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Jüdische Presse · 1924-03-28 · 13 (28.3.1924) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
13 (28.3.1924)
Date
1924-03-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nn-13 Seite 91 Zöglinge den Aufschub nicht ver- ן dienen. Der Gesetzentwurf wurde angenommen, die Zöglinge der Jeschiwoth werden ihr Studium unter- 1 brechen müssen und zum Militärdienst einrücken. Es fällt schwer, diese herostatisohe Tat Minister Rosenbaums zu kommentieren. Wir wollen nur bei dieser Gelegenheit der jüdischen Oeffentlichkeit zwei Urteile über den Wert und die ׳Bedeutung der Jeschi־ : woth unterbreiten. Als vor einigen Wochen eine Delegation unter Führung Rabbiners Kalmonowitsch aus Rokow beim; Präsidenten der Alliance Prof. Silva in Levy und dem Grandrabbi von Frankreich um!Hilfe für die vertriebenen Jesohiwothzöglinge aus Sowjetrussland vorspraohen, sagte Prof. Silvein Levy: Wenn Sie, Herr Rabbiner um Hilfe für Jeschiwoth bitten, so bedarf es keiner Erläuterung der Bedeutung der Jeschiwoth. Wir wissen alle, dass wir unsere Existenz den Jeschiwoth verdanken. Wir werden alles tun, was in unserer Macht liegt. Die gesamte amerikanische Presse und an ihrer Spitze das ״Morning Journal“ verdammt in schärfsten Worten des Protestes das Vorgehen Dr. Rosenbaums, der sich durch die Abgabe eines derartigen ״Gutachtens“ würdig der Reihe der grössten Schädlinge aus dem Schosse des Volkes selbst anschliesst. Die Frage ist nun, welche Motive Minister Rosenbaum bestimmen konnten, gegen das eigene Volk zu wüten. Da beginnt der Skandal, der schon durch die Abgabe seines Gutachtens gross genug gewesen ist, ins Riesenhafte zu steigen. Denn Doktor Rosenbaum sagte, man müsse die Orthodoxie bejzem treffen, wenn man mit ihr fertig werden will. Und bejzem, das heisst, im Wesentlichsten kann man sie nur treffen, wenn man, wie seiner Zeit, die Jugend trifft. Pharao liess nun die Knaben in den Nil werfen, Zar ׳Nikolaus I. liess aber, weil es ja schon das moderne Europa des 19. Jahrhunderts war, 10jährige Judenknaben einfangen und sie 25 Jahre lang als Soldaten drillen. Dies taten sie, weil sie das Judentum bejzem treffen wollten. Weil sie sonst mit diesem verstocktem, sich von ihren übrigen Völkerschaften separierenden Judenstamme nicht fertig werden konnten. Minister Rosenbaum, der Nationalist und Zionist macht dasselbe. Er sagt, man könne auch nicht anders mit der Orthodoxie fertig werden, als wenn man sie nicht bejzem treffe. Und d i e s ׳h e i s s t, ihre J e schibo jugend in die Kasernen! Zu Schluss ein Rätsel: Was für ein Unterschied ist zwischen den zwei Gewächsen im Garten jüdischer Geschichte: Pfefferkorn und Rosenbaum? 61me«> nak Rcgenfdjinu- Stjesinlitäten L. Fiertels Nachfolger M. Leib, Wien, 6. Bezirk, Mariahilferstrasse 89 שבון geschlossen Feste Preise auf jedem Stück ersichtlich. .*. Leser dieses Blattes erhalten drei Prozent Vergütung Vom Tage Verrraaat! Gute Politiker •müssen au-cih ,gute Psychologen sein. Ein guter Psychologe sollte auch etwas von Sprachpsychologie •verstehen. Es gibt viele, dlie die Zionisteni für gute Politiker!halten. Auch 'viele orthodoxe Judten sind!trotz ihrer!inneren Abneigung gegen den unreligiösen Zionismus überzeugt, ׳dass man dlie 'Führung der jüdischen Politik •den Zionisten ׳überlassen ■sollte, weil sie gut geschulte, erfahrene Politiker seien, Es •ist nicht dlie Ahsticht dieser Zellern, die!politischen׳ Fehler ■der Zionisten aufzuzäihlen, bloss das eine soll hier ■gezeigt werden, dass sie recht schlechte •Psychologen sind. ,Vor fünf Jahren, als sie zum erste»!Male idbs harte 'Wort ״!Verrat“ ׳gegen! dd-e unabhängige Orthodoxie schleuderten,!hatten sie einen überraschend guten Erfolg.!Der zionistische!Blätterwald rauschte ׳und unsere zionistischen׳ Politiker waren ehrlich überzeugt, dass der von •ihnen entfachte Sturm d!