Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 20 (16.5.1924)
- Date
- 1924-05-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b. ünivorsita tsbibliothak jüdische mm ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, 11״ Malzgasse 12 a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreiset Oanzjährig: Für Oesterreich K80.000, Deutschland Goldmark 8, Polen Ztoty 8, Tschecho-Slowakei K*L70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar 2, Italien Lire 26, England Shilling 7, Rumänien Lei 800, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100.000. Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Oesterreich: PostsparkassenamtWien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tscnecho-Slowakel: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram, Ko. N. 40.217; f.Ramfinlen: Banca Marmarosch Blanc & Co für Florenz & Co, Bukarest;für die Schweiz: Postscheckk. Luzern VII. 1470. Nr. 20 Wicn-Bra«i.1awaf 16. Mai 1924 .ב״ה ויענה־פועםסבורג ״כ אייר תים*ד 10a Jahrg. Zur Kalenderreform. Die Vorschriften für die!Festtage enthalten im Wesen die Mitteilung, dass es bestimmte Zeitpunkte im Jahre gibt, welche den jüdischen Menschen veranlassen sollen, fernab vom Getriebe des Alltags Erinnerungen zu ׳feiern und in der Weihe seiner Gedanken und Empfidungen seinem Schöpfer näher zu kommen. An der Spitze dieser dem Innenleben und der Weihe des Daseins bestimmten Tage steht der Sabbat. Diese Vorschriften bringen den Menschen in eine enge Beziehung zum Lauf der Jahre und Tage, also zum Kalender. Es ist eine anerkannte Tatsache der Kulturgeschichte, dass alle Menschen auf der weiten Welt einen derartigen Zusammenhang mit dem Kalender gesucht und gefunden haben, dass auch sie an gewissen Tagen des Jahres ihrem Leben nach aussen und innen eine gehobene Form zu geben versuchten. Die regelmässige Wiederkehr dieser Tage sind ein Kennzeichen des Kalenders. Nun hat aber der Kalender mit der Entwicklung des wirtschaftlichen Lebens noch eine besondere Bedeutung gewonnen. Es gibt vielleicht heute mehr Menschen auf der Welt, welchen der Verfallstag eines Wechsels, der Stichtag zur Lösung eines finanziehen Engagements mehr zu sagen hat, als der Sabbath. Aus den Kreisen der nach dieser Richtung hin orientierten Menschen ist eine Anregung gegangen auf Reform des Kalenders, aus der den Freunden und Getreuen des Sabbaths vielleicht manche schwere Stunde erzeugt werden kann. Es ist seltsam, dass in seiner Höhe und Tiefe für schwache Menschen das wirtschaftliche Leben Raubzüge auf das Sabbathkapital der Seele bedeutet. Bekanntlich beruhen alle Schwierigkeiten des Kalenderwesens auf dem Ausgleich zwischen Mondjahr und Sonnenjahr, d. h. zwischen der Zeit, in welchem der Mond 12 Mal seinen Lauf um die Erde und der Zeit, um der die Erde ihren Lauf um die Sonne vollendet. Ein absoluter, ohne Rest aufgehender Ausgleich lässt sich astronomisch nicht finden und seit mehreren tausenden Jahren werden immer neue Versuche gemacht. Schaltmonate und Schaltjahr sind die äusseren Ausdrücke dieser Versuche. Bereits im Jahre 1910 hat die Handelskammer in London für den Standpunkt gearbeitet, dass das geschäftiche Leben unabhängig gestellt werden müsste, von den Schwankungen des Kalenders und den dadurch bedingten Schwankungen der Daten der Festtage der christlichen Religion. Bald nach seinem Entstehen setzte der Völkerbund eine eigene Kommission für die Kalenderreform ein. Diese Körperschaft arbeitet sehr rührig und sehr fleissig. Sie hat es allerdings bisher nicht für nötig gehalten, sich auch dafür zu interessieren, wie sich die geplante Reform mit dem jüdischen Kalender auseinanderzusetzen hat. Es ist auch keine Aussicht da, dass dieses Versäumnis nachgeholt werden wird. Immerhin stellen sich dem Werk selbst mancherlei Schwierigkeiten entgegen. Soviel steht schon fest, dass es bei