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Jüdische Presse · 1923-09-21 · 38-39 (21.9.1923) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
38-39 (21.9.1923)
Date
1923-09-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Jiliiiiäoili: tHL&aL NACHRICHTEN. Vom Tage, ggülg VK >י o Io f>. Rosch-Haschonoh in Wien. Die Grosstadt nivelliert. Wien hat aber noch mehr als jede andere Grosstadt die Fälligkeit, ihre Bewohner zu assimilieren. Viele bewundern dies an ihr. Wir denken mit Grauen an die Opfer, welche diese Grosstadt von ihren jüdischen Bürgern jahraus, jalirein heischt. Selbst die ״furchtbaren Tage" werden in Wien zu einer pictätsvollen Tradition, bei der die Gewöhnheit eine grössere Rolle spielt, als innercErlebnisse. Es gehört zum St'adtbilde, dass die jüdischen Geschäfte in diesen Tagen geschlossen bleiben. Ein Ereignis, das von den Nichtjuden wohl oder übel bemerkt wird. Auch liier bewahrheitet sich das Sprichwort: ״Es jtidelt wie es christclt". Die nichtjüdische Kritik gellt auch nicht tief, auch sie hat etwas traditionell Gemütliches an sich. Hauptsächlich hat sie uns in diesem Jahre um das traditionelle schöne Wetter beneidet. Uns freut aber dfcsc Art von Kritik nicht. Schon deshalb, weil sie in ihrer gemütlichen Lauheit dem Wesen des Wiener Gross fad tjuden entspricht. Diese, von einer sonderbaren Mischung von Gelstreichelei und Gemütlichkeit zusammengesetzte Kritik ahnt nicht, dass diese gewohnheitsmässig gesperrten Kaufläden nicht auf Menschen deuten, die von innerer Üeberzeugtwtg getragen, von Festesfreude überstrahlt ins G-tteshaus strömen. Diese gewohnheitsmässig gesperrten Läden bedeuten Vielen eine schöne Tradition. Uns täuschen sie aber nicht hinweg über die Tragödie des Grosstadtjudeii, bei dem die erschütternden seelischen Erlebnisse der ״furchtbaren Tage" zu einer gewohnheitsmässigen Traditiom erblasst sind. Viele mögen in dem Umstande, dass eine Bethauskonzession auf die hohen Feiertage, ein gutes Geschäft ist, ein Zeichen der Religiosität der Wiener Juden erblicken. Für uns ist das Judentum kein Neujahrstagartikel. Haben die ״furchtbaren Tage“ nicht mehr die Kraft, ihre Wirkung auf das ganze Jahr zu erstrecken, können sic dem jüdischen Herzen nicht mehr religiöse Nahrung für a 11 e Tage des Jahres geben, so haben sie ihre BestimmuTTJT verfehlt. Sie führen noch das energielose Leben einer pietätsvoilen Tradition, aber sie können unserer Jugend nicht mehr die Tradition vermitteln, die ihr Energie und Lebenskraft für׳ den Kampf ums Dasein verleiht. Es gibt aber G-tt sei Dank noch diese Jugend und diese Tradition, wenn auch die geschlossenen Läden dies dem Oberflächlichen Passanten nicht gekündet haben, sie hätten diese Jugend und diese Tradition in den überfüllten Hallen unserer frommen Bethäuser bewundern können. vT/ New York: Laut dem Berichte des Einwanderungsamtes sind auf 522.919 Einwanderer im abgelaufenen Quotenjahre 19.719 Juden eingewandert. London: Der Bericht des Oberkommissärs von Mesopotamien behandelt in einem speziellen Artikel die Bildung der provisorischen Regierung Mesopotamiens, der Sassoon Effendi Haskail als Finanzministcr angehört. Ueber Sassoon Effendi, sagt der Bericht, er sei eine führende Persönlichkeit der jüdischen Gemeinde Bagdads und geniesse allgemeine Achtung und Vertrauen. Er war Mitglied des türkischen