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Jüdische Presse · 1924-04-18 · 16-17 (18.4.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
16-17 (18.4.1924)
Date
1924-04-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. JÜDISCHE Phcaac Redaktion und Administration! Wien, II., Malzgasse 12a. - Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise! Ganzjährig: Für Oesterreich, Deutschland, Polen öst K 80.000, Tschecho-Slowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 25 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 800 Lei, Jugoslawien 100 Dinar, Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen fflr Oesterreich! PostsparkassenamtWien, Konto Nr. 13.458: für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; fflr Ungarn! Postsparkassenamt Budapest, Konto Konto Nr. 53.386; fflr Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217;!.Rumänien: BancaMarmarosch Blanc & Co fflr Florenz 8!Co, Bukarest; für die Sdiwelz! Postacheckk. Luzern VII. 1470. ir, 16/17 | Wim-Bratislava, 18. April 1984 .ביה ויענה־םרעםםבורנ יד־ דק תי**ד IO. JahpQä Ernste Sedefgedanken. Die naive Kunst des Mittelalters hat die vifer fragenden Kinder der Hagada in charakteristischen Figuren festzuhalten versucht. Man erfreut sich auch heute noch dieser Kernhaftigkeit der Darstellung, und alle modernen Künstler haben besseres an lllustrationen nicht zu bieten vermocht. Jedoch vergisst man über diesen anspruchslosen, geruhsamen Qenuss nur allzu gerne den tiefen Sinn, die historisdhe Beletichtung, welche alles jüdische Geschehen durch die Fragen der vier Kinder erfährt. Ach, wir wünschten, unserer Zeiten Läufte!wären so schön, dass! wir wenigstens an den Sederabenden uns rückhaltslos an den seligen Wonnen der inneren Freiheit erfreuen dürften. Und wahrlich, nicht die äussere Not ist es, die uns bedrückt, nicht die!Flut des Hasses bei Esaus Enkeln ist es, die uns erschreckt,!denn die feierliche Verkündigung: ״Und er, der Heilige, gepriesen sein Name, errettet uns in jeder Generation aus ihrer Hand“ sagt uns vieles, sagt 1ms alles- Was uns aber am Sederabend in der Tiefe unserer Seele regt, ist die Erkenntnis, dass die heilige Thora in den vier Fragen uns für alle'Zeiten die Kunde bringt, dass die jüdischen Kinder, die jüdischen Menschen, nach Inteliekt und Willenskraft verschieden, auch mit verschiedener Anschauung an die Ereignisse der jüdisehen Geschichte und an die daraus erwachsenden Anforderungen an den jüdischen Menschen und an die jüdische Gesamtheit stets herantreten werden. Wir wissen ja auch, dass mit Ausnahme der einzig grossen Stunde am Sinai niemals eine klare Einheitsfront der gesamten Juäenheit vorhanden War. Allein die heilige Schrift selbst, welche dieses trübe Bild uns aufzwingt, gibt uns auch anderseits die Lösung des Problems dadurch, dass die Antworten auf die vier Fragen harmonisch in der Unterstreichung der Tatsache, welche den Beginn der jüdischen Geschichte bedeutet, sowohl in Bezug auf die Hilflosigkeit des jüdischen Volkes als auch in Bezug auf die Unmittelbarkeit der göttlichen Führung, zusammenklingen. Und so gilt denn die trostreiche Verkündigung, die wir oben zitiert haben, nicht hUT für die Rettung aus der Hand Esaus, sondem auch aus der Hand unserer inneren Feinde. Stürmend und fragend drängt es gegen die heilige Thora an, stürmend und höhnend drängt es an gegen diejenigen, welche die Antwort auf die Frage der Kinder und auf die Fragen des Lebens nur aus der Thora holen wollen. Aber der ׳Herr im Himmel lacht ihrer, und aus diesem heiligen Lachen deT Ewigkeit wird auch uns die Antwort geboren auf all die stürmenden höhnenden Fragen. Es läge ja so verlockend nahe zwischen den Parteibildungen, die uns die heilige Schrift aus den Fragen der Kinder ahnen lässt und den tatsächlichen