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Jüdische Presse · 1924-02-08 · 6 (8.2.1924) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
6 (8.2.1924)
Date
1924-02-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
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JÜDISCHE PRESSE Redaktion und Administration: Wien, 11״ Malzgasse 12a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, rar Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Oanzjährig: Für Oesterreich, Deutschland, Polen öst. K 80.000, Tschecho-Slowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 25 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 800 Lei, Jugoslawien 100 Dinar, Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen fflr Oesterreich: Postsparkassenamtwien, Konto Nr. 13.458; ffir Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn! Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; fQr Tschecho-Slowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217: {.Rumänien: Banca Marmarosch Blanc 8 Co für Florenz & Co, Bukarest; für die Schweiz! Postscheckk. Luzern Vll. 1470. Nr. 6 Wien-Bratislava, 8. Februar 1914 ,ב״ה ויענה־םרעםסבורנ נ* אדר־א, תיפ״ד IO. Jahrg. Umkehr. Von Zeit zu Zeit ist es Notwendigkeit und Pf ficht, unter diesem Namen eine Betrachtung anzu- *teilen, da leider für die Orthodoxie Gelegenheit genug dabei ist, sich zu schämen. Wir zitieren aus einem Artikel eines führenden monistischen Organs folgende Stellen. Der Artikel erschien anlässlich eines Vortrages von Jabotinski über die Notwendigkeit für den Zionismus, zur ״pofitischen Offensive“ überzugehen. Die Sache selbst mteressiert uns׳ in diesem Zusammenhänge nicht, ebenso wenig die Stellungnahme des Organes zu dem von Jabotmski aufgeworfenen Probleme«. Beides ist ein Kapitel für sich. Wir zitieren nunmehr: 1. ״Die Verwaltung jedoch richtet sich eben, wie ja auch (fas Beispiel der Verwirklichung der Balfour-Deklaration zeigt, nicht nuT nach den pap&erenen Bestimmungen des Gesetzes, in unserem Balle also nicht nach denen des Mandats, sondern in der Hauptsache nach dien Realitäten des Augenblicks und des täglichen Lebens• 2. Jabotinski, der doch auch jahrelang der propagandastische Leiter des Keren Hajessod war, hatte keinen1 Erfolg — tut nichts, die Möglichkeit, jüdisches Grosskapital in einer für uns zweifellos ehrenvollen und dem Endziel dienlichen Form heranzuziehen, darf um des Dogmas der (von uns unterstrichen) dreimal heiligen Demok ra ti e w i 11 e n — in der übrigens nicht nur jeder Zionist, sondern auch jeder Soziologe und Politiker etwas anderes versteht — nicht benützt werden.“ Gerade der letzte Gedanke ist es, in dem sich klar und deutlich die Spuren einer gesunden Umkehr zeigen. Es ist auch in unseren Reihen mit dem Worte, das heisst mit dem Schlagworte und nicht mit dem Begriff ״Demokratie“ ziemlich viel Unfug getrieben worden. Schonl die ältesten Lehrer der Staatskunde )egten immer und immer wieder Wert darauf, zu betonen, dass ״Demokratie“ nur dann für ein Gemeinwesen gesund ist, wenn als Begleiterscheinung eine ziemlich grosse Dosis von Intelligenz vorhanden ist... Demokratie gereicht dann jeder Gemeinschaft zum Unheil, wenn sie dogmatisch wird, ln vielen ernsten Zeitschriften ist heute die Behauptung zu lesen, dass der Parlamentarismus sich selbst überlebt hat; tatsächlich bedeutet dies nichts anderes, als das Eingeständnis, dass die Uebertreibung des demokratischen Gedankens sich ,unangenehm demagogisch ausgewiikt hat. Es muss eben eingesehen werden, dass es־ neben der Wucht ,der Masse auch noch andere Faktoren gibt, denen ein Votum in gesellschaftliehen Dingen zuerkannt werdten muss. Demokratie darf nicht zur Waffe m der Hand geschickter Demagogen und Autokraten werden. Hat man ja in verschiedenen Menschengemeinden!bereits seit einiger Zeit nach Korrekturen gesucht. Das Zweikammer- System in den alten Monarchien war das erste