׳ie Orthodoxie!von der Fläche dler Erde wegfegen wird. Als sie nach kurzer Zeit zu!ihrer •unangenehmen Ueberraschung ■wiederum ein •Lebenszeichen dler Orthodoxie wahrnehmen mussten, rieben sie verwundert ihre!Augen! ■und griffen׳ in •ihrer ׳Verlegenheit •wiederum rasch nach ■dem erlösenden Wörtchen ״Verrat“. •Und da ihnen auch •beim •zweiitmalrgen Gebrauch dier Erfolg nicht ausblieb, bildete sich eine Oed'ankenassoziation aus: jede Wahrnehmung, ■dass die Orthodoxie noch lebt, wurde ׳m!i!t der Bezeichnung ״Verrat“ abreagiert.!Doch •es gehört zur!Psychologie der Sprache, dlass jedes!Wort ׳durch zu häufigen Gebrauch an Kraft und Wirkung (verlitfW.!Unsere zionistische» Politiker vergessen woihil so manches, aber zulemen wollen sie niaht.!Obwohl die grosse jüdische lOeffentliChkeit nicht mehr blind ist, obwohl die grosse Weltpolitik andere Bahnen waude’t als anno dazumal — ׳sie bleiben siah treu. Jede!Regung der selbständigen Orthodoxie ist und bleibt — ,,Verrraaat!“ Letzte Nachricht. Wir erhalten nach Redaktionsschluss folgendes Telegramm: Jer usalern. (A. J. P. B.) Das Beth Din von Oberrabbiner Kuk hat den Vergleichsvorschlag der Delegierten abgelehnt. ® NACHRICHTEN. © Otstmticl). Die Zentralratssitzung. Wien. (A. J. P. B.) Die nächste Sitzung des Zentralrates der Agudas Israel wurde auf den 27. Mal einberufen. Verhandlungsort voraussichtlich Warschau. Keren Hatauro-Aktion. Wien. (A. J. P. B.) Die Zentrale des Keren iatauro bereitet für die Zeit!zwischen Pessaoh und Schewuoth eine grosse Aktion in allen Ländern. Zu Pessach erscheint die erste Nummer der ״Blätter des Keren Hatauro“. Wien. Sonntag, de» 10. Adar-Sohcim, 4 Ohr nachmittags, fand in •dier 1TahTmd»*lT1hora-Schute, VI., Stümpergasse 42, eine Prüfung •statt, zu d!er dler!Tempel- und Schul- Vorstand, die Eltern ׳der Kinder und zahlreiche Gäste ,erschienen waren•.!Unter diesen! bemerkte man Herrn Inspektor .Wfesmer als (Vertreter dler Kulitusgemeinde, Herrn iBerthold •Stroh als Vertreter der Adias-Jsroel. Schüler •und!Schülerinnen lieferten ׳bei der Prüfung den (Beweis, dass sie den während des Winters durohgenoniimenen1 Stoff gründlich beherrschen! und!von!dem!religiösen Geiste erfüllt sind, der ihnen •in dieser Talmud-Thora-Schule ■durch di׳e Herren Rabbiner Flesch und ,Lehrer Fink eingeflösst w;ird. Beschenkt und •durch ■eine üppige Jause gestärkt, wofür mehreren!Damen; •und insbesondere Herrn Glatter grosser Dank gebührt, vergessen die 'Kinder die Talmud- Thora-Schule, zu der ■sie künftighin mit noch!grösserer!Liebe und׳ •Begeisterung zu kommen versprachen. Dtuttchland. Vortragstournee Oberrabbiners Schapira. Berlin. Am Montag den 17. März •fand im .grossen Saal der 1Musik׳erfeSlsäie eine öffentliche Versammlung der •Ortsgruppe Berlin der •Agudas J i s r o el statt, in dier •dier bekannte Sejm-Abgeordnete, öberraSbbiner Schap'ira, Piietrikow, einen■ mehrstündigen!Vortrag, •übet das Thema: ״|Das jüdisch ■geistige Leihen einst •und jetzt“ gehalten!hat. Der Name des geistvollen!und* glänzenden Redners hatte sich als beispiellose Zugkraft erwiesen- •Lange bevor ■die Versammlung eröffnet ׳wurde, waren■. Saal uinid Galerie ■derart überfüllt, dass ׳später •Kommende nur noch Stehplätze in den Gängen fanden. •M׳ehr als -drei