Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- Sonderausgabe 2. (17.8.1923)
- Date
- 1923-08-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Sette 25S 2. Sonderaasgäbe. JÜDISCHE PRESSE stigkeft an ein grösseres Ganze zu ketten, das mit seinem Mechanismus die Seele erdrückt, statt sie zu befreien.; AlÄein der ganze Gang unserer bisherigen Dar- Stellung hat schon gezeigt, dass dem nicht so ist. ״Agudas Jisroel“, der wieder belebte lebendige Organismus des jüdischen Volkes, ist, wenn und weil G־ttes Thora seine Seele ist, selber das s e c 1 isehe Zontrum für alle ihr sich hingebenden Irrdividuen der jüdischen Gesamtheit. Seitdem am Sinai die jüdische Ntaion zum Träger der G-tteslelire durch die Jahrtausende ward, ist sie in ihrer organischen Einheit der ewige Mittler und Erzieher geworden, der dem Einzelnen den liebenden Grnss seines G-ttes, die Gnade der Schechina, bringt und der ihn nicht minder mit aufrüttelnder Herrschgewalt ewig zur höchsten Aktivität im Dienste dieses seines G-ttes ompörruft. Erst auf den Kreis der zweimal Zehntausend und Tausend jüdischer Einzelseelen דבבור* אלפי ישראל senkt sich G-ttes Schechina in ihrer Vollendung segnend und Leben weckend herab, nur im Kreise der durch ein Minjan jüdischer Männer dargestellten G csamtheit ertönt auch dem Einzelnen der Ruf des V/eg weisenden, Geist erleuchtenden G־tteswortes (קריאת התורה), im Kreise der Gesamtheit allein darf der Einzelne sich zur h ö c hsten Heiligung des G ־ tt e s n am e n s in Gefühl und Wort (יתגדל ויתקדש שמיה רבה) und lebenopfernder Tat (ונקדשתי בתוך ב״י) erheben. Und gerade dies ja, die allen verfeinerten Seelen egoismus bannende weltzngewandte, G-ttes Sache 1m rauschenden Strom des ges c h i c 1111 i c h e n Lebens verwirklichende Tendenz der jüdischen Sittlichkeit, sic wird ja in jeder ברכה mit der wir uns zur sittlichen Tat rüsten, dem jüdischen Individuum von früh bis spät ,in die Seele geprägt.״ :היה לך לעורגיG-11 zu helfen" in Seinem grossen Weltenwerke, ,שותף של הקב״ה ״Mitarbeite G-ttes" zu sein in dem מעשה בראשית, das in der Menschengeschichte, in מלכת צדיקים ורשעים, täglich sich erneuert — das ist ja das vorderste Ziel alles Lernens und Uebens auch für den unscheinbarsten jüdischen Mann. Dazu aber bedarf es des entschlossenen Heraustretens aus der Stille der Selbstcrziehung und Selbstbetrachtung in den offenen Kreis des Volkslebens, auf dass, was tief in der Seele an אהבה und יראה, gereift sieh am Anderen, a!m Bruder, erprobe. Da braucht die Seele des Individuums der sie mit zentripetaler Gewalt emporziehenden Kraft des beseelten Organismus der Thor agesamthejt, der allein ihr immer wieder und wieder Erneuerung und Verjüngung, Sühne und Reinheit, Ergänz 11 ng und Klär11 ng aus Sünde und Wirrnis zu bringen vermag — solange er selbst, der Gesamtorganismus in kraftvoller Gesundheit vor seinem G-tte steht. Aus diesen Gedankengängen möge ״Agudas Jisroel“ die Grundsätze ihrer inneren Erz i e 11 u n g s p 01 i t i k ableiten. Glieder und Talmud Thora, Jeschiwos und Methiwtos, die uralten Pflanzstatten der Einzelerziehung, sie sind zugleich die einzigen wahrhaft e 11 Propagandastätten des Agudas .lisroel-Geistes; für ihre Erhaltung, Ausgestaltung, Aufrichtung, die Gemüter zu wecken, die geistigen und materiellen Kräfte zu sammeln, sei ihre edelste Aufgabe. Darüber hinaus aber gilt es, in den Wirrnissen der Zeit, fasslich jedem Einzelnen aus dem Volke, die grossen Prinzipien jüdischer Welt- und Lebensanschauung־, die echte מערכה ושל שראל, die ״Schlachtordnung Israels״, wie man die י״ג עקרים das Ramibam genannt hat, ins Licht zu stellen und die Reinheit der Erkenntnis, das Feuer der Hingabe, die unbeugsame Kraft des sittlichen Wolüens eben mit den technischen Mitteln des über die Erde reichenden schriftlichen und mündlichen Wortes• in alle Herzen und Hütten zu tragen.