Beispiel. Dann ging man über zum Proportionalwahlrecht. In einigen Staaten dachte mau an das Experiment, den mit Intelligenz und1 Wissen ausgestatteten Persönlichkeiten ein höher abgestuftes Wahlrecht zu verleihen, das sogenannte Pluralwahl־- recht. Wie die Entwicklung jedoch zeigt, haben all diese oben angeführten Mittel und Mittelchen versagt. Denn die oben angeführte Meinung, dass der Parlamentarismus sich überlebt hat, ist der beste Beweis hiefür. Die einzig wirkliche Korrektur, die Untersuchung darüber, ob der Schrei nach Demokratie nicht tatsächlich von Fall zu Fall der Schrei einzelner machfhungriger Persönlichkeiten ist, die im geschickteil Spiel die Masse zur Erreichung ihrer persönlichen Ziele ausnützen wollen, ist meistens unmöglich, weil Schlagworte immer leichter wirken als Worte der Weisheit. Es ertönt zwar hie und da der Ruf nach einem starken Mann, ausgestossen von denen, welche die unheilvolle Wirkung eines Miissbrauches des demokratischen Grundgedankens bereits in den ersten Spuren erkannt haben. Wenn aber diese starke Persönfichkeiten unglücklicherweise eine vornehme Natur besitzen sollten, so ziehen sie es meistens vor, die Rolle des Weinstockes zu spielen, wie sie Jothan in seinem Gleichnis an die Männer von Sichern darstellt Wird aber wirklich einmal eine ernste Korrektur vollzogen, so erhebt sich das demagogische widerwärtige Geschrei von einem RJerikalismus. Unsere freundlichen Gegner geben den Ton an, und unsere demokratischen Freunde glauben das willig- Ganz abgesehen von der religiösen Forderung bedeutet die Einrichtung des Rabbinischen Rates׳ in der Agudas Jisroel eine derartige Korrektur. Es ist seit längeren Zeiten wieder das erste Mal, dass in einer jüdischen Gemeinschaft der Versuch gemacht worden ist, das Gleichgewicht zwischen den beiden extremen Gedankenwelten ־der Autorität und der Demokratie herzustellen. Wir verkennen nicht, dass den ־beiden Faktoren, dem Rabbinischen Rat sowohl, wie auoh der Gesamtorganisation der Agudas Jisroel, hiedurch eine schwere Aufgabe erwachsen!ist, wir wagen zu sagen, eine ganz neuartige Aufgabe• Von ihrer Losung hängt vieles ab: sie wird dann gelingen, wenn beide Faktoren einmal zum klaren ׳Bewusstsein ihrer Aufgabe gelangt sein werden. Dann würde die Organisation erkannt haben, dass es ihre Pflicht ist, dem Rabbinisehen Rat einen weit über die statutarische Bindung hinausgehenden gedankenmässigen Einfluss zu׳ gewähren, dann würde der Rabfoinische Rat es als das erste Prinzip der Autorität erkannt haben, die Summe der Anschauungen in d'en von ihnen geführten Körperschäften in steh zu vereinigen und dann zur lebendigen Tat ausstrahlen zu lassen. Es freut uns. behaupten zu dürfen, dass auf beiden Seiten diese Erkenntnissphären klar und deutlich vorhanden sind. Es ist wiederum die gewaltig grosse Aufgabe dies Geschäiftsführeniden Ausschusses, den Weg zu finden, auf dem, immer unter dem Zeichen der oben geschilderten Erkenntnisgebiete, die Organisation den Weg zum Rabbinischen Rat und der Rabbinische Rat den Weg zur Organisation findet. Sprechen wir ganz offen, es wird Stunden geben, in denen der Geschäftsführende Ausschuss im Namen der Demokratie zur Autorität, und wieder Stunden, in denen er im Namen der Autorität zur Demokratie sprechen wird. Das alles steht nicht wörtlich in dem von der Kenessio Gedaulo angenommenen Statut, aber es bleibt trotzdem das höchste Ziel, in dessen Erfüllung die Aguda zur Aguda wird, in dessen!Erfüllung ferner die Aguda Der Traum des Rabbi. (Fortsetzung.) Der König hatte mit grösster Aufmerksamkeit und wachsender Spannung diese eigenartige Vöriesung aus der Thora angehört. Die mächtige Ergriffenheit, unter der der Oberrabbiner die letzte so beziehungsvolle Stelle zitierte, pflanzte sich auf .alle jüdi- «eben Zuhörer fort. Die Männer wie die Frauen konnten sich der Tränen der Rührung nicht erwehren. Die Szene hatte aber offensichtlich auch auf den König tiefen Eindruck gemacht. Mit freundlichem Blicke wandte er sich zu dem Oberrabbiner, der wieder seine Fassung gewonnen und hochaufgerichtet, aber in ehrfurchtsvoller Haitung vor dem König stand. ״Rabbi — begann der König — ich muss gestehen, es war mir etwas ganz Neues, was ich Euch aus Eurer Thora vorlesen hörte. Ich wusste nicht, dass das Alte Testament schon all diese herrlichen Lehren enthalte. Das kennen aber wohl nur Eure Rabbiner und Gelehrten?