Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 19 (9.5.1924)
- Date
- 1924-05-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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A.-Vertreter mitgetedlt hat,!dass er seinen Wiener Rechts- *Vertreter beauftragt hat, in seinem Namen gegen die ״Jüdische Presse“, die einen scharfen Artikel gegen Dr. Rosenbaum veröffentlicht hat, Klage einzuredchen. Dr. Rosenbaum fühlt sich durch mehrere Stellen in diesem Artikel persönlich beleidigt. Die Kilohw&hlen in Polen. Am 15. Juni d. J. werden alle jüdischen Gemeinden des neuen Polen einheitlich die Wahl der Gemeindevertretung vornehmen. Aus den neugewählten Gemeindevorstänlden soll ein religiöser Rat gebildet werden, dter eine zentrale Oberimstänz darstellen soll. Alle regelmässigen 1Steuerzahler besitzen das Wahlrecht, ferner kann jeder Jude, der das 25. Lebensjahr erreicht hat, das Wahlrecht!erhalten. Die Gemeinde hat einstweilen einen religiösen Charakter: sie sind Kultusgemeinden im ursprünglichsten Sinne des Wortes. Die Machlkompefenz des Ge- ■memdevorstanides ist insofern erweitert, als die Wahl des Rabbiners, die früher immer durch eine General- Versammlung erfolgte, lediglich vom Vorstände vorgenommen wird. Die Kompetenz des neugeschaffenen religiösen Zentralrates ist sehr bedeutend. Auch die Vertretung der Gesamtheit der Judengemeinden nach aussenhin wird diesem Rat züstehen. Aus diesen kurzen Bemerkungen ist zu ersehen, welch ausserordentliche Bedeutung den in Bälde vorzenehmenden Wahlen zukommt. Der Umstand, dass die Wahlen gleichzeitig in ganz Polen vorgenommen werden, verleiht ihnen noch überdies demonstrativen Charakter. In der Tat hat auch bereits die gesamte polnische Judenheit das Wahlfieber ergriffen, und der grosse Aufmarsch der Parteien ist bereits in vollstem Gange. Am äussersten linken Flügel stehen die sozialistischen Parteien, wie Bundisten und Poale Zionisten, die sich nach einigem Zögern entschlossen haben, trotz des religiösen Charakter« der Gemeinde, an den Wahlen teilzunehmen. Sie wollen eben den Kampf um ihre Ideen auch in der Gemeindestube führen, zumindest aber, die Tribüne der Kahal^Stube für propagandistische Zwecke ausmützen. Die nationalistische Gruppe, unter der Führung Jizchak Grikibaiums, vereinigt alle zionistisehen Gruppen. Dass Misrachi in Polen die zionistisehe!Einheitsfront nicht!stören will, ist nur für jene naiven Gemüter eine Ueberraschung, die trotz aller Enttäuschung gerne glauben möchten, dass die Misrachisten in Gemeindeangelegenheiten sich das׳ Programm der religiösen Gruppen zu eigen machen. Diese werden es wehmütigen Herzens zur Kenntnis nehmen!müssen, dass Misrachi in Polen in dem zioni- Stichen Block den Kampf um die Gemeindestube führt, obwohl der Führer ׳des Blocks, Jizchok Grünbäum ־־־ einstweilen nur in blutrünstigen Artikeln — den Todesstoss gegen die Orthodoxie führen will. Alle religiösen Schattierungen der polnischen Judenheit finden sich im Block der vereinigten Komitees <Jer religiösen Juden. Dieser vereinigte Wahlblock umfasst alle in Agudas Jisroel organisierten Gruppen, also auch die Poale Emunei Jisroel, die aufstrebende agudistische Arbeiterpartei. ln den Blocks sind