Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 10 (7.3.1924)
- Date
- 1924-03-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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V. b. b, mm . . : -; JÜDISCHE PRESSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administrationt Wien, II., Malzgasse 12 a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise 1 Oanzjährig: Für 'Oesterreich, Deutschland, Polen öst. K 80.000, Tschecho-Slowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 25 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 800 Lei, Jugoslawien 100 Dinar, Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Oesterreich : Post« Nr. 13.458; für Polen: Postsparka Nr. 190.406; für Ungarn! Postspar Nr. 50.170; für Tschechoslowakei Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: 40.217: f. Rumänien: Bane« Marinar IkCo, Bukarest;für die Schweiz: Pc iparkassenamtWien, Konto issenamt Warschau, Konto kassenamt Budapest, Konto 1: Postsparkassenamt Prag, Postsp.-Amt Agram, Ko. N. osch Blanc (k Co für Florenz «tacheckk. Luzern VII. 1470. Mr. 10 סו, ויענה־פרעםססדג א' אדר־ב, תים*ד, Wien-Bratislava, 7. März 19a4 IO. Jahpg. Kritik. Ein Pausensabbat ist es zwischen der Mahnung, der Seele Sühne durch Hingabe des zu sehr nach Geltung und Uebermacht ringenden irdischen Gutes anzubahnen, und der kategorischen Forde* rung, Spuren und Angedenken der entarteten, vererdeten Seele Amaleks zu tilgen. Dieser Pausensabbat (Hafsokoh) ist eine Einladung zur ernsten Erwägung der Spannung zwischen Erwartung und Erfüllung, zwischen Pflicht zur Tat und Tat selbst. Eine solche Erwägung bedeutet Selbstkritik, ein schweres Beginnen. Selbstverständlich muss sich diese, wie jede Selbstkritik nach denselben Grundsätzen vollziehen, wie die Kritik überhaupt. Ein Uebermass an Kritik wirkt ertötend und zu wenig täuscht. Da ist es eine wunderbare Hilfe, dass der Wochenabschnitt, der an diesem Pausensabbat gelesen wird, uns das erste und einzige Gesetz der Kritik zeigt, denn als die Künstler die wunderbaren, mit klugreifem Geist und Verständnis gefertigten Erzeugnisse ihres' Kunsthandwerkes gebracht hatten, da betrachtete Moses die Arbeit und erkannte, dass man sie gefertigt hatte, so wie der Allmächtige es befohlen hatte, dann segnete sie Moses. ln die Sprache unserer Tagg übertragen heisst das, es wurde der Subjektivismus, der persönliche Einschlag in der Kritik vermieden; an Stelle dessen trat ein objektives Moment, ein allgemeingültiges Gesetz, an dessen Masstab das Werk, der Erfolg, das Erreichte geprüft wurde. Dieses allgemeingültige Gesetz war beim Heiligtum der Wille des Allmächtigen, der sich gerade in bezug auf die Fertig- Stellung des Stiftszeltes bis ins kleinste Detail geäussert hatte. Für alles, was Juden leisten oder t versagen, gült dasselbe Gesetz. Man kann diesen Gedanken nicht ernst und tief genug einer solchen Menschengewerkschaft einprägen, die an und für sich in allen ihren Gliedern eine sehr starke Neigung zur Kritik hat, unser Erbteil in guten und bösen Stunden. Sie geht dann verderblich ins Uferlose, wenn ihr ein solcher Richtpunkt fehlt, sei es einer literarischen Erscheinung gegenüber, oder angesichts einer Tatsache und eines politischen Planes. Kritik muss nicht Polemik sein, sondern sie sei die Feststellung eines tatsächlichen Verhältnisses zwischen dem Gegenstand der Kritik und dem in Der Traum des Rabbi. (Fortsetzung.) Auch der König hatte sich von seinem S'itze erhoben und während grosse Erregung sich «in seinem Antlitz malte, sagte er: ״Rabbi, ich will es Euch bekennen, ich habe die Dinge nicht von dieser Seite betrachtet . . . aber seid versichert, ich werde an Eure Worte denken.