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Jüdische Presse · 1924-03-28 · 13 (28.3.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
13 (28.3.1924)
Date
1924-03-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE PK "'KSSSä'״■״ IbÜlUlli ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Ffir Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich, Deutschland, Polen öst. K 80.000, Tschecho-Slowakei Kö. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 2& Lire, England 7 Shilling, Rumänien 800 Lei, Jugoslawien 100 Dinar, Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Oesterreich: Post«; Nr. 13.458: für Polen: Postsparkai Nr. 190.409; für Ungarn! Postspari Nr. 50.176; für Tschecho-Slowakei Konto Nr. 53.380; für Jugoslawien: 40.217: f.Rumänien: Banca Marmari 8!Co, Bukarest; für die Schweiz: P01 parkassenamtWien, Konto tsenamt Warschau, Konto caasenamt Budapest, Konto : Postsparkassensmt Prag, Postsp.-Amt Agram,Ko. N. weh Blanc & Co für Florenz stscheckk. Luzern VII. 1470. Np. 13 ביד, ויענה־םרעםםבורג כיב אדר־ב. תיסיד. 1924 Wien-Bratislava, 28. MBpz IO« Jahrg■ In und um Jerusalem. (!Aus deT 1geschichtlichen Vogelperspektive.) In einer Zionide klagte einmal Rabbi Jehuda Halewi in beweglichen Worten: Ajeh neviajich? Wo sind deine Propheten? In der Tat bedürfte die Sorge um Zion gerade heute mehr wie je eines prophetischen Richtpunktes, der eigentlich durch nichts ersetzt werden kann. Nur einen, allerdings im Verhältnis zur Riesenaufgabe schwachen und kleinen Trost, bietet folgender Gedanke: In Prag lebte vor etwa 600 Jahren Rabbi Avigdor Karo (nach der Meinung etlieber soll der Name Kro ausgesprochen werden). Dieser grosse Mann verfasste Bücher mit gewaltigen Gesichtspunkten. Im Talmud steht der Satz: Seit der Zerstörung des Tempels wurde die Gabe der Prophetie dem Toren verliehen. Rabbi Avigdor führt dazu aus: Unter Toren seien nicht die absoluten Toren verstanden, sondern diejenigen, welch© in den Augen anderer als Toren gelten, weil sie selbstlose Idealisten sind. Wir wollen hier über die Berechtigung dieser Erklärung keine Diskussion anstelle!!, wir wollen diese Erklärung vielmehr der folgenden Ausführung zugrundelegen, um nachzuiweisen, dass nur reiner Idealismus, eine, wenn auch nur entfernt zureichende Antwort auf die bange Frage des Rabbi Jehuda Halewi geben kann. I. Idealisten sind die' ernsten Männer aus Polen, welche jüngst, sich fühlend als Sendboten der Agudas Jisroel, nach Jerusalem zogen, um dort die eigentlieh Gleichgesinnten, welche die Tragik eines furchtbaren Irrtums auseinandergerissen hatte, wieder zu einigen. Wir werden an anderer Stelle den Vorschlag dieser Sendboten im Wortlaut bringen, welchen sie für ein geeignetstes Instrument halten. Geschichtlich äst es fast ohne grosse Bedeutung, ob der edlen Absicht dieser Männer der Erfolg beschieden ist, oder nicht, ob es ihnen gelungen ist, der Saat der Tränen, welche Mitlebende und Epigonen ob dieser Zerrissenheit mit demselben Schmerz weinen mussten, wie einst unsere Ahnen ob des schmachvoll vergossenen Der Traum des Rabbi. (Fontsetzung.) ״Das nicht .... Einst wird sicherlich die Wahrheit siegen. Aber so lange die Mächtigen, mögen sie an die Lüge glauben oder auch nicht, es für ihre Zwecke wünschenswert finden, dass die rohen, unwissenden Massen daran glauben, so lange wird die Lüge im Kampfe gegen eine schwache Minderheit unbesieglich bleiben. Sie bliebe es auch ohne die ungeheure Unterstützung, die sie durch die Tortur erhält, die bisher meines Erachtens nur die eine Wahrheit zweifellos an den Tag gebracht hat: dass sie nicht geeignet ist, die Wahrheit zu erkennen.“ ״Sonderbar . . . sonderbar,“ sagte der König halblaut vor sich hin, ״das höre ich zum ersten Male, und ein Jude muss es sein, der es zum ersten Male ausspricht.“ ״Erlauben Ew. Majestät, dass ich an ein Faktum erinnere, das beweist, dass es vor mir schon ein Fürst ausgesprochen, dessen Wort Bw. Majestät wertvoller erscheinen wird als das meine, denn dieser Fürst sass vor mehr als zwei Jahrhunderten auf dem Throne dieses Landes.