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Jüdische Presse · 1923-09-07 · 36-37 (7.9.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
36-37 (7.9.1923)
Date
1923-09-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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iUits'bi'bli0'yaelc Universi' f־, Franäen8r1n8 W. 1». 1», JÜDISCHE PRESSE (״JÜDISCHE KORRESPONDENZ«) ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration! Wien, II., Malzgasse 12a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich, Deutschland, Polen öst. K 80.000, Tschecho-Slowakei K€. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 200 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Einzelnummer öst. K 1.500. Zahlungen für Oesterreich: PostsparkassenamtWien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram, Ko. N. 40.217; f.Ramänlen: Banca Marmarosch Blanc & Cb für Florenz & Co, Bukarest; für die Schweiz: Postscheckk. Luzern VII. 1470. Nr. 36/37 Wien-Bratislava, 7. September 1923 ♦ה וינהי־פרעססבורג כר אלול תייפ״ג בע" 9. Jahrg. (SPS^(5^(S^(^!^(sX^(S^(3»SS>SS&^ ראש השנה «SG® Olücklich ist derjenige Meitsch, für dessen inneres Seelenleben es eine innere Gegenwart gibt; diese Voraussetzung ist dann erfüllt, wenn im Innern des Herzens sicth Rückschau und Vorschau, Gedanken und Hoffnungen, zu einem Gesamtbilde vereinigt. Nur selten ist dem sterblichen Menschen eine solche Stunde gegönnt, aber eine solche Stunde war dem ganzen Volke Israel gekommen, als Esra und Nehemia am Rosohhaschono verkündeten: Seid nicht betrübt, denn die Freude an /dem Ewigen ist eure Zuversicht. Alljährlich tritt am Abend des 29. El'ul die Zeit an uns heran mit der ernsten Frage, ob die frohe Botschaft Esras und Nehemias auch uns gilt, ob wir die Kraft haben, unserer Seele das Glück der Gegenwart zu gestalten. Der Weg ist rührend einfach. Wenn wir rückwärts schauen und uns selbst bezeugen können, dass in all unserem Tim und Trachten die Sehnsucht obwaltete,Ewigkeitswerte zu schaffen, wenn wir in unseren Träumen vom kommenden Tage siegbaft bewähren das Wollen nach der Nabe des Allmächtigenjdann kristallisiert sich rn unseren «Herzen das Gewesene •und das Werdende zu einem Sein, zu einem Sein des Glückes. Dann haben wir den Tod überwunden und das Leben gemeistert. Dann zieht etwas einheitlich Grosses durch unser Dasein, die Ahnung״ nicht, sondern die Gewissheit der Unsterblichkeit jedes guten Wortes, jedes guten Strebens, jeder guten Tat. Dann schwillt es in uns an, zur mächtigen Freude. Es darf wohl ausgesprochen werden, dass die Gesamtheit der religionstreuen Juden, mögen sie organisiert sein oder nicht, am Abend des 29. Elul zu dieser Freude sich aufstihwingen dürfen, denn wir können rückschauend feststellten, dass inmitten eines Wirbels der Treulosigkeit, des Abfalles und der Täuschung, die thoratreue Judenheit ihrer Idee treu geblieben ist und dass speziell in diesem Strom, dank ihrer Führer, eine wunderbare Offenbarung der Ewigkeitswerte an das Licht des Tages gedrungen ist. Es ist nicht unbescheiden, wenn wir daran die Hoffnung knüpfen, dass in absehbarer Zeit in jedem jüdischen Kinde eine Sehnsucht nach der Nähe des Allmächtigen wach wird. Und so möge denn ganz Israel in das neue Jahr eintreten, getragen von dem glückspendenden Bewusstsein, dass jeder Augenblick, den seine Gesamtheit erlebt, Gegenwart ist, unauslöschlich und unsterblich. P. K. Zur Jahreswende. Wieder geht ein Jahr zur Neige. Im Trotte der Alltäglichkeit verschwimmen Idie Tage und die Stunden in eine einzige graue Masse, aus der höchstens blutroter ,Pfahl jüdischen Elend«), hervorragt. Waren die Kriegs- und ersten NaclÄegsjahre ׳bis , zum Bersten gefüllt von Geschehnissen, jagte ein Ünheil das andere, konnten wir kaum Atem fassen in einer Hetzjagd, die lebensmordend war, aber auch alle Lebenskräfte bis zuim Aeussersten anspannte — so trat in den letzten!und besonders im vergangenen Jahre ein Zustand des müden ׳Sch]eichen« und der trostlosen Verzweiflung ein. Weit, sehr weit von Gesundung wird