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Jüdische Presse · 1923-09-07 · 36-37 (7.9.1923) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
36-37 (7.9.1923)
Date
1923-09-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 36/37 JÜDISCHE PRESSE Seite 295 yiv VIv ACHRiCHTEN. 71V Vom Neujahrstage. Sie mögen alle einen Bund bilden. Seit vielen, vielen Jahrhunderten b׳etet Israel an seinen höchsten Feiertagen um die Verwirklichung dieses Ideals. In den liohten Zeiten des Glückes, wie in den finsteren Jahren der Schmach schwebt vor Israel das Hochziel der Verbrüderung. Gehasst, Verfolgt, ausgestossen und veachtet. Trotzdem schwindet aus dem jüdischen Herzen nicht das Gefühl, dass alle Menschen miteinander verbunden werden können in Erfüllung der Gebote G-ttes, dessen Geschöpfe wir alle sind. In manchem lichtem ׳Augenblicke glaubt man, dass dieses jüdische Ideal Gemeingut aller Völker geworden ist. Wenn die ״hohen Tage“ nahen, erzittert das jüdische Herz im Ahnen. Vielleicht bringt dieses Jahr die Menschheit näher zueinander. Doch es kommt die rauhe Wirklichkeit und rasch zerflattern die Träume. Aus dem Kriegselend, nach der gegenseitigen Zerfleischung der auf Macht gegründeten Staaten, g'estaltete sich der Bund der Völker, dessen Fundament Recht und Gerechtigkeit sein solle. ׳Schon jubelte das jüdische Herz. Es sind die Zeiten gekommen, wo sie alle einen Bund bilden werden. Aber rasch kam die Ernüchterung. Der Krieg, die Zerfleischung dauern fort und in den Stunden der Not, ■in den Versuchungen der Macht und Gier, ist der Völkerbund inkompetent, wird seine Existenzb'erechtigtmg geleugnet. Macht geht noch immer vor ׳Recht. Die schwachen Völker, denen der Krieg Niederlage gebracht hat, müssen sich demütigen. Doch der ewige Optimismus in •dem jüdischen Menschen treibt neue Träumenbliite. Die Weltgeschichte ist ja ein Weltgericht. Die Staaten, die den Krieg verloren haben, verdienen ihre Niederlage. Ihre Schwäche und Demütigung ist die Sühne für die V'erbrechen, die sie begangen haben. Doch gar bald werden auch diese Blüten verweht. Eine neue Katastrophe bricht ein. Nicht Menschen haben sie verursacht, nicht Menschen waren die Werkzeuge des Verderbens. Die Erde erbebt in Japan, in diesem blühenden Land einer eigenartigen Kultur, gehen Hunderttausende Menschen, ganze Städte, bewundernswerte Produkte einer alten Kultur in einigen Augenblicken zugrunde. Das menschliche Mitleid krümmt sich in der Ohnmacht der Hilfslosigkeit. Das Rechtsgefühl möchte das schwer betroffene Volk, das so unsagbares Leid, zu ertragen hat, an die Spitze der Menschheit setzen. Es sollte eine Vorzugsstelle gemessen in den Jahren der Schwäche, bis die heilsame Zeit die schwersten Wunden verharrschen lässt. Man liest, man hört von der raschen Hilfsbereitschaft der Völker, die alles zur Linderung der furchtbaren Not bereitstellen. Armeen, Kriegsschiffe, Flugzeuge sollen rasch in den Dienst des Mitgefüthls und der Menschenliebe gestellt werden. Und wiederum keimt süsse Hoffnung. Vielleicht verwirklicht sich in dieser schweren Zeit der unverschuldeten Schwäche und Ohnmacht das Ideal, wo sie alle einen Bund bilden werden. Doch bald kommt die Ernüchterung. Nebst den Katastrophen-Berichten führen die Drähte neue Meldüngen. Man erklärt, dass Japan infolge des Unglücks seine bisherige politische Macht verloren habe. Die Gross machtsteilurig Japans sei durch den unerhörten Umfang des Bebens untergraben, und es sei sicher, dass Japan gegenwärtig zu einer Macht zweiton Ranges herabgedrückt sei. Die (Diplomatie jubelt. Man hat unverhofft einen nie geahnten Sieg 1errungen. Die Menschheit verhüllt aber das Haupt. Doch der Jude, der seit Jahrtausenden so oft enttäuscht, aus der Verderbten Welt ins G-tteshaus floh, findet hier neue Kraft zu hoffen. Aus den Aschen des Weltbrandes• erhebt sich