Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 2 (11.1.1924)
- Date
- 1924-01-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 JÜDISCHE PRESSE Nr. 2 Ertx Itroel. Hebräischer, englischer and arabischer G-ttesdlenst In der Jerusalemer St Georgs-Kathedrale. (Die *2Jon. Korr.“ meldet: Dieser Tage wunde in Jerusalem der Jahrestag der Eroberung Palästinas durch die Engländer unter MarsohaM Allenby gefeiert. Am grossen Fesrtg-ttesdiienist ln der St. Georgs-Katbeodral« nahmen neben! dem High Commteskxner Sir Herbert Samuel alle jRegJerungsbeamten — Christen, Juden und Mohornmedaner — die Rabbiner, der armenische Patriarch wie auch alle fo Jerusalem anwesenden ausHAudteoheir Konsulen teä. Dagegen fehlen der Muitd und1 der kathollsehe Patriarch^!Monsignore Bariasstoa Der G-tiesdBfenst wurde in allen drei oltizfelOen Sprachen, der englischen!» hebräischen und arabischen׳, abgehalten. TSCHECH O-SLO WAKEI. 00000000 ״Modeniisten“ io der Tschecho- . Slowakei. Das jüdische Leben in der Slowakei ist nun glücklich um ein Schlagwort reicher geworden. ״Modernismits“ heisst das schöne Wort, das alle zionistischen, misraöhistSschen, reformistischen und sonstigen offenen und geheimen Bestrebungen zur Unterwühlung und Verwirrung des traditionellen jüdischen Gemeindelebens, zur Untergrabung der finanziellen und gesetzlichen Grundlagen der orthodoxen Gemeinden in der Slowakei und1 Karpathorusslands zu einem System ausgestellten, unter einen Hut bringen und alle guten Geister des Friedens in den Gemeinden angefangen vom Miunkacser Rabbiner S p i r a bis Dr. B r o d y in P r a g nunmehr in offener treuer Bundesgenossenschaft in eine Kampffront stellen soll. Die Leser werden sich noch erinnern, dass der Prager Oberrabbiner Dr. Brody voriges Jahr an einem schönen Tage einen Ausflug nach der Slowakei machte und in Z i 1 i n a vor einer Versammlung von misrachistischem Zionisten nur so ganz nebenbei den orthodoxen Rabbinern der Slowakei wegen ihrer klaren und entschiedenen Ablehnung des Zionismus auch in seiner misrachistischen Verkleisterung den Kampf an-!sagte und die Fahne des ״T r e n n u n g s- Zionismus“ entfaltete. Er glaubte nämlich, den forthodoxen Rabbinern des Landes werde der Schrecken in die Glieder fahren, wenn er ihnen den Austritt ״sämtlicher“ (?) Zionisten und Misrachisten, sämtlicher ״Schomrim“, Sport- und Tanzvereine aus den orthodoxen Gemeinden und deren Zusammenfassung zu eigenen zionistisch-misrachistisehen Separatgemeinden androhe. Inzwischen hat er seinen Plan im stillen ״wissenschaftlich“ vorbereitet. Wie es scheint, fühlt er sich in seinem Vorhaben besonders gestärkt, seitdem er einen so wertvollen Bundesgenossen wie den Munkacser Rabbiner in seinen Reihen sieht. Jetzt gilt es den ersten Vorstoss zu machen! Nicht mehT gegen die orthodoxe Landeskanzlei allein geht es, nein, um das Ganze! Die ״Re- 1־ i g i 0 n s g e m e i n d e“ überhaupt, ihre gesamten Einrichtungen, ihre finanziellen Einnahmsquellen, ihre Bethäuser, ihr Wahlrecht, kurzum die ganze alte traditionelle Ordnung, auf die sich ihre Existenz aufbaut, soll zu einem Schutthaufen verwandelt werden- Und ״Modernismus‘“ lautet das mächtige demagogische Zauberwort, dem die Kraft zugetraut wird, zu bewirken, was alle seine ״Vorgänger“ während eines ganzen Jahrhunderts grimmiger Feindschaft gegen die jüdische Tradition nicht zuwege gebracht haben. ״Moder nismus“ ist also das Losungswort, das wir uns alle zu merken haben, wenn wir auf den Pulsschlag der ׳nächsten Zeit in den jüdischen Gemeinden aufpassen wollen. Wir werden darüber Voraussichtlieh recht bald noch sehr Erbauliches zu hören bekommen. Vorderhand tritt er mit einigen zahmen, sehr ״unschuldigen“ Forderungen auf, in die eine Artikelserie in der ״B. Z. am Abend“ ausmündet. Wir geben hier diesen Schlussartikel in seinem Wortlaut wieder, damit wir das Bild dieses neuen Sprösslings der zionistischen Gemeindepolitik bei seinem Eintritt in unser öffentliches Leben für die Geschichte festhalten. Die Artikelserie führt den ansprechenden Titel: ״Es gärt in den jüdischen Gemeinden...