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Jüdische Presse · 1924-03-14 · 11 (14.3.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
11 (14.3.1924)
Date
1924-03-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12a. ־־ Telephon 49.054. Tschecho-Siowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig :Für Oesterreich, Deutschland, Polen 08t. K 80.000, Tschecho-Siowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 26 Lire, England 7 Shilling, Rumänien! 300 Lei, Jugoslawien 100 Dinar, Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Oesterreich: Post•! Nr. 13.458; für Polen: Postsparka Nr. 190.40&; für Ungarn: Postspari Nr. 50.170; für Tschecho-Siowakei Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: 40.217: f.Rumänien: Banca Marman 8t Co, Bukarest; für die Schweis: Po parkassenamtWien, Konto ssenamt Warschau, Konto tassen&nt Budapest, Konto . : Postsparkassenamt Prag, Postsp.-Amt Agram,Ko. N. >sch Blanc & Co. für Florenz itscheckk. Luzern VII. 1470. Nr. 11 | Wien-Bratislava, 14. März 1924 .ב*ה ויענה־םרעםםבורג ח* אדר־ב. תים*ד IO. Jahpg■ Aus dem Nachlasse Amaleks. Wie ist die Welt sich doch so gleich geblieben! Unsere alten Weisen s. A. beweisen einen wunderbaren Tiefblick für die jüdische Psyche, wenn sie von dem infernalischen, tödlichen Hasse sprechen, welcher in der Brust des Am-hoorez gegen den Talmid chochom, gegen den Wissenden wütet. Das ist die bekannte Fanfare in dem Kampf nach rechts, in dem Ansturm gegen die Autorität. Solange nun dieser Kampf sich in den grobzügigen Distanzen zwischen den Extremen vollzieht, ist er ungefährlicher, weil deutlich erkennbar. Furchtbar jedoch wirkt es, wenn Wissende, Hochstrebende den wahren Sinn unseres Generalsatzes für die Lebensführung verkennen und nicht mehr wissen oder gar nicht wissen wollen, was das Wort verlangt: Kol hamach’mir tovau olov b’rochoh (je ernster und rigoroser jemand mit den Vorschriften der Thora es nimmt, desto reicherer Segen strömt aus seinem Leben). Nun ist der!psychologische Prozess klar, dass man in dem Augenblick, in dem man einem anderen, der mehr ״rechts“ steht, zustimmt, damit gewissermassen eine Kritik an sich selbst ausübt. Dies ist eine Grösse, zu der nicht jeder fähig ist. Mit noch trivialerem Ausdruck könnte man sagen, dass man in dem Rechtsstehenden einen ständigen Vorwurf gegen sich selbst empfindet. Aus dieser Empfindung keimen und wuchern allmählich die Gefübtode* Entfremdung, von denen ׳aus der Weg nicht gar so weit ist zu den Gefühlen des Hasses. Ist man aber erst zu diesem Tiefstände gelangt, dann hat Amalek gesiegt. In wirklich jüdischen Kreisen war es bisher anders gewesen. Da hat man diejenigen, die Medakdekim waren, bewundert, geachtet, geliebt. Man war bescheiden genug, um einzusehen, dass die eigene Anschauung unter Umständen eine sehr starke Korrektur erfahren kann. Erst der Missbrauch des demokratischen Gedankens, dass die Anschauung der Massen die höchste geistige und sittliche Blüte darstelle, hat die Spuren Amaleks wieder belebt. Es ist wahrhaftig leicht genug, die ״Separatisten“ zu beschimpfen und die ganze Stimmung der Massen gegen diejenigen einzunehmen, die den Mut haben, das Wort von der Möglichkeit und Notwendigkeit der Klärung zu sprechen und■ bewähren. Wollen wir aber die Spuren Amaleks möglichst tilgen, dann dürfen wir nicht müde werden, nicht müde vor allem zu versuchen, uns in die Seele derer zu versetzen, denen wir nicht genügen. Gerade in diesen Zeiten, in denen die Feinde ringsum schweigen, in denen man also glaubt, es wäre ein Leichtes, das überkommene Erbe auf die nächste Generation zu übertragen, ist die Gefahr der Müdigkeit am allergrössten. Deshalb knüpft der Allmächtige das Gebot der Tilgung aller Spuren Amaleks gerade an einen solchen Zeitpunkt. Um wieviel mehr aber ruft die Pflicht in unseren Tagen, in denen sich die Feinde von innen und aussen