- ״Compagnie generale Transadantlque“. Französische Unle, Wien, IV. Wiedner Gürtel 24. Nächste Abfahrten nach New York ab Havre: 18. August Lafayette, 21. August Chicago. 25. August La Savoje, 28. August Rochainbeau, 30. August Suff reu; nach Südamerika ab Hamburg, Bordeaux, Marseiile tmd Genua: 1930 ״29 ״25 ״22 ,.20 ״. August.» SCHEITELN, PERÜCKEN u. Transformationen in feinster u. modernster Ausführung! 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Einer unserer Mitarbeiter batte Gelegenheit gehabt, bevor er noch die Bürde und Würde des Präsidiums übernahm, ausführlich über alle Angelegenheiten zu •sprechen. Vor allem interessierte ihn die Stellungnahme Obecrabblners Zirelsolms zur Frage des Rabbinischen Rates, der während der ersten Kenessio Gedaulo gebildet werden soll. Oberrabbiner Zireisohn ist der Ansicht, dass der Rabbinische Rat nicht als ein Organ aufzufassen sei, das mit einer äusseren Machtfülle ausgestattet werden soll. Wir haben heute nicht das Recht, uns jemandem anfzuzwingen. Dies wäre noch überdies ein Fehler. Er habe gleich nach dem zweiten Zionistenkongress in ״Hamizpe“ einen Aufsatz veröffentlicht, in dem er nachgewiesen hat, dass der Zionismus unmöglich die breiten Schichten des jüdischen Volkes für sich gewinnen kann, ohne auf dieselben zersetzend zu wirken. Der willige Gehorsam der Thora hat aus Israel ein Volk gemacht, und all jene Bewegungen, die die Thora ausserachtlasscn, sind nicht volkstümlich im ernsten Sinne dieses Wortes. Daher, bedarf die Moezes. Gedaulo Hathora, das nun Agudas Jisroel geschaffen hat, keiner anderen Mittel, als der inneren Kraft, die die Körperschaft mit der höchsten Autorität ausgestalten wird. Ein Rabbinischer Ra*ist bei uns Juden ein natürlieh es und ein volkstümliches Organ. Dann erzählte Herr Oberrabbiner Zireisohn, auf die Erörterung der inneren Probleme der rumänisehen Judenheit übergehend, wie schwer die sabb a t h a 11 e 11 d e 11 Juden von einem Erlasse der jetzigen liberalen Regierung getroffen wurden, nach welchem die vollkommene Sonntagsruhe nicht mir für offene Geschäfte,- sondern auch für die inneren Werkstätten verfügt wurde. Er hat gegen diese Verftigung in Eingaben und Petitionen Einspruch erhoben mit dem Erfolg, dass die Verhängung der allgemeinen Sonntagsruhe für die Werkstätten aufgehoben wurde. Da die Existenz der Judenheit mit der Schabbosfragc so innig zusammenhängt, will Qberrabbiner Zireisohn seine Bemühungen, weitere Erleichterungen zu erreichen, fortsetzen. Noch schwerer als die Frage der allgemeinen Sonntagsruhe treffen die Schulv e r o r d n 1111 g c n der Regierung die jüdische Bevölkcrung Rumäniens. Die Einführung des Schul- Zwanges, ferner das Verbot, an Sonntagen in Privatschulen zu unterrichten, drohte der jüdischen Ausbildung der Jugend, mit der es in Bessarabien überhaupt sehr schwach bestellt ist, de?