“ ״Nein, Majestät! Die Thora ist bei uns Juden kein Geheimnis־ Auserwählter. Sie ist Gemeingut aller und mehrmals jede Woche wird der ganzen Gemeinde aus ihr vorgelesen.“ ׳ ״AbeT wohl nur der hebräische Text?“ ״Gewiss, Euer Majestät. Nur der hebräische Text.“ ״Ach — meinte ein wenig ironisch der König — das geschieht wähl nur darum, damit es wohl alle hören, aber nur die Rabbiner und Gelehrten verstehen. So wie, wenn man etwa aus dem Lateinischen oder Griechischen vorlesen würde•“ ״Majestät, bei den Judten lernt und versteht jedes Kind hebräisch.“ ״Aber doch unmöglich so viel, dass es einer Vorlesung aus der Thora folgen kann?“ ״Verzeihung, Majestät, unsere Kinder lernen schon in der Schule die Thora lesen und verstehen, und da können sie wohl auch in der Synagoge mit vollem Verständnis der Vorlesung folgen.“ ״Wirklich? Hm .. aber wie reif müssen denn Eure Kinder sein, bis sie mit dem Studium dieser schweren Sprache beginnen, und gibt es denn viele, die so lange die Schule besuchen, bis sie zu deren vollem Verständnis gelangen?... Denn das habe ich aus der Ueber- Setzung wohl gemerkt, dass nur ein •bereits stärker entwickelter Geist befähigt ist, so hohe Lehren zu fassen und aufzunehmen.“ ״Majestät, die jüdischen Kinder beginnen zumeist schon im Alter von 4 bis 5 Jahren hebräisch zu lesen, und Knaben, die mit 6 Jahren schon den Unterricht in der Thora empfangen, bilden keine Ausnahme.“ Der König konnte kaum ein Zeichen seiner Ver- Wüffung angesichts dieser Erklärung des Oberrabbiners unterdrücken. ״Rabbi, ich sehe, Ihr Juden seid ein merkwürdäges Volk... Man kennt Euch, wie mir dünkt, doch nicht genau, oder man erzählt sich auch viel ׳Unrichtiges und Falsches über Euch... Doch genug davon, ich...“ Der König beschloss offenbar den Satz nicht so* wie er die Absicht gehabt. Um das Gespräch abzulenken, sagte er, lächelnd auf den Mönch blickend, der gesenkten Hauptes der Unterredung gefolgt war: ״Sagt, Rabbi, hat der ehrwürdige Herr getreu und vollkommen richtig alles übersetzt, was Ihr im hebräischen Wortlaut vorgeiesen?“ ״Gewiss, Majestät. Es war eine tadellose, ganz und gar getreue Uebersetzung!“ ״Es ist dies ein grosses Lob, das Euch gespendet wird — sagte der König anerkennend zu dem Mönche — und es wiegt umso schwerer, als Ihr unvorbereitet die aufs Geratewohl genommenen Sätze zu übertragen hattet. Ich dachte immer, dass Ihr wenigstens ein Lexikon verlangen werdet, um wegen eines׳ selteneren Wortes darin nachzuschlagen.“ Der Mönoh verbeugte sich vor dem König und meinte mit leiser Stimme: ״Ich habe mich zeitlebens viel mit dem Studium der alten Sprachen beschäftigt, ich beherrsche das Hebräische beinahe so wie das Lateinische und Griechische.“ Der Oberrabbiner hatte selbstverständlich mit der gebührenden Zurückhaltung schweigend! zugehört. (Fortsetzung folgt.) Wi«a 1. —=— Kiratsmiag Br. i (*«*«Imi 4ea sott! Britto!), c«1 *w■־*: -r Di* grSssft MtnutioMU fymtfwrkstiftt fflr «^3— Perücken, Scheitel twd Cransformationen €« mt —««Metall / Billigste €lwta«mi»dltt / Ble fimfcimng w garm dawergtweittca üatirbaar Clcfcrt seit «e»? alt aadcrtbalb JabrxtbBte* des watbaftei orthodoxe« Daaiea aller Eftader Pertckca. Sptxioiiit ia Br*«t*$cbcitcla. Diese «erdet der mitebeafriiar ■it verftilffeader Ciasebaag aadaeafdiiL W tt« 00f Tmtibraag xa seMtaea, Mite dea Derawea OTHMAR «ad die Udresse aeaaa »a beachtet 1 *im

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