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Jüdische Presse · 1923-12-28 · 52 (28.12.1923) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
52 (28.12.1923)
Date
1923-12-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 468 JÜDISCHE PRESSE Nr. 62 schaffen um uns und unsere Kinder eine von der Thora beherrschte Atmosphäre und treffen alle Vorsichtsmassregefln, die auf der Linie der uns von den Qrössen der Thora vorgezeichneten Quarantäne iiegen. Haben wir aber damit alles getan, was die Verantworfcung für die anderen uns an Pflichten auferlegt? Dürfen wir diese anderen ihrem Schicksal überlassen und uns damit zufrieden geben, dass wir uns selbst gerettet haben? Ja, aber was sollen wir denn tun, um die Wohltaten unserer Quarantäne auch den anderen zukommen zu lassen? Kann man Kranke zwingen, gesund zu werden? Es ist schon viel gewonnen, wenn wir den anderen!beibringen können, dass sie sich selber als krank empfinden. Wie erreichen wir dieses Ziel? Indem wir vor allen Dingen dafür sorgen, dass die Agudas Jisroel eine weithin sichtabre und in ihrer Nützlichkeit auch dem blödesten Auge erkennbare Aktivität entfalte. Wenn die anderen sehen werden, zu welchen Grosstaten auf allen Gebieten jüdischer Gesamtheitsinteressen eine von gesundem jüdischen Geist erfüllte Organisation ihre Führer und Glieder zu beflügeln vermag, wenn sie den ״Koach Hathora“ nicht bloss in den Lernstuben unserer Gelehrten, sondern auch in den Strömen neuen jüdischen Lebens, die sich aus dem geistigen und finanziehen Reservoir der Aguda in die breiten Massen der Judenschaft ergiessen, sehenden Auges und hörenden Ohres erleben werden, wenn wir ihnen zahlenmässig vorrechnen können, so und soviel Geister hat die Aguda erweckt, so und soviel Herzen hat sie erwärmt und so und soviel Seelen hat sie gerettet und bei der Aufstellung dieser agudistisehen Bilanz sich herausstellen wird, dass auf dem Boden der Thora keine tauben Nüsse hohler Prestige- Politik, sondern echte Früchte jüdischen Heils gedeihen, dann kann und wird es nicht ausbleiben, dass ,die Wahrheit aus der Erde wächst“, dass die vom Schleier des fremden Geistes umflorten anderen 1unter der Wucht der Tatsachen aus dem narkotisehen Taumel ihres nichtigen Selbstgefühls zum klaren Bewusstsein ihres Krankseins erwachen. Wie die Aguda als Ganzes, ebenso müsste sich jeder einzelne Agudist als ein von der Thora bestellter Missionär zur Bekehrung der anderen begreifen und betätigen• Es müsste ein förmlicher Seelenfang organisiert werden. Es liegt hier auf unserer Seite eine ganz unberechtigte Scheu vor und es wird hier vielfach eine Zurückhaltung geübt, die sich vielleicht aus der Gegnerschaft der Thora gegen die Bekehrung Andersgläubiger in seltsamer Verwechslung ' der Objekte erklärt. Es mag schon sein, dass seit der verhängnisvollen Tat des Idumäerbekehrers Johann Hyrkan eine tiefe Abneigung gegen alles, was an bekehrungswütigem Seelenfang und aufdringliche Missionstätigkeit erinnert, in der jüdischen Volksseele zurückgeblieben ist und auch dort zutage tritt, wo die religiöse Pflicht der Zurechtweisung, der wiederholten Zurechtweisung des Nächsten sie zurückdrängen müsste. Mit dieser Scheu von missionarischem Tun müsste einmal Schluss gemacht werden.Die öffentliche Tauchochoh können un׳d •sollen wir ruhig wie bisher, so auch weiterhin den berufenen Stellen überlassen. Aber die