Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 19 (9.5.1924)
- Date
- 1924-05-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration t Wien, II., Malzgasse 12a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise 1 Qanzjährig: Für Oesterreich K 80.000, Deutschland Qoldmark 8, Polen Ztoty 8, Tschechoslowakei Kä. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollars, Italien Lire 25, England Shilling 7, Rumänien Lei800, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100-000. Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen fttr Oesterreich! PostsparkassenamtWien, Konto Nr. 13.458: für Polen: Postsparkanenamt Warschau, Konta Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassen amt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei: Postsparkanenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ka. N. 40.217; (.Rumänien: Banen Marmarosch Blanc ft Co für Florenz ft Co, Bukarest; für die Schweiz: Postscheckk. Luzern VII. 1470. Mp. <9 Wien-Bratislava, 9. Mai 1984 ,ב*ה ויענה־פרעססבורג ה* אייר תיפ׳ן 10. Jahrg. Die Jewish Agency. Nicht nur die Begeisterung ist ein solches Ding, welches sich nicht lange warm ׳hält und im Kampf der Tage leicht abflacht, vielmehr besteht für jede einheitlich erkämpfte und gerichtete Gedankenwelt die Gefahr, dass sie im Laufe der Jahre und T'age den vielfachen Anstürmen erliegt,!die aus der Gestaltung des Lebens und der Dinge sich ergeben und dass dann die gerade Linie sich in Krümmungen wandelt. Ein Schulbeispiel für diese Behauptung bietet der Kreis der Wünsche, Gedanken und Hoffnungen, der sich um die Jewish Agency schliesst. Will man in seiner Stellungnähme zu diesem Kreis geschlossen und konsequent blei'ben, so ist es nötig, dass man die Entwicklung genau verfolgt und sich in jedem einzelnen Stadium Rechenschaft darüber abzwingt, ob unser innerliches Verhältnis zu diesem Kreis dasselbe gelblieben!ist oder nicht. Jawohl, abzwingt, denn wer möchte! leugnen, dass in diesem Wort etwas Berauschendes liegt, etwas, was einer Verheissung, oder, was noch mehr ist, der Erfüllung einer Verheissung gleich ist. Wenn auch das Mandat der Jewish Agency lediglich eine beratende Stellung zuweist, so war!es doch jedem von vorneherein klar, dass in dieser Körperschaft, richtiger gesagt m der Hand der!Menschen liegt, welche diese Körperschaft bilden, ein guter Teil Bestimmungsrecht und Verantwortung für das Schicksal jüdischer Menschen liegt. Leider war diese hohe Auffassung nicht in allen Kreisen vertreten׳, leider ׳wurde der Gegenstand zum Spiel einer Machtpolitik herabgesetzt. ־ ־ Man!hat ferner vergessen, dass die ganze Einrichtung völkerrechtlich und innenpolitisch etwas Neues war. Während in allen anderen Staaten die gesetzgebenden und gesetzausübenden Faktoren Regierung und Parlament sind, ■während ferner «in absolut regierten Staaten «diese beiden «Faktoren ׳in einer «Hand vereinigt sind, hat n\au mit dieser Jewish Agency etwas Neues geschaffen, denn sichet soll es mehr sein, als etwa ein Kollegium von Sachverständigen. Man könnte es in einem modernen Staatsiwesen nur etwa so placieren, dass mfcn die Jewish Agency als ausführendes. Organ der ^gierung betrachtet. Insoferne wäre es vollkommen! konsequent, wenn die Mandatsmacht der Jewish Agency eine Ar ab Agency zur Seite zu stellen versucht hat. Geht man diesem Gedanken genau nach, so!begreift man, «dass die Araber mit ihren wedtergehcnden Ansprüchen das Angebot der Arab Agency dbgelehnt haben. Es wäre nun Aufgabe der Juden geiwesen, an diese Ablehnung knüpfend, sich noch einmal die völkerrechtliche Möglichkeit und Stellung der Jewish Agency zu überlegen. Die kühnste Konzeption wäre folgende: Da ■im Sinne der Manidatarmacht Palästina eine Art Mittelpunkt für alle Juden der Welt sein Sollte — wie ■weit Wünsche und Erfüllung hier ausöjpandergehen, braucht in diesem Zusammenhang nicht ,erörtert zu ׳werden — so müsste die Jewish Agetlcy umgewandelt werden in eine Art Gesandtschaft der gesamten Judenheit