“ Jeder, auch völlig Unparteiische, muss daher an die Kultusgemeinden in Podkarpatska Rus und in der Ostslowakei folgende Forderungen stellen: 1. Die Fleischgabela und überhaupt alle indirekten Steuern sind abzuschaffen. 2. Die Auslagen der Kultusgemeinden sind ausschliesslich aus direkten Steuern der Mitglieder der Kultusgemeinde zu decken, welche nach der Einkommensteuer, welche die betreffenden Mitglieder dem Staate zahlen, bemessen wird. 3. Nur für die Mitglieder des Vorstandes werden im Tempel Ehrenplätze reserviert. 4. Eine Miete der Sitzplätze im Tempel ist unzulässig. 5. Vor grossen Feiertagen und überhaupt stets, wo im Tempel ein Andrang zu erwarten ist, werden die Sitzplätze an die Mitglieder der Kultusgemeinde zugewiesen, und zwar so, dass hier ein Wechsel stattfindet. Derjenige, welcher zum ersten Mal keinen Sitzplatz zugewiesen erhielt, muss ihn zum zweiten Mal erhalten und umgekehrt. Verwirklichung obiger Forderungen ist das erste, was vorgenommen werden muss, um wenigstens halbwegs die aufgeregten Gemüter zu beruhigen. Auch muss zur Regelung des Wahlrechtes geschritten werden. Bei Entgegenkommen auf beiden Seiten wird man auch diese schwierige Frage lösen können. Die ,Lösung wird desto besser sein, je mehr man ausschliesslich nur den Zweck der Institution der Kailtusgemeinde berücksichtigt und alles andere beiseite lässt. Die Kultusgemeinde als solche ermöglicht dem Juden die Ausübung seiner Religion und religiösen Lebenswandel, nach der Vorschrift des Talmud, an und für sich religiös ist sie jedoch nicht. Die Konservativen begehen somit einen Fehler, wenn sie behaupten, dass eine Aenderung der Statuten der Kültusgemeinde dem Konservatismus der Religion widerspräche und daher im Sinne des Talmud verpönt wäre. Dies könnte man nur dann behaupten, wenn die betreffenden Satzungen durch den Talmud vorgeschrieben wären, was jedoch nicht der Fall ist- Bei der!seinerzeitigen Festsetzung der Statuten der Kultusgemeinde war hiefür der Talmud nicht zu Rate gezogen; man darf sich daher auch jetzt nicht auf ihn berufen, wo diese Statuten abgeändert werden sollen. Obzwar dies ganz klar ist und es eigentlich keiner weiteren Erörterung bedarf, waren die Modernisten nicht säumig, und ihres Erfolges sicher, brachten sie diese Angelegenheit so weit, dass sie den Prager Oberrabbiner Brody veraniassten, sich mit der Angelegenheit zu befassen. Brody legte seine Ansicht in einer Broschüre dar, welche zugunsten der Modernisten entschied. Man gab sich jedoch nicht zufrieden, und um den Konservativen den letzten Rest ihrer Vorwände zu nehmen,^wendete man sich nach J e ru s a 1 e m, damit dort die weltberühmten Rabbiner M e y r, Chachambaschi und K u k der sefardischen Juden, als die höchste Instanz entscheiden. Beide diese Lichter der jüdischen religiösen Welt haben nun ebenfalls zugunsten der Modernisten entschieden. Sie haben talmudistisch den Nachweis erbracht, dass das proportionelle, allgemeine Wahlrecht der tschechoslowakischen Republik, welches die Modernisten auch bei den Wahlen in die Kultusgemeinden angewendet haben wollen, nicht nur