“ ״Ihr macht mich neugierig, Rabbi...“ ״Dieser König hatte einen jüdischen Leibarzt, den er sehr schätzte. Als der König einst, während schwerer Kriegszeiten viele Monate ferne dem Lande blieb, benützten dies die Feinde des Arztes, die längst Blutes des Secharia, endlich Einhalt zu gebieten. Man sollte wahrlich nicht warten, bis der höhnende Feind, wie einst, auf diese grausame Flut der bitteren Tränen hinweist. Geschichtlich betrachtet bleibt es etwas Grosses, dass ein Mann wie Rabbi Chaim Sonnenfeld, andere Männer, die wahrlich von Jugend auf, unter ganz anderen Voraussetzungen zu leben und zu denken gewohnt waren, eine unbeschränkte Vollmacht und die Erklärung gegeben hat, dass er das Schicksal seiner Ideale ihnen überantwortet. Ueberantwortet deshalb, weil er sie für ernste Mensehen hält, in denen die Wahrheitskraft der heiligen Thora sieghaft wirkt. Wir möchten unsere Jugend, die so sehr nach Aufgaben ruft und auf positive Betätigung drängt, die Frage vorlegen, wer ist grösser, die Männer, die ein solches Vertrauen heischen und annehmen, oder die Männer, die ein solches Vertrauen geben? Hier ist vielleicht zum ersten Male im vollen Umfange das ganze Programm der Aguda in Erscheinung getreten, mit dem Ziele, einer Aufgabe ihre Lösung zu Teil werden zu lassen im Geiste der heiligen Thora. Wer auch nur eine Ahnung von geschichtlicher Grösse hat, der muss hingerissen werden von dem Zauber eines Programms׳, welcher solche Früchte zeitigt. II. Unsere Leser werden es verstehen, wenn wir in dieser Stimmung wahrlich, nicht disponiert sind, zu einer herben Kritik, selbst gegenüber einer Tat- Sache, die uns furchtbar schmerzt. In der ״Jewish Agency“ lag und liegt, wer möchte das leugnen, etwas Grosses, etwas Gewaltiges, etwas Hinreissendes, etwas Berauschendes. Auch hier dieselbe Voraussetzung wie oben. Es ist ganz einerlei für die geschichtliche Bewertung, ob dieses Grosse sich in vollem Umfange erfüllt. Nur sollten sich die Menschen hüten, an dieses Grosse soviel Kleines und soviel Kleinliches zu heften, wie es z. B. der Beschluss des Aktionskomitees! ist, an diese ״Jewish Agency“ einen Jewish Council zu heften, d. h. eine Zusammenfassamg all derer, welche den Wiederaufbau Palästinas geldlich unterstützen, denen man aber trotzseinen Fall wünschten, die furchtbare Anschuldigung gegen ihn zu schmieden, er hätte einst an einer Verschwörung gegen das Leben der Königin teilgenommen. Der alte, schwächliche Mann beschwor seine Unschuld, er leugnete auch noch bei der ersten Folterung; während der zweiten gestand er alles, was man von ihm verlangte. Er hatte auch keine Zeit mehr, sein Geständnis zu widerrufen, denn er starb unmittelbar darauf infolge der erlittenen Qualen. Als der König aus dem Kriege zunückkehrte, erhielt er einen Bericht über den Vorfall. Niemand aber wusste besser als der König, wie falsch die Beschuldigung gewesen, denn gerade der jüdische Arzt war es gewesen, der auf geheimem Wege Kenntnis von der Verschwörung gewonnen und rechtzeitig ihre Vereitlung herbeigeführt hatte. Der König wusste dies, sonst niemand, und sein Zorn gegen die Verleumder!- sehen Ankläger kannte keine Grenzen. Dem König waren auch die Beweggründe nicht verborgen, die den Hauptanstifter, eine sehr hochgestellte Persönlichkeit seines Hofes, zu dieser Anklage geleitet hatten. Der König stellte diesen Mann heftig zur Rede. Da antwortete ihm der hochgestellte Herr: ,/)er jüdische Arzt hat ja selbst im Verlaufe des gerichtlichen Verfahrens unter der Nachhilfe der Tortur seine Schuld bekannt. Kann man -mehr verlangen, \j/enn man die Wahrheit will?