bei der ׳Mandatarmacht.!In der Tat wäre dies Völkerrechtlich ein Weg im gewohnten Geleise. Es könnte damit erörtert werden, ob der Sitz der Jewish Agency bei der Mandatannaaht oder bei dem High Commissioner zu akkreditieren wäre. Tatsächlich hat sich ja die zionistische Organisation eine derartige Position usurpiert und der Nachsatz zu Ziffer 4 des Mandates hat auch ■so etwas Aehnhches vorausgesetzt, wenn er auch sub rosa der zionistischen Organisation sehr deutlich zu verstehen gab, dass ihr die volle ׳Legitimation fehle und dass diese jßrst teu erbringen «sei. Wir hättenes sehr'ljlfcvünScht, dass dte von Lord Marshall einberufene Konferenz! der Nichtzionisten in Amerika, Sich einmal in diesen Gedakengang vertieft hätte. Wir sind überzeugt, dass dann sich die Debatte in anderen Bahnen bewegt und das «Ganze sich nicht!wieder als eine Werbung um Dollar und Cent entpuppt hätte. Leider fehlt diese Note bei der amerikanischen Konferenz ganz und wir sind überzeugt, dass manche Teilnehmer ׳bei Klärung und Erkenntnis nicht ganz ohne Leid und Schmerz des Hauptes erwachen werden. Wir hätten ferner sehr gewünscht, dass •die Orthodoxie, die jetzt fast Schematisch nach dem Platz an «der Sonne den Ruf erhebt, sich einmal ■ganz klar!darüber wird, was sie eigentlich erstrebt und wie sehr durchdacht die von unseren Thoragrössen vorgeschriebene Massnahme ist, dass die Orthodoxie Verhandlug über «die MitbeteiMgung an «der Jewish «Agency nur mit •der Ma׳ndatarmacht zu pflegeh hat. Es ist geradezu wunderbar,!wie diese Grösse, in die man sich zu gerne eingesponnen denkt, in die Vier Ellen der Halacha, von diesem engumfriedeten Mittel- Punkt aus auch die kompliziertesten Fragen in ihrer Tiefe und in ihrer wahren Bedeutung «erfasst haben. Wir werden den Zionisten die Legitimation, die ihnen fehlt, niemals geben, nicht auf Grund einer menschliehen Eitelkeit, sondern weil wir diie Thora nicht verkaufen, nicht für «einen Platz an der Sonne und nicht für den Platz an der Gesadtschaft. Wir hätten endlich sehr gewünscht, dass die zionistische Organisation selbst den «grossen Gedanken einer Jewish Agency nicht dadurch so lächerlich verkleinert hätte, dass sie ihm scheinbar zur Besänftigung der Laune der Geldgeber einen« vollkommen irihaltslosen, einen vollkommen bedeutungslosen Jewish Council aufzupfropfen versucht hat. So klein darf die Judenheit nicht erscheinen, dass mit der Verteilung bedeutungsloser Ehrenposten man Prinzipienlosigkeiten erkaufen zu können glaubt, dass man ferner aus Parteirücksichten •einen «Gedanken verdunkelt eine Hoffnung vernichtet .. Nicht als eine Frage der Macht, sondern als ein■ Prüfstein auf die Wahrheit des Wollens, sollte Jewish Agency jedem jüdischen Menschen des ernsten Nachdenkens einer Stunde!wert sein. Damit wäre auch der Mandatarmacht ein wahrer Dienst geleistet und nur auf diesem Weg geht diie Brücke KU den Arabern. Der Traum des Rabbi. (Fortsetzung.) ״Ach, und was antwortetest du?“ ״Was sollte ich sagen? Dass wir beide keinen besseren Gatten für Leah erträumt hätten? Wer schätzt und achtet denn Jose nicht? «Dieser schöne junge Mann soll ja geschäftlich! so tüchtig wie sein Vater sein, und dabei ist er, wie du, der sein Lehrer war, erklärst, so gelehrt, dass er würdig wäre, den Rabbinatssitz in einer grossen Gemeinde einzunehmen! «Und «eine «so vornehme Familie von so hoher Abstammung . . .! Kurz: das Ideal eines Mannes. Aber was nützt das alles, wenn Leah ihn nicht will?“ ״Das sagtest du doch nicht Joses Mutter?“ ״Ach, der Himmel bewahre mich davor! Wie werde ich denn eine Mutter so kränken] Ich sagte ihT nur, was doch ganz der Wahrheit entspricht, dass Leah kein Wort gegen Jose gesprochen, aber auch kein Wort von Heiraten hören wolle.“ ״Nun, da hast du allerdings ebenso aufrichtig als diplomatisch, klug gesprochen!