und von beiden Seiten verwirklicht werden ׳soll. Dr. Frankel sagt, er vertrete die Ansicht sehr vieler Leute (und ich zweifle gar nicht daran), die nicht an der Agency teilnebmen wollen, weil sie nicht genau wissen, auf w׳as die ganze Sache hinausläuft. Und wenn sie auf einen Staat hinausgeht, so wollten sie draussen bleiben. Ich will mich nicht vorstellen und nur sagen, dass ich kein Zionist bin (ich zahlte nie einen Schekel und trug nie eine Der Traum des Rabbi. (Forttsetziung.) .,Ach, Rabbi, wie das geschehen konnte, diese Frage habe ich oft selbst an mich gerichtet! Sie schnitt mir in die Seele, zermarterte meinen Geist, aber ich müsste lügen, wollte ich sagen, diass ich je eine mich beruhigende Antwort darauf hätte geben können. Nicht mit einem Schlage wurde aus Eurem Schüler Perez der Priester Geronimo. Es w׳ar ein langer, langer Weg, den ich da zurück'legen musste, unter bitteren Kämpfen, unter folternden Gewissensquälen, die ich vorübergehend einschläfern, abej nie ganz zum Schweigen bringen gekonnt... Rabbi, wenn ich Euch alles, alles sagen dürfte, sagen könnte... was ich in den Jahren, die ich ferne von Euch war, erfahren, wfte ich allmählich den Versuchungen erlegen, die mich mit satanischen Listen umgarnten, Ihr würdet vielleicht Mitleid, Verständnis, Verzeihung für den Abtrünnigen finden, der... ״Verständnis für den Abtrünnigen? — unterbrach ihn der Riabbi — für den. Abtrünnigen, der freiwillig den Glauben seiner Väter verrät, nein, niemals! Ich kann mein Mitleid den Unglücklichen nicht versagen, die, um stich furchtbaren Martern zu entziehen, die, um ihr Leben zu retten, zum Scheine ihren Glauiben verleugnen. Nur der Allmächtige kann da der gerechte Richter sein; der Mensch soll schweigen. Hiaben auch Sie unter der Nachhilfe der Folter oder schon angesichts des loderndes Scheiterhaufens den Gott Israels verlassen?“ ״Nein, Rabbi, ich darf auch diesen Milderungsgrund nicht für mich geltend machen. Ach, könnte ich das, stünde ich heute nicht so sehr erniedrigt, so zermalmt vor Euch, mein Lehrer, dessen ׳Bild so oft mahnend, zürnend, vor meinem Geiste erschienen war. Aber erlaubt mir, bevor Ihr mich gänzlich verdämmet, bevor in mir die Hoffnung erstirbt, dass meine Reue von dem göttlichen Richter angenommen wird.“ Der Rabbi unterbrach ihn heftig: ״Nie haben unsere Weisen gelehrt, dass Gott den wahrhaft Reuigen zurückstösst! Selbst vonEMsa ben Abuja, d׳er so sehr ein Anderer geworden war, dass er nur noch ״Acher“ h'iess, glaubte sein Lehrer Rabbi Meir, däss die Reue ihn retten könnte. Als dem Acher, in dem Bewusstsein, dass das Mass seiner Sünden so unsäglich gross sei, nicht nur eine innere Stimme sagte: d׳as Wort: ״Kehret zurück, ihr abtrünnigen Söhne“, gelte für alle, nicht nur für Acher“, Hess Rabbi Meir noch immer nicht die Hoffnung sinken, dass die Macht der wahren, bis zur völligen Zerknirschung der Seele führenden Busse und Reue wieder den Weg zu Gott frei machen könne... Aber freilich, es muss die wahre Reue sein... * ״Rabbi ־־־ rief flehentlich Perez — helfet mir... ratet mir, wie ich sühne, was ich gesündigt! Stützet mich, dass ich den richtigen Weg zur Rückkehr nicht verfehle, seid mir, Eurem einstigen Schüler, der Retter, wie es Rabbi Meir einst eänem verirrten Lehrer ׳werden wollte. Urteilt erst über mich, nachdem Ihr alles wisset. Prüfet dann erst, ob ich Eurer Hilfe so ganz unwürdig bin. In der Nacht nach unserer Begegnung in der Synagoge habe ich zu Papier gebracht, was ich fürchtete, mündlich Euch nicht so klar darlegen zu können, auch weilte ich es vermeiden, Euch Rabbi, allzulange durch meine persönliche Anwesenheit zu stören... Man kann manohes eher der Feder anvertnauen, als es über die Lippen bringen... Ich schwöre es, Rabbi, jedes Wort ist wahr,das Ihr da lesen werdet. Wie, wenn ich vor Gottes Richterstuhl stünde, vor dem keine Lüge etwas nützen kann, so offen und rückhaltslos habe ich dia niedergeschrieben, wie ich zum sündigen Abfall gelangt, wie ich mich verloren, aber auch wie ich mich wiedergefunden habe. Mein zerrissenes, wundes Herz liegt in diesen Blättern blossgeliegt! Ich beschwöre Euch, Rabbi, leset sie... bald... so bald als möglich und... verzeihet die dringende Bitte... saget mir, wann darf ich wieder vor Eurem Antlitz erscheinen* um Euren Urteilss/pruch... Euren Rat zu vernehmen!“ Perez hatte aus der inneren Tasche seines Oberkleides ein sorgfältig umhülltes Manuskript gezogen und mit flehender Gebärde dem Rabbi überreicht. (Fortsetzung folgt.) -===== QHtn 1. =====— KirstatrrMg Dr. 4 (»*8*«»זא dt■ 5«m bimm). Cti. a-t-t! - Die grSstte internationale Knn$twerk$tifte fir —־-™-׳ Perücken, Scheitel uud Cransformationen €» gm — c» getan / Billigste €tmta»ftft1«ic / Pie Benteimg nt gitiiit. dmrgewementUf rMar Hefen telt pebr als •»lertbilb jabrseftatea lei wralbNitti orfliflixeajiafcea aner Haler PevflCtte•. ItexialUt Jt 1rä«t*$<be(tel1. Diese verlea ivr milcbeifrim alt eerblfflealer Ciascbaifi aaebieNacbt. ■0* on rar Tmflbr»— tn icblfaea, bitte lea Peraaaea OTHHRR »al Ile JMitm aeaa« 1« beachten