auf den Ruinen einer verderbten Welt, richtet sich am Schöpfungstage der jüdischen Welt das ewig frische Ideal des jüdischen Volkes auf. Sie mögen alle einen Bund bilden, um Deinen Willen, 0 G-tt! aus ganzem Herzen zu erfüllen. VIV 71V VIV Paris. Der berühmte Philosoph Henry B e r g s o n, ein Jude, wurde zum Mitglied des höchsten Rates der Ehrenlegion ernannt. Brüssel. Der belgische Grossrabbiner Dr. Armand Bloch, ist hier plötzlich verschieden. Wien. Hofrat Prof. Dr. Frankfurter, der. Leiter der Ulnhtersitäts-Bibliothek wurde ׳in Pension; versetzt. Hofrat Prof. Frankfurter, der auf dem Gebiete des Bibliothekswesens eine Weltautorität ist, nimmt auch im jiidisehen Leben Wiens eine geachtete Position ein. New York. Der Präsident der Handelskammer in New •York, Mr. Kingsby, erklärte, dass man Fords Judenfeindschaft nicht mehr anders, als Irrsinn bezeichnen könne. Seine Behauptungen von der Gefährlichkeit angeblicher.internationaler Juden“ sind Hirngespinste. Minsk. Die jüdischen Kommunisten haben in Horodck im Minsker Gouvernement, das grosse Betli Hamidrasch in einen Arbeiterklub umgewandelt. Prag. Die tschecho-slowakische Regierung projektiert die Anlegung einer Anzahl von Kolonien jüdischer Bauern in Karpatho-Russland. Das Projekt stammt von einer Gruppe jüdischer Bauern und wird von einer Bank unterstützt. Minister H 0 d z a versprach die Gesellschaft, die die Verbreitung der Landwirtschaft unter-den Juden bezweckt, bestens zu unterstützen. Jerusalem. Der kürzlich verstorbene sefardische Bankier Valero hat den ■jüdischen Instituten Palästinas ein ז eg׳at von 15.000 Pfund hinterlassen. Jerusalem. Die französische Besatzuugsbehörde in Syrien hat sich an das Jerusalemer Rabbinat gewandt, ihr 30 jüdische junge Leute für den Regierungsdienst in Syrien zu empfehlen. Berlin. Die Zahl der Austritte aus dem Judentum in der Berliner Gemeinde hat sich nach dem letzten Bericht um das Dreifache vermehrt. Es sind A3 Personen aus dem Judentume ausgetreten, die meisten, um die Gemeindesteuern zu sparen. London. Die jüdische Studentenschaft in Grossbritannien hat in der Grafschaft Yorkshire eine Sommerschule eingerichtet, welche am 22. August eröffnet wurde. London. Laut dem Berichte der Londoner Bibelgesellschaft ist dfe Bibel in 558 Sprachen übersetzt worden. Die Zahl der Exemplare, die die Gesellschaft druckte, beträvt 9 Millionen. אתמנים׳ לריבים והדסים! Esrogin, Lalowim n. Hadassim j billigst bei Bu«bban׳Uung l. u. En gros 01.״ , Transit En dötail Passende hochzeitsgeschenke sowie kompl. Silberkassetten, Leuchter, Giran-1 dole und כלי קודש zu billigsten Preisen.( JUWELIER ABRAHAM SCHAPIRA Wien, II. Bezirk, Rotensterngasse 13 J xjisrDBEiDinsra-T leseisti Infolge Anhäufung der Lagerbestände verkaufen wir für kurze Zeit komplette Küchen, und zwar: i Kredenz mit Ornamentverglasung, 1 Abwaschtisch mit 2 Zinkschaffein, 1 Kohlenkiste, 1 Mislkiste, 1 Stockerl, alles prima weiss emaillackiert‘ statt K 1,800 000 zum äusserst billigen Preis von K 1,390.000. 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Bald schliesst sich das Tor. Die Schule beginnt die zarten Kinderseelen zu formen. Bald sind die Ketten geschmiedet, mit denen auch das jüdische Kind an die Schulbank, an das Katheder gefesselt ist. Nicht ohne Rührung denke ich an die jüdische Seele, die nun) in diesen zarten Kindern, die von jüdischer Mutterhand in die Schulen geführt werden, erst verschüttet, dann allmählich ganz ertötet wird. Keine Thora, kein jüdisches Gebet. Kein Sabbat, keine Festesfreude. Jüdische Eltern, wie lange noch werdet Ihr Eure Kinder in nichtjüdisehe Schulen schicken? Talmud-Thora-Volks- und Bürgerschule für Knaben und Mädchen. An der Talmud-Thora-Schule begann das Schuljahr am 4. September mit einem, feierlichen G-ttesdienst, an welchem alle Zöglinge der Anstalt teilnahmen. Oberlehrer