aber auch alle übrigen .unabhängigen orthodoxen Gruppen vertreten. Mit Rücksicht auf die tief einschneidende Bedeutung der Gemeindewahlen, besonders für!die orthodoxe Judenheit, trat nun zum ersten Male auch der Beizer Rebbe hervor, in dem er alle seine Anhänger aufforderte, sioh an den Wahlen im Rahmen der vereinigten Komitees der orthodoxen Judenheit zu beteiligen. Alle Parteien wissen es, dass es diesmal um die älteste, bestorganisierte Institution des Judentums geht: um die jüdische K hi loh. Sie kämpfen alle mi׳t Aufbietung ihrer besten moralischen und materiellen Kräfte. Zum Glück der thoratreuen Judenheit bildet das Rückgrat der religiösen Parteien die Agudas Jisroel, deren Bedeutung jetzt jedem noch so weltgewandten polnisehen Juden aufgeht, jetzt, da er mit dem Wahlzef■ tel in der Hand das Schicksal der künftigen Entwicklung der ■religiösen Khiloh mitentscheiden soll... Der Ausgang der Gemeindewahlen in Polen ist aber nicht bloss für die polnische Judenheit von eminenter Bedeutung. Die Ergebnisse der Wahl werden sowohl im ganzen Goluth, wie auch in Ere? Jisroel nachhaltigste Wirkung ausüben. Alle gemeindepoliti- Ischen Angelegenheiten, vor ■allem aber der künftige Charakter der jüdischen Khiloh, Ob religiös, national NIRRIN KNARIN KINDIR NIRRIN KNARIN KINDIR J. STERN, WIEN II. DLOCKINRASSI IS 11 TkLEPNON 4E-9-SS Lager ▼on f•rtl*• a KUltorn. Für Maasbestellaagea bis su dsa feinsten Stoffen vorrätig. Eretklaselge Eusohnelder, beete Arbeitskräfte. Atf Vermeidung von מטניז Wird genauest goaoktot. Brautausstattungen Billigste Eink&afsquelle in Leinen- und Damastweren, Chiffone, sowie in Tasten- und Tischtüchern etc. Leopold Lederer XI»’ »*(־SÄ gries), Telephon 65-8-71 oder sozialistisch, werden d׳urch die Wahlresultate in Polen nachhaltig beeinflusst werden. Von diesem Standpunkte aus verfolgen alle Juden der in der ganzen .Welt mit gespannter Aufmerksamkeit den grossen Kampf um die jüdische Khiloh in ׳Polen. Die Orthodoxie erwartet durej» den Sieg der Schilomei Emunei Jisroel die Bestätigung ihrer Ueberzeugu-ng, dass die jüdische Khiloh einzig und allein auf den religiösen Grundlagen der historischen jüdschen Gemeinde Zukunft un'd Existenzberechtigung besitzt. P. Erkenntnisse und Bekenntnisse. schauer Strassen, über!die Verhaftungen der chassSdisdien Jünglinge araw. lese, da weide ich von einem Gefühle tiefer Scham ergriffen. Wo bleibt unsere nationale Jugend!? Warum lassen sie, dle Nattonalen, den heiligen Kampf gegen diese unerhörte Schmach, geigen diese Selbsterniedriguntg allein den Ghassldhni? Wo blefben unsere offteieilen Wächter, die Massen der Zionisten, ihre Führer, Ihre Jüniglinge? ■Sehen und merken sie nicht die Zerstörung dies religiösen und ■nationalen iHeiHgengutes, die »ich vor ilren Augen abspielt? ׳Welche bittere •Ironie. 