Verhältnissen eine Paralelle zu ziehen. Wir lehnen es ab, dieser Verlockung zu folgen. Allein eine alte Kunde bringt die Nachricht, dass in diesen Sedernächten jeder Mensch, welcher dem fragenden Kinde und der Antwort seines heiligen Herzens andächtig lauscht, der prophetischen Begabung teilhaftig wird. Aus dieser Begabung erwächst jene Furchtlosigkeit, die in den Sedernächten Tor und Tür jedes jüdischen Hauses weit öffnet. Zu dieser Furchtlosigkeit möchten wir die Agudas Jisroel emporgetragen sehen, denn sie bedarf ihrer. Schon rüstet man sich im Hause des Nachbars, um, wenn man sich .er$£ genügend erstarkt glaubt, ~m.1t' offener' «&’v-enoSkeoaen Begleitgesängen, wie man hofft, mit sicherem Erfolg auch unsere Gesinnungsgenossen in Osten aus dem Hause der Aguda zu׳ locken. Man plant einen Weltaohdus, allein wir wissfen, und wir sind es unseren Nachbarn, die in der Bekämpfung der Aguda die höchste Gesetzestreue zu erkennen glauben, als ehrliche Mensehen schuldig, ׳mitzuteilen, dass wir ihren Plan kennen, dass nur das Unvermögen, mit der Front nach links zu kämpfen, die Kinder der Thora auseinanderreisst. Es ist ein furchtbarer Schmerz in der Sedernacht, dass man weiss, es gibt Menschen, welche glauben, dass es auf die Fragen des Lebens im Namen der Thora verschiedene Antworten geben kann und dass diese verschiedenen Antworten alle gleich wahr und gleichberechtigt seien. Mögen lachende Augen und fragender Mund wahrer jüdischer Kinder aus sich die eine Quelle der Thora ersohliessen. Nicht umsonst bringt eines der merkwürdigsten Rätsellworte des Midrasch die Nacht .zum 15. Nissan in engste Verbindung mit der Nacht zur. T^Ab. ln der Tat entscheidet sich in der SedernavLob all von der Thora umfangene Juden die Antwort finden, welche geeignet ist, ein Heiligtum zu errichten und es vor fremden Einflüssen zu bewahren . Pessach. Dem Joche tiefster geistiger und׳. leiblicher Knechtschaft entrang sich Jisroel in diesen Tagen, um nach seinem Auszug aus Mizraim sich G-ttes Dienst zu weihen. In der schweren Fronarbeit Mizraims hatte sich Jisroel seinen geistigen Schwung bewahrt, so dass dieses Volk von Schwerarbeitern gewillt und geeignet war, das höchste Gut der Menschheit, die Wahrheit am Sinai zu empfangen, und durch die Jahrtausende der Go'lus zu bewahren. Unter welchen Opfern und Gefahren Jisroel dieses Kleinod betraut hat, zum Wohle der Menschheit, die den Glauben an einen G-tt, und die höchsten Gedanken der Sittlichkeit durch Jisroel erhalten hat, das ist mit Jisroels HferzöhiruitVC^ Tafeln der Geschichte dfer Menschheit verzeichnet. Hat uns die Tradition der heiligen אבות durch das ägyptische Golus als dauernde und fühlende Menschen erhalten, so sind wir dank der Thauroh, det Lehre und ihrer Uebung, noch immer das auserwählte Volk, wenn auch grössere Volkstelle leider durch vollkommene Assimilation ihren Charakter als Teile des G-ttesvolkes abzustreifen bemüht sind. Unsere Mission, die Vertiefung des Gedankens des G-ttesdienertums und dessen Umsetzung in die Tat in JisToel; unsere Aufgabe, das ״und es werden erkennen alle Völker der Erde, dass der Name des Ewigen in Dir zur Geltung kommt!“ zu verwirklichen — das ist unser Lebenszweck. Wir finden darin die Richtschnur, wie wir unser Tun und Lassen einrichten, wie wir unsere Kinder zu erziehen haben. Wenn unsere Kinder beim Seder mit gespannter Auf- Die Agudas Jisroel und ihre K’nessio G’dauloh. Von Dr. Nathan Birnbaum, Hamburg. Der nachfolgende Aufsatz ist in der Zeitschrift ,Der Jude“ erschienen. Die Agudas Jisroel ׳war schon früher einigermassen bekannt!, belächelt, befehdet und Gegenstand weitergehender Neugier, aber erst durch ihre erste Kenessio Gedaulo wurde sie ins volle Bewusstsein der jüdischen ׳Mitwelt gerückt. Wie die Menschen schon einmal sind, musste sie ihnen erst