den Bestimmungen des Talmud nicht widerspricht, sondern im Gegenteil mit demselben im Einklang steht. Ein direkter Beweis wird auch iij der biblischen Schilderung der Volkszählung erblickt, wonach nicht nur die Wohlhabenden und Reichen, sondern alles Volk von zwanzig Jahren aufwärts gezählt wurdte. Die Gutachten solcher Autoritäten, an welchen kein Rabbiner der Welt!zweifeln kann, machen eine weitere Verschleppung der Kultusgemeindewahl auf das religiöse Feld nicht möglich, und man wird wohl zur Umänderung der Statuten nolens volens schreiten müssen, sonst läuft man Gefahr, dass neben der konservativen Kirchengemeinde sich eine Modernisten gemeinde bilden wird, und dass etwas ähnliches möglich ist, davon gibt uns Mukacevo das Beispiel- Den Interessen des Judentums wäre jedoch eine solche Lösung nicht nützlich. Dies sollten sich alle, sowohl die Konservativen als auch die Modernisten, vor Augen halten, um alle diese Streitfragen nicht durch Kampfmethoden, sondern durch das brüderliehe Einvernehmen zu schlichten- Das Leben lehrt uns, dass die im Frieden erlangte Hilfe mehr wert ist und mehr Vorteil bringt, als wenn durch den Kampf das Ganze!gewonnen worden wäre. Werden die beiden Lager diese Lebensregel beherzigen? Hermann Winter s. A. Die orthodoxe (Kultus gemeinde Sin Pressburg und die!Stadt Pressburg haben einen• schweren Verlust zu verzdöhinen. Dienstag den 1. Jänner wurde einer der ange¬ Osterzucker. Die Velk£ Suränyer Zuckerfabrik und Raffinerie A.-Q., Velkä Suräny, erzeugt auch heuer raffinierten Osterkristallzucker in Säcken und Kartons unter persönlicher Auf• sicht des Suränyer Oberrabbiners M. Frey. Genannte Fabrik erzeugt seit mehr als &0 Jahren Osterware, und zwar unter strenger Beobachtung der seinerzeit durch Oberrabbiner Ph. Plauth 8. A. ein geführten rituellen Vor* schäften. Bestellungen werden durch die hiezu autorisierten Agenten der Suränyer Zuckerfabrik und auch durch die Fabrik direkt entgegengenommen. sehensten und in allen Kreisen aiufrfiohitig verehitesten Dünger unserer Stadlfc, Herr Henmann ■Winter, zu Grabe ge-!tragen- Er war ein bedeutender Kaiufmainn und ׳genoss wegen seiner geraden, ehrlichen Denkart und seiner Wohltätigkeit allgemeine Achtung. Viele Jahre hindurch war er Stad'trepräsenitanit und erwarb ■stich besonders auf dem Gebiete deT Wohtohrtsbesttrebungen grosse Verdtienste• An de! orthodoxen! Gemeinde und ihren Institutianen hing er mit volleT Seele- Zwölf Jahre war •er Gemeändlerepräsenitiant und seit einem Jahre!Mitglied des Vorstandes. Er widmete sieh mit besonderer Liebe dem Armenwesen. Die Instätutianen der Gemeinde!förderte ex mit seltener (Hingebung und Rabbinern und Talmtfde Chachomim brachte er!tiefste Verehrung entgegen, ln die Gemeindeverwaltung •schlägt sein ׳Hinsoheliden eine breite Lücke(. Der allgemeine Schmerz, über den!Verlust!des edlen Mannes und! diais Mitgefühl mit seinen tiinterbliiebenen gaben siloh kund in der grossen!!Teilnahme an seiner Beerdigung. Im Stexbehaiuse sprach Herr Rabbiner Kal lisch ergreifende Worte über die Persönlichkeit des Verblichenen. Auf dem iBeth Ofilom widmete ihm Se. Bhrw.!Herr!Oberrabbdiner Schreibet einen alle Anwesenden aufs tiefste!bewegenden Nachruf und richtete Worte des ■Trostes an diie Lebensgefährtin und die Kinder des Heimgegaingenen. תנצב״ה Rabbi Isaak Haberfeld זצ״ל. Vor edirtigeni Tagen .verschied in ■Budapest Rabbiner Isaak Haber leid. Er war früher Rabbiner in Sabot!!seht. Abkömmling einer grossen! Familie״ die sich um Tihourdh und J'iroh film Lande unvergängliche Verdienste erworben halt;, ■wandelte er stets lin