der siebentägigen Woche verbleiben wird, dass also die von der Offenbarung geschaffene soziale Erkenntnis des Bedürfnisses nach einen Ruhetag nach je 6 Arbeitstagen bestehen bleibt. Aber je mehr sich die Reform diesen Sabbathtag in seinen Grundwesen aneignen, umso stärker geht ihr Angriff gegen den äusseren Ausdruck dieses Gedankens, gegen unseren heiligen Sabbath der Bibel. Es ist möglich, dass nach dem Inkrafttreten dieser Reform unser Sabbath beispielsweise auf einen solchen Tag fällt, der im bürgerlichen Kalender als Mittwoch bezeichnet ist, so dass auch äusserlich jeder Zusammenhang des jüdischen Kalenders mit dem allgemeinen Kalender gelöst ist. Wir zagen deshalb nicht, unsere heilige Lehre und die an ihrer Grösse gemessene Bahn unseres Lebens, wird auch diesem Ansturm widerstehen. Im Gegenteil, auch aus diesem Ansturm wird die Eigenart der Kinder Abrahams geklärt und gefestigt hervorgehen. Nötig ist nur bei dieser Kalenderreform, kaltes Blut behalten und das reine überirdische Glück, welches aus unserer Sabathblüte spriesst, in lückenloser Kontrastwirkung den Herzen und der Seele unserer Kinder vertraut zu machen. Für solche Zeiten gilt doppelt und dreifach das Wort Eileh heim mauadoi. Religion und Politik. ־1 Zwei Völker des Orients, das indische und das jüdische, beide Träger eigenartiger Religionen, Völker, deren Massen erfüllt sind von werktätiger Religiosität und ekstatischer Gottessehnsucht, befinden sich jetzt, aufgewühlt durch den Weltkrieg und seine Folgen, an einer Wende ihrer politischen Geschicke. Eine merkwürdige Aehnlichkeit der Schicksale dieser beiden Völker, die sich namentlich auch in der Art dokumentiert, w i e sie sie ertragen, ist unleugbar vorhanden und sie wird noch erhöht dadurch, dass beide, Inder und Juden, es in ihrem Ringen nach politischer Geltung mit einem und demselben Partner zu tun haben, mit dem britischen Imperium, mit einem Reiche, das ein wie kaum noch eines in Europa von reinster Religiosität durchglü'htes Volk geschaffen und dessen innere Entwicklung im gegenwärtigen Augenblick für seine Stellung zu den Lebensproblemen des indischen wie des jüdischen Volkes von entscheidender Bedeutung sein muss. Aber hier zeigt sich auch schon die ungeheure Verschiedenheit, die trotz allem in der politischen Lage bei Indern und Juden besteht. Während die Inder im tatsächlichen Besitz ihres Landes um Home Rule kämpfen und in diesem Kampfe nur einer kleinen Zahl englischer Regierungsbeamter und Kaufleute gegenüberstehen, hat das jüdische Volk wohl eine Art Home Rule in Gestalt des Völkerbundpaktes in Händen, aber noch lange nicht das dazugehörige home. Und das jüdische Volk hat es nicht nur mit einem Partner zu tun, wie die Inder, sondern es hat mit einem noch bedeutenderen Faktor im arabisehen Volke zu rechnen, mit einem Volke, das ebenfalls Träger und Schöpfer einer tief eingewurzelten Religion ist, die auch unter den Indern Millionen von Bekennern zählt, so dass das indische Volk einerseits Schicksalsgenosse und Kommilitone des jüdisehen Volkes, andererseits aber Bundesgenosse seiner Gegner wird. Diese gewiss interessante Verkettung von Gemeinsamkeiten und Gegensätzen ist es aber vielleicht gerade, die den Ausweg aus der Verworrenheit der vorliegenden Probleme andeutet, der uns bei aller Dankbarkeit gegenüber dem edlen Volke der Briten und allen brüderlichen Gefühlen für das uns ethnologisch so nahestehende arabische Volk doch jede einseitige Bindung peinlichst vermeiden lassen wird. Zwischen allen Klippen hindurch werden wir den unsterblichen Ideen eines Jesaia gemäss, der z. B. im achten und zehnten Kapitel seiner Reden die Haltlosigkeit aller politischen Experimente geisselte, Der Traum des Rabbi. (Fontsetzung.) Der Rabbi sass beim Lampenlicht, vertieft in seine Bücher und Manuskripte, als der alte Diener leise die Türe öffnete und zaghaft näher trat. ״Sagte ich dir nicht, dass ich nicht gestört werden will? Ich habe eine dringende Arbeit zu vollenden“, rief ihm der Rabbi mit unsanfter Stimme zu. ״Verzeiht, Rabbi, ein Mann ist draussen . . . . ein sehr alter Mann, er bat so flehentlich, vorgelassen zu werden . . . fast weinend . . . und so wusste ich nicht, ob ich es nicht wagen soll ... Er müsse den Rabbi sprechen . . .