die Welt von einem inneren Fieber geschüttelt, von quälender Unrast gebannt, von markzehrender Unsicherheit und Labilität, fortwährend von einem Uebtel zum anderen geschleift. Wenn auch der Krankheitsherd — der Krieg — ausgelöscht ist, so scheint es, als ob neue Komplikationen sich von Tag zu Tag häufen würden, um den kranken, entnervten Weltorganismus zu ,endgültigem Verderben zu bringen,• Und nicht nur der Körper der Welt, die Wirtschaff, ist mit schrecklichen, schier unheilbaren Gebresten behaftet, viel kränker noch ist die Seeleder Welt, der Geist der Menschheit. Ist die Zerrüttelung der Weltwirtschaft eine schwere unreparable Folge!des Krieges, so hat die Erkrankung des Geistes seit dem Kriegsende noch an Umfang zugenommen. Man muss alle zu Gebote stehenden Mittel! anwenden, den gesunden Sinn durch neue Tröstungen zu laben versuchen, um den Glauben an den Menschen und seinen Geist erhalten zu können, um die Beherrschung nicht zu verlieren, Denn ärger wie im Tollhaus wütet das Leben um uns. In dieser schauderhaftesten aller Zeiten steht das jüdische Volk verlassen und jeden Schutzes entblösst, vor den Anfällen einer Meute irrsinnig gewordenes Bestien. Die Hilfe die von aussen oft versprochen wurde, erweist sich in kurzer Zeit illusorisch •und jedes tatsächlichen Gehaltes bar. Und niemals noch war die Anschauung berechtigter, dass nur. von eigenen, wenn auch bisnun scheinbar versiegten Quellen; neue Speisung, neue Kraft kommen kann. Eine ,Hoffnung geht in unseren Tagen durch die jüdische- Welt. Die Hoffnung, dass endlich die alte Kraft des Volkes — der alte Glaube — zu neuem Leben, Blühen und Reifen auferstehen wird. In diesen Tagen der Jahreswende werden wir um die Erfüllung dieser Hoffnung bitten und beten; ־—z. Vom* Jahre. Das‘ Jahr 5683 hat kein Ereignis für das jüdische Volk gebracht, das aus dem gewöhnlichen Strom des Geschehens hervorragen und somit das Kennzeichn für das Jahr geben würdte. Nach den gewaltigen Erschüttemngen der Kriegsjahre, deren Nachwirkung die politischen, wirtschaftlichen undsozialen Verhältnisse noch immer sehr ungünstig beeinflussen, sind doch manche erfreuhche Zeichen der allmählichen Konsolidierung zu verzeichnen. Diese Konsolidierung äussert sioh gar oft in einer Rückkehr zum politischen und wirtschaftlichen Konvervativismus, der nur, allzuoft einen reaktionären Charakter hatte. Dieser Ruck nach Rechts hat die Lage der Juden insoweit ungünstig beeinflusst, insoweit der Konservativismus gleichzeitig Schrittmacher des Antisemitismus g*eworden ist. Der Kampf gegen (die politische 1Zerrüttelung und gesellschaftliche Destruktion konnte am leichtesten mit dem Schlagworte geführt werden, dass die Juden die Ursache dieser Destruktion wären. Da die Welt noch immer mit sehr wenig Vernunft regiert wird, hat dieses Sc-hlagwort sowohl in unverantwortlichen wie in verantwörtlichen Kreisen eine günstige Aufnahme gefunden. Für alle Fälle ist zu konstatieren, dass die gesellschaftliche Stellung der Juden iast in allen mittel- und osteuropäischen Staaten unter der Herrschaft sehr einflussreicher antisemitischer Strömungen zu leiden hatte. Der Antisemitismus hat auch die politische Stellung und die bürgerlichen Rechte der Juden in diesen Staaten, sehr stark beeinträchtigt. (Der Numerus clausus ׳für jüdische Studierende, ein Schächtverbot für Juden bestimmter Tiere wurde in vielen Parlamenten erwogen und in einigen sogar angenommen. Auch die wirtschaftliche Lage der Juden in den europäisehen Staaten ist geschwächt worden. Wenn auch der in jüdischen Händen konzentrierte Handel, durch die Konjunktur grosse Gewinne erzielt hat, so haben ihn auch die Rückschläge auf wirtschaftlichem. Gebiete und die allgemeine Verarmung stärker getroffen. Es darf aber nicht verkannt werden, dass all dies'e traurigen Umstände doch etwas Wertvolles für das jüdische Volk haben. Der Antisemitismus, die Erschütterung der gesellschaftlichen Siellung der Juden, haben entschieden dazu beigetragen, dass nun die latenten Energien des jüdischen Volkes geweckt