Parlamentes seit der Konstitution von 1908 und Präsident der Finanzkommission. Dwangell (Holland): Eine der ältesten Synagogen Hollands ist einem Brande zum Opfer gefallen. Viele altertümliche Kostbarkeiten gingen zugrunde. Die Thorarollen wurden gerettet. Budapest: Nach dem Berichte der Statistischen Zentralstelle in Budapest leben in Ungarn 473.310 Juden, also 5,9 Prozent der Gesamtbevölkerung. Prag: Das soeben zur Veröffentlichung gelangende Ergebnis der Volkszählung zeigt einen bedeutenden Rückgang der jüdischen Bevölkerung in c!cr Tschecho-Slowakei. Kowno: Die ganze jüdische Bevölkerung des Städtchens Rokischki und zirka 1000 Juden aus anderen Ortschäften sind in die Gefahr geraten, durch einen eben erlassenen Polizeibefehl ausgewiesen zu werden. Der Befehl lautet, dass alle Juden, die keinen Geburtsschein aufzeigen können, ausgewiesen werden. Die jüdischen Abgeordneten verlangten im litauischen Sejm die Aufhebung dieses Befehles. Warschau: Dank der Intervention der Agndas Jisroel in Amerika, überwies der Kulturfonds des Joint der Warschauer Meslfta 1000 Dollar. Bukarest: Die Königin von Rumänien hat den ihr von einer jüdischen Delegation übertragenen Titel einer Ehrenaufseherin der neueröffneten jüdischen Lungenheilstätte angenommen. Kischinew: Das bcssarabischc Generalgouvernement erliess einen Ausweisungsbefehl sämtlicher ukrainischen und russischen Flüchtlinge bis zum 10. Oktober 1923. Bukarest: Costi Casak, einer der bekanntesten Pogromisten der Ukraine, führt gegenwärtig den Namen Abraham ben Abraham und betätigt sich mit besonderer Frömmigkeit in der jüdischen Religion. Er war im Jahre 1920 zusammen mit seinem Bruder Vasile Chef bewaffneter Banden, die die Juden hinschlachteten. Eines Tages erklärte er seinen Kameraden, dass er mit ihnen n'icht mehr arbeiten könne. Sein Vater sei ihm im Traume erschienen und habe befohlen, von seinem Tun abzulassen. Beide Brüder beschlossen, ihre Sünden zu büssen. Costi trat zum Judentum über lernt Hebräisch und befolgt die Gebote der Thora. Berlin. Das Zentralorgan der Mtsrachi hat sein Erscheinen eingestellt. Florenz: Der hier bei seinen Verwandten zu Besuch weilende Grandrabbiner von Alexandrien (Aegypten) Com. Prof. Raffael della Pergola ist plötzlich verschieden. ר־סזאנ1כ01כ^זאב־בד? XEESiEnsr 1 Infolge Anhäufung der Lagerbestände verkaufen wir für kurze Zeit komplette Küchen, und zwar: 1 Kredenz mit Ornamentverglasung, 1 Abwaschtisch mit 2 Zinkschaffein, 1 Kohlenkiste, 1 Mistkiste, 1 Stockerl, alles prima welss emäillackiert‘ statt K 1,800.000 zum äusserst billigen Preis von K 1,390.000. Billigste Einkaufsquelle von: Vorzimmern, Schlaf- und Mädchenzimmern, Küchen, Bureau- und Geschäftseinrichtungen. Verkauf sämtl. Küchengeräte. Möbel-Spezl&lfabrik ״Küchenfee“, Karl Klimberger & Co.. XX. Engelsplatz 6, Goldene Medaille 1918. Filialen: L Spiegelgasse 16, IV. Margaretenstrasse 2, VI. Stumpergasse 51, VIII. Josefstädterstrasse 80, XVIII. Währingeistrasse 115, XXL Hauptstrasse 28, XXl. Kagran, Wagramerstrasse 118. Ocsttrrclch. Die Bedeutung des שיעור יומי Der Talmud ist für die religiöse Judenschaft der einzige anerkannte Interpret der Thauroh, denen Ent- Schädigungen und Vorschriften für die Juden die gleiche Verbindlichkeit haben, wie das Gesetz Mosis. Er ist seit Jahrtausenden der Führer der religiösen Judenheit. Der Talmud hat