“ ״Er? Ja, wer ist es denn, der mich sprechen will?“ ״Er ist ein Fremder. Keiner aus der Gemeinde. Seinen Namen wollte er nicht nennen. Aber er ist ein Greis, Rabbi, der sich kaum aufrechthalten kann.“ ״Ein Fremder? Ein alter Mann? . . . Nun so lasse ihn eintreten.“ In der Tat war es ein tief gebeugter Mann, mit schneeweissem Barte, der ins Zimmer trat und mit gesenktem Haupte bei der Türe stehen blieb, als ob seine zitternden Knie nicht recht trügen. ״Tretet näher“ — sagte der Rabbi mit freundlicher Stimme und lud den Fremden mit einer Bewegung der Hand ein, Platz zu nehmen. Der Fremde trat näher, blieb aber trotz der wiederholten Aufforderung, sich zu setzen, vor dem Rabbi stehen. Er kämpfte offenbar mit einer tiefen seelischen Erregung, die ihn am Sprechen hinderte. ״Ihr wollt, Ihr müsst mich sprechen, hat mir mein Diener gemeldet — ermunterte der Rabbi den noch immer Schweigenden — nun, ich höre. Was wünschet Ihr von mir?“ ״Rabbi, ich bitte vor allem, verzeihet mir, dass ich mir .... ich muss es gestehen ... mit Lügen den Eintritt erschlichen habe. Man durfte mich nicht hier sehen, nicht hier erkenen ... Ich bin nicht . . .“ Der Rabbi hatte bei dem Klang der Worte, die nicht mit der greisenhaften Erscheinung des Fremden übereinstimmen schien, aufgehorcht. Er blickte ihn scharf in die Augen, die glühend in dem!blassen, von dem lang herabwallenden weissen Bart umrahmten Antlitz brannten. Nein, das waren nicht die Augen eines gebrochenen Greises. Der Rabbi hatte sich von seinem Platze erhoben und trat auf den Fremden zu: ״Wer seid Ihr? Was wollt Ihr von mir?“ Der Fremde hatte sich aus der gebeugten Haltung aufgerichtet, er schien nicht mehr alt, klein und gebrochen zu sein, machte vielmehr den Eindruck eines schlank und hochgewachsenen Mannes — und im nächsten Moment hatte er auch mit einem raschen Griff den weissen Bart vom Antlitz gerissen. Der Rabbi war erschrocken einen Schritt zurückgewichen. Unwillkürlich entrang sich seinen Lippen der Ruf: ״Der Mönch!“ Der Oberrabbiner schien einen Augenblick fassungslos, aber bald hatte er sich wieder in seiner Gewalt. Rasch־ eilte er zu den beiden Türen, die aus seiner Studierstube, die eine in das Vorzimmer, die andere in die anderen Wohnräume führte, und drehte den Schlüssel um. Er war nun sicher, dass niemand plötzlich eintreten konnte. Zum Priester gewendet, sagte der Oberrabbiner kalt: ״Sie haben sich verkleidet bei mir den Eintritt erzwungen. Was soll die Maskerade? Und was können Sie bei mir suchen?“ Da warf sich der Mönch auf den Boden, umfasste die Knie des Oberrabbiners und fast röchelnd unter heftigem Schluchzen, stiess er die Worte aus: ״Rabbi, nicht der Mönch, nicht der Priester Geronimo liegt da in bitterer Verzweiflung, schmerzzerrissen von Reue, sondern Ihr einstiger Schüler, Perez ... der büssen will, was er gesündigt!“ ״Wie, — rief der Rabbi — mein Schüler Perez, der einst der Stolz meines Lehrhauses war, von dem ich hoffte, dass er als Leuchte Israels mein . g g «gg — Dl« grösst« international« Knn$tw<rk$tatte Nr ===*— ilthmar Scniff Pwtckcn, Scbeifel und Cranstormatiottcii VFII/IIIW9I / 111 €nhtm — tnactall / Bliilart«6infemi«<1»e11« /PieBtwttiinna««»aarant.tonerawoemeniBatmmr . .-= Wien 1.-— Rirntntrring ßr. 0 (««gen»»« «ea Rotel Bristol), Cti. su•« Eitfttt seit atkr als uttrtkaib Sabmimin tea otratkattea »nkotoxta Baata aller Clater Perickea. srtalalbi \n BraßPSebtittlR. 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