Jakob K 0 h n richtete an die Kinder eine warme Ansprache, in welcher er die Kinder ihrer menschlichen und jüdisehen Pflichten ermahnte. Trotz des allgemeinen schwachen Klassendurchschnittes in den Kommunalschulen sind die Klassen der Talmud-Thora vollbesetzt, besonders die Zahl der Mädchen hat eine grosse Steigerung erfahren. Es ist mit Freude festzustellen, dass die Erkenntnis jüdischer Eltern, dass sie ihren Pflichten ihren Kindern gegenüber gerecht nur dann werden können, wenn sie dieselben in jüdisehe Schulen schicken, immer weitere Kreise zieht. Wien. In Ausführung eines!Beschlusses der Kenessijo Gedaulo wird vom gesohäftsführenden Aus- Schuss der Agudas Jisroel ein Preisausschreiben für Elementarbücher aus dem Gebiete der jüdischen Geschichte, der Natmrlehre und den Amfangsgründen der Mathematik erlassen. Die Arbeiten können in hebräisolier, jüdischer und deutscher Sprache abgefasst sein. Es wunden dreiJPreise von drei, zwei und einer Million öster. Kronen ausgesetzt. Die Arbeiten müssen bis zum 1. Nissan beim Geschäftsführenden Ausschüsse, II., Malzgasse 12 a, eingereicht werden. Die Abreise der Delegierten. Wien. (A. J. P. B.) Die Abreise der Delegierten der Kenessio Gedaulo gestaltete sich zu einer grossen Demonstration. Besonders die Abreise des Ger er Rebbe und des Chofez Ch׳aim war mit einer imposanten Kundgebung verbunden. Tausende Anhänger begleiteten den Gerer Rebbe zum Bahnhof, um dort herzlichen Abschied von ihm zu •nehmen. Ein Teil der Rabbonim, an der Spitze der weltberühmte Rabbiner Chaim Ojser Grodzenski und1 eine grosse Anzahl von Delegierten, blieben über Schabbas in Wien, wo sie von den Gesinnungsgenossen gastfreundlich bewirtet wurden. Vom geschäftsführenden Ausschuss. W i e n. (A. J. P. B.) Der neugewählte Gescihäftsführemde Ausschuss, der sich sofort nach der Wahl kostituierte, trat am 23. v. M. zu einer Sitzung zusammen, an der die Richtlinien der zukünftigen Arbeit festgesetzt wurden. Die Beratungen hatten zum Ziele, die Ausführung der Beschlüsse der Kenessio Gedaulo in Betreff der grosszügigen Förderung der Thoralehrstätten, der Ausbreitung der sozialen Tätigkeit, der Aufbauarbeit in Erez Jisroel und soweit es erforderlich ist, der Schaffung neuer Organisationen. Wien. Der Rabinische Rat. (A. J. P. B) Die Zahl des grossen Rabbinischen Rates wunde auf Anraten der in Wien anwesenden Thora'grössen, noch. nicht endgültig festgesetzt. Die Exekutive ׳des Raibinischen Rates, die die Geschäfte bis zur nächsten Kenessio Gedaulo führt, besteht ׳aus den Herren: Ehrenpräsidiurn Israel Maier Häkchen (Chofez Chaim), Grossrabiner J. Friedmann-Czortkow (Wien), Grossrabiner A. N. A'lter-Gora Kalwarya. Exekutive: Rabbiner Chaim Ojser Grodzenski-Wilna, י Rabbiner M. M. Eppstein-Slobotka, Rabbiner Leiner-Radzin, Rabbiner Morgenstern-Sokolow, Rabbiner Plocki- Ostrowa, Rabbiner Sterniberg-Brody, Rabbiner D. Löw-Oserkow, Rabbiner Dr. Breuer-Frankfurt a. Main, Rabbiner K. Weber-Pystyany, Rabbiner A. Katz-Nemtra, Rabbiner M. Arak-Tarnow. Rabbinisches Sekretariat: Sejmdep’utat überrabbiner Sohapiera-Sanok, Rabbiner Biedermann-Warschau. ♦ Wien. Das Finanzdirektoriuni. (A. J. P. B.) An der Spitze der gesamten Finanzgebarung der Agudas Jisrsoel stellt ein Direktorium, das aus folgenden Herreu bestellt: Korn. Siegln. Bondy, Heinrich Papp e 1111 •e i m, Dir. David Schlesinger aus Wien, Julius H o \ 1 ä n d e r, Leo Wresc'hner aus Frankfürt a. Main. Rundgaug der Delegierten durch die Fürsorgeanstalten. Wien. (A. J. P. B.) Während und nach der Kenessio Gedaulo besichtigte eine grosse Anzahl von Dele- B Brautausstattungen I | Billigste Ei׳ kaufsquell« in Leinen- und Damastwaren, ■ R Chiffone, sowie in Taschen- und Tischtüchern etc. 3 8 Leopold Lederer stiege 5 (nächst Salz- 3 B g U-8). Tek phon 66-3-71 i

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