den!Bahnen seiner Vorfahren. Er war ein hervorragender Talmid Ghachoan und •beliebter מניד und! ׳seines Lebens einziges ZÜef bildete das Lehren und Aneiflern z!u g-ttgefäUdgem Lebenwaindel. In Budapest wirkte er •als Vereiinsrabblncr im selben׳ Sinne. Sein ׳Tod reisst ihn a1u׳s dem •segensreichen׳ Wirken heraus. Der Vocsfiitzemde der Bratislaivaer Aguda-Jugendlguppe, Herr Dawiid iHaberfeld, betrauert #י ihm seihen Vater. }תנצב״ו Briefkasten. B. und andere in Not Wir begreifen Ihre Erregum» Sie sind iin eine ■unangenehme ׳Situation geraten. W5r wollen ׳ihdiessem Angriffe gegen Personen! unter allen Um» ständen vermeiden. Beraten!Sie mit erfahrenen Rabbinern» was Sie tun sollen. Die Zeitung ,ist in diesem Falle nfa ht der nidiitiige Platz. Ihre Befürchtung -ist durchaus uribegründet; es gibt auch *unter den! jüngeren Rabomim“ ganz bestimmt keimen Zweiten in der Slowakei, der sack tz!u!m Zionismus bekennt- Ihre Argumentation, dass ״eine orfch. Gemeinde verpflichtet sei, für eine הור״אה zu sorgen» die nicht von ■der Gesamtheit der or!th. רבנים des Lande» mit einem איסיר belegt ist“, hat jedenfalls die Logik mm die Moral für sich. Die Hilfsaktion für die Juden in * Deutschland. 1. Eingänge bei der orthodoxen Landeskanzlei in der Slowakei. Für Gemeinden und religiöse Institutionen. 5. Ausweis. Kogice: Durch die orthoxe israelitische Kultusgemeinde Kö. 9443.50. Uzhonid: Durch die orthodoxe israelitische Kultusgemeind״ Kö. 4286. Miclialovce: Durch Herrn Präses Lasar Fuchs Kö. 4310. Sered n. V.: Durch die orthodoxe israelitische Kultusgemeinde Kd. 2250. Frastak: Durch die orthodoxe isra״I1tiscbe Kultusgemeinde KÖ. 2500. Tornala: Du'ch die orthodoxe israelitische Kultusgemeinee KÖ. 600. Velka Reruca: Durch Herrn Ed. Wolf u. Söhne Kö. 288. TardoSked: Durch H.Oberrabb. Frey, Velke Surany Kö. 252.20, Stupava: Durch die orthodoxe isr. Kultusgemeinde: Orth. isr. Kultusgemeinde 500, Oberrabb. Herzog 10, Markus Weber, M. Stern, E. Müller, W. Kohut, E. Mittler je 100, W. logier, T. Erzmann, R. Mittler, A. Kohn, A. Hindes je 60, M. Wagner, A. Pollitzer je 30, H. Wagner 26, M. Schroffl, S. Justli, F. Geirineer, E. Kohn, S. Rosenthal, A. Nasch je 20, M. Rosenthal 17, M. Löbl, L. Schlesinger, G. Benedikt, M. Pollacsek, S. Lövenrosen, J. Müller, L. Grünwald, A. Reif, Zs. Hindls, E. Weiss, A. Schlesinger je 10, S. Körbl, J. Reich, S. Gestetlner, F. Weber je 5, M. Pisk 3. Zusammen Kö 1516. S&binav: Durch die orthodoxe isr. Kultusgemeinde Kö 1140. Heran Salibj: Durch die orthodoxe isr. Kultusgemeinde Kö 732. Hrezora: Durch die orthodoxe isr. Kultusgemeinde Kö 165. §ala nat Yahom: Durch Herrn Max Friedlich (3. Rate) Kö 300. Ladomlrova: Durch Herrn Izsak Grünfeld Kö 40. Bardio▼: Durch die orthodoxe isr. Kultuspemeinde Josef Korn 100, J. Rosner, M. Rosner, T. Herz je 55, A. Wertheim 67 M. Schöndorf 52, D. Seltenreicb, A. Abrahamovics je 50, J. Braunhut 80, J- Szobel, 26, S. L. Garfein, M. Ch. Horovitz, A. M. Altmann, Ch. J. Komre׳ch, M GuUmann, J. Gross, S. Fränkel, Ch. Berglas, J. Rosenberg, J. Fuden, E. Schlüssel feld. M. Rosner, S. Friedmann, M. Bendinger, W. Wolf, S- Singer, S. Herzig, B. Schiff, R. Lö»y, J. Eisenberg, J. Chiell je 20, H. Bindiger, B. Neugröschl, M. Meislich, J. Brandmaan, J. Rosenberg je 10. Zusammen Kc 1000. 6• Ausweis. Bratislava: Durch d!ie orthodoxe israelitisch• Kiultusgemeinde: Verein Tmfiime Derek: Aidscn Simon 160; (Bemalt Redliimgeul Berifoold Dotmenbatml Jakob Adder״ Samuel Adler, Moritz Schönield, SlamuM Reiaz je 50; Beroat, 1B. Hafter 30; Samuel Müllen }mm Werthetoer*, Leopold Grünfeld ju®. 6e 20# «*»יייי״