*» vollkommene Untergang. Aber auch in der Bukowina und in Siebenbürgeu würde die Verfügung verheerende Folgen nach sich gezogen haben. Oberrabbiner Zirelsolm hat in richtiger Einschätzung dieser Gefahr kein Mittel unversucht gelassen. Er hat im Parlament, dessen Mitglied er ist, in einer glänzenden und eindrucks- , vollen Rede gegen die Vernichtung der jüdischen Schule protestiert. Der Bildungsminister Angelesk u, der hierauf Oberrabbiner Zireisohn eingeladcn hat, ihn in seiner Sommervilla zu besuchen, hat in Hingerer Privataudienz die jüdischen Scliulfragen mit ihm eingehend erörtert, er selbst hat die Grundsätze aufs Papier gebracht, die er'nun in der künftigen Schulpolitik der Regierung vertreten will. Nach den Meldungen der rumänischen Presse hat sich auch der Ministerrat mit dieser Frage beschäftigt und es deutet alles darauf hin, dass es der Energie und U11erschrockenheit Oberrabbiners Zireisohn gelingen wird, die sewere Gefahr von den jüdischen Schulen Rumäniens abzuwenden. Er selbst begnügt sich selbstverständlich nicht damit, die zerstörenden Ein- Wirkungen zu paralisieren, er arbeitet auch positiv durch Gründung von Schulen und Taknud-Thoras für die Hebung und Verbreitung jüdischen Wissens. Ja selbst eine J e s c 11 i w a, die einzige in Bessarabien, hat er in Kischinew gegründet, derefi Schülerzahl sich ungefähr auf 100 beläuft. Oberrabbiiier Zirelsolm arbeitet nicht nur als Parlamentarier uml Förderer des T110 r a w i s s e 11 s. Auch auf dem Gebiete der praktischen Arbeit und s o z i a 1 e r Fürsorge steht er an der Spitze seiner Gemeindemitglleder* Dass er nebst dieser Tätigkeit Zeit findet, nicht nur Thora zu lernen und zu lehren, sondern auch g e 1 e h r t e W e r k e zu veröffentlichen, . ist geradezu ein Rätsel. Seine R e s p 0 ns e n sind Perlen in ihrer Art, sie umfassen und beleuchten aus halachischem Standpunkte die ganze Fülle des modernen Lebens, Seinem Werke ״Gewul Jehuda“, das bereits in zweiter Auflage erschienen ist, Hess der gelehrte Verfasser nun ein zweite:, ..Aze Halwonau“ folgen. Diese Schilden•! ־ ht selbstverständlich äusserst lückenhaft. Es Bi uuer keine leichte Aufgabe, die Fülle der Gedanken und Eindrücke zu übergeben, die man nach einem Gespräch mit Oberrabbiner Zirelsohn gewinnt. Leset and virbreiiet die ״Jädiscfte Presst"! Die bewährte Taktik. Einer unserer Mitarbeiter hatte Geiegenhe* ge nommen, die anlässlich der Kenessio Gedaulo hie weilenden Führer der slowakischen Orthodoxie, die ehrwürdigen Herren Oberrabbiner Weber, Präsiden der orthodoxen Landeskanzlei für die Slowakei un(״ für Podkarpatsko Russ, und Oberrabbiner Hirschler Vizepräsident der genannten Kanzlei, über die geget* diese Herren in der ״Wiener Morgenzeitung״ untei besonders grosser Aufmachung geführten unflätigen Angriffe zu interviewen. Auf die Frage unseres Mit• Arbeiters, was die ehrwürdigen Herren zu den Be־» schuldigungen des Prager Oberrabbiners meritorisch zu erwidern hätten, antworteten die Herren: Wir haben im allgemeinen den Ausführungen des Herrn Moriss Engelmann, der als Kassenverwalter des ame* rikanischen Jewish Relief Committee die kompeten• leste Stelle zur Beurteilung solcher Angriffe ist, elgentlieh nichts hinzuzufügen. Wir haben nur zu bemer• ken, dass die O r I g i n a 1 q u i 11 u n g e n über jeden Heller der amerikanischen Gelder in unserem BürG in Bratislava für jeden Interessenten zur Einsicht־ nähme aufliegen. Die nach Amerika eingesandten Quittungen haben dort infolge ihres pünktlichen Ein• langens und ihrer exakten Verrechnung so angenehm Überrascht, dass uns in einem Briefe aus Amerika wörtlich geschrieben wurde, ״es reizt die Spende! zum neuen Geben״, wenn man sieht, wie genau und pünktlich die zweckentsprechend verwendeten Gelder auf einen Cent verrechnet werden״. Dass einzelne Gemeinden einmal ihre Spenden mit ungarischen, einmal mit tschechischen oder deutschen Namen ihres Ortes bestätigten, ist wohl nicht die Schuld der Verteiler. Dass Herr Dr. Brody in seiner niedrigen Art hieraus einen Angriff konstruiert, kennzeichne! ihn selbst am besten. S3SSS3 Vom Tage SSKSSi Vor der Eröffnung* Momentaufnahmen. 