“ Der Oberrabbiner glaubte, der König habe mit diesen Worten die Audienz beenden wollen und schickte sich nach einer tiefen Verbeugung an, das Arbeitszimmer des Königs zu verlassen. Aber der König hielt ihn zurück. Lächelnd sprach er: ״Es ist seltsam, aber fast wäre es mir passiert, dass ich Euch entlassen hätte, bevor ich Euch gesagt hätte, was mich eigentlich bewog, Euch zu mir zu bitten.“ Der Oberrabbiner horchte auf. .,Sagt, Rabbi, was dachtet Ihr, als ich in der Synagoge den ׳Wunsch äusserte, etwas aus dem In- -halte Euerer Thora zu erfahren?“ ״Majestät, ich war durch den Wunsch überder Thora gegebenen Richtpunkte. Das ist alles, es ist aber sehr viel; es ist das Suchen nach Wahrheit, beigelegt von Liebe und Hass sterblicher Menschen. Aussprache. Der Schwerpunkt aller politischen und vielleicht auch bald aller kulturellen Angelegenheiten hat sich seit dem Kriege nach Amerika verschoben. Nicht nur in den allgemeinen, sondern auch in den speziell jüdischen Angelegenheiten ist heute Amerika entscheidend. Die günstigere materielle Lage der Judenschaft Amerikas, sowie die Autonomie auf jedem Gebiete hat dies mit sich gebracht. So ist man gezwungen, die Meinung der Amerikanisch-jüdischen Oefferitlichkeit genau kennen fu lernen und auf ihre Stimme zu hören, darf jedoch dabei auf das typisch Amerikanische kein besonderes Gewicht legen. Amerikas öffentliche Meinung ist jung. Dies ist kein Fehler, aber auch kein Vorzug. Der Vorteil Amerikas׳ ist nur in der ganz geringen Belastung an Hemmungen und Rücksichten zu sehen, welche Europa insbesondere auf dem Gebiete seiner Publizistik in ihrer Willensfreiheit beeinträchtigen. Wir bringen unseren Lesern heute zwei Artikel zum Problem Agu da - Mi sr achi, von denen der erste.von Rabbiner Ch, lßjjjosesoh n, einem der Führer der amerikanischen Misrachi, stammt, der andere von unserem Mitarbeiter Redakteur M. G. W o 1 k, der zurzeit in Amerika weilt, geschrieben wurde. Beide Artikel sind in der New Yorker Wochenschrift ״Dos jidisohe Licht“ erschienen. Im Anschluss an einen früher erschienenen Aufsatz von Rabbi M. Berlin in derselben׳ Zeitschrift, wurde das Problem A g u d a - ׳M i s r a c h i aufgerollt, und wir glauben darin den ersten Schritt zu einer klaren Aussprache sehen zu dürfen, welche seit langem einer Notwendigkeit entspricht. Beide Artikel beweisen, dass in Amerika eine klärende publizistische Aussprache eher möglich ist als in!Europa, und wir beabsichtigen, ohne jeden Kommentar dieselbe unseren Lesern zu unterbreiten, wobei wir uns eine endgültige Stellungnahme vorbehalten. * rascht, ja . . . ich fragte mich, was wohl der Beweggrund gewesen sein mochte.“ ,.Nun, kanntet Ihr ihn nicht?a — fragte der König mit Betonung, und dem Oberrabbiner scharf ins. Antlitz blickend, fügte er bedachtsam hinzu: ״Ahntet Ihr ׳ihn nicht?“ Majestät, w.ie sollte ich wissen, was diesen Wunsch, diesen Gedanken zeugte? Wieviele Möglichkeiten ergaben sich zu seiner Erklärung! Einen Moment dauerte meine Ueberraschung, die aber sofort dem Glücksgefühl wich, dass Ew. Majestät in so huldvoller Weise ein Zeichen des Interesses für meine Glaubensgenossen, für unsere Thora kundgab, die für uns Juden das Heiligste, das Höchste auf Erden bedeutet.“ ״Nun, ich begreife, Rabbi, Ihr konntet den Grund meines . . . ׳ich will es nicht leugnen . . . seltsam scheinenden Verlangens nicht erraten, denn nur drei Personen kannten ihn . . . drei Personen, von denen Ihr ׳ihn wahrhaftig nicht erfahren konntet.“ ״Nein, Majestät . . . keine sterbliche Seele hat mir darüber auch nur eine leise Andeutung gegeben.