“ Der König schwieg zu dieser Antwort, aber da er die Wahrheit kannte, Hess ihm die dem keinen Eintritt in die Jewish Agency gestatten wäll, um letztere ganz und gar der zionistischen Organisation zu reservieren. Hier bereitet sich eine neue Tragik der jüdischen Geschichte vor. Gewiss hat es Theodor Herzl leichter gehabt, wie Ghaim Weizmann. Er konnte unbeengt von den Fragen des Tages ein farbensattes Märchenbild zeichnen. Von Chaim Weizmann heischt man Verwirklichung. Er, hat den einen Schritt vom Wege getan, weil er, glaubte, ihn tun zu müssen, dass er nur die materiellen Kräfte aufrief und nicht bedachte, oder nicht bedenken konnte, dass dieser Erfüllung einer geschiehtliehen Aufgabe die ideellen Kräfte fehlen, die notwendiger sind, als die materiellen. Er rief die Notabeln von den Banken und den Trusts und Hess es zu, dass die Notabein aus dem Beth Hamidrasch und aus der Welt der religiösen Pflichterfüllung mit Hohn und Spott übergangen werden. Palästina hätte ein Staat werden müssen, der in Aufbau und im inneren Wert das ideale Bild Platos hätte übertreffen müssen. Und nun versuchen kleine Geister, es zum Zerrbild eines kleonischen Staates zu machen. Wem fiele da nicht das -erschütternde Bild von Moab und Abihu ein, die sterben mussten, weil sie glaubten, man könnte trunken von Genuss und Erfolg in ein Heiligtum gehen, weil sie glaubten, man könnte ohne Traditian und unter Ausserachtlassung der Lehre und des Lehrers das Heiligste nach eigener Meinung formen. Hier erhebt sich die Frage, und auch darüber mödhten wir unsere' Jugend bitten, riäohzüdenken: Wer ist kleiner, die Menschen, welche trotzdem sie nun einmal nach -Lage der Dinge durch ähre Mittel die Macht in der Hand haben, unter Ausserachtlassung der religiösen Ideale in ein Jewish Council eintreten, oder die Menschen, welche in enger Parteibefangenheit der jüdischen Welt einen Jewish Council zumuten? III. König Hussein war in der Nähe Palästinas, die Vertretung der Orthodoxie, von denen man ohne Ueberhebung behaupten kann, dass sie den oben äim Namen von Rabbi Avigdor geschilderten Weitblick des Idealismus haben, trug dem König Hussein die Sache keine Ruhe. -Sie beschäftigte ihn unaufhörlich und störte selbst die Ruhe seines Schlafes, Er sagte sich wohl, dass es nicht genüge, wenn er die volle Ueberzeugung habe, dass ein Mord unter Wahlrung der gesetzlichen Formen verübt worden sei, sondern die Gerechtigkeit fordere, dass auch der eigentliche Anstifter der Mordtat zu diesem Bekenntnis gezwungen werde. Und da kam der König auf einen seltsamen Einfall, zu dessen Ausführung er rasch im geheimen, die nötigen Vorkehrungen treffen Hess. Mitten in der Nacht wurde der hochgestellte Mann zu einer Audienz zum König abgeholt. Das Zimmer, in dem er empfangen wurde, war jedoch in eine echte Folterkammer verwandelt worden, aiusgestattet mit den furchtbarsten Marterwerkzeugen^ die bei Befragung der verstocktesten Verbrecher zur Anwendung gelangen. Richter, Schreiber und Folterknechte waren vermummt erschienen; die Rolle des Angeklagten aber war dem Manne zugeteilt, der einst die verleumderische Anklage gegen den jüdisehen Arzt geschmiedet hatte. Nun w-urde -gegen ihn die erdichtete Beschuldigung erhoben, die Ermordung der Königin geplant zu haben! Der Angeklagte dachte wohl zunächst, dass nur ein böser Scherz mit ihm getrieben werde, und lachte . . . Aber bald musste er erkennen, dass es sich um blutigen Ernst handle. Seine höhnische Zurückweisung der Beschuldigung wurde gar nicht beachtet. -Die Folterknechte erhieL ten sofort den Befehl, ihres Amtes zu walten. Sie A f A tg# 11 ף־־ Die flrüsstt («teiMtietale Km$1werlt$tsne für :י! ._ I immar scnin Perücken. Scheitel und Cransformationen v9l/lllffl ct re» —«» tetan / mmwte 61»»d«msd1e / bk Bmtemm 1«t mmt. 4wr«cw«mt■ mtwimt —=— Wie* 1. -— KimtMtniNg Dr. 6 (Mieulter «m ftete! Brtotol). Cd. «61-«־ Cldttt Mil a«lt all atdtttu» ]aMtkii«! d«• ,«nttmt» mmmh ■mki all»» C11«t Perlet«». So«MIM M ■raaMckelttla. Bim wtrd«■ der BMdclraMMr ■II «ttMMftadw tiantaad aaiNmaiW• ■V* a■ m TntflWaaa aa wMlata, >lm d<a Oor»«■«« OTHMAR aad dl! »Iw« «caaa »1 Harttta 1 *Wu

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