private, individuelle Tauchochoh, die von Mann zu Mann sich betätigt, die sich keine jüdische Seele entgleiten lässt, wo immer sie für die Thora zu gewinnen ist, ihr kann und darf sich kein Weldler&Fiirst Feinste Herrengarderoben nach Mas9 Lager feinster Or ginal engl. Stofie Wien, II■, HollandstP■ 16 Agudist entziehen, der seinen Agudismus über die finanzielle Beitragsleistung hinaus als eine auch ihm, so gut wie jedem anderen, obliegende Last der Verantwortung für das Seelenheil der uns Fernen und Fremden begreift. Warum unterhalten sich agudistisehe Geschäftsleute im Verkehr mit Andersgesinnten mit Vorliebe nur über die Warenpreise, das Wetter uqd den vermutlichen weiteren Gang der Weltpolitik? Warum gehen sie Gesprächen über jüdische Dinge sorgsam aus dem Wege? Gar manchen, vielleicht den meisten dieser Andersgesinnten ist der Reichtum, die seelische Geschlossenheit, die weltbezwingende Kraft des Thorajudentums so fremd, dass zuweilen ein kleines jüdisches Wort, zur rechten Zeit gesprochen, auf sie wie eine Offenbarung wirkt. Verschliessen wir schämig dieses Wort, dann schädigen wir uns und die anderen. Sprechen wir es aus, laut und gerade, wie es aufrechten jüdischen Menschen geziemt! Wir alle haben den Nutzen davon. Wir und die anderen. Das Keren Hatauro-Komitee für Oesterreich konstituiert. Die Kenessio Gedaulo, die im Monat Elul in Wien tagte, hat beschlossen, den Keren Hatauro zu gründen, der als heiliger Schatz des jüdischen Volkes für sein wichtigstes Lebensgut, die Thora, arbeiten is.olll, denn das Hauptgebiet der Tätigkeit der Aguda muss die Pflege der Thora sein• Seitdem die Keren Hatauro-Zentrale ihre Tätigkeit in Wien aufgenommen hat, sind fast alle Landesorganisationen zur Gründung von Landeskomitees für den Keren Hatauro geschritten. In Oesterreich sind vor ainigen Wochen die Mitglieder des Rabbinischen Rates, Obsrrabb. Fürst, Grossrabb. Moses Friedmann und Oberrabb. S. Löwy-Frauenkirchen zusammengetreten, um über die Durchführung der Arbeiten in Oesterreich zu beraten. In Ausführung der damaligen Be- Schlüsse hat Oberrabb. Fürst für den 17. Tebeth nach Wien eine Konferenz einberufen, die unter guter Beteiligung auch aus der Provinz im grossen Saale d:r Jessode Hatahora stattgefunden hat. Es waren fast alle thoratreuen Lehranstalten Wiens und der Pro vinz vertreten. MÖBEL -SPEZIAL-FABRIK ״KÜCHENFEE“ KARL KLIMBERGER & CO. WIEN, XX. BEZ., ENGELSPLATZ NR. 6 K4oh0n-, Schlaf-, Vor- und Mädohon• Zimmer za bill graten Preisen. Hur eieeae Erzeug-an er. Goldene Medaille 1913. Sämtliohe Küohenhoizgreräte Filialen: 1., Spiegelgasse 15 V II, Josefstädterstr. 30 IV., Margaretenstr. 2 XVIII.. Währingerstra880 115 VI., Stumpergas8e 51 XXI., Haupts״ a8se 28 XX!, Kagran, Wagramerstrasse 118 ziell nur als Dienstboten. Angestellte usw. der Portugiesen in Hamburg eingelassen wurden und ״Diener der portugiesischen Nation“ hiessen. Und heute ... Die Portugiesengemeinde ist jetzt relativ und absolut ganz klein. Und was die Hauptsache ist: An Frommen gibt es kein Minien mehr... Sie können schon längst nicht mehr bloss unter sich heiraten, ״Mischehen“ zwischen portugiesischen und deutschen Juden ereignen sich häufig... Jetzt kommt noch eine neue Art von Mischehen in Betracht. Ich war selbst bei einer Trauung, wo die Tochter eines aschkenasischen Vaters und einer portugiesischen Mutter einen Ostjuden heiratete... In Amsterdam, wo sich