gefunden ,haben, um unter den allerverlockendsten Schlagwörtern die Kraft der Thora zu vermindern. Wer weiss, vielleicht sind es nur noch wenige, die die ernste Situation des jüdischen Woilens ׳begreifen; und so reicht man dem Verschmachtenden einen Stein, den Dürstenden den Becher des Hohns. Wir möchten nach dieser ׳Richtung der Welt etwas furchtbar Schweres mitteilen. Aus einem!Lande mit sehr ernsten frommen Juden richtet man an uns einen Hilfeschrei, wie er in der jüdischen Geschichte noch nicht da war. Man bittet uns, uns an Amerika zu wenden mit dem Ersuchen, kein Geld zu geben, weil das Geld bisher durch xlie Hände gewissenlosester Veriük1e*.ge«en-die gegen den AUmächtigen, gegen das jüdische Glück verwendet wurde. Gewiss hat man es in Amerika gut gemeint. Aber zwischen Amerika und jenem Lande (und nicht bloss jenem Lande) lauern und lachen die satten Sendboten Amaleks. In Amerikas Namen predigen sie die Einheitsfront. Ist dieser Hilferuf nicht ein erschütterndes Zeugnis für die Grösse in der Armut der echten Kinder Abrahams? Wir geben diesen Hilfeschrei hiemit nach Amerika weiter und haben das Vertrauen, dass dort sich Männer finden werden, welche es mit der Pflicht, die Spuren Amaleks zu tilgen, ernst meinen. Die grösste Gefahr. Die ״Neue Freie Presse“ vom 2. d. M. bringt folgendes Telegramm ihres Korrespondenten aus Paris: ' , ״Der frühere französische Botschafter in Petersbürg Paleologue hielt gestern einen Vortrag über die gegenwärtige Lage Russlands. Paleologue versicherte, der Boisohewiismus habe gegenwärtig, wie jedem Mitglied der Sowjetregierung genau ׳bekannt sei, eine gefährliche Krise zu bestehen, die zu einer Katastrophe führen werde, falls der englische Kapitalismus den Sowjetstaaten nicht schnell zu Hilfe. komme. Paleologue ist davon überzeugt, dass die latente Krise des Bolschewismus auch* von den Massen des russischen Volkes wenigstens geahnt wird. Das Vorspiel der Katastrophe werde ein Ausbruch der Volkswut gegen die Juden sein. Paleologue bezeichnet das Wiedererwachen der antisemitischen Leidenschaften als ein ernstes Symptom. Er versichert, alle von ihm befragten Kenner Russlands seien sich darüber einig, dass der!Beginn des Zusammenbruches der Sowjetherrschaft durch eine unerhörte Judenverfolgung eingeleitet werden würde. Er verlas als Beweis dafür, dass die russischen Juden über die Gefahr unterrichtet sind, den Briet eines jüdischen Kaufmannes in Jekaterinoslaw, in dem es wörtlich heisst: ״Die Lage der Juden wird von Tag zu Tag kritischer. Die Erbitterung״ der Christen gegen sie nimmt ständig zu und bedroht alle russischen Juden mit dem schwersten Unheil. War müssen uns sogar darauf. gefasst machen, dass! die Bolschewiken gegen uns die Volkswut entfesseln, in der Hoffnung, sich auf diese Weise im letzten Augenblick retten zu können. Ich bin davon überzeugt, dass keine menschliche Gewalt die drohenden Pogrome mehr verhindern kann. Man muss auf das schnellste den Auszug der jüdischen Familien organisieren, um ein allgemeines Massaker zu verhüten.“ Eine Explosion des Antisemitismus wird nach der Voraussage Paleologues von einer politischen Verschwörung in Moskau gefolgt sein, die in Zusam-־ menhang mit einem miTitärisohen Staatsstreich in Er- Der Traum des Rabbi. (Forrtseteung.) ״Ihr versteht mich noch immer nicht? Ich spreche in Rätseln zu Euch? Nun, Ihr werdet sofort verstehen. Man hat Euch verleumdet . . . Man sagte mir: die Juden trieben ein frevelhaftes Spiel mit mir. Säe heucheln Treue und Ehrerbietung gegen meine Person und zum Zeichen cfessen empfangen sie mich mit den Thorarollen am Arm, aber in Wahrheit brächten sie nur die leere Hülle mir entgegen. Nun, Rabbi, jetzt begreift Ihr wohl, dass ich Euch prüfen wollte. Ich erkannte, dass man mich ■belogen, dass man Euch verleumdete. Und mehr als je könnt Ihr von nun an meiner Gnade versichert sein.