'Die absolute Arbeitsruhe, die dien Menschen an einem Tage der Woche zu einem höheren Geschöpfe wefhit, ist es, wonach die Besten aller Nationen beute mit allen Kräften streben: dieses Ideal ־wurde in Israel von ■altersher gehütet und heilig gehalten ahne Propaganda und ohne Polizei, einzig aus Liebe, zu der Freiheit, wie sie uns ׳der :Schöpfer!der Welt und Lenker der Geschichte ins Herz gelegt hat,!und just dieses herrlichste Licht wollen uns die Blender und Verblendeten rauben, um ,an seine Stelle Knechtschaft und seelische Erniedrigung zu setzen. Wie traurig und beschämend, dass nur die Kaftan- und!Pejosträger die ganze Gefahr erfasst haben, sie allein und vollkommen verlassen׳ von den anderen, die man bei jeder Gelegenheit in Demonstrationsumzügen mit blaluweissen Fahnen sieht, Hatikwalieder in dem Munde . . .“ Wir haben dem nichts hinzuizufügen. Aufruf. P. T. Wir lesen in dem ״Israelit“: In!der angesehenen Monatsschrift ״Hatoren“, die in Amerika unter Führung Reuiben iBrainins die besten hebräisohen Schriftsteller Europas und Amerikas um siah!vereinigt, wird in ■der Monatssahau zu deT!Sabbatentweihung der Warschauer ״,Valkszeitung“ und ihren unerfeulichen Folgen Stellung genommen. Wir müssen diese Stellungnahme umso freudiger begrüssen, als sie uns den Geist zeigt, der helute durch ׳die bessere neujüdische Literatur weht. Es ist noch nicht überall der Geist der ׳wahren letzten: Erkenntnis, indess liegt doch ,ein sehr weiter Weg zwischen der himmelstürmendien Haskalaliteratur eines Smolenskin und LUienbluni, eines M'apu und Juda Leib Gordon von annodazumial und den ״Bekenntnissen“, wie ׳man sie beute überall in den ernsten Blättern zu lesen »bekommt und wie sie ■aüdi Bnainin zu Anfang der gleichen Nummer der Zeitschrift unter dem Titel מצרור מכתבים auspricht. Wir wissen nicht, ob schon Bra'inin •mit dem Bekennerimut eines Nathan Birnbaum auch die letzten Konsequenzen für sein ,•praktisches Leben aus den hier ausgesprochenen Erkenntnissen und Bekenntnissen gezogen, hat. Der Verfasser der obgenannten Monatssahau — er ,zeichnet mit 4ב ♦V — ist bis au dieser letzten Kon- Sequenz gegangen. Er schreibt 1u. a.: ,Es ist mir nicht bekannt, •von welcher Art die Chassidim und jugendlichen Eiferer sind,!die die jüdischen Zeitungsverkäufer am Sabbat überfallen und •mit Gewalt •das saöhatSchänderische Handwerk legen. Allein, wer und •wie sie auch sein mögen, sie seien vor Gott gesegnet. Von ■der Ferne ■entsende ich ihnen meinen Glückwunsch und Dank für ihren Kampf für '!Menschheit und seelische Freiheit, der den Knechtsinn den Weg i׳n die jüdische Gasse versperren soll. Diese ohassidisahen Fanatiker — sie sahen jahrein jahraus die Unverschämtheiten ■der polnischen Huligaus gegen ihre Brüder und schwiegen; sie sahen, wie man alten Juden die Bärte ausrupfte und sie schwiegen; nicht aus Angst und Feigheit schiwiegen ■sie, sondern aus tiefster Verachtung gegen die menschlichen Bestien, die sie einer ersten Abrechnung nicht für würdig ■hielten. Nun zieht ein neuer Feind über sie her, niaht mit Schwert und Sipiess, ihres Lebens heiliges Lichit sucht er auszulösahen, den heiligen!Sabbat, das jüdische Ich, das einzige, was uns geblieben und wonach der äussere Feind seine unreinen Hände nicht ausstrecken konnte, wollen sie ihnen rauben. Hier erkannte der polnische Chassid die Gefahr und er trat in den Kampf. ■In Wahrheit׳ ׳gesprochen: ■Wenn ich die!Berichte!der polnischen Zeitungen über diese Vorgänge ip den War- DIANABAD Die SCHWIMMBÄDER UND FREILUFT- SONNENBÄDER sind eröffnet. TÄGUCH FAMILIENBAD NACHMITTAGS MIT WELLENBAD Ein Menschenalter ist