alle guten Eigenschäften des jüdischen Stammes zur höchsten Ent- Wicklung gebracht. Das Studium des Talmud, hat den jüdischen Geist entwickelt, hat den Juden im Golus sittliche Erhebung und geistige Erholung geboten. Was es nun heisst, wenn alle religiösen Juden auf dem Erdenrund, die den Tahtiud selbständig oder mit Hilfe Gelehrter lernen (lesen lässt er sich infolge seiner Kürze im Ausdrucke und seines tiefen Gehaltes nicht) können, tagtäglich dasselbe Blatt behandeln, gleichzeitig denselben Abschnitt beendigen und gleichzeitig das Studium des gesamten Talmud beschließen werden, lässt sich in Worten kaum ätismalen. Eine Hörerschaft von gleichgesinnter Kollegen, die durch Jahre immer ein gemeinsames Thema behandeln, Hunderttausende, die ein gemeinsames Studium vom höchsten geistigen und sittlichen Wert betreiben, bilden eine Phalanx, die sich geistig durchsetzen muss, die sich ethisch so gewaltig erweisen muss, dass sie der ganzen jüdischen Welt ihre Wahrheit zum Verständnis bringen muss und die Zeit herbeiführen wird, wo Juda sein Heiligtum wieder errichten wird, zum Heile der Welt, zur Ehre G־ttes. Am ersten Tage ראש השנה wurde in der Jugendgruppe der tägliche Welttalmud-schiur durch Herrn Salomon Schreiber, dem bewährten, allverehrten Vortragenden der kaufmännischen גמרא Kurse unter zahlreicher Teilnahme eröffnet. •feי&־,עייש> Kaufet nur Fabrik: Wien, XV. Staglgasse 10, Telephon 38.419 Filiale: Wien, VII. BurgzSsse 17, Telephon 32.380 Vt. <4-7* (Glnsiasbad) IX., GInsiasgasse 12 Telephon 18.140 (einzig in Wien) uittgebaui und neu eingerichtet. Sonntag, den 9. September, Montag, den 10. September, vor dem Neujahrstag, den ganzen Tag offen, wie auch vor dem Vefsöhnungstag, am 18. und 19. September. 11111yfi® BB RS SB; Fl LIALEN' m V/IBN/IV, ARGENTINIERSTR.62# I QUUSSINQ / STEFAN KLEE ff GPA2/. ׳ . p AUSKÜNFTE WERDEN STETS GERNE ERTEILT, g 1י NACH mm itx ׳. | MS ■fi■'. ׳;,r.-.i-vijitfük .(‘-׳־5<ר'א:ן;יי >sCnTf& mmärnrn Nachdem noch Herr Wolf Pappenhelm die hohe Bedeutung dieses das ganze thoratreue, talmudbeflissene Judentums einigenden Bundes ln krftftigen Worten skizziert hatte, trennte sich die Zu* hörerschaft mit dem erhebenden Gefühle, an einem Werke mitzutun, das für die Religiosität von unendliehen! Werte sein wird. Das Lebet! In der Schiffsschul. Die verflossenen Feiertage haben wieder einmal gezeigt, welch grosse innere Kraft die Schiffsschulgemeinde in sich birgt. Die Röschhaschanahtage haben eine gewaltige Gemeinde in den alten, ehrwürdigen Hallen aer Schiffsschul versammelt, die von wahrer Frömmigkeit erfüllt, das Bild aufrichtiger Andacht und Busse gezeigt hat. Selbst der kritisch gestimmte Besucher hatte nichts auszusetzen, Oberrabbiner Fürst hatte seine Derascha vor Tkias Schaufor, der Erziehung der jungen jüdlsehen Generation gewidmet und trat in flammenden Worten für die Förderung und den Ausbau des thoratreuen Schülwerkes, dessen Hauptstützpunkte in Wien die Talmud Thora und die jesodeh Hathora sind* ein. Die Schabos-Tschuwoh-Predigt Se. Ehrwürden war nebst Mussar auch der Frage des Baues einer neuen, würdigen,der Grösse und Bedeutung der Schiffsschulgemeinde entsprechenden, Synagoge gewidmet. Nicht zum ersten Male tritt Obefrabbiner Fürst für den Bau eines neuen Gotteshauses ein. Jetzt scheint es aber dank der Energie und Umsicht des Obmannes der