Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 50 (14.12.1923)
- Date
- 1923-12-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2629891-2629999-2630048--1250-2632982- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
V. b.b «IP* _ _ _ _ JÜDISCHE PT P**f» vereitätsbituothek 36113מ׳3^.ע ring * ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich, Deutschland, Polen öst. K 80.000, Tschecho-SIoWakei Kö. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 200 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Einzelnummer öst. K 1.500. Zahlungen für Oesterreich: PostsparkassenamtWien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei: Postsparkassenamt Prae Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram, Ko. n! 40.217; f.Ramänien: Banca Marmarosch Blanc & Co für Florenz & Co, Bukarest;für die Schweiz: Postscheckk. Luzern VII. 1470. Mr. SO Wien-Bratislava, 14. Dezember 1923 .ב״ה ויענה־פרעססבודג ד טבת תרם״ד 9e Jahrg. Die Wahl in England. Das wichtigste politische Ereignis der jüngsten Tage ist das Ergebnis der englischen Wahlen. Die letzten Gründe der Niederlage, welche die bisher führende Partei und damit auch der derzeitige Ministerpräsktent erlitten hat, liegen nicht ganz klar zutage. Im allgemeinen wird angenommen, dass der von Baldwin in den Wahlkampf geworfene Gedanke des Schutzzolls einen grossen Einfluss auf den Ausgang der Wahl ausgeübt hat, indem der Freihandelsgedanke sich sieghaft behauptet ■hat. Wenn wir diesem Ereignis in einem Organ Raum geben, das speziell jüdischen Interessen gewidmet ist, so erhebt sich vielleicht bei manchem Leser die Frage nach der Berechtigung dieser Dar¬ Stellung. Darüber ist viel zu sagen. Für den jüdisch denkenden Menschen ist es eine eigenartige Wahrnehmung, dass die konservative Partei eigentlich aus Gründen des Konservatismus geschlagen worden ist, denn viele, sehr viele von den Stimmen, die sich für den Freihandel ausgesprochen haben, haben es getan, weil es im Charakter des englischen Menschen liegt, das Bestehende zu erhalten. Es ist also durchaus nicht nur eine wirtschaftspolitisehe Erwägung, welche in dem Kampfe zwischen dem Freihandel und Schutzzoll den Ausschlag gab. Es ehrt das englische Volk, dass es einer geschichtlichen Traditjon mit solcher Treue anhängt und ihr zuliebe auch zu manchen Opfern sich bereit erklärt hat. Vielleicht liegt in diesem Grundzug das Geheimnis der Grosse Englands, und es sollte jüdischen Menschen sehr zum Denken Anlass geben, wie stark in seiner Auswirkung der Gedanke des Konservatismus sein kann der sich nicht mit dem politischen Namen deckt, sondern in entscheidender Stunde auch die letzten Konsequenzen auf sich׳ ■zu nehmen bereit ist. Ferner liegt ein jüdisches Interesse deshalb vor, weil die drei führenden Parteien, die konservative, die liberale und die Arbeiterpartei sich je in einer merkwürdigen Zuschrift an die jüdische Oeffentlichkeit gewandt haben. Die konservative Partei legt die Frage des Schutzzolls für die Juden dar. Die liberale ihrerseits schildert die Vorteile des Freihandels für die Juden. Die Arbeiterpartei wirbt um die jüdischen Stimmen mit folgenden 6 Motiven: Sie betont ihre Begeisterung für das jüidischnationale Heim in Palästina, behauptet, dass sie die einzige Partei wäre, die konsequent gegen den Antisemitismus auftrete, erinnert an ihren Widerstand gegen die Reaktion in Russland, an ihr Eintreten für die Minoritätsrechte aller Nationen und erwähnt, dass sie deshalb der einzige Freund der verfolgten Ostjuden sei, und ferner, dass sie allein die jüdischen Ideale des sozialen Ausgleiches und der Brüderlichkeit unter den Nationen vertritt. Wir müssen offen gestehen, dass uns diese drei Zuschriften seltsam berührt haben, auch wenn man dem Wahlkampf manches zugute halten kann• Denn bis zum Beweis des Gegenteiles müssen wir annehmen, dass alle englischen Juden, ohne Unterschied der Richtung und Anschauung, bei ihrem Gang zur Urne die Absicht hatten, ihre Stimme so abzugeben, wie sie am besten das Interesse Englands wahrzunehmen glaubten. Es