so vorgeführt werden, wie heute Bewegungen vorgefürht werden, um Aufmerksamkeit zu finden. Jetzt erst ׳wurde aus dem mitleidigen Lächeln denjenigen, die ,selbstverständlich“ ״darüber hinaus“ sind, ein grelles Hohnlachen, aus gelegentlichen Hieben politischer Gegner ein dauerndes Angreifen, aus dem Hinhorchen selbständigerer oder gar führenderer Geister ein Nachdenklichiwerden und Bedenken. U!nd was den ersten noch nicht klar wurde und den zweiten erst als Ahnung aufstieg, die ■man nicht gerne wahr haben wollte, war den dritten klare Erkenntnis: Dass man nämlich über das!überlieferungstreue Judentum zumindest doch etwas voreilig zur Tagesordnung!übergegangen war. Gewiss, man hatte gewusst, dass es noch Millionen Juden gab — vielleicht war es sogar die Mehrhe'it — die den alten Vorschriften gemäss ihr Judentum lebten, aber man hatte seit den Tagen der Aufklärung and noch mehr der Moderne mit ihren teohnischiimdustriejlen Hintergründen immer mehT Abtrünnige und ausserdem noch feststeilen können, dass sich!zwischen diesen und den nt>ch nicht Abtrünnigen Uebergangsstufen mit grösserer oder geringerer Elastizität in der Treue gegen die Ueberlitferung bildeten. Man hatte auch gesehen, wie friedlich ijnd ahnungslos sich die gesetzestreu Gebliebenen dazu Vjrstanden, von solchen, die es ,nicht geblieben waren, jeführt zu werden. Und man war darum so ganz uubemeict in die sichere Vorstellung ,hineingeglitten, dass man es riit Leuten zu tun habe, denen der Tod schon in den Rnochjn sass und die mau ruhig in ihrer veralteten Schönheit dahksterben!lassen dürfe, ohne sich noch eineT Gefahr 1vj׳n ihnen versehen zu müssen .... Und nun plötzlich dieses heisse Treuebekenntnis vor aller Welt, diese Offenbarung lebendiger Energie, dieser stürmische Wille zum Leheji, •diese Heerschau einer Macht, die mit Witzen nicht abzitun ist. Denn eine Heerschau und eine Willenskundgebung war die Kenessio Gedaulo vor allem und darin lag ihje Bedeutung. Ich will nicht leugnen, dass sie gewisse Ric tungen für sachliche Arbeit wies und so manche Schlüsse fasste, die sich bei der Umsetzung in die Tat!,als wertvoll erweisen können. Aber ich denke im allgemeinen viel zu wenig demokratisch, habe mir auch schon zu viel Kongresse, Konferenzen und dergl. angesehen, um darauf viel Gewicht zu legen. Ich bin überzeugt, dass man ähnliehe Ergebnisse auch ohne Kenessio Gedaulo hätte erzielen können. Was jedoch ohne eine erste Kenessio Gedaulo niernals hätte erzielt werden können, das ist eben׳ das Aufgebot, das nach innen und!aussen Voraussetzung für weitere Erfolge war und vor allem ein klares Bild d׳es Sinns, des Werks und der Menschen der Agudas Jisroel lieferte. ׳Deutlicher als es bei der Kenessio Gedaulo in den mannigfaltigsten Schattierungen1 des Gefühls, der geistigen Reichweite, des Temperaments, des Stils — abgesehen von aller offizieller iManifestierung — geschah, konnte der Sinn der Agudas Jisroel nicht zum Ausdruck kommen. Deutlicher konnte nicht gesagt werden, dass die Agudas Jisroel im jüdischen Volke ein von allen Völkern wesensverschiedenes Volk, ein Volk sieht, das ohne die Verkmiipfung mit dem, der es auserwählte, und ohne das ihm zuteil gewordene göttliche Lebensgesetz nicht denkbar ist und für das nur diese magna Charta seiner Pflichten, nicht aber die Art in Betracht kommt, wie sich die anderen Völker ihren Bestand sichern oder zu sichern wähnen. /\ Die grösste internationale Kunstwerkstatte turl-- llfhmar SCliin Perücken, Schelte und Cransformatlonen Wm/ mmmWu 6m gros — n» getan / Billigste etnitaufsqiiclie / Die Bersteimng ans garant. daMerfleweHtetnnatarhaar Liefert teil «ehr als aadertbalb 3*brxtbatea dtaboraebattea orthodoxe« Dane« aller Eäader Perflckea. Spexlallif =- I« BraatScbeitel«. 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