Schiffsschul, Herrn Korn־ merzialrat Siegmund Bon di, ernst zu werden. Wie wir vernehmen, sind bereits ernste Vorbereitungen getroffen worden, um den Umbau der Synagoge sofort nach den Feiertagen in Angriff zu nehmen. Ein grosser Teil der zur Zeit riesigen Summen für die Ombaukösten, ist bereits sichergestellt. Man hofft, dass die Gebefreudigkeit der Mitglieder während der Feiertage auch die Restsumme decken wird. Jeder Freund der Wiener Orthodoxie wird Freude und Genugtuung empfinden, dass die moralischer Kraft und die bisher nur nach Innen gekehrte Energie der Schiffsschulgemeinde, nunmehr auch nach Aussen dokumentiert werden wird. Wien: Der Jahresschluss brachte der Schiff schulemen lierhen Verlust. Herr Naftali Ardel, der durch Jahrzehnte ein fleiasiger Besucher der Schiffaöhul war, Würde Vötii Tode ereilt. Ein tiefreligiöser Mann, ein goldenes Herz* ein ansgezeichneter Familienvater, machte ihm seine Bescheidenheit, sein warmes Interesse für alles echt Jüdische, die Sorgfalt, die er der jüdischen Erziehung seiner Kinder widmete, alle Welt zum Freunde, Die allgemeine Beliebtheit, deren er sich erfreute, kam in dem imposanten Leichenbegängnisse *um Ausdruck. Sein Andenken sei zum Segen. Lackenbach. Unter dem Vorsitz unseres Herrn Rabbiners Krausz fand נצבים 'Ö!שבר eine grosse Ver- Sammlung statt, in welcher Herr Rabbiner die grossen lind wichtigen Beschlüsse der Kehessio Gedaulo besprach. Es wurde hierauf ein provisorisches Vorbereitungskomitee gegründet, dessen Aufgabe darin besteht, bis fÜDD eine konstituierend(» Versammlung behufs Gründung einer Agudas Jisroel-Ortsgruppe einzuberufen. In der Debatte beteiligte sich Herr Schey namens der Jugendgruppe, welcher die heilige Pflicht eines Jeden ehrlich denkenden Juden betonte, welchem das Geschick der Jugend nicht gleichgültig ist und sein darf, dahin tatkräftig mitzuwirken, dass wir eine bessere jüdische Pädiigogik schaffen, um den grossen Schaden wieder auszubessern. Im Anschluss darauf veranstaltete die Jugendgruppe beim Herrn Rabb* eitle שליש סעימח-Mahlzeit, die mit sohönen Zetnirauth den Abschluss eines schönen und gemütlichen שבח bedeutete, Lackenbach, Irt der A. J. Jugendgruppe In Lackenb a c h spricht allsabbatlich um halb 10 Uhr vormittags Herr Daniel Krausz über 19 Briefe von K. H. R. Hirsch und halb 11 Uhr wird ein Geschichtekurs Von Herrn M. Schey eingeführt. Leset untT ־ ‘ die ״Jüdische Presse“ Spendenausweis. KrlegsvVaisenfOnds. Bethäus Stümpfergaääli K.195.ÖÖÖ, testaurateür Kokiscb* Bad Oästein K i&Ö.OOÖ, Löiehlei 1üs Jugoslawien alb Mietäblöse K B0.ÖD0, Her? LtiäWig ichischa, anlässlich der Verlobung seiner Tochter K J60.Q00, »rossrabbiner Israel Friedraann (CzortköW) K 800.000, labbiner Nach um Friedmann K 100.000, Rabbihöit Hichtlbi tyiedinann, Bethausäpende R.*Mk. 1,000.000. Ilgentümer und Herausgeber« ״Jüdischer Verlag CLtn.b. H, , I.t Malzgasse Nr. 12 a, — Verantwortlicher Redakteurs akob Deutsch, Wien, I., Kölnerhofgasse Nr. 2. Für die 'schecho-Slowakei: Heinrich Schwarz, Bratislava.—־ Drück: )ruckerei und Verlags-A.-G. lg. Stelnniäiirt, WlCft* IX,, ÜnlvetSltätsstrasse 6. Brautausstattungen Billigste Eiakaufsquelle in Leinen- und DamäetWären, Chiflone, aowib in Taschen* und TiSthtüchefft *te. Leopold Lederer stiege 5 (nächst Sälzgries), Telephon 65-3-71 ^240

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