es her, seit ein kleines Häuflein igesetzestreuer יהודים sich zusammenfand, bei der damaligen Strömung ■der stark!um sich greifenden Reformbestrebungen. In banger Sorge um die unveränderte Aufrechterbaltunig der von den אנשי כנסת חנדולח — ■den Männern der grossen Synode — begründeten und überlieferten Lithurgie im מקדש מעטזהבח״כג, eine Stätte zu schaffen, den gestellten Anforderungen eines traditionellen Gottesdienstes im grösseren Aus-masse, 2m dienen. ׳Das fromme Bestreben dieser Männer, deren Andenken nie aus unserem Gedächtnisse schiwinden darf und׳ wird, war mit Hilfe חשי״ת von Erfolg gekrönt und entstand die weitlind ruhmreich bekannte — Schiffschul. Welche Kämpfe es gekostet, diese Schiffsobul■ inmitten der sie oft zu verschlingen drohenden, hochgehenden Wellen und Brandungen!der Reform, in ihrer Eigenart zu erhalten und stets weiter auszubauen ־־־ dies zu schildern, bleibt der jüdischen׳ Geschidits- Schreibung Vorbehalten. Eines muss aber betont werden, dass die Schiffsohul seit ihrem Bestände, viele Jahrzehnte hindurch, die einzige Insel war, auf welche jeder sich rettete, der isSch und seine Kinder vor der Flut der Reform retten wollte. Diesem Schiffsdhulgebände, die9em stolzen Zeugnisse echt jüdischer Rührigkeit, droht nunmehr nach 60jährigem Besande die Gefahr, der Zerstörung anheim zu fallen, wenn wir nicht rechtzeitig, wenn wir nicht schleunig daran gehen, demselben einer gründlichen Renovierung — vom Dachfirste bis zum Fussboden von seinen äusseren Mauern bis zur inneren Einrichtung — zu unterziehen. Dazu ist sehr viel Geld notwendig und reichen die uns zur Verfügung stehenden Mittel auch nicht annähernd aus, an die Ausführung dieser unabweislichen Renovierung zu schreiten. Wir wenden uns daher an alle diejenigen — אשר יראת ד" נוגע בלבם — ■denen die ■Erhaltung des unverfälschten Judentums am Herzen liegt und in erster Reihe an unsere bisherigen Freunde und Gönner, die Mitglieder unseres Vereines, mit der Bitte, uins in unserem Bestreben werktätigst zu unterstützen. Wir bitten jeden einzelnen von Ihnen, nicht nur selbst zu spenden, und zwar nach Massgabe!Ihrer Verhältnisse reichlich zu spenden, sondern auch Ihre Freunde und Bekannten zu veranlas׳s!en, durch reichliche Zuweisungen uns zur raschesten Ausführung unseres Betriebes zu ׳helfem. Wir hoffen, dass הן אל כביר לא ימאס — חשיית — der gemeinsamen Tätigkeit seine Hilfe ganz besonders angedeihen lasien wird auf dass גדול יהי״ כבוד הבית האחרון die Schiffschul neuverjüngt, mit frischer Kraft wieder לכבוד ולתפארת zur Zierde und zum Stolze useres grosstädtischen unverfälschten Judentumes dastehen wird.ויהי נועם ד״ אלקיגו עלינו ומעשה ידינו כוננת עלינו ומעשה ידינו כוננהו. Wien, am 24. Nissan 5684. Rabbiner S. Fürst Oberrabbiner der Adas Jisroel Rabbiner J. Baumgarten Rabb. Ass. der Adas Jisroel Kommerzialrat Sigmund Bondi!Obmann der Adas Jisroel Dr. Isidor Reiniger Wolf Pappenheim Obmann-Stellvertreter Obmann-Stellvertreter Jakob Stern Kassaverwalter Moriz Leitner Schriftführer Ignas Back, Markus Bondi, Eduard Deutsch, Jakob fuchs, Bernhard Klein, Emil Kritzler, Franz ‘NeuniaiMi, Nathan Schiff, Josef Schick, Salomon Schreiber, Julius Steinfeld, Michael Stemfefid, Berthold Stroh.