die Portugiesen erhalten haben, gehen sie keine Ehen mit Tedoscos ein, wie man mir erzählt, lieber lassen sie die Mädchen alt und grau werden und unverheiratet sterben, und wollen von den besten Verbindungen mit Aschkenasim nichts wissen. Dort darf ein Aschkenasi den Mittelteil ihrer Synagoge nicht betreten... Dort sind sie noch stolz. Hier aber hilft ihnen nichts und die klingenden Namen Cassuto, Sealtiel, Algava, Belmonte, Luria, Roccamora, Pardo verbinden sich, verschwinden unter gewöhnlichen deutschjüdischen Namen. Freilich gibt es zwischen beiden Gruppen schon längst keinen inneren Unterschied mehr, beide sind mehr oder weniger deutsch assimiliert. Ihre alte Sprache haben sie vergessen und sprechen einfach deutsch. Ich muss die Wahrheit gestehen: Wenn ich‘s gleich schon vorher gewusst hatte — aber es war mir ganz merkwürdig, als ich in der Synagoge den Mensohen, der soeben ״baruueh ataa“ gesagt hatte, den Mund zu ganz einfachen deutschen Worten auftun hörte. Ja noch mehr: Bis vor kurzem sprachen sie untereinander Niederdeutsch, um sich, wie mir jemand sagte, von den hochdeutsch sprechenden Aschkenasim zu unterscheiden. In Wirklichkeit dürfte es sich so verhalten, dass sie bei sich die hiesige deutsche Volkssprache, die früher auch Schriftsprache war, erhalten haben. Eine eigene Gemeinde besitzen sie noch, aber eine eigene Gemeinschaft mit definierter Charakteristik sind sie nicht mehr. Soziologisch gliedern sie sich wie alle andern deutschen Juden, die der Hauptsache nach Kaufteute oder Angehörige freier Berufe sind. Als der jetzige Oberrabbiner (der Aschkenasim) nach Hamburg kam, hielt er vor ihnen eine Predigt, in der er sie an ihre grosse Vergangenheit erinnerte... Dahin... Nimmer wird in diese toten Gebeine das Leben wiederkehren. Das arme halbe Minjen frommer Portugiesen, die es noch in Hamburg gibt... Sie haben keine Stätte und irren bei den Aschkenasim umher. Beim Weggehen grösste ich ״Schabatt Scha- 10mm!“ Eine Weile stand ich noch da und sah zu. Es fröstelte mich. Der Tag war kalt. Und sah ich das alles, so wurde mir‘s nicht wärmer um‘s Herz. Ein erstorbener Zweig am jüdischen Stamm.. ״ Oberrabbiner Fürst eröffnet mit einer warme» Ansprache die Konferenz, die der heiligsten Sache des jüdischen Volkes, der Thora, gewidmet ist. Anstatt des durch Krankheit verhinderten Rabb. Jose# Baumgarten sprach Rabbi Beer Friedmann von der Keren Hatauro-Zentrale über die Bedeutung des Keren Hatauro, dessen Arbeit und Existenz er als die Seele der Aguda bezeichnete, Rabb. Dr. Pollak entwarf einen Organisationsplan für die Arbeiten des Keren Hatauro. An der anschliessenden Diskussion nahmen Herr Oberrabb. Ehrenfeld-Mattersdorf, Rabbiner Hager (Tomche Thora), Leopold Lederer (Jessode Hathora), Abraham Geiger (Prater), Chaim Krämer (Thoras Chaim) teil. Ueber die Lage der Wiener Thoralehranstalten sprach Rabb. Neuwirth. über die Lage der Talmud Thoras und Jeschiwos in der Provinz Rabb. Dr. Pollak, über die pädagogischen Aufgaben des Keren Hatauro hielt Herr Schulrat Dr. Deutschländer ein ausgezeichnetes Referat. Auf Antrag des Vorsitzenden Herrn Oberrabb. S. Fürst wurde unter grosser Begeisterung beschlossen, ein Keren Hatauro-Komitee für Oesterreich zu gründen, an dessen Spitze die Mitglieder des Rabbinischen Rates für Oesterreich stehen. Das Komitee besteht aus je einem Delegierten des Vorstandes der einzelneu Thoralehranstalten