“ Der Oberrabbiner blickte mit tränenumflorten Au;;.n empor, und sagte dann mit zitternder Stimme: ״Wae sollen meine schwachen Worte genügen, Ew. Majestät zu danken? Wie vermag ich Gottes Barmherzigkeit zu preisen, der es verhinderte, dass die Anklage unserer Feinde uns zerschmetterte? Freilich . . . eines kann ich nicht verschweigen, Ich, ich . . .“ Der ■Oberrabbiner stockte. ,Der König rief ihm ermunternd zu: ״Sprechet nur, wie es Euch ums Herz ist.“ ״Majestät, ich wollte nur noch eines sagen: Stempeln sich die Judenfeinde nicht schon allein dadurch zu gewissenlosen Lügnern, wenn sie versuchen, glauben zu machen, dass wir Juden, denen die Thora Ehrfurcht vor dem König befiehlt, die Thora zur Verhöhnung des Königs missbrauchen könnten? Wäre das nicht auch die Verhöhnung der Thora?“ ״Das wäre in der Tat von den Juden sehr widerspruchsvoll und sehr töricht gehandelt ... Ich staune aber auch, dass Eure Feinde mit solchen Mitteln gegen Euch kämpfen. Auch der Feind ist töricht, der sich so leicht der Gefahr aussetzt, als Verleumder entlarvt zu werden. Ihr lächelt Rabbi? . . .“ ״Majestät, Israels Feinde haben so off erfahren, dass auch die unsinnigste und böswilligste Lüge gut genug ist, als Waffe gegen die Juden gebraucht zu werden, dass man es schon begreiflich finden kann, wenn sie darauf verzichten, allzu wählerisch und allzu vorsichtig an ihren Mitteln zu sein.“ ״Aber Ihr habt Euch doch soeben überzeugt, Rabbi, dass ich die Anklage, die gegen Euere Glaubensgenossen erhoben wurde, erst prüfte, bevor ich ihr Glauben schenkte?“ ,*Die Weisheit und Gerechtigkeit Euerer Majestä׳t haben wie immer auch!diesmal sich in ihrer Grösse gezeigt und das Unheil vop uns abgewendet. Aber auf wie vielen!Blättern unserer Geschichte sind Fälle verzeichnet, in denen Anklage und Verurteilung schon darum untrennbar von einander waren, weil die gegen die Juden aufgehetzten Massen überhaupt keine Beweise und keine Begründung abwarteten, sondern sich sofort zu Richtern und Vollstreckern eines mörderischen Urteils auf warfen? Was nützte es dann, wenn sich im ordnungsmässig durChgeführten gerichtlichen Verfahren nachträglich die Schuldlosigkeit der Angeklagten herausstellte? Die Wahrheit kam, wenn überhaupt, oft zu spät an den Tag und selbst Richter, die die Wahrheit gesucht und gefunden hätten . . . die Toten konnten sie nicht mehr erwecken.“ Der König zuckte zusammen und den Oberrafbbiner scharf anblickend, sagt er: •Jhr sprecht, Rabbi, als ob Ihr glauben würdet, dass es Richter gibt, die, wenn es sich um Juden handelt, nicht immer die Wahrheit finden, weil sie nicht die Wahrheit suchen. Wisst Ihr nicht, dass Ihr damit eine furchtbare Beschuldigung aussprechet? Ich habe Euch aufgefordert, alles zu sagen, wie Ihr es denkt . . . und Ihr dürft, Ihr sollt von der Freiheit; die ich ,Euch eingeräumt, ungeschmälerten Gebrauch machen. Aber für eine Beschuldigung, wie Ihr sie gegen Richter, gegen die berufenen Hüter des Gesetzes angedeutet, müsst Ihr ׳Beweise haben, das werdet Ihr wohl selbst einsehen . . .?“ Nach kurzem Besinnen erwiderte der Ober: rabbiner: ״Majestät, ferne sei es von mir, eine Beschuldigung gegen Richter zu erheben, und ich bitte! instäudigst mir gestatten zu wollen, meine missverstan: denen Worte erklären zu dürfen, indem1 ich . . t ״Was stockt Ihr, Rabbi?“ (!Fortsetzung folgt.) /v ,ן m ♦£# ~ Die grösste interaattoMle Ktmsfwerkstitte für 11 I Ithntar schilt Perücken. Scheitel und Cranslormationen \^9I/III%9I €w groi — tu Metall / Billigste CUtbawftqdeiic / Pie Bersten mg m garaxt. ddnergewiitew nafrrhdar -_ Wien t- KSrntnerriKg Br. 6 (gcgenftber de« «otei Bristol), cei. f162״3״ Elefert seit «ebr «1$ »»dertbaib Sabrsebatea de» poracbNttea •rtbadoxea D»we» aller Ciader Perlcfcea• Spaialhf I« Braat'Scbcitela. Biese «erdet der midebeafrlsar Nit oerbllffeader Uascbtta Mcbdtaacbt. 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