liegt in diesen Zuschriften ein unausgesprochenes Etwas, das unter Umständen zu einer Waffe gegen die Juden verwendet werden könnte. Bis zur Stunde liegen uns die Stimmen der jüdischen Publizistik in England zu diesem Ereignis noch nicht vor und wir verzichten deshalb darauf, mehr darüber zu sagen. Es ist jedenfalls ein erfreuliches Moment, dass weder die konservative noch liberale Partei in ihrem Appell an die Juden etwa durch einen Hinweis auf ihre Stellung zum Palästina-Problem um Stimmen geworben haben. Wir empfehlen den Historikern das Studium dieser drei Zuschriften. Wenn tatsächlich, wie aus einigen Zeitungen hervorgeht, baldig abermalige Neuwahlen zu erwarten sind, so erwächst für die Judenheit Englands die ernste Aufgabe, die Wählerschaft auch in der obenbezeichneten Richtung aufzuklären. Agudas Jisroel und Antisemitismus. Von Dr. Raphael Breuer, Rabbiner in Aschaffenbtirg. Nichts Jüdisches darf der Agudas Jisroel fremd sein. Da nun auch der Antisemitismus insofern etwas Jüdisches ist, als er doch zweifelsohne in den Bereich der jüdischen Belange fällt, darum gehört auch er zu den Dingen, mit denen die Aguda sich auseinanderzusetzen hat, wenn und solange sie als die für alle jüdischen Gesamtheitsfragen zuständige Instanz betrachtet sein will. Natürlich kann man die Gefahren, mit welchen der Antisemitismus die jüdische Gesamtheit bedroht, je nach Temperament, prophetischer Begabung und Intensität des G—ttvertrauens verschieden einschätzen. Indessen wird über Tatsachen eine Meinungsverschiedenheit nicht obwalten können. Tatsache aber ist, dass die fanatische Hetze, die der Antisemitismus gegen alles Jüdische organisiert, die öffentliche Weltmeinung über Juden und Judentum wirksam beeinflusst und darum schon aus Gründen, die mit dem einen Worte Chillul Haschern für jeden Agudisten verständlich angedeutet werden, als ein wichtiges Ressort agudistischer Arbeit bezeichnet werden muss. Diese Arbeit muss sich sowohl nach aussen ajs auch nach innen bewegen. Nach aussen gilt es, vor die Augen der Welt das Judentum in seiner wahren Gestalt hinzustellen. Wir dürfen doch nicht ruhig dabeistehen, wenn in der Weltmeinung Anschauungen über jüdische Dinge sich festsetzen, die, jeder wisse*!- sehaftlichen Grundlage bar, ein Zerrbild d׳er jüdischen) Wahrheit und des jüdischen Lebens sind. Wennwir, nicht stillestehen dürfen beim Blut unseres Nächsten* dann wäre es ein unverzeihliches Verbrechen, keinen Finger zu rühren, wenn unter den blindwütigen Streichen eines, die Ausrottung des Judentums erstrebenden Feindes das Blut der jüdischen Wahrheit fliesst, die uns doch schliesslich unter allem, was uns nahe ist, als das Nächste und Höchste gilt. Denken wir Ein Mortara-Fall im 18. Jahrhundert. {Schluss.) In diesem an das Gubernium gelangten Erkennt- *is wird — nach dem Wortlaute, den Wolf in seinen .,Judentaufen“ abdruckt, allerdings auch resolviert, dass späterhin ״mögliche und unverfängliche Bemühungen angewendet werden, diesen Knaben durch mässiges und bescheidenes Zureden mit Aus- Schliessung allen Zwanges zur freiwilligen Annähme des christkatholischen Glau-!b e n s zu bewegen“. Kein Zweifel, dass dieser Passus — genau, wie ihn Wolff zitiert — in dem Erkenntnis enthalten war. Er war wohl als ein Kompromissvorschlag gedacht, um gewisse Empfindlichkeiten des Klerus zu schonen. Isak Landesmann hatte, was sicherlich zur Beruhigung seines Gemütes dienlieh war, von der Existenz dieses Passus keine Kenntnis erhalten. Es ist jedoch zweifellos, dass weder der Vater Isak Landesmann noch das Kind Löbel Anlass hatten, , irgendwelche Zumutungen in dieser Richtung abzuwehren. Nahezu ein volles Jahr war vergangen bis zu dem Tage, an welchem die Eheleute Landesmann durch das Erkenntnis der Kaiserin in dem beglückenden Bewusstsein aufatmen konnten, ihre Kinder wieder umarmen zu dürfen. Isak Landesimann hielt es aber für eine fromme Pflicht, seine Reise ziu seinen Kindern nach Breslau, wohin ihn das! Herz sehnsüchtig zog, nicht eher anzutreten, bevor er den Männern, die ihm in seiner