Stunden wusste •der Vortragende sein auf mindestens 11200 bis 1500 Zuhörer zu ׳ve׳rans׳cMagen!d(es Auditorium mit unverminderter Aufmerksamkeit ׳za!fesseln. ■So wertig •ermüdiet, w!ie das erstaunliche starke *Organ •des Redners, waren die Zuhörer ׳selbst. Der Inhalt des Vortrages galt i׳m wesentlichen einem dringlichen Aufruf zur Förderung des Thora- Studiums, sowohl •durch •eigene Arbeit, wlie ׳auch durch Unterstützung der hierfür bestehenden oder neu ׳zu begründenden Anstalten. Darum legte ■der!Redner die Ziele und •die!Organisation des von der Kenessio Gedauloh in Wien geschaffenen Ker en Hat a uro h- Fonds ausführiidh dar. Im ersten Teil seines Vortrages beschäftigte er sich ausführlich mit der •Bedeutung und ׳der •Wesensart der Kenessio Qedaüloh, um •hervorzuheben׳, dass zwei!Probleme diese Versammlung besonders beschäftigen mussten: Die P a I ä s t i n a •f r a g e und ■der, genannte Keren iHatauroh-Fonds* Die Beteiligung •der Orthodoxie und •im besonderen der Agudä-Kreise an ■den! Palästma auf gaben! ,hat!in den 'letzten׳!Monaten einen! ungeahnten!Aufschwung durch die!Reise des Gerer •Rebbe, der SCHEITELN, PERÜCKEN u. Transformatione■ In feinster u. modernsfnr Ausführung 1 Hit elncmOrlfff DAUERWELLEN (gekochtes Haar) WASSERONDULATION nach dem neuesten Verfahren von 250.000 Kronen aufwärts. Als besondere Spezialität: SCH6ITBLN AUF HAUT gearbeitet, glnillch un■ kenetlUh Im Tregen. Sämtliche Reparaturen wie auch _ _ Wasserwellungen werden übermodern frisiert nommen. ProvinzVersand wird prompt effektuiert Erste Wiener Werkstttts für nsierne Haarkonflsktlo■ FR. JEREMIAS M.LIPPEL Wien, H.f •fefenlestrasse 7 (Jetzige Na ,-Met.) I in Begleitung von etwa! 40 führenden Industriellen! und Kaufleuten mehrere .Wochen! hindurch Palästina besucht und ©ich auch •erfolgreich um düe ׳Herstellung ds (inneren Friedens der dortigen! tharatrnien; Kreise bemüht hat, ge- (Funden•. Für die Hebung des Wohlstandes des heHlgen! Landes dürfte diese!Reise!von besonderer Bedeutung werden, nicht nur darum, weil sich sofort •mehrere Fabriikanten zu Niederlassungen entschlossen: •haben, sondern ■weil auch die ökonomischen: Verhältnisse so genau studiert worden •sind, dass fetzt mR ziemlicher Sicherheit die Aussichten für jeden Einwanderer je nach!Massgabe der ihm!zur Verfügung stehendien Geldmittel angegeben werden können. Am längsten und ausführlichsten •verwerte aber •der!Vortragende bei der Notwendigkeit der Förde«■ rung des Thora wtissens. Anschaulich schilderte er die geistige Not, die in alten Ländern *herrscht, •im besonderen aber für Polen mit seinen 18,5 MiUkmen Juden katastrophal werden: •muss, wenn nicht die dortige Orthodoxie, ebenso aber alle thoratreuen Kreise der ganze»!Welt bald! eingreifen. D!ie Juden Polens!haben schon energische Schritte unternommen und hoffen •bald zu einer• Zentral- Je sch i w a zu kommen. Sie rufen aber auch alle anderen Kreise zur Mitarbeit auf •und deshalb zur Unterstützung des ne □׳geschaffenen Fonds, dessen Statuten besagen׳, dass die Hälfte der gesammelten Gelder In jedem Lande• verbleibt, die andere Hälfte aber an eine in ׳Wiien zu begründende■ Zentrale geleitet wird, düe die e!i׳ngega׳ngenen Summen lin zweckmässiger!Weise verteilt. Zum Schluss wandte Sich der ■Rechter an die Frauen und Mädchen als die Erzieher der Jugend!. Brausender, nicht endenwollender Jubel dankte dem Redner, der zu einer sofortigen Sammlung zugunsten des׳ Fonds aufforderte. Nach oberflächlicher Schätzung sind •bisher an ׳baren Zuwendungen etwa •M. 18.000 eingegargen, abgesehen von!grösseren• Zusagen, die ׳erst später realisiert werden können. Poin. Trumas Chower. Warschau. (A. J. •P. B.) Die Zentrale der Agudas Jisroel Polen hat einen Trumas-Chower-Monat eröffnet, während dessen die Kopfsteuer einbezahlt werden muss. Ebenso hat die deutsche und österreichische Landesorganisation die Aktion eröffnet. Der Warschauer Stadtrat lehnt alle Subventionen für jüdische Schulen ab. Warschau. Auf dler fetzten Sitzung des!Warschauer Stadt rates wundlen alte jüdischen!Vorschläge ׳über die Subventionierung f&cfiisaher Schulein durch die Stadt!Warschau abgetehnt. Während der Abstimmung •kam es zu •scharfen Auseinandersetzungen zwischen den jüdischen und: den na- ׳tionalf1st!ische<n Stadträtem. Adolf Linsker seinen Verletzungen erlegen. Lemberg« /(J. •T. A.) De!r ivor einigen Tagen •in einem Eisenbahn wagen de׳r Strecke!Zloczow—•Lemberg diurch den polnischem Offizier Wazlaw Hauke amgeschlossene! Jüdisehe Fabrikant Adolf Linsker ist nach drei Tagen •unter!u!ngeheueren Qualen seinen Verletzungen erlegen. ,Die Augenzeugen der •Taten gaben eine übereinstimmende Dar- Stellung, wonach Linsker ■zuerst durch •dien Offizier ׳beteidjgt worden war. Als er sich das!verbat, erhielt er von dem Offizier eine Ohrfeige u׳nd gleich darauf schoss ihm auch schon der Offizier eine Kugel!in •den Unterleib. •Der verstorbene •Linsker hhiiterfässt •eine Witwe •und;!zwei Kinder, um die er sich •in seinen letzten Stunden sehr gesorgt batte. Die •polnischen Blätter ■versuchen, trotz dieses Tattbestand׳es, die Schuld dem Getöteten zuzuschieben. Dem jüdisehen PaTlamentsWkib 1i!n Warschau wurden ■die Materialien und Zeugenaussagen eingesertetet, 'worauf derselbe im polnischen, Sejm eine I,nterpella1tfan elingebradht hat- CiMHen. Grosse Abnahme der jüdischen Bevölkerung in Lümml Kowno. Laut der letzten Volkszählung, •dlie im Juli v. J. staittfand und! letztens (veröffentlicht wurde, befinden siah!in Litauen insgesamt!163.000 Juden, die 7,6 Prozent von der Gesamtbeivölkemng ausmachen׳. (Bekanntlich betrug die Zahl •dier Juden ln dier Zeit der (Volkszählung während der russischen Herrschaft, die kn Jahre •11897 stattfand 12 Prozent •der iGesamtbevölikerung. •Düe Zahl der Juden beträgt zurzeit nur 66 Prozent Vorkriegszahl. Die (Ursache lliegt darin, dass!viele jüdische Familien!, die vorn den Russen während! des Krieges ansgew lesen wurden, wegen der strenge» Formalitäten, die /von litauischer Seite gefordert!werden׳, ■nicht die!Möglichkeit halben, aus Russlaind zurück zukehren. Der litauische Seim streicht das Gehalt des jüdischen Ministers. Kowno. I:n der Sejmsitzung vom!19.!März,!in welcher d!er!Budlgefteri! bet reifend die Gehälter der Kabineftsmitglieder beraten worden •ist, wurde das für den (Minister für jüdische Angelegenheiten angesetzte Oeha'lt abgefeimt־ Das ׳Budget des Jüdischen •Ministeriums wurde lim Dezember v. J. vom Setfm abgetohnt, wobei jedooh das Gehalt •des Ministers für jüdische Angelegenheiten, das ln dem Budget ■des Kabinett® enthalten! •war, bestehen •blieb. Durch die fetzige Streichung des iMlinistergehalts!ist nun dem!Ministerium (für jüdische Angelegenheiten lin Litauen 1 die fetzte Esfefenzmögllichke4t gwttintnen. Von dar Bandewegierung bewilligte Effektenlotterie für Kriegsaraioeii, Lehrnddthen and AiftfÜPifNNB Wltiij II. ■eslrk, Hafiggaie Nr. ד Telephon Nr. 43-5-40 memttreflfer 600 MiIHquor Kronen Hinptfeeiftr x*4g 60, 3J, «o jpt* 20 ■lUiRnen Kroges and MieMI andere treffer Ln• I.«. Baake! >. Traflkin arfclltllali I Wladerverklifer!nncM

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