wurden und soweit sie früher vorhanden, aber nur nach Aussen-hin verwendet wurden, kamen sie •jetzt der inneren Erstarkung, dem inneren Aufbau des jüdischen Lebens zustatten. Unsere Aufgabe Ist nun, an dieser Stelle zu verzeichnen, wieweit dies'e innere Kraft des jüdischen Volkes dazu beigetragen hat, dass die alte Verfassung des jiidisehen Volkes, die seit Jahrtausenden sowohl sein äffentliches, wie sein Privatleben beherrschte, erhalten und gestärkt werde. In Sowjet russland hatte die thoratreue Judenheit im Jahre 5683 die furchtbaren Angriffe zu ertragen, welche die Sowjetregierung gegen die Religion im allgemeinen und gegen die jüdische Thora im besonderen geführt hat. Oeffentlich durfte man! nur vom 18 Lebensjahr aufwärts, die Jugend in der Thora unterweisen. Dank der Lebensenergie und der Zähigkeit der thoratreuen Judenheit, wurde ein geheimes System ausgebaut, um auch die jüngeren Kinder nicht ohne Thorawissen aufw-aohsen zu lassen. Dieser heroische Kampf kann heute noch nicht in seinen Einzelheiten geschildert werden. Es genügt aber für die Zukunft festzustellen, dass jeder Buchstabe d'er heiligen Lehre mit teueren Schätzen erkauft werden musste und dass der überwiegende Teil der thoratreuen Judenheit schiwtere Opfer nicht gescheut hat, um die Treue zum angestammten Väter glauben auch der künftigen Generation einzupflanzen. Die jüdischen Organisationen mussten sich einstweilen damit begnügen, Proteste beim Völkerbund gegen dieses System, das zur Zerstörung der inneren Verfassung d'er Judenheit führen muss, zu erheben. Praktisch konnte man wenig helfen. Die ganze Sympathie des jüdischen Volkes, seinen in Russland wohnenden Söhnen gegenüber, zeigte sich in Wirtschaftliehen Hilfsaktionen, welche die russische Sowjetregierung nicht untersagen konnte. Agudas Jisroel stand an der Spitze dieser Wohlfahrtsaktionen mit einer wesentlichere Leistung, die in Sendungen von Lebensmittelpaketen; Kleidern und Geldunterstützungen bestand. In Polen hat die judenfeindliche Richtung der Gesfellschaft und die antisemitische Tendenz der grossen politischen Parteien erreicht, dass in den Wahlkampf zum ersten regulären Sejm des polnischen Staates, alle jüdischen Parteien geeint und in einer Koalition mit den anderen nationalen Minderheiten getreten sind. Der Erfolg war, dass 36 jüdische Abgeordnete und 8 Senatoren in das polnische Parlament kamen. Agudas Jisroel und Misrachi haben eine stattliche Anzahl von diesen Sitzen für sich errungen. Sde nützen diese politische Position zur Verteidigung der religiösere Rechte der Juden aus. Die agudistisahen Vertreter haben besonders energisch für die Erhaltung der Chedersohulere mit dem Erfolg gekämpft, dass die Regierung prinzipfei! die Chederschulen als öffentliche Schule anerkannt hat. Auch in dem Kampfe für die Beibehaltung der Schechitä -haben die orthodoxen Vertreter grosse Erfolge erzielt. Die innere Festigung der polnischen thoratreuen׳ Judenheit zeigt sich besonders in dem Ausbau der Jugend- Organisation und der verschiedenen Lehrkurse für dieselben. Die Kraft der Jugend zeigt sich auch in literarisehen Arbeiten, dfe in Jugend Schriften, die monatlieh oder periodisch erscheinen, gedruckt wurden. Wieweit die Kraft der Thoratreuen geht, zeigt sich in der Schaffung einer thora treuen A r b e i t e r o r g a 11 i sa t io 11, die dank der Energie und Einsicht ihrer Führer, rasche Fortschritte macht. Die polnische Judenheit umfasst heute fast den grössten Teil unseres Volkes in Europa. Nebst Kongresspolen beherbergt Pol nisch-Li tauen mit W'ilria, Galizien mit Krakau und Lemberg und Wolhynien; Teile des jüdischen Volkes, die auf eine ganz eigenartige, spezielle Geschichte zurückbliokeri können. Sie sind nach Pessl Wien I. Kärntnerstrasse 28 Erstes und grösstes Wiener Haus für künstlerisch ausgeführte Scheitel, Perücken und Transformationen aus aller• bestem, dauernd gewelltem Naturhaar. Gegründet 1894 Versand der reich Illustrierten Frlsurenmappe kostenlos.

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