“ ״Was hilft mir Klugheit und Diplomatie in dieser Sache, wenn ich bei •Leah damit keinen Erfolg erziele? Sie ist noch diplomatischer als ich, verzichtet auf jede kluge Einwendung, fällt mir nur, wenn ich von dieser Heirat sprechen will, um den Hals, ׳schliesst mir den Mund ■mit ihren Küssen, und ■wiederholt nur: ״Wer kann mich denn so lieben wie meine Mutter? I Wo gibt es noch einen so herrlichen Mann wie meinen Vater?“ Damit schneidet sie jede ■Diskussion ab und lässt mich doch nicht in ihr Herz blicken.“ | ״Was willst du damit sagen?“ Der Ton‘, mit dem diese Worte gesprochen wurden, verriet mehr als Befremden, und ׳diie Gattin beeilte sich zu antworten: 0״, unsere Tochter hat sicherlich nicht ein «Geheimnis zu verbergen, das unser Urteil zu scheuen hätte, aber ich glaube doch, dass ihr Zögern, unseren Wunsch zu erfüllen, indem sie einen so ehrenvollen Antrag annimmt, noch einen anderen Grund hat als die übergrosse Liebe zu ,ihren Eltern. «Wäre die ein Bhehindemis, gäbe es wohl wenige Ehen in unserem Volke; aber dem Himmel sei Dank, die Töchter Israels hängen mit unendlicher Liebe an' Vater und Mutter und lieben diese beruhigt und ungeschmälert weiter, nachdem sie freudig dem Gatten die Hand zum ewigen Bunde gereicht haben.“ ״Nun, so w׳ird es auch bei unserer Leah sein — meinte lächelnd der Rabbi — du machst dir unnötig Sorgen, und dieir Tag wird mit Gottes Hilfe bald kommen, an dem du selbst über die übertriebenen Bedenken lachen wirst, die dich einst!bedrückten.“ ״Mögest du «Recht behalten! Aber eine Mutter, eine Frau sieht da vielleicht schärfer als der weiseste und der gelehrteste Mann. Ich kann nicht dafür, aber unwillkürlich denke «ich immer wieder daran, wie seltsam sich das Wesen unserer Leah überhaupt verändert hat. Wie war sie doch ganz anders als Kind, auch noch vor «einigen Jahren;!sprühend von heiterer Laune, von fast überschäumender Lustigkeit, die nur durch ihren frommen Sinn gezügelt wurde. Ihr «Lachen erfüllte das ganze Haus, sie war ׳wfe ein Sonnenstrahl, der alles •Dunkel, jeden trüben Gedanken verscheuchte. Un׳d dann wurde sie so ernst, so . . .“ Der Rabbi unterbrach sie: ״Du darfst, meine Teuere, doch nicht vergessen, dass zwischen dem Kinde, das gaz ahnungs- und!sorglos ins Leben blickt, und dem ,heranreifenden Mädchen, das auch schon die ersten Seiten der Wirklichkeit erkennt, ein gro«sser Unterschied besteht.“ ״Das übersah ich keinen Moment. Aber zu gross ist der Wandel vo dem stets lachenden und singenden Kinde zu dem allzu ernsten Mädchen, den ich!beobachten musste, als dass ich mir nicht darüber Gedanken machen sollte.“ Der' Rabbi meinte nachdenklich: ״Ich weiss nicht, ob «du nicht «Gespenster am hellichten Tage siehst, aber die Frauen haben jedenfalls die Gabe, uns mit ihren Besorgnissen und Beängstigungen aufzuschrecken. Aber sei es wie immer ... ich denke, «du wolltest auch «noch!etwas anderes mit deinen Mitteilungen bezwecken. Möchtest du etwa, dass ich mit Leah noch einmal ׳wegen Jos© spreche? Natürlich nur mit zarten Worten . . .“ ״Nein, ein, nicht um das wollte ich dich bitten. Wir können uns ihre Antwort schon denken. Ich hätte einen anderen Plan . . .“ ״Sprich, mein Kind!“ ״Ich glaube, wir werden über den Seelenzustand unseres Kindes, der mir ein wenig rätselhaft scheint, durch zudringliches Fragen und Forschen kaum Aufklärung finden. Aber vielleicht kann ich in einem harmlosen Plauderstündchen mit ihrer Freundin Mirjam manches erfahren, was mir dazu verhelfen könnte. Sie ist mit Leah seit der frühesten Kindesizeit zusammen aufgewachsen, vielleicht •weiss, vermutet oder ahnt sie, •weshalb ׳Leah noch nicht heiraten will.“ Ollen t. Rirntatrfhlfl Br.■♦ (getaner teu Seid BHstei), Ctl. n־J״M ־« Pie grösste internatioaaie Kmstverkstitte!Br ־׳ ■ Perücken, Scheffel und Ciansformatloneii €n gm — en ättaH / Bfflürte / Pie rtmtciltitg a»f garaitt. qncrgn*m<1 BatlftMar liefert $tlt üett alt atf «mal» Sabrseftiita de* votiebNStea orthodoxes Dauea alleraader Perfekta. SpeslaHxt 1» *raitcScfteifelR. Diese verdea der lltiMcftfiimsxr Hit 0erM«ftea«er Ci«1cb««9 aameNattt. ■e* U■ cor imflkfaaa 1« »ebittea, bttte dei’UonaNea OTHMAR «ad die Adresse gern «a featkttar