und Gemeinden und aus je einem Mitgliede des Schulkörpers. Aus der Mitte des Grossen Keren Hatauro-Komitees wird eine aus wenigen Mitgliedern bestehende Exekutive dem Rabbinisehen Rate bei der praktischen Arbeit behilflich sein. Nach der Annahme der diesbezüglichen Anträge dankte Herr Oberrabbiner Fürst den Anwesenden, besonders Herrn Grossrabbiner Moses Friedmann und den Rabbinern und Delegierten aus der Provinz, die trotz aller Schwierigkeiten ihre Kraft dem heiligen Werke zur Verfügung stellen. Bericht über die Tätigkeit der Agudas Jisroel im Monate Kislew 5684. Der Monat Kislew stand im Zeichen einer intensiven Arbeit auf allen Gebieten. Die Tätigkeit des Zentralbureaus der Agudas Jisroel war in erster Linie darauf gerichtet, die notwendigen Vorarbeiten zur Ausführung der Beschlüsse der Kenessio Gedaulo durchzuführen. I. Organisation und Propaganda. In Neutra fand Ende Marcheschwan die Jahres- Versammlung der slowakischen Landesorganisation der Agudas Jisroel statt. In Anwesenheit einer grossen Anzahl׳' ־ »׳"«(akischer Rabbiner unter Teilnähme zahlreicr$8* Relegierten aus dem ganzen Lande bildet diese Jahreskonferenz einen Markstein in der Entwicklung der slowakischen Agudas Jisroel. Es wurde* der slowakischen Landesorganisation das Statut gegeben und die Leitung der Landesorganisation neu konstituiert. Ausserdem wurde eine ganze Reihe von Beschlüssen gefasst, über die in den entsprechenden Ressorts Mitteilung gemacht werden wird und die bereits im Laufe des Monats Kislew teilweise realisiert wurden. Zur allseitigen Genugtuung wurde der bewährte bisherige Vorsitzende der Landes- Organisation, Herr Rabbiner Aaron Katz, Neutra, wiedergewählt. In Brünn wurde die Landesorganisation der Agudas Jisroel für die Sudetenländer gegründet. An Stelle der bis nun losen Verbindung der orthodoxen היכה למשה. Vor einigen Monaten, hat. ein Werk die Presse verlassen, dessen Erscheinen als ein Ereignis ׳auf dem Gebiete der talmudischen Wissenschaft gefeiert zu werden verdient: Der erste Band eines Werkes mit obigem Titel. Schlicht und einfach, ja beinahe nichtssagend wird als Inhalt auf dem Titelblatte angegeben: ״Bemerkungen, Novellen, Fragen und Ant- Worten zu den beiden Talmuden — dem babylonischen und jerusalemisohen — und zu den Mischnajoth ohne Talmud, d. h. zu allen 60 Traktate n.“ Sein Verfasser ist Rabbi Mosche Neumann, Oberrabbiner von Zab0k r e k y (Zsämbokret), einer kleinen, weitab von der Landstrasse des Weltverkehres gelegenen Gemeinde der Westslowakei. Nimmt man den umfangreichen Folioband zur Hand und blättert von Neugierde getrieben darin, fühlt man sich bald von einer treffenden ״Bemerkung“ oder einer geistreichen ״Glosse“ gebannt und zum Eindringen in die Urtiefen talmudischer Forschung, die sich hier auftun, genötigt. Staunend sieht ‘man sich einem Werke von klassischer Gediegenheit, gründlicher Gelehrsamkeit, unerschöpflicher Wissensfülle und gewissenhafter Wahrheitsliebe gegenüber, einem Werke, desgleichen auf dem Gebiete der Talmuderklärung in unseren Ländern seit Jahrzehnten nicht herauskam und das — da es nun zur Freude Schilf’ Fehwarenhaus En gros und Erzeugung!.,Bauernmarkt 24 (icke Fleischmarkt) Tel.67-302 Detailverkaufs- Niederlage: I., Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. Pelzaafbawahruag geyaa Veralohsruag Uber Ule Semmarnoaatt

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