furchtbaren Lage mit Rat und Tat beigestanden hatten, seinen Dank ausgesprochen. In Wien hatte ihn Samuel Wertheimer, der bei jeder Gelegenheit für seinen bedrängten Glaubensgenossen eintrat, mit seinem ganzen Edufluss! unterstützt. Besonders verpflichtet aber fühlte sich Lamdesmann dem Oberrablbimer Ezechiel Landau in Prag, der mit Weisheit und opferbereiter Güte •es zustande gebracht, dass die Kinder unter der Aufsicht des R. Abraham Libschitz, eines verlässlichen, vortrefflichen Mannes, der auch die ganze Zeit vorsorglich an ihrer Seite geblieben, ein sicheres Asyl gefunden hatten. Der Prager Oberrabbiner empfing den Mann, der aus Liebe für seinen Glauben so viel erlitten, mit grosser Auszeichnung, die auch ihren äusserlichen Ausdruck darin fand, dass! Rabbi Ezechiel Landau zu dessen Begrüssung seine Sabbatkleider angelegt hatte. Unter rührenden Worten segnete der Prager Oberrabbiner den Glaubenshelden und gab ihm die Wünsche mit auf den Weg, er möge von nun an nur Glück und Freude an seinen Kindern erleben und wieder in Wohlstand seiner geschäftliehen Tätigkeit sich widmen. Der Segenswunsch des Rabbi ist in Erfüllung gegangen. Isak Landesmaun brachte seine drei kleinen Söhne aus Breslau heil und gesund ins Vaterhaus zurück, und auch den Mann, der in der Fremde ihr Beschützer und Lehrer gewesen, nahm er in sein Haus, in welchem er als! ihr Lehrer blieb — er war ein bedeutender Talmudist, der zu den ausgezeichneten Schülern R. Ezechiel Landaus gezählt hatte — bis er als Kreisrabbmer nach Neuhaus berufen wurde. Das Entzücken der Gattin Landesmanns zu schildern, die nun Mann und Kinder nach beseitigter Gefahr ans Herz drücken konnte, wäre eine Aufgabe, die nur ein Dichter würdig lösen könnte. Aber jeder fühlende Mensch wird sich vorstellen können, dass die Tränen, die Esther jetzt vergoss, ihren Quell in einem beglückten Herzen hatten׳■ Mit ungebrochener Kraft ging Isak Landeisanann, unterstützt von seiner tapferen, tüchtigen Gattin, au den Wiederaufbau seiner geschäftlichen Tätigkeit, und sichtbar begleitete der Segen Gottes alle seine Unternehmungen. Es dauerte nicht lange und sein Haus stand im alten Ansehen und Glanz da, so dass er. wieder mit der früheren Hochherzigkeit sich, als Wohltäter der Armen und tatkräftiger Förderer der gemeinnützigen Anstalten, die zumeist er in der PulHtzer Gemeinde ins Leben gerufen hatte, bewähren konnte. Nahe drei Dezennien hindurch war dem Paare ein fast ungetrübtes Glück gegönnt. Ein vierter Sohn war den Gatten noch geschenkt, und so wie an den trefflichen, in der Gottesfurcht und der Gotteslehre erzogenen Söhnen, konnten sie siel! auch noch an dem Anblick einer blühenden Enkelschar erfreuen. Am 4. Februar 1797, genau an dem Tage, an welchem vor 37 Jahren dem Ehepaare das Kind Lob! geboren wurde, schied Isak Landesmann aus dem irdischen Dasein, in welchem er seinen Glaubensgenossen ein so ergreifendes Beispiel an Glaubenstreue gegeben hatte. Seine letzten Gedanken noch verweilten bei diesem grossen Ereignis seines Lebens. Zeugnis dafür war der Wunsch, den der Sterbende seiner Familie gegenüber aussprach: Man möge ihm die ״schwachen Eisen“, die er im Gefängnis zuletzt an den Füssen getragen, mit in den Sarg geben. Die ״starken Eisen“ aber, sprach er, sollen seine Nachkommen für alle Zeiten behalten, damit auch sie durch die Erinnerung an das Martyrium ihres Ahnen stets treu an den Glauben ihrer Väter gekettet bleiben. Isak Landesmanns Wünsche sind erfüllt worden. N. N. fbmar Schiff 6»gr9* — «nflcuil / um« 1. Kärntnwing Dr. 6 (gtgen8»«r <Um Botel Bristol). Cei. 5i-3־m Die grösste internationale Kunstwerkstätte für ־״=■■■■■ Scheitel und Cransformationen / Billigste €lnk31fT>quelle / Pie fimfel mtg aus garattt. ftweraewfiltgm Baturftaar Elcttrt *tit *uhr alt *ndttthftlb üubfxtbnttn de« wfxebnttteii *rtbodoxeit Damen aller Länder Perücke« Spexlalizt ln Bran^ScbeUeln. Dieie werden der madcbenlriiur mit verblüffender tämebunfl naebaemaebf. ■RT Dm vor Irreführung tu «chatten, bitte den Uoraamen OTHMAR und die Mdfew gena« tu beachten!