“ Der König lachte. Misrachi and Agudas Jisroel. Von 'Rabbiner Ghaiim Jecheskieil Mosesohns, New York; Es ist die Tatsache trendigst zu begriüssen, dass wir Miisriachfeten Geleigemheiit ׳haben!, in den!Spalten des Organes für Chisuik Hadlass ,)Das jüdische Liebt“ eine!Diskussion zur Klärung verschiedener!Probleme eröffnen zu können.' Dieselbe war bis nun in den!jüdischen Zeitungen und sogar auf den niisrachlistiischen! Konferenzen und jährlichen Konventionen nicht möglich!gewesen. Es!zeigt Siohi, dass!die Aufsätze, die im ״Jiiidliscben Lich'tt“ über ׳den Zionismus im allgemeinen und über Miisrachi im speziellen erschienen sind, überaus wiichitüg und notwendig waren, da sie eiine ernste Antwort seitens des Führers der Misrachi, Rabbi!Mieir B e r l i n, heraiusgefordert haben. ■Leider kann die Antwort weder die Anhänger der Agudas Jisroel noch die wahrhaften treuen Miisraohi'stert befriedigen. Alle, die, den mutigen, ehrlichen Charakter Rabbiner Berlins kennen, erwarteten״ dass (Rabbiner •Berlin öffentlich zugeben wird, dass die Krankbeitsdiiagnose, ׳die im ,,Jüdischen Licht“ gestellt wurde, absolut richtig ist. ׳Denn wer!weliss noch ebenso gut wie Raihb. Berlin ,,von dem antireligiösen Gefühle des!grössten!Teiles der zionistischen Führer und ׳Wegweiser“? Und auch das angegebene Heilverfahren wäre doch wirklich das wirksamste. Nämlich ,,das orthodoxe Juden(•: tum muss sich organisieren und die Kontrolle über die gesamte •geistige Leitung der zionistischen Bewegung übernehmen. Ern Programm, welches Miisnaohi sieh zum ■Ziele setzte,!zu dessen Ausführung M!israch!i aber zu schwach ist•“( Daher fordert Raibb. Berlin: ,,׳es sollen alle diejenigen, die Einfluss haben, zu uns kommen׳ und! tauf diese Art mehr Menschen und mehr Kraft dem Misrachi zuführen.“- Wobei Rabbi Berlin erklärt, diass Misrachi!bereit ist, sich mit Agudas iJiisroel zu vereinen und dies nur an dem U׳nwillen dier Aguda scheitert. Ich verstehe nicht, ■wie der weise Rabbi solche Forderungen stellen kann. Zuerst gibt man zu, dass der Misrachi!bis nun lauter Niederlagen׳ erlitten hat, dass er im Kampfe׳ mit der ,antlireiigilösen Strömung der ziemtet}-■ sehen Führer unterlegen ist, dass nicht das Geringste erreicht wurde (so ■eine ,,schwarze Geiwure“ besitzen sie hier! die zionistischen Führer!) — — — wieso kann man nun von den anderen1 ,verlangen(, diass sie sich in dieselbe Gefahr begeben, freiwillig sich in dlas Netz der bösen Geister begeben,, um nachher um!Hilfe zu rufen!? Hat doch Agudas Jisroel einen guten Rat als Ar.׳:- ״Das glaube ich wohl ... die drei ׳Personen, von denen ich sprach, stehen, Rabbi,!in keiner Verbindung mit Euch. Es sind — doch wozu sie nennen? An den Namen ist Euch doch nichts gelegen?“ Der Oberrabbiner verbeugte sich schweigend. ״Aber möchtet Ihr nicht den Grund wissen, der mich leitete?“ ״Wenn Ew. Majestät die Gnade hätte, ihn mir zu nennen . . “ ״Nun, ׳Euere Neugierde, Rabbi, wäre nur begreiflieh. Also wisset . . . erschrecket aber nicht noch nachträglich . . . von der Erfüllung des Verlangens, das •ich in der Synagoge an Euch richtete, hing Euer, Eurer ganzen Gemeinde Schicksal ab. Hättet Ihr es nicht erfüllt, nicht erfüllen können, so wäret Ihr alle aus dem Lande vertrieben worden... als Bettler... Euer Vermögen wäre dem Staate verfallen . . . eine Strafe, die wohl denen gebührt, die den König verhöhnen, verspotten.“ ״Majestät!“ stammelte der Rabbi, aber der König Hess ihn nicht weiter sprechen. Mit gütiger Stimme unterbrach er ihn. (Fortsetzung folgt.) Ottmar Schiff —_= Wien ן. —— Kirntntrrtdfl Dr. 6 (g««esi1»r <«■ tftoi Bristol). Cd. n־J>« ׳ Die grSttit iNttrtutionalt Ktmttwtrkttätte für -׳ ־־ Perücken, Scheitel und Transformationen €» groi — tu (ktail / Billigste €htRa»hqaclie / Pie fimtewmg m flarawt. Bafarhaar Clcfirt *eit «elf «1$ aidertbalb gabrsebatta dea wraebNitea orthodoxe» Daue» aller Cdader Perlckea Spexlalht la Bmti'Scbeiteli* Bleie werde! der midebeafrisar wir oerbliffeader Clascbaag aaebaewaebt* am oor Ttretabraag »»*cbdtxe», bitte dea gotaauea OTHMAR «ad die Hdrene aeaa« »« beachte» 1 *m