2 Uhr nachmittags: Bunte Wimpel griissen von der Ferne. Die Fahrten aller Nationen sind vertreten. Eine grosse neugierige M!mschenmasse vor dem Kongressgebäudc. Vor der Kassa für Eintrittskarten' trotz der Gluthitze eine feste Mauer von Wartenden. Es sitnd Gerüchte im Umlaufe, dass die Eintrittskarten ausverkahft sfrd. Schleichhändler wagen sich langsam hervor . . . Im Gebäude selbst ein ungeheuerer Trubel. Die Ankumt Hunderter von Delegierten gibt Arbeit, die kaum׳ zu bewältigen ist. Doch ist die Abwicklung der Empfangsformalitäten rasch und der Bind nick des Gesamten günstig. Ein wenig zu laut arbeitet die Maschine, aber es klappt. Besonders die kleinen und jüngsten Rüderclieu des Werkes laufen zu laut. Man müsste sie im Laufe der Tagung etwas ölen. Ich erfahre, dass zirka 500 Delegierte bereits angelangt sind. Der Ansturm auf dfe Kassen beginnt gefälirliehe Dimensionen anzunebmen. Polizei sohafft Ordnung. Die Verkaufsstellen vor decn Eingang stören ein wenig das Bild. Aber man musste den Leuten Gelegenheit geben, sich Erfrischungen zu verschaffen. In den Zimmern der einzelnen Landsmannschaften lautes, •hitziges Wortgefecht. Die Präludien der grossen Redeschlachten ... 3 Uiir nachmittags:■ Zwei ehrwürdige Gestalten steigen aus einem Auto aus. Ein Raunen geht durch die *Menge. Zwei weltbekannte Rabbi!lischt: Autoritäten . . י Sonderbare Wirkungen üben diese Männer aus. Die; achtungerweckenden Gestalten aus fernen östlichen Ländern lassen das Bild des alten, traditionellen'und leider, entschwundenen jüdischen Lebens erstehen ... Ein älterer Delegierter bittet um eine Auskunft, Sic wird erteilt. Der Delegierte lässt sich vom Stchgreif in ein Gcspräoh ein. Wir Westler können gar picht dl« Schranken der üblichen Konvention so leicht ausser Acht lassen. Doch liest man auf den Gesichtern dieser Männer eine Freundlichkeit und Herzlichkeit, die das Wort: Brüder, nicht als leere Atrappe der Feierlichkeit erscheinen lässt. Es sind wirkliche Brüder, die hier zusammenkommen ... 4 Uhr nachmittags: Eine Stunde vor der Eröffnung. Der Andrang wird bereits gefährlich. Wagen au! Wagen, Auto auf Auto bringen die eben mit der Bahn in Wien eingelangten Delegierten und Gäste . . . Der riesengrosse Saal scheint zu klein zu sein. Die Stimmung im Hause steigert sich bis zum Sie<fcpunkte. Auf einmal geht ein Ruck durch die festgestaute Menge vor dem Eingänge. Das Auto des ersten diplo-fc manschen Vertreters ist eben angelangt. Fast ‘sämtliche in Wien weilenden Korrespondenten ׳ausländischer Zeitungen sind bereits im Hause. Alle Wiener Zeitungen haben Berichterstatter entsendet. Die Anzahl der ei ״gelangten Delegierten und Gäste sowie der Zuschauer übersteigt alle Erwartungen. Der Saal Ist eine Stunde vor der Eröffnung gesteckt voll ... 5 Uhr nachmittags: Der Rabbinische Rat ist bereits versammelt. Das Präsidium betritt die Tribüne. K. A .VAA.A.A A.<» A.AA.«-. 4AA AAA41 A.A A * * * Die כשף Restauration Mayersohn Wien, II. Taborstrasse 24ü, die während der Tagung der Kenessio Gedaulo einen Restaurationsbetrieb auch im Kongressgebäude hat. ist aufs eifrigste bestrebt, allen Wünschen der Delogierten und Gäste n־achzukom!t1en und 11a׳t für solche Gäste, die Speisen mit Gänseschmalz nicht geniessen, eine eigene Küche eingerichtet, wo Parwe פארווח gekocht wird. Brautausstattungen Billigste EiokautHCjuellö in Leinen- und Damastwareni, Chiffon•, sowie m Taschen- und Tischtüchern etc. Leopold Lederer atfage 5 (nächst Salzgries), Telephon 65-8-71